Fahrertraining Nürburgring Motorrad: Erfahrungen und Perspektiven

Der Nürburgring, mit seiner legendären Nordschleife, ist ein Mythos für jeden Motorsportfan. Die „Grüne Hölle” lockt mit 20,832 Kilometern, 73 Kurven, Steigungen von 18 Prozent und Gefällen von 11 Prozent. Die Nürburgring Touristfahrten sind eine beliebte Attraktion für jedermann. Jeder mit seinem eigenen Fahrzeug kann während der Öffnungszeiten eine Runde auf dem Grand-Prix-Kurs und der Nordschleife drehen.

Die Nürburgring hat ihr Angebot für Motorradfahrer neu strukturiert. Die wichtigste Änderung ist, dass Motorräder und Autos nicht mehr gleichzeitig auf den Strecken unterwegs sein werden. “Die Sicherheit aller Teilnehmer hat für uns oberste Priorität”, erklärt Nürburgring-Geschäftsführer Ingo Böder und weist auf eine entscheidende Erkenntnis in diesem Zusammenhang hin: ”Wir haben uns die Situation der gleichzeitigen Teilnahme von Autos und Motorrädern an touristischen Fahrten sehr genau angesehen.” Die Analyse ergab, dass “die unterschiedliche Fahrdynamik zu Missverständnissen zwischen Zwei- und Vierradfahrern führen kann”, so Böder. “In diesem Fall sind Motorradfahrer besonders gefährdet, da sie im Gegensatz zu Autofahrern keine Knautschzone haben.

Training mit geführtem Fahren für Motorradfahrer auf der Nordschleife

Der Umstrukturierungsplan sieht verschiedene Optionen für die Nordschleife und den Grand-Prix-Kurs vor. Motorradfahrer können die 21 Kilometer lange Nordschleife künftig nur noch unter Aufsicht von ausgebildeten Guides im Rahmen von Trainings und Kursen erleben. Für Motorradfahrer werden im Jahr 2025 vier ganztägige Sitzungen angeboten. Das Motorrad Action Team (30.-31. Juli) und das ADAC Doc-Scholl Fahrer-Training (13.-14. August) veranstalten jeweils ganztägige Trainingsformate für Zweiräder. Die Unterteilung in verschiedene Gruppen macht das Angebot sowohl für Anfänger als auch für sehr erfahrene Nordschleifen-Kenner geeignet.

Grand-Prix-Kurs: exklusive Motorrad-Stints und ein breites Angebot an Trainingskursen

Motorradfahrer können weiterhin an touristischen Fahrten auf dem Grand-Prix-Kurs teilnehmen. Auf der deutlich weitläufigeren Strecke profitieren Biker von exklusiven Stints während der Öffnungszeiten. Diese können flexibel an das tägliche Volumen an Zweirädern angepasst und auf der 5,1 Kilometer langen Strecke problemlos umgesetzt werden. Die exklusiven Stints für Zweiräder sollen dank der einheitlichen Fahrlinien ein hohes Maß an Fahrkomfort und erhöhte Sicherheit für Biker bieten. Nach aktueller Planung wird der Grand-Prix-Kurs im Jahr 2025 insgesamt 38 Mal geöffnet sein. Darüber hinaus finden hier auch Motorradtrainings und Trackdays statt.

Motorradfahrer, die bereits eine Saisonkarte oder ein Guthaben für die touristischen Fahrten besitzen, können diese weiterhin für das Angebot auf dem Grand-Prix-Kurs nutzen. Zukünftig kann das persönliche Guthaben für die Nordschleife nur noch genutzt werden, wenn der Fahrer mit einem Auto an den touristischen Fahrten teilnimmt. Alternativ bietet der Nürburgring die Möglichkeit, Saisonkarten oder Guthaben problemlos zurückzugeben.

Erfahrungen auf der Nordschleife

Einige persönliche Erfahrungen schildern den Reiz und die Herausforderungen der Nordschleife:

Ich hatte mir mit meiner Honda CBR 600 RR einen Traum erfüllt: Schon immer wollte ich einen Supersportler mein Eigen nennen. Angekommen am „Dorinth” Hotel, welches sich direkt an der Grand Prix Strecke befindet, empfing ich meinen Zimmerschlüssel und spürte die stetig steigende Nervosität. Nachdem ich das Zimmer bezogen hatte, ging es gegen 12 Uhr wieder ins Foyer, denn dort war die Anmeldung für das Training auf der Nordschleife. Gegen Unterschrift bekam ich einen Transponder und meine Startnummer. Die „16” sollte meine erste Startnummer und meine Glückszahl werden.

