Die richtige Fahrradbremse ist entscheidend für die Sicherheit im Straßenverkehr und auf Trails, egal ob du ein City-Bike oder ein Rennrad fährst. Es ist wichtig, sich auf die eigene Fahrtechnik verlassen zu können.
Grundsätzlich funktionieren alle Fahrradbremsen nach demselben Prinzip: Betätigt der Fahrer den Bremshebel, drückt ein Bremsbelag gegen die Bremsfläche am Rad. Dadurch kommt es zu einer Reibung, die das Rad verlangsamt.
Verschiedene Bremssysteme
Heutzutage können drei Bremssysteme unterschieden werden: Felgenbremsen, Scheibenbremsen und Trommelbremsen.
- Felgenbremsen: Bei Felgenbremsen kann zwischen Cantilever-Bremsen, V-Brakes und Seitenzugbremsen unterschieden werden.
- Scheibenbremsen: Kaum ein Mountainbike oder Crossrad ist heute nicht mit Scheibenbremsen ausgestattet.
- Trommelbremsen: Die früher weit verbreiteten Trommelbremsen (oder auch Rücktrittbremsen) sieht man heute hingegen nur noch an vereinzelten Stadträdern und in etwas größerer Zahl an Kinderrädern.
Für die Freunde des Hightechs ist mittlerweile außerdem ein ABS-System von Bosch erhältlich, das die Fahrt auf E-Bikes noch sicherer machen soll. Welches der aktuellen Systeme für deinen Einsatzzweck geeignet ist, erfährst du hier.
Felgenbremsen
In Sachen Felgenbremsen kann zwischen drei Systemen unterschieden werden: Cantilever-Bremsen, V-Brakes und Seitenzugbremsen.
Sowohl V-Brakes als auch Cantilever bestehen grundsätzlich aus zwei getrennten Bremsarmen, die links und rechts des Laufrades positioniert und mittels eines Seilzugs betätigt werden. Cantilever-Bremsen werden dabei von einem Querzug zusammengezogen, wohingegen die Arme der V-Brake mit einem durch ein Führungsröhrchen und Faltenbalg verlaufenden Bremszug verbunden sind. Im Grunde ist die Funktion also sehr identisch, allerdings erreicht die V-Brake durch die größeren Bremsarme eine größere Bremskraft.
Cantilever-Bremsen sind hingegen meistens etwas leichter und finden daher bei Leichtbau-Projekten ihre Anwendung. Beide Bremssysteme punkten mit einem geringen Belagverschleiß (durch eine im Vergleich zu Scheibenbremsen geringere Bremskraft) und einer sehr einfachen Wartung. Daher findet man diese Komponenten häufig an Trekking- und Stadträdern. Wird etwas mehr Bremskraft benötigt, kann man auf die hydraulische Magura HS11 oder HS33 Felgenbremsen setzen. Diese packen durch die hydraulische Anstellung der Bremsbeläge deutlich kräftiger zu, werden ansonsten aber wie eine gewöhnliche V-Brake montiert. Einzig der Wartungsaufwand ist bei Bedarf etwas erhöht, da die Bremse mit speziellem Werkzeug entlüftet werden muss.
Seitenzugbremsen findet man hingegen fast ausschließlich an Rennrädern, da diese Bremsenart nur mit dünnen Reifen funktioniert. Wie der Name schon verrät wird dieses Systems mittels eines seitlich angebrachten Seilzuges betätigt. Dabei gibt es einen C-förmigen Arm und einen Y-förmigen Arm, die sich gegeneinander bewegen und somit die Bremsbeläge an die Bremsflanke der Felge drücken.
Scheibenbremsen
Kaum ein Mountainbike oder Crossrad ist heute nicht mit Scheibenbremsen ausgestattet. Auch immer mehr Rennräder setzen auf die bissigen Bremsen, da das Mehr an Bremskraft in unerwarteten Situationen ein echter Lebensretter sein kann. Die höhere Bremskraft kommt dadurch zustande, dass die Bremsbeläge an der Scheibenbremse bedeutend höhere Reibungswerte erreichen. Bei vielen Bremszangen spielt außerdem die hydraulische Betätigung eine Rolle. Das Öl in der Leitung lässt sich nämlich nicht komprimieren, wodurch (inkl. Hebelverhältnis des Bremshebels) große Kräfte auf die Bremsbeläge übertragen werden können. Daher sind Scheibenbremsen meistens mit einem Finger zu bedienen und auch sehr gut dosierbar. Eine schlechtere Dosierbarkeit und geringere Bremsstärke kommt häufig bei Felgenbremsen vor, da der Bremsvorgang eine Längung des Bremszugs auslöst. Das ist auch an Scheibenbremsen festzustellen, die per Seilzug funktionieren.
