Blogschreiber Andreas Mandalka, bekannt als "Natenom", kämpfte jahrelang für mehr Sicherheit für Radfahrer. Der Rad-Aktivist rüstete sein Bike mit Abstandshaltern aus und zeigte rücksichtsloses Verhalten von Autofahrern an. Dann starb er bei einem Unfall.
"Macht Dinge und hat Freude daran." So beschrieb er sich selbst, so stellte er sich in seinem Blog vor: Andreas Mandalka, 43 Jahre alt, Künstlername "Natenom" aus dem Pforzheimer Stadtteil Hohenwart, hatte Freude insbesondere an der Natur. Er malte, zeichnete, und er fotografierte, was ihm auf seinen Radtouren rund um Pforzheim auffiel: Eiskristalle, eine einzelne Blüte in einer Winterlandschaft, ein Regenbogen, der Sternenhimmel über seiner Heimat. "Hab ich so noch nie gesehen", schrieb er fasziniert darunter. Sein Markenzeichen war ein Elefant, das Logo seines Blogs. Täglich fuhr er bis zu 80 Kilometer mit seinem Rad. Wenn er Müll am Wegrand sah, sammelte er ihn ein. Entdeckte er eine gefährliche Stelle auf der Straße, informierte er die Polizei.
"Natenom" war bei den Behörden bekannt, weil er auch Autofahrer anzeigte, die beim Überholen den Mindestabstand missachteten. Die Unfallstelle zwischen Neuhausen und Schellbronn bei Pforzheim. Hier kam es am 30. Januar zu dem tragischen Unfall. Radfahren sei kein Hobby, sondern "sein Beruf und seine Berufung" gewesen, sagen Mitstreiter. Mandalka übte, wie viele Menschen mit einer Mission, eine magnetische Wirkung auf seine Umgebung aus. Die einen, vor allem passionierte Radfahrer, die ihn für sein Engagement schätzten, zog er an, andere stieß er ab. Dabei beanspruchte er nur, was ihm rechtlich zustand. Mandalka fuhr nicht am Rand, sondern in der Mitte der Fahrbahn.
Die anderen, das waren Autofahrer, die hupten, schimpften, ihn schnitten, ihn nach dem Überholen mit Scheibenwischwasser bespritzten. Er filmte Autofahrer, stellte sie zur Rede, wurde einmal aus einem Auto heraus bespuckt. Anfang 2021, so berichtete er auf seinem Blog, sei er von zwei Motorradfahrern angegriffen worden.
"Es reicht die reine Existenz als Radfahrer auf der Straße", sagte Ansgar Hegerfeld, 31, verkehrspolitischer Sprecher des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) in Frankfurt. Der Kampf um die Straße ist härter geworden. Der wird nicht nur in der Stadt, sondern auch auf Landstraßen ausgetragen. Gut ausgebaute Straßen sind für Radfahrer attraktiver als holprige Radwege. Auf Landstraßen würden sie aber von Autofahrern bedrängt, die die Straße für sich allein beanspruchten. "Auf der Landstraße fühle ich mich wie in der Mitte eines Zielfernrohrs", sagt Martin Mäschke vom Pforzheimer ADFC. "Die Zündschnur ist kürzer geworden", sagt Ansgar Hegerfeld. Das habe auch sein Rad-Kollege Mandalka zu spüren bekommen. Er wollte sich nicht an den Bordstein drängen lassen, kein Verkehrsteilnehmer zweiter Klasse sein. In seiner Heimat machte er sich damit offenbar keine Freunde.
Der "Südkurier" zitiert einen Rentner aus der Nachbargemeinde Schellbronn, wo auch der Unfallverursacher leben soll: "Alle haben ihn gekannt, alle haben ihn gehasst, alle hat er provoziert, alle hat er angezeigt." War er ein sturer Rechthaber? Auf seinem Blog fällt auf, dass sich Mandalka um Differenzierung bemüht: "Die überwiegende Anzahl meiner Kfz-Fahrrad-Kontakte ist einwandfrei," schrieb er. "Mein Eindruck ist eher, dass es eine sehr kleine Gruppe von Autofahrenden gibt, die sehr laut ist und von denen die meiste Aggression ausgeht. Die allerdings wollte er sich vom Leib halten. Mit Abstandshaltern, Ermahnungen, auch mit Anzeigen.
