Titanfahrrad: Vor- und Nachteile

Bei der großen Auswahl an verschiedenen Fahrradmarken und -modellen kommen unterschiedliche Materialien zum Einsatz. Jedes davon überzeugt durch spezifische Eigenschaften und seine eigenen Vorteile. Entsprechend eignen sich bestimmte Materialien für bestimmte Anwendungen auch besser als andere. Der Rahmen beim Fahrrad wurde als zentrales Element ursprünglich aus Stahl gefertigt und dominierte den Markt eine lange Zeit. Stahl ist ein robustes und langlebiges Material.

In den 1980er Jahren kam schließlich Aluminium als Alternative zum Stahlrahmen ins Spiel. Grund dafür war in erster Linie das Aufkommen des Mountainbikes. Aluminiumrahmen sind nämlich deutlich leichter und steifer als Fahrradrahmen aus Stahl. Aluminium gilt heute als optimaler Mix aus den anderen Materialien: sportlich und leicht, robust und gerade noch steif genug. Damit eignet sich das Rahmenmaterial bestens für Mountainbikes oder Alltags-Fahrräder.

Noch leichter als Aluminiumrahmen sind Fahrradrahmen aus Carbon. Sie gewährleisten eine ebenso hohe Steifigkeit, wurden um die Jahrtausendwende erschwinglicher und sind heute ganz besonders bei sportlichen Fahrrädern beliebt. Trotz der hohen Steifigkeit, ist Carbon beim Thema Robustheit eher schwach aufgestellt. Stahl, Aluminium und Carbon gelten als die Hauptmaterialien für Fahrradrahmen. Darüber hinaus gibt es aber auch weitere Alternativen wie Holz oder Titan, ideal für spezifische Nischen.

Titan im Detail

Titan ist ein chemisches Element, das zu den Leichtmetallen zählt. Mit einer Dichte von 4,50 Gramm pro Kubikzentimeter ist der Stoff bei Raumtemperatur das schwerste aller Leichtmetalle. Als reine Variation ist das Material selten, sodass der Rohstoff meist aufwändig aus Titaneisenerz oder Rutil gewonnen wird. Dadurch ist Titan als Werkstoff sehr teuer. Bei Rädern macht sich das preislich bemerkbar. Titan hat spezielle Eigenschaften, die den Rohstoff für den Rahmenbau bei Rädern interessant machen.

Das Material ist sehr beständig gegen Temperaturen und Korrosion und weist eine geringe Dichte im Vergleich zu anderen Grundstoffen auf. Titan lässt sich außerdem gut dehnen und bringt weniger Gewicht auf die Waage als beispielsweise Stahl. Bozen, eine Stadt in Norditalien gilt als Geburtsstätte des Titanrahmens. Dort schweißte 1982 ein Techniker den ersten Fahrradrahmen aus Titan zusammen. Kurz darauf gründete er mit Rewel Bikes ein Unternehmen, das in vollständiger Handarbeit bis heute Titanrahmen für Räder herstellt.

Durch seine weiß-metallisch glänzende Optik ist Titan attraktiv als Werkstoff für Fahrradrahmen. Titan-Räder bestehen jedoch nicht hundertprozentig nur aus Titan. Im Fahrradrahmen finden sich geringe Anteile anderer Werkstoffe. Aluminium wird mit drei Prozent und Vanadium mit 2,5 Prozent zugesetzt, um die Festigkeit des Rahmens zu erhöhen.

Vor- und Nachteile von Titanrahmen

Fahrräder mit einem Titanrahmen sind stabil und bieten robusten Schutz vor Beschädigungen. Im Vergleich zum Alu-Rahmen oder Carbon-Rahmen übersteht ein Fahrradrahmen aus Titan einen Sturz meist unbeschadet. Die Oberfläche des Materials ist widerstandsfähig gegenüber Beulen, Rissen oder Kratzern. Zudem korrodiert Titan nicht, selbst wenn Streusalz oder Schweiß daran haften bleiben. Bikes mit einem Rahmen aus Titan bieten Stärken, weisen aber auch einige Schwächen auf. Die Übersicht zeigt, dass die Vorteile eines Titanrahmens überwiegen.