Zwei oder Vier Kolben?
In Sachen Bremskraft ist es außerdem noch entscheidend, ob man eine 2- oder 4-Kolbenbremse fährt. Als Kolben bezeichnet man das Bauteil, das mittels der Hydraulik (oder Mechanik) aus der Bremszange gedrückt wird und die Kraft auf den Bremsbelag überträgt. Vier Kolben bringen hier natürlich mehr Kraft auf die Beläge und schließlich auf die Bremsscheibe, als es zwei Kolben können. Gerade an Downhill-, Enduro- und E-Bikes (wegen des erhöhten Gewichts) verbaut man gerne die kräftigen Versionen. XC- , Marathon- und Trailbikes sowie Crosser und Rennräder kommen hingegen mit der 2-Kolben-Variante aus. Schließlich wiegen die größeren Bremszangen auch etwas mehr, was man an einem Rennrad nicht gebrauchen kann.
Wartung
Die ganzen Vorteile von Scheibenbremsen erkauft man sich leider mit einigen Nachteilen, die für die verbesserte Performance jedoch in Kauf genommen werden. Einer bezieht sich auf den erhöhten Wartungsaufwand, sollte die Bremse einmal Luft oder Wasser ziehen. Dann muss die Bremse (wie bei der Magura HS11 oder HS33) mittels speziellem Werkzeug entlüftet werden, das sich von Hersteller zu Hersteller unterscheidet.
Durch die Verwendung von verschiedenen Bremsflüssigkeiten versucht man der Anfälligkeit entgegenzuwirken. Viele Hersteller (z.B. SRAM, Formula, Avid) setzen auf DOT. Diese Bremsflüssigkeit kann Wasser binden, wodurch ein Abschwachen des Druckpunkts verhindert werden soll. Allerdings muss DOT aufgrund seiner Bindefähigkeit ca. einmal im Jahr getauscht werden, ansonsten kann die gebundene Menge Wasser das Flüssigkeitsvolumen in der Bremsen derartig erhöhen, dass es nicht mehr vom Ausgleichsbehälter ausgeglichen werden kann. Dadurch kann es passieren, dass die Bremsbeläge bereits an der Bremsscheibe anliegen, bevor man den Bremshebel betätigt. Bei der Arbeit mit DOT ist zu beachten, dass die Flüssigkeit Haut und Lack angreift. Also: Handschuhe tragen!
Mineralöl (z.B. Shimano, Magura) bindet hingegen kein Wasser und bleibt somit lange Zeit qualitativ gleichwertig. Jedoch ziehen Mineralöl-Bremsen schneller Luft, was sich negativ auf den Druckpunkt auswirkt und ein Entlüften der Bremse notwendig macht. Beim Service sollte dabei niemals DOT-Flüssigkeit in eine Mineralöl-Bremse gefüllt werden, da dies die Dichtungen zerstören kann.
BrakeForceOne, ein deutscher Bremsenhersteller, verspricht mit seinem H2O Modell all diese Probleme zu lösen, da es tatsächlich mit Wasser funktioniert. Momentan ist die Funktion allerdings noch nicht überzeugend.
Bremsscheiben
Bremsscheiben gibt es in vielen verschiedenen Größen, Bauarten und mit verschiedenen Befestigungsstandards (siehe Abschnitt Laufrad). Die gängigsten Größen sind 140mm, 160mm, 180mm, 200mm und 203mm, wobei kleine Scheiben für Cross Country oder Rennräder gedacht sind, während die großen Scheiben vor allem an Enduros und Downhill-Bikes ihren Einsatz finden.
Bevor man eine größere Scheibe an seinem Fahrrad nachrüstet, sollte man aber unbedingt überprüfen, ob der Rahmen bzw. die Federgabel für die gewünschte Scheibenbremse freigegeben wurde. Die meisten Hersteller informieren darüber in ihren Manuals. Verbaut man eine zu große Scheibe kann es nämlich zu einem plötzlichen Versagen der Aufnahme kommen, was schwere Unfälle nach sich ziehen kann. In den meisten Fällen lässt sich eine zu große Scheibe erst gar nicht einsetzen. Das merkt man daran, dass die Scheibe an der Gabel schleift.