Mandalka hatte sein Mountainbike mit einem sogenannten OpenBike Sensor ausgestattet, der per Ultraschall den Abstand zwischen Rad und überholendem Fahrzeug misst. Bei Polizei, Staatsanwaltschaft und der Bußgeldstelle der Stadt Pforzheim fühlte er sich jedoch nicht ernst genommen. Das städtische Ordnungsamt habe ihm geschrieben, man werde kleinere Fälle, bei denen den Verursachern ein Verwarngeld bis maximal 35 Euro drohe, "generell nicht mehr bearbeiten". Die Stadt Pforzheim sagt dazu auf stern-Anfrage: Anzeigen von Privatpersonen würden grundsätzlich bearbeitet, ob eine Anzeige allerdings verwertet werden kann, hänge vom Einzelfall und vom Beweismaterial ab, ob beispielsweise der Verstoß eindeutig nachgewiesen werden kann oder der Fahrer ermittelbar ist. "Wir weisen zurück, dass unsere Bußgeldstelle eine weitere Bearbeitung generell angelehnt hat." Möglicherweise seien während der Pandemie wegen Personalknappheit Anzeigen unter 35 Euro "vereinzelt" nicht mehr bearbeitet worden.
Mandalkas Fazit lautete schon vor Jahren: Er werde von Behörden als "Störenfried" betrachtet, "der nur Arbeit verursacht und den Verkehr stört." Fast alle Fälle seien von der Staatsanwaltschaft eingestellt worden, weil die Gefahr "zu abstrakt" gewesen sei. Er befestigte Abstandshalter am Rad, anfangs einen Malerpinsel, den er am Straßenrand fand, später einen Metallstab, der 70 Zentimeter über den linksseitigen Lenker hinausragte. Damit sei er fast gar nicht mehr überholt worden, sagte er dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC).
Am Abend des 30. Januar war Mandalka wieder auf seiner Hausstrecke zwischen Neuhausen und Pforzheim unterwegs, auf einer gut ausgebauten Landstraße. Den parallel verlaufenden Radweg nutzte er nicht, weil der voller Schlaglöcher sei, wie er mehrmals gegenüber der Gemeinde Neuhausen kritisiert hatte, die entfernte darauf die Radwege-Schilder. Ein Autofahrer, 77 Jahre alt, fuhr Mandalka mit seinem Citroen-Berlingo, einem Kastenwagen, an. Bilder des Unfallfahrzeugs zeigen die zertrümmerte Windschutzscheibe und eine tiefe Delle auf dem Dach. Mandalka wurde durch den Aufprall so schwer verletzt, dass er noch an der Unfallstelle starb. Auf der Landstraße darf maximal Tempo 100 gefahren werden. Grundsätzlich sei er mit hellem Scheinwerfer gefahren, sagt Ansgar Hegerfeld, Mandalka habe Warnweste und Helm getragen. Der Unfallfahrer soll im Nachbardorf leben.
"Dieser Unfall ist kein Einzelfall, er wird als Unfall abgetan, obwohl er vermeidbar war“" so der ADFC-Sprecher. Am Sonntag um 11 Uhr demonstrierten Radfahrerinnen und Radfahrer in Pforzheim, ein Dutzend Verbände haben dazu aufgerufen, unter anderem Mitglieder von OpenBikeSensor, die ein "systematisches Versagen beim Schutz schwacher Verkehrsteilnehmer:innen" kritisieren. Dass sein Tod für politische Forderungen genutzt werde, sei im Sinne von Andreas Mandalka, sagt Ansgar Hegerfeld dem stern. Keiner wolle ein Held oder Märtyrer sein. Aber es sei durchaus gängig unter Fahrradaktivisten, dass sie sich dazu bereit erklärten, "dass der eigene Tod instrumentalisiert werden darf".