Allerdings sind Titanrahmen generell eher hochpreisig und die Herstellung ist mit einem sehr hohen Energiebedarf verbunden. Was die Steifigkeit angeht, ist Carbon vermutlich die bessere Option. Sie belegt den ersten Platz, gefolgt vom Aluminiumrahmen. Erst dann kommt Titan als Rahmenmaterial. Eine geringere Steifigkeit hat nur der Stahlrahmen. Aber warum ist die Steifigkeit so wichtig?

Bei der Wahl gilt es eine Reihe an Faktoren zu berücksichtigen, darunter Gewicht Steifigkeit und natürlich auch der Preis. Durch das große Angebot an verschiedenen Modellen, ist es schwer sich einen Überblick zu verschaffen. Auf das passende Rahmenmaterial zu achten, bietet Ihnen schon einen ersten Anhaltspunkt. Wie schon gesagt hat die Steifigkeit einen großen Einfluss auf Ihr Fahrverhalten und darauf, wie effizient die Kräfte auf das Fahrrad übertragen werden. Mit einem steifen Rahmenmaterial lässt sich das Rad gut beschleunigen und präzise lenken. Vor allem bei hohen Geschwindigkeiten bleibt dann das Gefährt gut kontrollierbar.

Am besten schneidet hier Carbon ab, gefolgt von Aluminium. Auf dem dritten Platz folgt Titan und Stahl belegt den letzten Platz. Für Rennradfahrer oder andere sportliche Fahrerinnen und Fahrer eignet sich also Carbon am besten als Rahmenmaterial. Das Gewicht spielt zum einen eine wichtige Rolle, wenn Sie das Rad oft tragen müssen, beispielsweise in die Wohnung oder in den Keller. Aber auch auf das Fahren hat das Gewicht einen Einfluss. Nämlich, wenn es bergauf geht oder das Gefährt beschleunigt. Auch hier schneidet Carbon am besten ab. Den zweiten Platz teilen sich Aluminium und Titan. Wer ein begrenztes Budget hat, der ist mit Stahlrahmen am besten bedient. Dieses Rahmenmaterial ist nämlich durchschnittlich am günstigsten. Darauf folgt Aluminium.

Wer ein Rad kauft, der möchte auch möglichst lang etwas davon haben. Insbesondere wenn es sich um ein teures Vehikel gehandelt hat. Da spielt also die Langlebigkeit eine große Rolle. Von Carbon gibt es noch keine Langzeiterfahrungen, allerdings ist das Material nicht gerade widerstandsfähig, sondern ziemlich empfindlich bei Stürzen und Stößen. Aluminium daneben büßt mit der Zeit seine Stabilität ein. Daher verlieren Räder mit diesem Rahmenmaterial schnell an Wert. Am besten sind Sie in diesem Fall mit Carbonrahmen bedient. Denn das Material kennt weder Korrosion noch Ermüdungserscheinungen. Im Gegensatz zu den anderen vorgestellten Materialien.

Auf Platz 2 folgt Titan, welches ebenfalls gegen Korrosion beständig ist. Und das ohne Lackierung, während Stahl nur mit entsprechender Lackierung rostfrei bleibt und entsprechend auf dem letzten Platz landet. Aluminium kommt dazwischen, welches zwar korrodiert, aber nur langsam und oberflächlich. Kaum ein anderes Material ist so widerstandsfähig und langlebig wie Titan.

Rohre aus Titan gibt es mit speziell geformten Wandstärken. Das breite Spektrum erweitert den Einsatzbereich, sodass sich Titanrahmen für jeden Anspruch bauen lassen. In der Praxis verfügen vor allem Rennräder und Mountainbikes über diese Art von Fahrradrahmen. Ausschlaggebend für den Einsatz bei diesen Fahrradtypen sind einmal das leichte Gewicht, die flexible Bauweise und die widerstandsfähige Eigenschaft.

