Die Fahrradnabe ist ein essenzieller Bestandteil des Radsystems. Sie sorgt dafür, dass deine Räder leichtgängig laufen und allen Belastungen standhalten können. Doch was genau ist eine Fahrradnabe, welche Typen gibt es, und worauf solltest du achten, wenn du eine neue benötigst oder deine vorhandene reparieren möchtest?
Was ist eine Fahrradnabe?
Die Nabe ist das zentrale Element eines Laufrads. Sie befindet sich in der Mitte des Rades, und über sie wird die Bewegung des Fahrrads ermöglicht. Die Nabe verbindet die Speichen mit dem Rahmen und sorgt durch das Kugellager dafür, dass sich das Laufrad reibungslos dreht.
Hinterradnabe
Die Hinterradnabe erfüllt eine zusätzliche Aufgabe, denn sie überträgt die Kraft von der Kette auf das Laufrad. Naben bestehen aus den passenden Achsen, Lagern, den Flanschen (für die Speichenaufnahme) und einer Befestigung am Fahrradrahmen (meist Schnellspanner oder Steckachsen). Eine intakte Nabe ist ausschlaggebend dafür, dass dein Fahrrad sicher und effizient funktioniert. Ein defektes Lager kann beispielsweise zu erhöhtem Widerstand und ungewöhnlichen Geräuschen führen.
Arten von Fahrradnaben
Fahrradnaben gibt es in zahlreichen Varianten, je nach Einsatzzweck und Fahrradtyp:
- Freilaufnaben: Diese Naben ermöglichen es, dass sich das Hinterrad in eine Richtung bewegt, ohne dass der Fahrer ständig treten muss.
- Rücktrittnaben: Mit einer Rücktrittbremse lässt sich durch rückwärtiges Treten bremsen.
- Schaltungsnaben: Schaltungsnaben, wie zum Beispiel die Shimano-Nabenschaltung, beinhalten ein integriertes Getriebe, das dir das Schalten zwischen verschiedenen Gängen ermöglicht.
- Naben mit Scheibenbremsaufnahme: Für moderne Mountainbikes und Gravel-Bikes sind Naben mit einer Aufnahme für Scheibenbremsen unverzichtbar.
- Dynamonaben: Wenn du viel unterwegs bist, sind Nabendynamos eine interessante Option.
Kosten und Reparatur
Die Kosten für eine neue Fahrradnabe können stark variieren, je nach Typ, Marke und Qualität. Zusätzlich zu den Materialkosten können auch die Kosten für den Ausbau der alten und den Einbau einer neuen Nabe hinzukommen.
- Lagerwechsel: Wenn die Lager ausgeschlagen sind, können diese in vielen Fällen ersetzt werden.
- Komplette Nabe wechseln: Wenn der Schaden schwerwiegender ist (zum Beispiel Risse an der Nabe oder beschädigte Flansche), bleibt oft nur der Austausch der gesamten Nabe.
Es gibt eine Vielzahl an renommierten Herstellern, die hochwertige Naben anbieten. Shimano ist einer der größten und bekanntesten Hersteller von Fahrradkomponenten. Die Auswahl und Pflege deiner Nabe hat großen Einfluss auf deine Fahrqualität und den langfristigen Spaß an deinem Fahrrad.
Steckachsen vs. Schnellspanner
Was war die Welt früher einfach: Schnellspannachsen mit fünf Millimetern Achsdurchmesser waren der Standard an Rennrad und MTB. Vorderradnaben waren an allen Rädern 100 Millimeter breit, Hinterradnaben maßen 130 Millimeter am Rennrad und 135 Millimeter am MTB. Seither ist jedoch viel passiert: Am MTB sind die Federwege gewachsen, an vielen Rennrädern kam die Scheibenbremse ins Spiel und statt acht Gängen am Hinterrad sind heute eher zwölf die Regel. Kurz: Die Anforderungen an die Technik wuchsen und der gute, alte Schnellspanner konnte nicht mehr mithalten.