Nach dem Unfalltod des Fahrradaktivisten Andreas Mandalka haben rund 500 Menschen aus ganz Deutschland mehr Sicherheit auf den Straßen gefordert. Andreas Mandalka war ein Radaktivist, der polarisierte. Er selbst fühlte sich von Ermittlungsbehörden oft als "Querulant" abgetan. Für viele Radfahrer war er ein Held, was auch auf der Fahrraddemo in Pforzheim an diesem Sonntag deutlich wird. Aus etlichen Regionen Deutschlands sind Teilnehmer gekommen, auch um noch einmal an Mandalka - in der Szene vor allem als "Natenom" bekannt - zu erinnern. Aus München, Berlin und Stuttgart, sogar aus Kiel. "Rest in Peace Natenom" steht auf einem Schild, "Nichthandeln tötet" auf einem anderen. Ein kleiner grauer Plüschelefant sitzt auf dem Lenker eines weiß lackierten Fahrrads. Es ist das "Ghost Bike", das als Mahnmal an der Stelle abgestellt werden soll, wo Mandalkas Leben ein plötzliches Ende fand. Der Elefant war auch das Symbol, das den Internetblog des verstorbenen Pforzheimer Fahrradaktivisten stets zierte. Und das jeder der rund 500 Demo-Teilnehmer kannte.
Von der Pforzheimer Staatsanwaltschaft führt die Fahrt über Mandalkas letzten Wohnort Hohenwart zur Unfallstelle zwischen Schellbronn und Neuhausen im Enzkreis. Dort war der 43-Jährige Ende Januar auf der Landesstraße von einem Auto erfasst und dabei tödlich verletzt worden. Ausgerechnet auf seiner täglichen Pendelstrecke, auf der er immer wieder auf Gefahren für Radfahrer hingewiesen hatte. "Andreas hat unglaublich viel Anteilnahme erweckt in ganz Deutschland", sagt der Vorsitzende des ADFC Pforzheim-Enzkreis, Martin Mäschke. Einen "Kampf gegen Windmühlen" habe er geführt. Dafür habe er Drohbriefe erhalten, Autofahrer hätten ihm teils Schläge angedroht. Auf seinem Blog und in sozialen Netzwerken wies Mandalka unter dem Namen "Natenom" immer wieder auf Gefahrenstellen im Straßenverkehr hin. Auf Radwege, die nach seiner Ansicht schlecht geplant waren oder sogar ganz fehlten. Er filmte Autos, die ihn in geringem Abstand überholten und zeigte sie bei der Polizei an. Die Ermittlungsbehörden seien dem aber nicht genug nachgegangen, wirft ihnen der ADFC vor, der unter anderem mehr Kontrollen von Überholmanövern und baulich getrennte Radwege fordert. Fast alle Verfahren seien wegen "mangelnden öffentlichen Interesses" eingestellt worden.
Polizei und Staatsanwaltschaft in Pforzheim wollten sich auf SWR-Anfrage nicht zu konkreten Fällen äußern. Man nehme aber grundsätzlich die Anliegen eines jeden Verkehrsteilnehmers ernst. "Hierbei haben wir alle Verkehrsteilnehmer, insbesondere auch Fußgänger und Fahrradfahrer im Blick", so die Pforzheimer Polizei. Die Fahrraddemonstration an diesem Sonntag verläuft laut Polizei insgesamt friedlich und ohne Störungen, verursacht aber teilweise erhebliche Verkehrsbehinderungen. Ein an einer Kreuzung wartender Autofahrer soll sich zwischen die Demo-Teilnehmer gedrängt haben, weshalb eine strafrechtliche Relevanz geprüft werde, so die Polizei. An der Unfallstelle zeigt sich dann auch noch an diesem Sonntag, dass Mandalka mit seinem Einsatz für Radfahrer angeeckt ist. Eine Gruppe von Anwohnern schüttelt mit den Köpfen, als sie die Demo sieht. Ein "Provokateur" sei der Radaktivist gewesen, der Unfall ein Vorfall "mit Ansage". Auf der Landstraße zu fahren, sei sein gutes Recht gewesen, betonen die Demo-Teilnehmer. Schließlich habe Mandalka lange vergeblich dafür gekämpft, dass auf seiner täglichen Strecke ein richtig ausgebauter Fahrradweg entsteht - in gleich guter Verfassung wie die Straße. An der Unfallstelle halten die Demoteilnehmer eine Schweigeminute ab. Immer noch erinnern Kerzen und Blumen an den Tod des Radaktivisten. Unbekannte haben die Gedenkstätte für den getöteten Radaktivisten Andreas Mandalka verwüstet.
