Die Fahrgestellnummer (VIN, Vehicle Identification Number), hierzulande auch Fahrgestellnummer genannt, ist ein wichtiger Schlüssel zum Verständnis der Historie einer Harley-Davidson. Sie dient nicht nur der Klärung der Eigentumsverhältnisse und der exakten Fahrzeugzuordnung im Ersatzteilhandel, sondern ermöglicht in den USA den Zugang zu nahezu allen Informationen, die jemals zu dem betreffenden Fahrzeug gesammelt wurden.
Die Bedeutung der VIN
Seit 1981, dem Jahr der Einführung der standardisierten 17-stelligen VIN, werden Unfallberichte, Versicherungsabwicklungen, Gerichtsverfahren, Besitzumschreibungen, Kreditsicherungen, Werkstattprotokolle und Berichte von Überwachungsorganisationen der jeweiligen VIN zugeordnet.
Ein solches Interesse sollten momentan besonders die potenziellen Käufer von Gebraucht-Harleys haben, denn der boomende Markt für Milwaukee-Twins, der große Bestand in den Staaten und der immer noch relativ günstige US-Dollar haben einige Glücksritter auf den Plan gerufen, die mit dem Import von Motorrad-Gurken das große Geld machen wollen. Um es kurz zu machen: Es kommt momentan unglaublich viel Schrott nach Europa, insbesondere ins immer noch zahlungskräftige Deutschland. Doch dagegen kann man sich wehren, und dabei kommt die VIN ins Spiel.
Wo findet man die Fahrgestellnummer?
Sie sollte immer leicht auf der Zulassungsbescheinigung des Fahrzeugs (Zulassungsbescheinigung Teil I) und anderen Dokumenten wie der Versicherungspolice oder der Zulassungsbescheinigung des Fahrzeugs (Zulassungsbescheinigung Teil II) zu finden sein. Hier fing Harley an, die Rahmen zu nummerieren, d.h. in den Rahmen wurde oben am Lenkkopf die Zahl eingeschlagen, die sich auch an der rechten Seite des Motorgehäuse findet.
Die VIN (Vehicle Identification number) ist in den Motor eingeschlagen - Fahrgestellnummern am Rahmen gab es noch keine.
Wie funktioniert die Entschlüsselung der VIN?
Das System der VINs hat sich in der Geschichte von Harley-Davidson ein paar Mal deutlich verändert.Hier eine Übersicht über die verschiedenen Epochen:
Frühe Modelle
Die Entschlüsselung ist einfach: die ersten beiden Ziffern zeigen das Baujahr, dann folgen 1, 2 oder 3 Buchstaben für das Modell, danach die laufende Produktionsnummer.
Bei der gab es in den Baujahren 1960-69 eine Besonderheit: war das Baujahr eine ungerade Zahl, so war auch die erste Ziffer bei vierstelligen bzw. die ersten beiden Ziffern bei fünfstelligen Seriennummern ungerade.
Spätere Modelle
Jetzt steht die Typen/Modellbezeichnung ganz vorne, als Kombination aus einer Zahl und einem Buchstaben. Dann folgt die Seriennummer und zum Schluss das Baujahr bzw. die letzte Ziffer des Baujahrs mit einem vorangestellten H - ausser bei 1980, da heisst es J0.
Damit teilen sich die drei VIN Blöcke so auf:
- Typ/Modell
- Seriennummer
- Modelljahr
Moderne VIN (ab 1981)
Harley kann froh sein, dass so ein Fahrgestell genug Platz hat für die neue Form der VIN, die mehr Info-Kürzel enthält als Benzin in einen Peanuttank passt: Herstellungsort, Motorkategorie, geplante Verkaufsregion (wegen abweichender Vorschriften in verschiedenen US-Staaten und weltweit); die Modellreihen nehmen auch zu und werden mit einer Zweier-Buchstabenkombi codiert. Eine umfangreiche Erklärung der 17-stelligen VIN findet sich hier.
Der prinzipielle Aufbau der FIN für Europa wird in 76/114/EWG geregelt. Früher wies die FIN oft weniger Stellen (z.B. nur 13) auf!
Einige Hersteller ergänzen mittlerweile auch für europäische Fahrzeuge an der neunten Stelle die Prüfziffer nach US-Norm und berechnen dann die Prüfziffer nach EU-Standard. Auch die Typschlüsselnummer (Feld 2.2) ist mit einer Prüfziffer versehen, welche ebenfalls mit dem Modulo 11-Verfahren berechnet wird.
Wie kann man die VIN überprüfen?
Wer die hat, kann sich über Dienstleister einen auf Basis der Daten erstellten „Vehicle History Report“ besorgen. Weltweit größter Anbieter und seit Kurzem mit seiner Europa-Zentrale in München ansässig ist Carfax. Heute wird das elektronisch erledigt, pro (englischsprachigem) Report sind knapp 40 Euro fällig.
