Fahrradbremse: Mineralöl vs. DOT

Bei hydraulischen MTB-Scheibenbremsen zirkulieren entweder Mineralöl (z. B. Shimano, Magura) oder DOT-Bremsflüssigkeit (z. B. Sram, Hope) auf Basis von Ethylenoxid und Alkohol in den Leitungen. Die unterschiedlichen chemischen Eigenschaften dieser Flüssigkeiten erfordern spezielle Dichtungen, die sich auf Dauer nicht miteinander vertragen.

Die Verwendung der falschen Flüssigkeit kann die gesamte Bremse schädigen, indem sie die Dichtungen zerstört. Daher ist es wichtig zu wissen, welche Bremsflüssigkeit für das jeweilige Bremssystem geeignet ist.

Die Unterschiede zwischen Mineralöl und DOT

Wie der Hersteller Sram in diesem Video zeigt, verhalten sich DOT und Mineralöl grundsätzlich anders. Während bekanntermaßen Öl und Wasser sich nicht verbinden, ist das bei DOT (auf Alkohol-Basis) anders.

Über die Zeit nimmt ein Bremssystem mit DOT-Füllung Wasser auf (Luftfeuchtigkeit, Regenfahrten etc.). Die Bremsleistung nimmt langsam ab, weil sich Wasser und DOT-Flüssigkeit bei hohen Temperaturen anders verhalten. Folglich sollte die Bremsflüssigkeit regelmäßig ausgetauscht werden.

Bei Mineralöl ist das anders. Daher sind solche Bremsanlagen wartungsärmer und eignen sich für Bikes, die nicht ständig gefahren und gewartet werden, also für den Wochenend-Biker oder die Fahrerin mit einem kleinen Fuhrpark.

Mineralöl

Die spezifischen Eigenschaften von Mineralöl in Bremsen können im Detail zwischen den Herstellern variieren, da sie nicht genormt sind. Generell sind Mineralöle sehr haltbar und können oft jahrelang in einer Bremse ihren Dienst verrichten. Sie greifen Kunststoffe und Lacke in der Regel nicht an und auch Hautkontakt ist weniger kritisch als mit DOT.

Dennoch solltest Du Hautkontakt vermeiden und das Mineralöl direkt wegwischen oder abwaschen, wenn Du etwas gekleckert hast. Mineralöl ist nicht hygroskopisch, das heißt, es vermischt sich nicht mit Wasser.

Das sorgt sowohl für eine lange Haltbarkeit in der Bremse als auch in einer angefangenen Mineralöl-Flasche in der Werkstatt. Sollte doch etwas Feuchtigkeit den Weg ins System finden, mischt es sich nicht mit dem Mineralöl und hat daher keine Auswirkungen auf dessen Siedepunkt.

Erst wenn sich Wasser im Bremssattel ansammelt (da es schwerer als Öl ist, findet es mit der Zeit den Weg nach unten), kann es bei Hitzeentwicklung zu kochen beginnen und Probleme verursachen. Aber keine Sorge: Die Bremsen sind in der Regel so gut gedichtet, dass das bei einem gut gewarteten System nicht vorkommt.

DOT

Unter DOT werden Bremsflüssigkeiten auf Glykolbasis zusammengefasst - genauer DOT 3, DOT 4 und DOT 5.1. Sie stammen aus der Automobil- und Motorradwelt, wo dafür Minimalanforderungen standardisiert sind. Die jeweiligen Ausführungen unterscheiden sich im Siedepunkt und der Viskosität. Am Fahrrad wird meist DOT 4 oder 5.1 verwendet, da sie temperaturstabiler sind als DOT 3.

DOT sollte in Fahrradbremsen regelmäßig erneuert werden, da es hygroskopisch ist und Wasser zieht - auch durch mikroskopisch kleine Ritzen und Poren im System. DOT vermischt sich mit Wasser und dadurch sinkt der Siedepunkt des Gesamtsystems.

Die Hygroskopie hat aber auch einen Vorteil: Es kann sich nirgends pures Wasser mit seinem deutlich niedrigeren Siedepunkt sammeln. Wenn Du die vom Hersteller empfohlenen Wartungsintervalle einhältst, sollte der Siedepunkt der minimal verwässerten Bremsflüssigkeit im grünen Bereich bleiben.