Mit Steckachsen (engl. Thru Axle, kurz: TA) lässt sich aufgrund ihres größeren Durchmessers und des geschlossenen Ausfallendes, in dem sie stecken, eine steifere Verbindung zwischen Laufrad und Rahmen bzw. Gabel herstellen, als das mit Schnellspannern (engl. Quick Release, kurz QR) möglich war. Wobei die meisten Achsen, die wir am modernen Fahrrad verwenden, gar keine Steckachsen im ursprünglichen Wortsinn sind, sondern Schraubachsen, denn sie haben ein Gewinde. Weil wir sie aber zur Montage immer durch das Rad stecken müssen, ist es schon in Ordnung, dass sich der Begriff etabliert hat.
Manche Steckachsen werden mit Werkzeug montiert, manche haben einen Schraubhebel, der entweder fest steht oder aber sich unter leichter Spannung umlegen und sichern lässt.Mit der Einführung der Steckachsen ist jedoch die Zahl der Achsvarianten stark gestiegen. Und auch bei den Nabenmaßen hat sich in den letzten Jahren viel getan. Damit Du den Überblick behältst und weißt, welche Achsen und Naben Du kombinieren kannst, geben wir Dir hier einen Überblick über die gängigen Maße von Naben und Achsen an Mountainbike, Rennrad und Gravelbike.
Früher war’s simpler: Steckachsen mit 5 mm Achsdurchmesser waren der Standard. Schöne neue Welt: Die deutlich steifere Verbindung zwischen Laufrad und Gabel oder Rahmen bilden heute Steckachsen.
Achsdurchmesser am modernen Mountainbike
Am MTB finden sich mittlerweile fast ausschließlich Steckachsen. Dabei hat sich am Vorderrad der Achsdurchmesser 15 Millimeter und am Hinterrad 12 Millimeter etabliert. An älteren Bikes mit viel Federweg wurden vorn teilweise 20-Millimeter-Achsen verbaut. Heute dominieren zwei Achsdurchmesser den Markt, unabhängig ob Boost oder Non-Boost. Viele Naben von Herstellern wie etwa DT Swiss und Hope lassen sich mithilfe verschiedener Achs-Endstücke einfach von Schnellspanner auf Steckachse oder zurück umbauen.
Was ist eigentlich dieses Boost?
Mit dem Boost-Einbaumaß wurde die Nabeneinbaubreite am Vorderrad von 100 auf 110 Millimeter und am Hinterrad von 142 auf 148 Millimeter vergrößert. Das hatte auch mit der wachsenden Verbreitung der größeren 29-Zoll-Laufräder zu tun. Denn der Abstand der Nabenflansche wächst dabei um diese zehn bzw. sechs Millimeter und das Laufrad wird so seitlich stabiler.
Am Hinterrad rückt dabei aber auch der gesamte Antrieb um drei Millimeter nach außen. Darum brauchst Du bei einer Boost-Nabe auch ein Boost-Kettenblatt. Der so gewonnene Platz ermöglicht an der Engstelle Kettenblatt - Kettenstrebe - Reifen mehr Spielraum, etwa für mehr Reifenfreiheit im Rahmen bei gleichbleibender Kettenstrebenlänge. Noch einen Schritt weiter geht der Nabenstandard Superboost Plus am Hinterrad. Die Einbaubreite beträgt hier 157 mm, was einen deutlich breiteren Flanschabstand ermöglicht und somit ein nochmals steiferes Hinterrad. Noch ist Superboost Plus eine Nische. Das Maß wird allerdings aktuell bei Herstellern wie Evil Bikes immer beliebter, weil es hilft, kurze Kettenstreben in Verbindung mit großen 29er-Laufrädern zu realisieren. Trotz der gleichen Einbaubreite ist Superboost Plus nicht identisch mit dem „alten“ Downhill-Maß von 157 Millimetern (157DH).