Wer mit einem Titanrahmen liebäugelt, kann sich die Komponente für sein Bike individuell herstellen lassen. Der Rahmen passt dann wie ein maßgeschneiderter Anzug zu den eigenen Körpermaßen. Und er verfügt über ein Design, das einzigartig wäre. Doch selbst ohne Maßanfertigung bleibt ein Titanrahmen nicht günstig. Er kostet mehrere tausend Euro, auch weil es nur wenige Hersteller gibt, die solche Rahmen in Handarbeit produzieren. Trotz überwiegender Vorteile und robuster Merkmale haben es Titanrahmen bisher nicht zur Massenproduktion geschafft.

Titan vs. Stahl: Ein Vergleich

Steel is Real - aber ist Titan noch realer? Die Mountainbike-Bubble kann einem manchmal wie eine umgekehrte Welt vorkommen. Zum Beispiel im Bezug auf verwendete Materialien: So ist Stahl im Alltag allgegenwärtig, unter anderem in Häusern, Autos, Zügen und vielem mehr, Carbon hingegen ist ein seltener High-Tech-Werkstoff. Für viele Mountainbiker ist Carbon jedoch Gang und Gebe, Stahlbikes auf der anderen Seite sind eher rare Custom-Bikes. Noch viel seltener sieht man allerdings Bikes aus Titan - dieses Material kennen die meisten hauptsächlich von teuren Uhren, Schmuck oder OP-Implantaten.

Stahl ist kein Element - also kein Reinstoff. Stattdessen besteht Stahl immer aus einer Zusammensetzung verschiedener Anteile. Der Hauptanteil ist dabei immer der Reinstoff Eisen, es werden aber noch andere Elemente, wie Nickel, Chrom oder Molybdän mit Anteilen von bis zu 20 %, zugemischt. Ebenso kleine Mengen von unter 1 % von Aluminium, Niob, Vanadium oder Titan. Diese Mischung wird dann Legierung genannt. Was in welchen Anteilen zugegeben wird, hängt dabei sehr stark vom Einsatzbereich ab, da sich die Materialeigenschaften dadurch stark verändern lassen.

Titan auf der anderen Seite ist ein Reinstoff, das heißt, es kann mit chemischen Methoden nicht mehr in andere Stoffe zerlegt werden. Mit einer Dichte von 4,5 kg/l ist es gerade noch so ein Leichtmetall, da diese Stoffe leichter als 5 kg/l sein müssen. Damit ist Titan zwar deutlich schwerer als Alu, das lediglich 2,7 kg/l aufweist, aber weitaus leichter als Stahl, das je nach Legierung um die 7,8 kg/l mitbringt. Die Stabilität von Titan ist aber fast mit der von Stahl gleichzusetzen. Ähnlich wie es bei Alu der Fall ist, werden jedoch auch zu Titan weitere Stoffe beigemischt - auch hier kommt wieder Aluminium oder Vanadium zum Einsatz. Die Gewinnung und Verarbeitung von Titan ist jedoch um ein Vielfaches aufwendiger als von Eisen bzw. Stahl, weshalb der Preis dementsprechend deutlich höher ist.

Die ersten Mountainbikes waren eigentlich gar keine solchen. Stattdessen waren es in den 70ern einfach umgebaute Beachcruiser aus Stahl, sogenannte Klunker. Diese Bikes waren schwer und robust und eigneten sich damit am besten dafür, die Schotterstraßen in den Bergen Kaliforniens herunterzubrettern. Erst einige Jahre später wurden Kleinserien gebaut, die speziell als Mountainbikes gedacht waren - und zum ersten Mal auch so genannt wurden.

Das erste Mountainbike war das Specialized Stumpjumper im Jahr 1981: Es besaß keine Federung, hatte generell nur wenig mit den Mountainbikes von heute zu tun und war - natürlich - aus Stahl gefertigt. Zu dieser Zeit war Alu noch ein High-Tech-Material, das hauptsächlich in der Raumfahrt verwendet wurde. Erst Ende der 80er kam von Cannondale das erste Alu-Bike in Großserie auf den Markt. Daraufhin hat sich Alu aufgrund seiner Vorteile als Rahmenmaterial zum Standard etabliert. Denn Aluminium hat einen relativ niedrigen Schmelzpunkt, ist einfach zu verarbeiten und auch kalt gut verformbar.