Ein weiterer Unterschied zwischen verschiedenen Bremsscheiben ist die Bauart, was sich auf ein- oder mehrteilige Konstruktionen bezieht. Die klassische Bremsscheibe ist aus einem Stück gefertigt, allerdings gibt es auch mehrteilige Scheiben (z.B. Shimano Ice-Tech Scheiben), die verschiedene Werkstoffe am Reibring und an der Verschraubung verwenden, um eine bessere Wärmeleitung zu ermöglichen, das Gewicht zu drücken und die Geräuschentwicklung zu vermindern.
Bremsbeläge
Hinsichtlich der Bremsbeläge gibt es drei verschiedene Versionen: Organische, Semimetall- oder Sintermetall-Beläge. Die einzelnen Versionen können dabei je nach Hersteller unterschiedlich zusammengesetzt sein, was zu verschiedenen Werten hinsichtlich der Haltbarkeit, Bremskraft und Geräuschentwicklung führen kann. Im Allgemeinen lässt sich jedoch sagen, dass organische Beläge sehr gut zu dosieren sind, wenig Hitze an das Bremssystem abgeben und weniger quietschen. Im Gegensatz zu Sintermetall-Belägen ist jedoch der Verschleiß erhöht. Sintermetall neigt dafür gerne zum Quietschen. Den geringsten Verschleiß weisen Semimetall-Beläge auf, diese sind aber besonders anfällig für unangenehme Geräuschentwicklungen.
Die genannten Belagarten können zusätzlich noch auf verschiedenen Trägerplatten aufgebracht werden. Hier haben sich Alu, Stahl und Titan durchgesetzt, wobei sich diese v.a. in der Wärmeleitfähigkeit und im Gewicht unterscheiden. Um die Wärme noch besser zu leiten, statten manche Hersteller ihre Beläge mit Kühlrippen aus (z.B. Shimano Ice-Tech Beläge).
Wichtig ist für alle Beläge, dass man sie vor der ersten “ernsten” Benutzung vorsichtig einbremst. Viele Hersteller empfehlen, 30 Mal bei moderater Geschwindigkeit (ca. 30 km/h) fast bist zum Stillstand abzubremsen. Sinn davon ist es, mikroskopische Unebenheiten auf der Oberfläche der Beläge und Scheiben abzuschleifen. Tut man dies nicht, wird nur an diesen quasi unsichtbaren Spitzen gebremst, was zu enorm hohen Temperaturen und somit zum Verglasen der Bremsbeläge führen kann.
Trommelbremsen
An modernen Fahrrädern kommen beinahe nur noch Scheiben- und Felgenbremsen zum Einsatz. Das System befindet sich dabei zum größten Teil in der Hinterradnabe, wo beim Zurücktreten (daher Rücktritt) mit den Pedalen das Drehmoment des Hinterrades mittels einer Drehmomentstütze auf den Rahmen übertragen wird. Während es auf konstruktioneller Seite somit einige Vorteile bietet, wie die abgeschlossene, witterungsbeständige Funktion und das Bremsen ohne den Griff am Lenker zu lösen, gibt es dennoch einige Nachteile. Entscheidend ist hier, dass Trommelbremsen einfach nicht die Bremskraft moderner Scheiben- oder Felgenbremsen erreichen. Außerdem neigen sie bei langen Abfahrten zum Überhitzen und eine Neupositionierung der Kurbelposition ist nur recht umständlich möglich. Zudem wird die maximale Bremskraft lediglich bei bestimmten Pedalstellungen erreicht, was gerade in Schreckmomenten zu Problemen führen kann.
An Stadträdern werden sie dennoch ab und an verbaut, da hier die witterungsbeständige Funktion sehr praktisch ist. Ergänzt durch eine klassische Vorderbremse ist die Bremskraft auch stark genug für den Stadtverkehr oder für Trekkingtouren. Zudem sind die Trommelbremsen sehr kostengünstig.
Bosch ABS System
Mit der Elektrifizierung des Fahrrades schaffen es nun auch endlich Stabilitätsprogramme ans Rad. Das erste serienreife ABS-System stammt dabei von Bosch, die bereits viele Jahre im Motorradbereich als Marktführer tätig sind. Basierend auf dem Motorrad-ABS wird das Fahrrad mit einem ABS-System am Vorderrad und einer Abheberegelung am Hinterrad ausgestattet. Mittels eines Raddrehzahlsensors wird am Vorderrad erfasst, ob das Rad zu blockieren droht. Erkennt das System ein Blockieren, regelt es den Bremsdruck automatisch herunter und optimiert so die Fahrstabilität. Das gleiche Ziel wird auch mit der Abheberegelung verfolgt. Diese überwacht, ob das Hinterrad abhebt und verringert auch in diesem Fall für kurze Zeit den Bremsdruck am Vorderrad. Somit kann selbst in sehr schwierigen Situationen stets sicher verzögert werden.