Achstypen Mountainbike (Nabenbreite)
| Vorderrad (Achsdurchmesser / Einbaubreite) | Hinterrad (Achsdurchmesser / Einbaubreite) | |
|---|---|---|
| Schnellspanner | 5 / 100 mm | 5 / 135 mm |
| Steckachse (klassisch) | 20 / 100 mm | 12 / 142 mm |
| Steckachse (Non-Boost) | 15 / 100 mm | 12 / 142 mm |
| Steckachse (Boost) | 15 / 110 mm | 12 / 148 mm |
| Steckachse (Superboost Plus) | 15 / 110 mm | 12 / 157 mm |
Kompatibilitäten und ihre Grenzen
In einen Rahmen und eine Gabel mit 142er- bzw. 100er-Einbaubreite kannst Du keine Boost-Laufräder einbauen, sie sind schlicht zu breit. Umgekehrt kannst Du allerdings einen Non-Boost-Laufradsatz auf das Boost-Maß bringen: mithilfe zur Nabe passender Adapter wie den MRP Better Boost oder dem Problem Solvers Booster Adapter Kit. So profitierst Du zwar nicht vom Vorteil stabilerer Laufräder, kannst aber vorhandene Laufräder erst mal weiter nutzen. Da Du dabei aber nicht nur die Einbaubreite, sondern auch die Position der Bremsscheiben beachten musst, empfiehlt sich dieser Umbau nur für erfahrene Schrauber.
Aber Achtung: Manche Hersteller schließen eine Umrüstung ihrer Naben auf Boost aus. DT Swiss zum Beispiel weist ausdrücklich darauf hin, dass bei umgerüsteten Naben die Garantie erlischt.
Sonderfall Torque Caps
Um die Steifigkeit der Einheit Vorderrad/Gabel weiter zu erhöhen, hat RockShox die Torque Caps entwickelt: Die Ausfallenden und ihre Gegenstücke an der Nabe besitzen jeweils eine deutlich größere Oberfläche. Die Abstützung erhöht sich. Du kannst eine Nabe ohne Torque Caps in eine Gabel für Torque Caps stecken, aber nicht andersrum. Die gute Nachricht: Für die meisten gängigen Vorderradnaben gibt es einfache Umsteck-Endstücke für den Wechsel.
Einbaubreiten-Evolution am Rennrad
Auch am Rennrad und an seinen Vettern, den Gravel- und Cyclocross-Bikes, hat mittlerweile die Scheibenbremse Einzug gehalten - und mit ihr die Steckachse. Nur noch extrem leichte oder eher günstige Neuräder kommen mit Felgenbremse, Schnellspanner und traditionellen Einbaubreiten. Während bei den ersten Gravel-Bikes noch die beim MTB üblichen Achsmaße (15/100 und 12/142 mm) genutzt wurden, hat sich bei Road- und Gravel-Laufrädern mittlerweile die Zwölf-Millimeter-Achse auch am Vorderrad durchgesetzt.
Die Einbaubreiten entsprechen weitgehend dem Non-Boost-Maß, also vorn 100 Millimeter und 142 Millimeter hinten. Die stabilere Verbindung zwischen Laufrädern und Gabel bzw. Rahmen ist nicht nur für die Scheibenbremse nötig, sondern bietet auch die notwendige Steifigkeit für das meist ungefederte Fahren abseits der Straßen und die höhere Zuladung der Räder mit Bikepacking-Equipment.
In diesem Licht ist auch die jüngste Entwicklung namens „Road Boost“ zu betrachten: Die Zwölf-Millimeter-Achsen vorn und hinten werden mit den Boost-Einbaubreiten kombiniert, wie wir sie vom MTB kennen, also: 12/110 und 12/148 mm. Wie beim Mountainbike zuvor, gewinnen die Laufräder so laterale Steifigkeit und der Rahmen Reifenfreiheit. Die schmalere Achse vorn soll Gewicht und Luftwiderstand verringern. In Serie finden sich diese Achsen auch im stark wachsenden Segment der E-Rennräder.