Viele Jahre später, in den 2010er-Jahren, kamen dann die ersten Carbon-Bikes auf. Carbon wiederum ist ein Verbundwerkstoff aus Kohlefasern, die als Stränge oder in Matten gewebt und dann in einer Form zusammen mit Harz gebacken und dadurch verhärtet werden. Bikes aus diesem Material waren aber zunächst kaum leichter und zudem weniger stabil als die Alu-Varianten. Erst einige Jahre später war die Carbon-Technologie so weit, dass man aus dem Material leichte und vor allem stabile Rahmen herstellen konnte.

Heutzutage ist Carbon nicht mehr aus der Bike-Welt wegzudenken - von City-Bikes über Rennräder bis hin zu MTBs. Fast alle neuen Bikes im Performance-Bereich werden mittlerweile aus Carbon hergestellt, da es den Designern mehr Freiheit bei der Formgebung der Rahmen gibt. Stahl ist heute als MTB-Rahmenmaterial hingegen fast ausgestorben. Wegen des hohen Preises und der aufwendigen Verarbeitung war es noch nie weit verbreitet.

Das Stahl-Switch9er ist seit vielen Jahren im Line-up von Stanton und seit langem unverändert - never change a running system. Zusätzlich gibt es aber nun auch die Titan-Version, die die absolut identische Geometrie aufweist. Die einzigen Unterschiede neben dem Preis sind, dass die Züge beim Switch9er Titanium durch den Rahmen gelegt werden und es dieses Bike nur in klassischem Raw gibt - damit der einzigartige Titan-Glanz auch schön zur Geltung kommt.

Die beiden Hardtails eignen sich perfekt zum Testen der Material-Eigenschaften am Bike, da hier keine Hinterbau-Kinematiken, Dämpfer-Tunes oder Sonstiges Einfluss auf den Fahreindruck haben. Dadurch, dass beide Bikes die gleiche Geometrie haben, ist das erste Fahrgefühl zunächst einmal sehr ähnlich. Auf beiden Varianten sitzt man komfortabel und hat eine aufrechte Fahrposition, bei der nicht zu viel Gewicht auf den Händen lastet.

Startet man bergab auf den Trail, werden diese Unterschiede noch offensichtlicher. Das Switch9er Ti ist spürbar komfortabler und weniger anstrengend zu fahren, da man in roughen Passagen weniger durchgeschüttelt wird. Insgesamt fühlt sich die Titan-Version etwas fehlerverzeihender an, da sich das flexiblere Heck in anspruchsvollen Passagen eher noch durchschlängelt und weniger von Steinen aus der Bahn geworfen wird. Zusammen mit dem knappen Kilo Gewichtsersparnis ist das Titan-Bike eine klare Empfehlung.

Das Standard Switch9er-Enduro-Hardtail von Stanton ist für alle Nostalgiker, die ein Stahlbike haben wollen, das an die Ursprünge des Mountainbikens erinnert. Dafür bekommt man ein direktes Fahrverhalten, das wirklich jedes Watt in Vortrieb umsetzt. Das Switch9er Ti ist hingegen ein Bike für die Individualisten unter den Individualisten und alle, die Bock auf ein exotisches MTB haben, das bereits durch die Materialwahl auffällt.

"Steel is Real” ist eine Nostalgie-Bewegung von Mountainbikern, die durch ihre Rahmenwahl an die Ursprünge des Sports erinnert werden möchten. Titan ist deutlich exquisiter und hat einen komplett anderen Ursprung. Jetzt teilen sich die Materialien jedoch einen ähnlichen Markt von Puristen und Liebhabern. Auf dem Trail bietet das Titan-Bike mehr Komfort und ein fehlerverzeihenderes Verhalten.

Weitere Rahmenmaterialien

Welches ist denn nun DAS perfekte Material für einen Fahrradrahmen? Bei dieser Thematik scheiden sich schon lange die Geister bzw. gilt eben auch hier teils: Geschmäcker sind eben verschieden. Nicht jeder Radfahrer setzt die gleichen Prioritäten für sein Bike. Im Sport dominiert schon Carbon als Material, aber auch Aluminium ist nach wie vor weit verbreitet. Noch dazu gibt es als Nischenprodukte Stahl, Titan und gar Bambus zur Wahl. Carbon ist der umgangssprachliche und bekannte Begriff - hochoffiziell bedeutet CFK: Carbonfaserverstärkter Kunststoff.