Gerade auf rutschigen und losen Untergründen kann dieses System seine Vorteile ausspielen, da die kurzzeitige Verringerung der Bremskraft wieder zu Traktion zwischen Reifen und Boden führt. Somit rutscht man in ausgefahrenen Kurven weniger schnell weg und verzögert einfach kontrollierter.
Der Bremszug (Bowdenzug)
Der Bremszug, auch Bowdenzug genannt, überträgt vom Bremshebel am Lenker die Kraft auf die Bremse deines Fahrrads. Er besteht aus einem stabilen Stahlseil, das in einem schützenden Außenmantel verläuft. Bremszüge variieren in ihrer Dicke, abhängig von der Art der Bremse und des Fahrrads. Meistens beträgt der Durchmesser des Bremszugs 1,5 mm.
Ein Bowdenzug unterliegt einer natürlichen Alterung. Mit zunehmender Beanspruchung längt sich der Zug, so dass er sich nicht mehr präzise einstellen lässt und das Bremsverhalten leidet, zumal er bei starker Alterung und hoher Beanspruchung auch reißen kann. Auch die Außenhülle (Schutzhülle) unterliegt dem Verschleiß, da der Bowdenzug im Inneren durch seine Reibung für Abnutzung sorgt. Dieses ist auch einer der Gründe, warum die Hüllen schwergängiger werden und sich die Bremse schwerer bedienen läßt.
Durch den Einsatz von geeigneten Schmiermitteln, wie z.B. dem Multifunktionsöl WD-40 Sprühdose Classic lässt sich die Schmierung verbessern und ermöglicht wieder ein leichteres (und effektiveres) Bremsen mit dem Fahrrad. Irgendwann ist aber auch der hochwertigste Bremszug komplett verschlissen und sollte getauscht werden.
In unserem günstigen Fahrradteile Online-Shop erhalten Sie verschiedene Bremszüge, Bremszüge-Sets (Bremszugsätze), aber auch Zubehörteile wie Innenzugendkappen, Kabelführungen (Brakepipes), Bremskappen für Bremshüllen, Kabelstopper, Bremszug-Führungsröhrchen, Schmutzschützer, Bremsleitungshalter, Zugverbinder und vieles mehr.
Austausch eines Bremszugs
Mit dieser Anleitung zeigen wir Ihnen Schritt für Schritt, wie Sie an Ihrem Fahrrad die Bremszüge bzw. Bowdenzüge selbständig wechseln können. Dieses spart den Weg zur Fahrradwerkstatt und ist auch für Laien recht schnell und einfach erledigt.
- Zunächst lösen Sie den alten Zug an der Bremse und bauen ihn aus.
- Anschließend hängen Sie den neuen Bremszug in den Bremshebel ein und führen ihn durch die Einstellschraube (siehe folgendes Bild). Hierbei wird der Fahrrad-Bremszug automatisch geschmiert, da das Führungsröhrchen ab Werk schon mit Fett vorbehandelt wurde.
- Anschließend führen Sie den neuen Bremszug durch die Feststellschraube. Die Bremse sollte an der Felge liegen.
- Bevor der Bremszug durch die Schraube gesichert wird, halten Sie den Bremshebel leicht gezogen. Hierbei muss dem Bremszug mit der Hand etwas Länge nachgelassen werden.
- Anschließend ziehen Sie den Bremszug mit der Feststellschraube mit einem Innensechskantschlüssel fest.
- Testen Sie dann unbedingt die Funktion der Bremse.
- Steht einer der Bremsbeläge etwas weiter von der Felge ab, als der andere, stellen Sie dieses mit der kleine Einstellschraube auf der gegenüberliegenden Seite an der Bremsaufnahme nach.
- Zum Nachstellen des Bremszuges sollten Sie die Einstellschraube am Griffstück etwas herausdrehen. Somit lässt sich schlussendlich noch einmal etwas Feinjustage betreiben.
- Da man hier später von Zeit zu Zeit immer wieder etwas nachjustieren möchte, ist es ratsam die Justierschraube zu Beginn der Montage ganz hereinzudrehen.