Im Anschluss an die Anmeldung ging es zur ersten Fahrerbesprechung. Der Ablauf des Tages wurde dort besprochen und die einzelnen Gruppenmitglieder bekamen die Gelegenheit sich vorzustellen. Dabei wurde schnell klar, dass sehr viele verschiedene Motorradfahrtypen aufeinander trafen und unterschiedliche Ziele im Raum standen. Da war er dann, der besondere Moment, der aus einer Straßenmaschine eine Rennmaschine macht. Ich nahm meine Eins und positionierte sie etwas links auf der Verkleidungsscheibe und dann die Sechs, etwas weiter rechts daneben. Dann ging es auch endlich los!

Zunächst wurden ein paar Aufwärmübungen gemacht. Wer schon mal bei einem Sicherheitstraining war, der kennt diese gymnastischen Übungen auf dem Motorrad. Sehr schön war dabei für mich zu erkennen, dass mein Motorrad und ich stärkeres Vertrauen zueinander fanden. Unsere Gruppe fuhr geschlossen zur Döt­tinger Höhe, die neue Einfahrt der Nordschleife. Dort waren bereits einige andere Gruppen zu finden, die schon ihre ersten Runden drehten. Ich verspürte leichtes Kribbeln im Bauch, wie bei einem ersten Date.

Unsere Gruppe wurde noch einmal geteilt und jeweils sechs bis acht Fahrer einem Instruktor zugeordnet. Wir haben uns eingeordnet und rollten auf die Zufahrt zu. Dann gab es ein Handzeichen vom Streckenposten. Erster, zweiter, dritter, vierter Gang. Okay, jetzt hieß es dran bleiben. Das erste Mal auf der Rennstrecke ist schon Adrenalin pur. Nichtsdestotrotz wollte ich mir die legendäre Strecke erst einmal anschauen und erfahren im doppelten Sinne.

Vom Einprägen des Rundkurses kann man bei 73 Kurven und vor allem bei der ersten Fahrt nicht sprechen. Von der Döttinger Höhe aus geht es durch den Tiergarten zur ersten kleinen Schikane, der Hohenrein. Der 4. Gang ist gut für die erste Besichtigungsrunde, ich muss die ganze Runde nicht ein Mal schalten. Weiter geht es über die Kurvenkombination am Hatzenbach rüber zum Flugplatz. Ein leichtes Grinsen setzt unter meinem Helm ein.

Vertrauensvoll zieht man hinter dem Instruktor her und fährt auch auf der linken Seite der Fahrbahn. Schließlich ist die Nordschleife die längste Einbahnstraße Deutschlands. Mein Tacho zeigte inzwischen entspannte 140 km/h. Damit habe ich nicht gerechnet, die Nordschleife ist ja eine ständige Berg- und Talfahrt! Es hatte was und ich sollte es später noch besser spüren.

Dort sind in einer Steilkurve lauter Betonplatten. Na, mal sehen wie wir da durchfahren. Okay, einfach rein da und mittig der Platten bleiben. Ich spüre eine ungewöhnliche zwanghafte Schräglage und immer wieder dieses Humpeln der einzelnen Betonplatten. Darum ist das hier auch eine Fahrwerksteststrecke, in diesem Moment habe ich etwas Mitleid mit meiner kleinen Honda.

Der Schwalbenschwanz ist nicht so unruhig wie das Karussell. Das war sie also, meine erste Runde „Grüne Hölle”. Sie war sehr viel versprechend, sie fühlte sich an wie eine freie Landstraße mit Curbs und ohne Gegenverkehr. Das gefällt uns doch, dachte ich mir und ich konnte kaum die folgenden und immer schneller werdenden Runden erwarten.

Wir starteten gleich in die Vollen, raus auf die Döttinger Höhe: 130, 140 km/h, abbremsen, runterschalten durch die Kurven bei der Hohenrain. Die Augen waren immer wieder auf das Motorrad des Instruktors gerichtet. Der wird schon wissen was er tut. Es geht rechts durch den Aremberg und wieder beschleunigen. Die Fuchsröhre lese ich.

Es geht durch eine Senke, sie drückt mich und mein Bike Richtung Boden, eine Kompression, die man bis in den Magen spürt. Keine Zeit zum Denken, ich sehe nur noch Bremslichter. Also Anker werfen und das richtig. Oh je, ich sehe die Kurve nicht, okay er fährt sie links an, also muss es gleich nach rechts gehen und dem war auch so.