Carbon ist das leichteste Material, welches zur Herstellung von Fahrradrahmen genutzt wird. Seit etwa 1990 wurden die ersten Rahmen aus Carbon gefertigt, jedoch waren es eher geringe Mengen. Die großen Vorteile dieses Werkstoffes sind das extrem geringe Gewicht und noch dazu die freie Formgebung. Jedoch konnten die meisten Rahmenhersteller diese Vorteile nicht zu einem passenden und vertretbaren Preis ausschöpfen. Erst durch ein neues Herstellungsverfahren und nachdem die Produktion in den Fernen Osten verlegt wurde, machten Carbonrahmen einen großen Schritt nach vorne und etablierten sich vor allem im Bereich sportlicher Fahrräder, also sowohl bei den Rennrädern als auch bei den Mountainbikes.

Gerade, wenn es um Tempo geht, ist Carbon als Material in der Fahrradszene nicht wegzudenken. Es gibt kein anderes Material welches leichter und verwindungssteifer, komfortabler und zugleich aerodynamisch optimierbarer als CFK ist. Stahl ist ein Material, welches gut zu verarbeiten und langlebig ist - Fahrräder aus Stahl sind filigran und trotzdem „stark“. Die hochwertigen Rohrsätze wurden mehrfach konifiziert; vom Hersteller wird die Wandstärke des Rohres den tatsächlichen Ansprüchen entsprechend gewählt.

Titan ist ein magischer langlebiger Wertstoff: Es verkratzt nicht, bekommt außerdem eine Patina. Selbst nach längerer Zeit sieht man dem Titan-Fahrradrahmen zwar seine abgespulten Kilometer und interessanten Erlebnisse an, jedoch wirkt er desto trotz nicht ramponiert oder veraltet. Daher ist für einen Rahmen aus Titan keine Lackierung nötig, welche zerkratzen könnte und noch dazu rostet Titan eben auch nicht. Ein passend moderates Gewicht und eine ausreichende passende Steifigkeit sind weitere Vorteile, die für solch einen Fahrradrahmen sprechen. Mit einem Titan-Fahrrad in Ihrem Besitz brauchen Sie sich langfristig keine Gedanken zum Thema Haltbarkeit machen; mit diesem Fahrrad kann man eben einfach fahren und genießen.

Es muss nicht viel Zeit für die Pflege aufgebracht werden oder nach einem Transport oder Sturz nach verborgenen Schäden gesucht werden. Als negativ zu bezeichnen ist der Preis von Titan-Rahmen in der Anschaffung und ein sehr hoher Energiebedarf in der Herstellung. Aber dank einer sehr langen und intensiven Nutzungsmöglichkeit - z.B. Gerade heutzutage, wo uns überall eine steigende Ressourcenknappheit erreicht, sollten wir in allen Bereichen auf nachwachsende Rohstoffe schauen. Somit bietet es sich hier also an, ein Fahrrad aus Bambus zu fahren. Dank der Form bieten sich Bambusrohre hervorragend zum Rahmenbau aus. Aufgrund der natürlichen Herkunft ist das Bambus-Fahrrad logischerweise wetterbeständig - und auch beim Thema Haltbarkeit und Stabilität kann Bambus wunderbar ganz vorne mit anderen Materialien mithalten.

Am meisten werden Fahrradrahmen aus Aluminium hergestellt, es ist das meist verwendete Material. Es ist perfekter Mix - quasi die goldene Mitte der Materialien. Es hat ein wunderbares ausgewogenes Mittelmaß. Für den sportlichen Bereich leicht und steif genug, aber auch robust genug für Mountainbikes oder Alltags-Fahrrädern, die auch bei schlechtem Wetter standhalten, wo vermehrt Dreck, Sand, Matsch, Regen und Salz den Rahmen wie Sandpapier strapazieren.