- Abschließend kürzen Sie den Bremszug mit einem Seitenschneider oder Kabelschneidzange auf etwa 7 cm ein.
Wartung von Fahrradbremsen
Es gibt grundlegende Anweisungen für die Arbeiten an Bremsen:
- Sich Zeit nehmen: Die Bremsen entscheiden über Gesundheit und Unversehrtheit, hektisches Arbeiten zwischen Tür und Angel kann sogar tödlich sein!
- Bei der Wartung kann Öl nötig sein, das darf aber niemals auf die Bremsflächen oder Beläge kommen. Wenn, dann gründlichst mit Bremsenreiniger oder ähnlichem Lösemittel entfernen. Und NEIN, Sprühöl jeder Art hilft nicht gegen quietschende Bremsen.
- Die Arbeit lohnt sich: Eine schlecht eingestellte und verschlissene, wenn auch intakte Bremse kann den Anhalteweg um das Dreifache verlängern. Bei schweren Bikes und 25 km/h können das 12 bis 15 Meter mehr sein.
Die Diagnose Bremsenverschleiß ist also nicht schwer, die für den Laien machbaren Handgriffe sind ehrlich gesagt auch nicht schwerer. Fünf Basis-Maßnahmen kann wirklich jeder treffen:
- Bremsenspiel nachstellen
- Beläge ausrichten
- Beläge tauschen
- Ölen
- Reinigen
Bremsenmontage
Bremsen müssen natürlich, wie jedes andere Bauteil, an der passenden Stelle montiert werden. Hier ist also darauf zu achten, dass die passenden Standards am Rahmen und an der Gabel vorhanden sind. Denn Felgen- und Scheibenbremsen benötigen vollkommen unterschiedliche Aufnahmen. Welche es sind, erfährst du in den nächsten Abschnitten.
Laufräder
Bevor man sich überlegt, für sein Fahrrad eine neue Bremse zu besorgen, muss man sich noch bewusst machen, welche Laufräder man fährt. Sowohl Felgenbremsen als auch Scheibenbremsen benötigen nämlich die passende Felge bzw. die passende Nabe.
Sollte man sich für eine Felgenbremse entscheiden, muss die Felge über eine Bremsflanke verfügen. Diese ist zumeist als blanke Metallfläche an der Außenwand ersichtlich. Dort befindet sich demnach kein Lack, um dem Bremsbelag der Felgenbremse eine passende Oberfläche zu bieten. Nur auf einer nicht lackierten Fläche können die Bremsbeläge genügend Reibung erzeugen, so dass eine ordentliche Verzögerung zustande kommt.
Die Verwendung von Scheibenbremsen ist hingegen nicht abhängig von der Felge, sondern von der eingespeichten Nabe. Diese benötigt eine spezielle Aufnahme, um eine Bremsscheibe zu montieren. Generell gibt es hier zwei gängige Systeme: Entweder man hat eine 6-Loch-Nabe und benötigt somit auch eine 6-Loch Scheibe, oder man hat eine Centerlock Nabe, die ebenfalls spezielle Scheiben benötigt. Bei der 6-Loch-Nabe wird die Scheibe, wie der Name bereits vermuten lässt, mittels sechs kleiner Schrauben befestigt. Bei der Centerlock Nabe wird die Scheibe mittels einem Sicherungsring montiert, der mit dem selben Werkzeug festgezogen wird, das für die Kassette oder Innenlager benötigt wird. Vorausgesetzt man besitzt das richtige Werkzeug, ist die Montage einer Centerlock Scheibe also etwas einfacher bzw. schneller. Außerdem sind die Naben aufgrund der Aufnahme zumeist leichter, so dass es einen kleinen Gewichtsvorteil geben kann.
Montage an der Gabel und am Rahmen
Auch an der Gabel ist Vorsicht geboten. Für die Cantilever Bremsen und V-Brakes muss ein geeigneter Sockel an den Tauchrohren der Gabel bzw. an den Sitzstreben vorhanden sein. Diesen bezeichnet man meistens als Cantilever-Sockel. Die Aufnahme besteht dabei aus zwei Gewindehülsen, die orthogonal zum Tauchrohr eingeschraubt werden. Auf diese Hülsen werden die Cantilever Bremsen und V-Brakes gesteckt und schließlich festgeschraubt. Seitenzugbremsen werden hingegen nicht auf einem Cantilever-Sockel montiert, sondern mittels einer Schraube in der Gabelkrone. Im Grunde ist es also dieselbe Befestigung, mit der auch Schutzbleche oder Reflektoren an der Gabel befestigt werden. Bei leichtgewichtigen Carbongabeln sollte hier unbedingt darauf geachtet werden, dass die Bremse mit dem richtigen Drehmoment angezogen wurde. Ansonsten kann die Aufnahme schnell beschädigt werden.