Beim Arbeiten mit DOT solltest Du darauf achten, dass es aggressiv gegenüber Lacken, manchen Kunststoffen und der Haut ist. Beachte, dass DOT auch in einer angefangenen Flasche Feuchtigkeit aus der Umgebung zieht. Es ist also auch in der Werkstatt stehend nur begrenzt haltbar.

Neben DOT 5.1 gibt es auch noch DOT 5. Es ist silikonbasiert und hat anderen Eigenschaften, auf die wir nicht weiter eingehen wollen, da es am Fahrrad unüblich ist.

Wichtiger Hinweis: Niemals mischen!

Mineralöl und DOT dürfen auf keinen Fall gemischt werden. Zudem musst Du die Bremse immer mit dem spezifischen Bremsmedium befüllen, also DOT-Bremsen immer mit DOT und Mineralöl-Bremsen immer mit Mineralöl.

Die Dichtungen in Bremshebeln und -sätteln bestehen aus Gummi, das speziell für das jeweilige Bremsmedium ausgewählt wurde. Sie könnten sonst versagen und Deine ganze Bremse unbrauchbar machen. Auch bei Mineralölen verschiedener Hersteller ist Vorsicht geboten, da sie unterschiedliche Zusätze (Additive) beimischen.

DOT 3, 4 und 5.1 kannst Du grundsätzlich mischen, die Eigenschaften verändern sich dabei aber. Das silikonbasierte DOT 5 solltest Du nicht beimischen.

Weitere wichtige Fakten rund um Fahrradbremsen

  • Bremsflüssigkeit ist eine Chemikalie: Egal ob DOT oder Mineralöl, beide der verwendeten Bremsflüssigkeiten sind - anders als Kettenfett oder Lagerfett - Stoffe, die beim Umgang ein wenig Aufmerksamkeit benötigen.
  • Umweltschädlich und hautschädigend: Beide Bremsflüssigkeiten sind umweltschädlich und schaden der Haut. Trage Handschuhe bei der Arbeit und sei vorsichtig.
  • Fachgerechte Entsorgung: DOT und Mineralöl müssen fachgerecht als Sondermüll entsorgt werden.

Mythen rund um MTB-Scheibenbremsen

  • Mythos Nummer 1: Einbremsen ist unnötig. Falsch! Nur eine sorgfältig eingebremste Bremse erreicht volle Bremskraft, höchste Temperaturfestigkeit und Lebensdauer.
  • Mythos Nummer 2: Eine Vierkolbenbremse ist stärker als eine Zweikolbenbremse. Auch falsch. Am wichtigsten ist am Ende der Reibwert, den die Bremsbelagsmischung liefert.
  • Mythos Nummer 3: Mit der falschen Bremsflüssigkeit zerstört man die Bremse. Stimmt!
  • Mythos Nummer 4: Wenn die Bremse stinkt, sind die Beläge verbrannt. Nein, im Gegenteil: Sie bremsen sogar in der Regel dann besser.
  • Mythos Nummer 5: Organische Beläge sind stärker als Sinter-Beläge. Es kommt drauf an.
  • Mythos Nummer 6: Sinter-Beläge halten länger als organische. Nein.

Nach einem Wechsel der Bremsbeläge sollten MTB-Scheibenbremsen wieder eingebremst werden. Bei einem Wechsel von organischen zu gesinterten Bremsbelägen (oder umgekehrt), sollte auch die Bremsscheibe gewechselt werden, um die optimale Bremswirkung zu erzielen.

Weitere Einflussfaktoren auf die Bremsleistung

Einfluss auf die Bremskraft haben folgende 5 Faktoren:

  • Gewicht von Fahrerin oder Fahrer
  • Individuelle Kraft in den Händen
  • Bremshäufigkeit (Abfahrt oder Uphill-Trails?)
  • Bremsdauer (lange Abfahrten oder Flowtrails?)
  • Bremsscheibengröße

Der Bremsvorgang ist ein Zusammenspiel von Reibung und Hitze. In einem bestimmten Temperaturbereich wird die höchste Bremswirkung erreicht. Wenn durch die Kombination der Faktoren oben dieser Bereich über- oder unterschritten wird, entfaltet das Bremssystem nicht seine optimale Leistung. Kurz: Wenn die 200-Millimeter-Scheibe nicht heiß genug wird, bremst sie auch nicht besser als eine 160er.

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