Achstypen Rennrad (Nabenbreite)
| Vorderrad (Achsdurchmesser / Einbaubreite) | Hinterrad (Achsdurchmesser / Einbaubreite) | |
|---|---|---|
| Schnellspanner | 5 / 100 mm | 5 / 130 mm |
| Steckachse | 12 / 100 mm | 12 / 142 mm |
| Road Boost | 12 / 110 mm | 12 / 148 mm |
Wie finde ich die richtige Achse?
Wenn Du eine Ersatzachse brauchst, Dein Bike in einen Rollentrainer einspannen oder es in puncto Gewicht bzw. Farbe tunen willst, musst Du zunächst die passende Achse finden. Die meisten Steckachsen sind mit ihren Maßen beschriftet, was Dir die Suche erleichtert. Um die Größen selbst zu ermitteln, gehst Du am besten wie folgt vor:
- Erstens misst Du den Durchmesser Deiner Steckachse: Ob dieser 15 oder 12 mm misst, lässt sich recht einfach bestimmen.
- Zweitens brauchst Du nun die Einbaubreite der entsprechenden Nabe.
- Drittens wird bei Hinterradachsen oft die effektive Länge der Steckachse angegeben, die natürlich deutlich über der Einbaubreite liegt. Miss hierfür die Länge der Achse ohne Achsenkopf; also ab dem Kragen, der außen am Rahmen anliegt und hinter dem der Hebel oder der Inbus- oder Torx-Kopf kommt.
- Viertens, und hier wird es meist knifflig, gibt es unterschiedliche Gewinde an den Steckachsen. Denn die Achse muss immer zu ihrem Gegenstück, der „Mutter“ in Rahmen oder Gabel passen, weshalb eine Steckachse auch immer zum Lieferumfang von Rahmen oder Gabel gehört.
Relativ einfach ist die Entscheidung bei Federgabeln: Über die Angabe des Herstellers und Boost oder Non-Boost kommst Du recht schnell zum Ziel. Bei Hinterradachsen musst Du eventuell die Gewindesteigung ermitteln. M12x1,0, M12x1,5 oder M12x1,75 sind die gängigen Maße - hierfür druckst Du Dir am besten eine Schablone aus, wie sie etwa bei Robert Axle Project erhältlich ist. Dasselbe Vorgehen ist übrigens ratsam, wenn Du einen Adapter für die Montage eines Anhängers brauchst. Hierfür haben wir die Achsenadapter von Robert Axle Project im Programm, die jede erdenkliche Kombination ermöglichen.
Achte aber unbedingt darauf, ob Dein Rahmen zum Fahren mit Anhänger freigegeben ist! Um zu wissen, welche (Ersatz-) Achse Du brauchst, miss den Durchmesser Deiner Steckachse. Bei Hinterradachsen brauchst Du die effektive Länge der Achse, die natürlich über der Einbaubreite Deiner Nabe liegt. Miss die Länge Deiner Achse ohne den Achskopf. Und Du benötigst die Gewindesteigung Deiner Steckachse. Sehr hilfreich ist dabei der Achsfinder von The Robert Axle Project, den Du auch bei uns herunterladen kannst.
Exoten und Sonderformen
Die in diesem Text genannten Einbaumaße sind nur die gängigsten Varianten an Mountainbikes, Gravel- und Rennrädern. Es gibt noch eine Fülle weiterer Einbaumaße. An Falträdern finden sich zum Beispiel extra-schmale Vorderradnaben (z. B. Brompton: 74 mm), Bahnräder haben mit 120 Millimetern extra-schmale Hinterradnaben, Tandems sind am Hinterrad extra-breit gebaut (145 oder 160 mm) und Fatbikes können am Vorderrad das Hinterradmaß 135 Millimeter aufweisen oder am Hinterrad Einbaubreiten von 170, 177, 190 oder 197 Millimeter benötigen.
Bevor Du etwas Falsches kaufst oder Bauteile beim Montieren nicht passender Achsen beschädigst, miss lieber zweimal nach oder melde Dich bei uns im Service. Wir helfen Dir gern bei Deiner Suche nach den richtigen Parts für Dein Bike!
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