Jahrelang kämpfte Andreas Mandalka auf der Straße und im Netz für Sicherheit für Radfahrende. Berlin taz | In seinem vorletzten Eintrag berichtete der Fahrradblogger „Natenom“ von einer Begegnung auf der Landstraße L 574 bei Pforzheim. Dort stand ein älterer Mann mit seinem Auto mitten auf Straße. Es fuhr nicht mehr. Nach einigem Hin und Her sah Natenom ein rot leuchtendes P (für „Parken“) am Lenkrad des Wagens und machte der Fahrer darauf aufmerksam. „Dann machte er etwas mit der rechten Hand, das rote P ging aus, und plötzlich konnte er losfahren.“ Es sei kein gutes Gefühl gewesen, so jemanden weiterfahren zu lassen, schrieb Natenom. Am Dienstagabend war Natenom tot. Er starb auf der Landstraße L 574, überfahren von einem 77-jährigen Autofahrer. „Aus noch unbekannter Ursache kollidierte der Citroen-Fahrer mit dem vorausfahrenden Mountainbikefahrer.
In der Fahrradcommunity herrscht seither Entsetzen. Denn Andreas Mandalka, wie der Verstorbene mit richtigem Namen hieß, hatte sich in der Szene einen Namen gemacht. Eigentlich ist der klar geregelt: „Beim Überholen mit Kraftfahrzeugen von zu Fuß Gehenden, Rad Fahrenden und Elektrokleinstfahrzeug Führenden beträgt der ausreichende Seitenabstand innerorts mindestens 1,5 Meter und außerorts mindestens 2 Meter“, heißt es seit 2020 in Paragraf 5 der Straßenverkehrsordnung. Es sei zwar nur ein kleiner Anteil der Autofahrer:innen, erzählte Mandalka mal in einem Interview mit dem ADFC. Aber diese würden „absichtlich mit wenig Abstand überholen, manchmal mit nur einem Meter, in Extremfällen nur einen halben Meter. Und der Zeit erzählte Mandalka, es gebe drei Gruppen von Autofahrern. Die, die vom Abstandsgebot nichts wissen. Die, die sich beim Abstand völlig verschätzen. Mandalka wollte nicht übersehen werden. Er trug immer eine gelbe Leuchtweste. Auch bei seinem Unfall, wie die Polizei bestätigte.
Um die Autofahrer:innen auf Distanz zu halten, nutzte Natenom zudem immer wieder auch Abstandhalter. Mal eine auf dem Gepäckträger quer liegende Fahnenstange, mal eine Schwimmnudel aus Schaumstoff. Seine Erfahrungen damit waren gut - was ihn selbst betraf. Mit „Nudel“ im Gepäck überholten die Autofahrer:innen mit deutlich größerem Abstand. Um seinen subjektiven Eindruck zu untermauern, hat Natenom die Überholmanöver sogar eigens gemessen. Die deutliche Ausweitung seiner Sicherheit kam bei anderen aber nur mäßig an. Mal werde er nur angehupt, mal bespuckt, berichtete Natenom. Mindestens einmal endete der Streit sogar in einer heftigen Auseinandersetzung mit monatelangen Rechtsfolgen - bis das Verfahren eingestellt wurde. Ein anderes Mal wurde Mandalka von der Polizei gestoppt, weil ein Autofahrer sich über ihn beschwert hatte. Mandalka wehrte sich auch mit Anzeigen gegen gewalttätige Autofahrer:innen und wandte sich mit offenen Briefen an die Politik. Das Echo war meist ernüchternd.