Ich war schneller als beim ersten Mal, es rappelte weniger im Fahrwerk, aber ich war schräger. Jetzt hieß es noch einmal Gas geben und den Moment nutzte ich, um zu realisieren, wie viel Spaß es macht. Ich lobte mein Motorrad mit einem zärtlichen Klopfen auf der Verkleidung. Endlich bekommt sie Auslauf und es macht einfach nur Spaß.

Die folgenden Runden verliefen ähnlich und jede ein wenig schneller und damit immer etwas intensiver. Dazwischen gab es immer wieder Pausen, da die Konzentration merklich nachließ. Man hatte an einigen Stellen dann das Gefühl die Kurven zu kennen und konnte dementsprechend tiefer und schneller durch fahren. Aber auch am Ende von diesem Tag konnte ich sagen: Alle Kurven kenne ich bei weitem noch nicht, geschweige denn weiß ich, wie man sie richtig anfährt.

Am nächsten Tag ging es wieder nach Hause, meine Sportlerin wurde mit ihren Satteltaschen wieder zum Touringbike und brachte mich wohlbehütet in die Heimat. Auf dem Weg dorthin bin ich mit einem sehr sicheren Gefühl nach Hause gefahren.

Man kann dort schneller fahren, hat keinen Gegenverkehr und wenn etwas sein sollte, gibt es viel Auslaufzone. Es reicht völlig aus, für sich zu wissen, dass man schnell fahren kann, dass man das Motorrad tief in die Kurve schieben kann. Darum ist all das auf der Straße völlig überflüssig und unnötig, dort heißt es immer mit Reserven fahren. Wenn man dem Mythos Nordschleife verfällt, hat man dabei sogar einen Sicherheitsgewinn.

Alternativen zum Nordschleife-Training

Es gibt unterschiedliche Meinungen darüber, ob die Nordschleife die ideale Strecke für Fahranfänger ist. Kritiker weisen auf die hohen Geschwindigkeiten und mangelnden Auslaufzonen hin. Als Alternativen werden oft folgende Optionen genannt:

  • Kurventrainings auf anderen Rennstrecken: Hier kann man sich auf die Kurventechnik konzentrieren und hat durch die kürzeren Strecken mehr Wiederholungen.
  • Sicherheitstrainings beim ADAC: Diese bieten eine gute Grundlage für sicheres Fahren und verbessern die Fahrzeugbeherrschung.
  • Trainings auf kleineren, technisch anspruchsvollen Strecken: Hier kann man die Fahrtechnik verbessern, ohne zu hohe Geschwindigkeiten zu erreichen.

Einige Stimmen raten von ADAC-Kurventrainings für geübte Fahrer ab, da die Instruktoren auf den ADAC-Geländen aufgrund fehlender Auslaufzonen nicht schneller fahren dürfen. Als Alternative werden Kurventrainings auf Rennstrecken empfohlen.

Tabelle: Vergleich verschiedener Trainingsarten

Trainingsart Geeignet für Vorteile Nachteile
Nordschleife-Training Erfahrene Fahrer, die die Strecke kennenlernen möchten Einzigartige Erfahrung, Kennenlernen der Strecke unter Anleitung Hohe Kosten, Sicherheitsrisiken, weniger geeignet für Anfänger
Kurventraining auf anderer Rennstrecke Fahrer, die ihre Kurventechnik verbessern möchten Fokus auf Kurventechnik, mehr Wiederholungen, sicherer als Nordschleife Weniger spektakuläre Erfahrung als Nordschleife
ADAC-Sicherheitstraining Anfänger und Wiedereinsteiger Gute Grundlagen für sicheres Fahren, Verbesserung der Fahrzeugbeherrschung Weniger geeignet für erfahrene Fahrer, Fokus auf Sicherheit, nicht auf Geschwindigkeit

Weitere Angebote und Trainingsmöglichkeiten

Neben den genannten Optionen gibt es eine Vielzahl weiterer Anbieter und Trainingsmöglichkeiten für Motorradfahrer. Dazu gehören unter anderem:

  • Offroad-Trainings: Hier kann man das Fahren im Gelände erlernen und seine Fähigkeiten in schwierigem Terrain verbessern.
  • Schräglagentrainings: Diese Trainings helfen, die Angst vor dem Schräglagenfahren zu überwinden und die Grenzen des Motorrads kennenzulernen.
  • Individuelle Coachings: Hier kann man sich von erfahrenen Instruktoren individuell betreuen lassen und gezielt an seinen Schwächen arbeiten.

Es ist wichtig, das passende Training für seine individuellen Bedürfnisse und Fähigkeiten zu wählen. Einsteiger sollten mit einem Sicherheitstraining beginnen, während erfahrene Fahrer ihre Fähigkeiten in speziellen Trainings wie Kurven- oder Schräglagentrainings verbessern können.

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