Bei Scheibenbremsen gibt es dreierlei Standards: IS2000, Post Mount und Flat Mount. Beim Post Mount und Flat Mount Standard wird di...
Bremsverhalten
Ob Kurven, Abfahrten oder Nässe: Wer auf dem Fahrrad unterwegs ist, muss das Bremsverhalten an die jeweilige Situation anpassen. Dabei ist das richtige Bremsen gar nicht so leicht - falsche und unsichere Bremsmanöver spielen bei Unfällen oft eine ausschlaggebende Rolle. Umso wichtiger ist es, sich auf die eigene Fahrtechnik verlassen zu können.
Allgemein unterscheidet man zwischen mechanischen und hydraulischen Bremsen. Bei mechanischen Bremsen überträgt ein Seilzug die Kraft vom Fahrer auf die Bremse. Hydraulische Bremsen (Felgen- und auch Scheibenbremsen) kommen oft bei E-Bikes zum Einsatz, da sie eine stärkere Bremskraft entwickeln und so dem vergleichsweise hohen Gewicht und Tempo von E-Bikes besser standhalten. In ihrer Montage und Wartung sind sie jedoch aufwendiger als mechanische Bremsen. Mechanische Bremsen sind anfälliger für Schmutz und Korrosion, lassen sich aber leichter reparieren.
Häufige Fehler beim Bremsen
Ein falsches Bremsverhalten kann zu Unfällen und Stürzen führen:
- Einseitiges Bremsen: Bremst du nur mit dem Vorder- oder Hinterrad, kann nur eine Kraft übertragen werden. Ist diese einseitige Kraft zu groß, kommt es zum Überbremsen und das jeweilige Rad blockiert.
- Bremsen in Kurven: In Kurven wirken andere Kräfte als wenn du einfach nur geradeaus fährst. Diese Kräfte beeinflussen das Fahrverhalten und den Bremsvorgang.
- Unzureichende Bremsleistung: Oft spielt es beim Unfallhergang eine große Rolle, dass der Radfahrer die verfügbare Bremsleistung in Gefahrensituationen nicht genügend ausnutzt.
Bremsen am Berg
Beim Bremsen am Berg verschiebt sich die Radlast. Bei Bergabfahrten verlagert sie sich deutlich nach vorn, wodurch die Bremskraft hinten reduziert wird. Auch die Hangabtriebskraft parallel zur schiefen Ebene wirkt gegen die Bremskraft. Bei steilen Bergauffahrten verhält es sich genau umgekehrt. Die Hangabtriebskraft wirkt in Richtung der Bremskraft, der Fahrer wird nach unten bzw. hinten gezogen.
Bremsen bei Nässe und Glätte
Bei Regenwetter ist Vorsicht das A und O. Wenn die Fahrradfelgen und Bremsbeläge nass werden, kann nahezu keine Reibung entstehen. Betätigst du die Felgenbremse, wirst du bei den ersten Radumdrehungen kaum eine Wirkung spüren, da Felgen und Beläge erst trocken gebremst werden müssen, bis eine Reibung entsteht. Bei Nässe musst du den Bremsvorgang früher einleiten, um das Tempo rechtzeitig zu verringern oder zum Stillstand zu kommen. Außerdem solltest du damit rechnen, dass die Bremskraft plötzlich stärker wird, wenn du das Wasser verdrängt hast. Merkst du bereits im Voraus, dass du dein Tempo bald reduzieren musst, kannst du die Bremse leicht anziehen.
Auch bei Glätte ist der Bremsweg verlängert. Bei Glätte solltest du deshalb bestenfalls nur ausrollen lassen und gar nicht bremsen. Allgemein raten wir dazu, das Bike bei Glätte stehen zu lassen.
Einstellungen und Überprüfung
Bei Felgen- und Scheibenbremsen kannst du die Einstellung relativ einfach selbst vornehmen. In einem anderen Artikel erklären wir dir Schritt für Schritt, wie das bei den verschiedenen Arten geht. Vor allem solltest du die Bremsbeläge im Blick behalten. Um herauszufinden, wann du sie wechseln solltest, prüfst du deren Dicke.
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