Jetzt ist etwas passiert. „Mit Natenom verliert die Fahrradcommunity ein sehr aktives Mitglied“, schrieb das Team vom Openbikesensor in einem Nachruf. „Eigentlich wollte er, wie viele von uns, einfach nur die Natur genießen und in Ruhe von A nach B kommen“, heißt es auf der Homepage des ADFC Frankfurt. Aber „alleine seine Existenz auf zwei Rädern und sein später auch öffentlich geäußerter Wunsch nach Einhaltung der Gesetze bzw. Auch Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) meldete sich zu Wort. Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Texte, die es nicht allen recht machen und Stimmen, die man woanders nicht hört - immer aus Überzeugung und hier auf taz.de ohne Paywall. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass guter, kritischer Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar.
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Mehr als 300 Menschen haben sich am Sonntag in Pforzheim an einer Gedenkfahrt für Natenom beteiligt. Mit einer stillen Gedenkfahrt am Sonntagmittag in und um Pforzheim haben Hunderte Fahrradfahrerinnen und Fahrradfahrer an Andreas Mandalka erinnert. Mandalka machte sich als Radaktivist unter dem Pseudonym "Natenom" einen Namen. Er starb vor einem Jahr, nachdem ihn ein Autofahrer auf einer Landstraße bei Neuhausen (Enzkreis) erfasst und tödlich verletzt hatte. Im Oktober vergangenen Jahres verurteilte das Pforzheimer Amtsgericht den Unfallverursacher wegen fahrlässiger Tötung zu einer Geldstrafe in Höhe von 150 Tagessätzen. Dagegen legte der Autofahrer zunächst Einspruch ein.
Der Tod von Fahrradaktivist Natenom jährte sich zum ersten Mal. In Pforzheim und Neuhausen gibt es Demonstrationen. Nach Angaben der Polizei nahmen rund 300 Teilnehmende an der Gedenkfahrt teil, die Veranstalter sprachen von etwa 400. Auch Kirstin Heissenberger von der Critical Mass und dem Fancy Women Bike Ride Pforzheim wollte an diesem Tag dabei sein. "Er war ein Teil von uns, deshalb bin ich hier", sagte sie. Frank Hellriegel vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) reiste extra aus Leipzig an, um bei der Gedenkfahrt am Sonntag dabei zu sein. Um Natenom für seine Arbeit zu danken, erklärte er. Wir kämpfen sicherlich alle für ihn weiter. In einer Rede zu Beginn der Gedenkfahrt forderte eine Sprecherin des ADFC Baden-Württemberg vom Land mehr finanzielle Mittel für Radwege. Eine weitere Rednerin sprach vom "Kampf gegen motorisierte Gewalt" und verlangte, dass Radfahrer im Straßenverkehr besser geschützt würden. Organisiert wurde die Veranstaltung vom ADFC Pforzheim-Enzkreis und der Critical Mass Pforzheim.
Andreas Mandalka hat zu Lebzeiten vermieden, dass Bilder von ihm öffentlich gemacht werden. Andreas Mandalka, als Fahrradaktivist und Blogger unter dem Pseudonym Natenom bekannt, ist am Abend des 30. Januars bei einem Verkehrsunfall auf dem Fahrrad ums Leben gekommen. Der Unfallhergang war zum Redaktionsschluss noch Gegenstand polizeilicher Ermittlungen, gesichert ist wohl bereits, dass Mandalka von hinten bei Dunkelheit auf einer Landstraße von einem 77-jährigen Autofahrer angefahren wurde. Er verstarb noch am Unfallort.Die Landstraße, auf der sich der tödliche Unfall unweit seines Wohnortes Neuhausen im Nordschwarzwald ereignete, war regelmäßig Gegenstand von Mandalkas Blog-Beiträgen. Die Situation dort ist exemplarisch für ein zentrales Anliegen des Radaktivisten gewesen. Teilweise verläuft neben der Landstraße ein Radweg, der jedoch aufgrund seines schlechten Zustands nicht mehr benutzungspflichtig ist. Um dem holprigen Belag und Schlaglöchern dort auszuweichen, nutzte Mandalka regelmäßig die Straße.