Aluminium kann relativ frei geformt werden; so können auch ganz spezielle Anforderungen und Wünsche der Ingenieure umgesetzt werden. Noch dazu ist es im preisgünstigen Segment angesiedelt. Nach der Aluminium-Produktion kann dieser Wertstoff in beliebig viele Varianten geformt werden, ebenso kann man es upcyceln und nachnutzen. Im Prinzip ist ein Alu-Rahmen die „eierlegende Wollmilchsau“.

Titanrahmen im Wandel der Zeit

Titan gilt unter den Werkstoffen, die für den Bau von Rennradrahmen verwendet werden, als besonders begehrenswert. Das liegt nicht daran, dass das Leichtmetall besonders selten wäre - im Gegenteil gehört es zu den häufigsten Elementen in der Erdkruste. Auch herausragende technische Eigenschaften sind nur bedingt ein Argument, denn in den wichtigen Disziplinen Gewicht und Steifigkeit liegt es auf dem Niveau guter Aluminiumrahmen, diese kosten allerdings nur einen Bruchteil. Gegenüber Carbon hat das grau schimmernde Metall sogar deutlich das Nachsehen; bei gleicher Steifigkeit kann man das Gewicht eines Carbonrahmens beinahe auf die Hälfte eines Titanrahmens drücken und dabei viel freier formen.

Dennoch hält sich der Werkstoff seit seinen Anfängen in den 1990er-Jahren in der Branche und spielt eine kleine, aber feine und beständige Nebenrolle. Es sind vor allem kleine, spezialisierte Anbieter, die vom Verkauf von Rädern aus Titan auch heute noch gut überleben können. Selbst Neugründungen von Firmen gab es in jüngerer Zeit, trotz der erdrückenden Dominanz von Carbon und Aluminium auf dem Markt.

Anfangs waren es vor allem Rahmenbauer aus den USA, die das Metall im Fahrradbau etablierten und mit exorbitanten Preisen für penibel verarbeitete Rahmen den Ruf des Materials begründeten. Für kurze Zeit sah es sogar so aus, als wäre Titan für hochwertige Räder der Werkstoff der Zukunft, weil sich damit etwa 20 Prozent leichtere Rahmen bauen ließen als aus den damals marktbeherrschenden Stahlrohren. Von den Entwicklungen bei Alu und Carbon wurde der Hype aber schnell überholt: Mit Carbon ließen sich noch deutlich leichtere Rahmen fertigen, dank Massenproduktion in Fernost wurden sie auch immer preiswerter. Aluminium ist in der Fertigung einfacher zu handhaben und dadurch konkurrenzlos günstig.

Hersteller aus China erlauben günstige Preise und ermöglichen auch jungen Marken wie Vpace, die keine eigene Fertigungskompetenz besitzen, frische Ideen umzusetzen. Mit Hydroforming und 3-D-Druck bringt man Titan in Formen, die bisher nur aus Carbon möglich waren, das zeigen Falkenjagd und Van Nicholas beispielhaft. Aber auch die perfektionistisch anmutende Fertigungsqualität etablierter Schweißer ist immer noch eine Augenweide, dafür steht das Moots. Der Preis dafür bleibt allerdings hoch.

Was als Argument für Titan bleibt, ist eine fürs Rennrad eigentlich nicht besonders wichtige, aber sehr besondere Eigenschaft: Die Widerstandsfähigkeit gegen äußere Einflüsse. Das Material gilt als absolut korrosionsbeständig, selbst Salzwasser kann der Oberfläche nichts anhaben. Eine Lackierung ist deshalb überflüssig, was die Rahmen extrem haltbar und beständig macht. Selbst nach einem langen Fahrradleben sehen Titanrahmen deshalb oft noch aus wie neu. Diese Aura des Unvergänglichen scheint auf eine bestimmte Klientel eine derart große Faszination auszuüben, dass sie bis heute viel Geld dafür hinblättern.

Dass die Kosten für Titanrahmen so hoch sind, liegt vor allem an der komplizierten Gewinnung und Verarbeitung. Das Metall kommt fast ausschließlich in mineralischen Verbindungen vor, aus denen es mit hohem Energieaufwand herausgelöst werden muss, was den Rohstoffpreis auf ein Vielfaches des Preises für Stahl oder Aluminium treibt. Für die mechanische Bearbeitung werden extrem harte Werkzeuge benötigt, verschweißt werden kann es nur unter Ausschluss von Sauerstoff, dafür werden spezielle Werkzeuge und viel Erfahrung benötigt.