Doch es geht auch kostenlos, denn die deutschen Harley-Davidson-Vertragshändler nutzen ihre guten Carfax-Kontakte (und so ganz nebenbei auch das prall gefüllte Harley-Intranet), um potenziellen Gebraucht-Harley-Käufern zu verraten, für was sie ihren sauer verdienten Euro raushauen wollen. Wer schon eine Harley-Davidson hat, darf natürlich auch fragen. Die Informationen gibt’s am Händlertresen nur mündlich, denn mit irgendetwas möchte Carfax auch Geld verdienen. Doch Gurken-Info bleibt Gurken-Info und spart gegebenenfalls viel Geld.
Es gibt verschiedene Online-Dienste, die eine VIN-Überprüfung anbieten:
- Carfax: Bietet detaillierte Fahrzeughistorienberichte, ist jedoch kostenpflichtig.
- autoDNA: Bietet sowohl kostenlose als auch kostenpflichtige Fahrzeughistorienberichte.
- National Insurance Crime Bureau (NICB): Bietet einen kostenlosen VIN-Decoder, um festzustellen, ob ein Fahrzeug als gestohlen gemeldet oder als Schrottfahrzeug ausgewiesen wurde.
- NHTSA VIN Decoder: Ermöglicht die Abfrage einer Fahrzeug-VIN, um wichtige Informationen zu extrahieren.
Worauf sollte man achten?
Viele Händler hoffen ja das der Käufer erst einmal einige Sachen am Bike umbaut. Damit ist die Gewährleistung futsch. Und das wissen die natürlich. Deshalb ist der Gebrauchtmaschinen Verkauf relativ problemlos. Da wird schon mal empfohlen einen Auspuff zu ändern. Klar wegen dem Klang. Den gibt es beim Händler natürlich für kleines Geld.
Die vermeintlichen Schnäppchenpreise, die Motorräder aus den USA oft bieten, sollten keinesfalls den Blick auf die potenziellen Risiken verstellen. Die Importeure möchten möglicherweise schnelles Geld verdienen, und die korrekte Reparatur solcher Unfallmaschinen ist fraglich. Es ist daher äußerst wichtig, vorsichtig zu sein und gründliche Recherchen anzustellen, bevor man sich für den Kauf eines Motorrads aus den USA entscheidet.
US-Importe und "salvage" Titel
Jährlich gelangen Tausende von Autos und Motorrädern aus den Vereinigten Staaten nach Europa, wo sie auf Auktionen mit einem "salvage“ Titel angeboten werden. Fast immer handelt es sich um Fahrzeuge mit Schäden.
Ein "salvage“ Titel wird ausgestellt, wenn ein Fahrzeug aufgrund von Schäden infolge eines Unfalls, Wasserschadens, Feuers oder eines anderen Vorfalls nicht mehr für den Straßenverkehr geeignet ist.
Es ist jedoch äußerst schwierig, die Unfallschäden und die tatsächliche Qualität der Reparaturen beim Kauf zu überprüfen, da Importeure oft darauf aus sind, Kosten zu sparen und schnellstmöglich Gewinn zu erzielen.
Prüfziffernberechnung
Die Prüfzifferberechnung erfolgt in Europa und den USA nach unterschiedlichen Standards. Beide Verfahren berechnen die Prüfziffer nach dem Modulo 11-Verfahren, in Europa werden alle 17 Ziffern der VIN herangezogen, bei dem US-Standard wird die neunte Ziffer (=Prüfziffer) aus den verbleibenden 16 Ziffern der VIN ermittelt.
In einer US-VIN wird damit die Prüfziffer immer mitgeführt, in Deutschland muss man die Zulassungsbescheinigung (Ziffer 3) einsehen, um die Gültigkeit einer VIN zu überprüfen.
Weitere Tipps
- Fragen Sie den Verkäufer nach der VIN und überprüfen Sie diese online.
- Vergleichen Sie die VIN auf dem Fahrzeug mit den Papieren.
- Scheuen Sie sich nicht, einen Fachmann zur Begutachtung hinzuzuziehen.
- Holen Sie einen unabhängigen Fahrzeughistorienbericht ein.
- Achten Sie auf Ungereimtheiten in der Historie.
Indem Sie diese Schritte befolgen, können Sie das Risiko minimieren, eine "Gurke" zu kaufen und sicherstellen, dass Ihre Harley-Davidson Ihren Erwartungen entspricht.
Verwandte Beiträge:
- BMW Motorrad Fahrgestellnummer entschlüsseln: Anleitung & Tipps
- Motorrad Fahrgestellnummer Datenbank: Finde alle Infos zur deiner Maschine!
- BMW Motorrad Datenbank: Fahrgestellnummer & Fahrzeugdaten abrufen
- Ducati Fahrgestellnummer prüfen: So entschlüsselst du dein Motorrad im Handumdrehen!
- Radfahren in Bad Griesbach: Entdecke die schönsten Routen und unvergessliche Erlebnisse im Rottal!
- Fahrradhelm Test: Wer schlägt Victgoal? Stiftung Warentest & ADAC im ultimativen Vergleich!
Kommentar schreiben