Bundesweite Bekanntheit erlangte Mandalka unter anderem als Radfahrer mit einer Poolnudel als Abstandhalter auf dem Gepäckträger. In seinem Blog ist nachzulesen, wie er 2019 von der Polizei auf einer Landstraße gestoppt und ihm die Weiterfahrt mit Abstandhalter untersagt wurde. Begründung: Der 1,50 Meter breite Abstandhalter verhindere, dass der Radfahrer auf der Landstraße überholt werden könne.
Als Radaktivist dokumentierte Natenom mit Videoaufnahmen und Open-Bike-Sensor, wenn er von Autofahrenden nicht mit dem vorgeschriebenen Mindestabstand überholt wurde. Besonders gefährliche Überholmanöver brachte er bei der Polizei zur Anzeige, die diese aber offenbar nur widerwillig aufnahm. Sein Blog ist eine Dokumentation, mit welchen hanebüchenen Argumenten Staatsanwaltschaft und Polizei ihre Ermittlungsverfahren bei offenkundiger Gefährdung eines Radfahrenden einstellen. So sei beispielsweise das Überholen eines Pkws mit Dauerhupe lediglich als akustische Ankündigung des Überholvorgangs von der Polizei abgetan worden. An anderer Stelle zitiert Natenom aus einem Schreiben der Staatsanwaltschaft, die ihm angesichts seiner häufigen Anzeigen einen „gewissen Belastungseifer“ unterstellt habe. Bei einer Gedenkveranstaltung für den im Straßenverkehr getöteten Andreas Mandalka sagte einer seiner Mitstreiter: „Er hat für sein Recht die Hilfe der Polizei eingefordert, diese Hilfe aber nur selten erhalten.“
Die Nachricht von Mandalkas Tod hat viele Menschen erschüttert, auch weit über sein persönliches Umfeld hinaus. Menschen, die ihn gut kannten, beschreiben Andreas Mandalka als „engagierte und akribische“ Persönlichkeit. Mandalka sagte einmal, er sei kein Ideologe gegen das Auto, sondern setze sich für eine Gleichberechtigung der Verkehrsteilnehmer ein. Als die „Zeit“ vor fünf Jahren mit Mandalka ein Interview führte, sagte er, „einige Autofahrer meinen, die Straße sei nur für Autos da. Die erwarten von Radfahrern, dass sie mitten durch den Wald fahren“. Mit dieser Ungerechtigkeit wollte sich Mandalka nicht abfinden. Seine konsequente und geradlinige Einstellung war den Behörden wohl vor allem unbequem, in seinem dörflichen Lebensumfeld ist dem Aktivisten durchaus auch Hass entgegengeschlagen. Dieser äußerte sich nicht nur zu seinen Lebzeiten durch vorsätzliche Gefährdungen im Straßenverkehr und gezielte Gewaltaufrufe in sozialen Medien, auch wurde eine Gedenkstätte für Mandalka an der Unfallstelle bereits einen Tag nach deren Einweihung von Unbekannten mutwillig zerstört.
Im zuvor genannten „Zeit“-Interview sagte Mandalka auch: „Es braucht sichere Infrastruktur, am besten geschützte Radwege, die von der Straße abgetrennt sind. Weil dieser Umbau dauert, ist es wichtig, dass die Polizei Fälle wie meine ernst nimmt und Abstandskontrollen durchführt. Sie sollte Kampagnen organisieren, bei denen sie Autofahrer aufklärt, wie viel Abstand sie halten müssen.“ Wäre dieser Appel gehört worden, könnte Andreas Mandalka noch leben.
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