Titanrahmenbauer wurden deshalb lange regelrecht als Halbgötter unter den Fahrradbauern verehrt, die Rahmen namhafter Hersteller wie Kunstwerke bestaunt. Doch konnte man in den letzten Jahren einen ordentlichen Preisverfall bei Titanrahmen beobachten. Das liegt einmal mehr an Fertigungsstätten in Fernost - zunächst Taiwan, heute vor allem China -, wo die Rahmen mit absurd niedrigen Lohnkosten produziert werden.

Beispiele dafür sind in diesem Test Van Nicholas und Vpace, deren Preisgestaltung mit Carbonrädern konkurrenzfähig wäre; ein einfach ausgestattetes Titan-Rennrad bekommt man beispielsweise bei Van Nicholas schon für weniger als 3000 Euro. Für das Geld bekäme man bei Wettbewerber Moots nicht einmal ein halbes Rahmenset: Das günstigste kostet hier 6500 Euro, immerhin sind Sattelstütze, Steuersatz und Flaschenhalter dabei. Die US-Marke gehört zu den Pionieren im Titanrahmenbau und schweißt die Rahmen bis heute in den USA. Die Spanne zeigt, welchen Einfluss die Lohnkosten auf die Preisgestaltung haben.

Am Rahmen des Moots findet sich indes ein kleines Detail, das auf längere Sicht die Verarbeitungsmöglichkeiten - und damit den ganzen Markt - regelrecht revolutionieren könnte: Die hinteren Ausfallenden des Vamoots RCS kommen aus dem 3-D-Drucker. Sie entstehen in einem Bett aus sehr feinem Titanpulver, das ein Laserstrahl punktuell so stark erhitzt, dass die Pulverkörnchen miteinander verschmelzen. In sehr dünnen Schichten wird Stück für Stück ein Teil in die Höhe gebaut, das in seiner Form keinen Einschränkungen mehr unterliegt, wie sie beim Gießen oder Schmieden berücksichtigt werden müssten, selbst fast geschlossene Hohlkörper sind möglich.

Titan eignet sich für den 3-D-Druck perfekt, weil das Material auch in Pulverform trotz riesiger Oberfläche nicht korrodiert - mit Alu oder Stahl lässt sich das Verfahren nicht umsetzen. Die Teile aus dem Drucker bieten inzwischen eine ähnliche Festigkeit wie klassisch gefertigte. Noch einen Schritt weiter geht die deutsche Marke Falkenjagd, am Aristos R kommen auch Steuerrohr, Gabelkrone und Tretlagergehäuse aus dem Drucker.

Noch ist das Verfahren relativ teuer, auch leichter als klassisch gebaute Rahmen ist der Falkenjagd nicht, im Gegenteil. Vor allem Teile mit größeren Ausmaßen sind ineffizient, weil es kaum Druckmaschinen dafür gibt. Doch es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis sich auch Teile von der Größe eines ganzen Fahrradrahmens zu vertretbaren Kosten drucken lassen.

Zusammenfassung der Vor- und Nachteile

Welcher Fahrradrahmen nun für ein Rennrad oder MTB besser ist, kommt auf die Ansprüche an. Alle Stoffe besitzen jeweils ihre Vorteile, sodass es nicht den perfekten Fahrradrahmen gibt. Die Wahl des Rahmens ist immer persönlich motiviert und von der Art des Fahrrads abhängig. Auf der anderen Seite ist ein Bike mit Titanrahmen teuer, aber der Preis relativiert sich mit der Zeit.

Vorteile von Titanrahmen:

  • Hohe Korrosionsbeständigkeit
  • Lange Lebensdauer
  • Guter Schutz vor Beschädigungen
  • Individuelle Anpassung möglich
  • Komfortableres Fahrgefühl im Vergleich zu Stahl

Nachteile von Titanrahmen:

  • Hoher Preis
  • Hoher Energieaufwand bei der Herstellung
  • Geringere Steifigkeit im Vergleich zu Carbon und Aluminium

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