Fahrradbrille Herren Test: Klare Sicht und optimaler Schutz für jeden Radfahrer

Bei allem Radlspaß sollte der Sicherheitsaspekt nicht außer Acht gelassen werden - vom Sonnenschutz ganz zu schweigen. Hierfür sind speziell auf die Bedürfnisse von Radfahrenden abgestimmte Sonnen- bzw. Fahrradbrillen unerlässlich. Dementsprechend haben sich die Hersteller jede Menge einfallen lassen, um bei der Konstruktion ihrer Brillenmodelle das eine wie das andere zu beachten. Um die am besten zum eigenen (Fahr-)Stil passende Brille zu finden, die nicht nur schützt, sondern auch perfekt auf die jeweilige Nase passt, wurden Fahrradbrillen getestet.

Warum eine spezielle Fahrradbrille?

Jeder kennt das: Setzt man sich bei schönem Wetter auf’s Rad, dauert es nicht lange, und man hat die erste kleine Fliege im Auge kleben. Die Entfernung des Kleingetiers ist oft mühsam, nicht selten muss man dazu eigens anhalten. Dabei gibt es eine einfache Lösung, solchen unangenehmen Erfahrungen vorzubeugen - eine Fahrradbrille. An ihr bleiben nicht nur die lästigen Insekten kleben, sondern sie schützt auch vor Kleinstpartikeln wie Steinchen oder Staub. Steigt die Sonne langsam in den Zenit, steigt auch die UV-Strahlung. Mit einer guten Sonnenbrille ist man als Radfahrer schlichtweg entspannter unterwegs, die Augen danken es einem.

Die richtige Tönung und UV-Schutz

Da nicht jeder nur bei eitel Sonnenschein aufs Rad steigt und es auch Sportler gibt, die in der Dämmerung mit dem Rad unterwegs sind, stellt sich vor dem Kauf die Frage nach der Tönung der Brille - doch hier können wir beruhigen. Diese Frage haben wir indirekt bereits beantwortet - das hängt vom Einsatzbereich ab. Ist man Schönwetterfahrer und startet nur bei knalliger Sonne, sind der Tönung kaum Grenzen gesetzt und man braucht auch nicht zwangsläufig eine selbsttönende Brille. Zählt man zu den Allwetterfahrern, fährt das ganze Jahr über und auch zu allen Tageszeiten Rad, sollte man zu einer selbsttönenden oder gar Klarsichtbrille greifen.

Je nach Intensität der Sonneneinstrahlung bzw. der Bewölkung kann eine orange bzw. gelbliche Tönung den besten Kontrast ergeben. Fahrradbrillen mit solch einer Tönung können also ideal bei bewölkten bzw. wechselnd bewölkten Verhältnissen eingesetzt werden. Ob überhaupt ein UV-Schutz vorhanden ist, sollte vor dem Kauf abgeklärt werden. Billighersteller statten ihre Modelle manchmal mit einer sehr niedrigen oder gar keiner Schutzklasse aus, also Achtung! Die in diesem Test unter die Lupe genommenen Brillen sind jedoch samt und sonders von (mehr oder weniger prominenten) Markenherstellern und verfügen daher auch über einen (mehr oder weniger hohen) UV-Schutz.

Wechselgläser oder selbsttönende Gläser?

Viele Brillenmodelle sind oft mit einem getönten, fix verbauten Glas ausgestattet, das sich nicht wechseln lässt. Vielseitigere Fahrradbrillen verfügen hingegen oftmals über Wechselgläser und lassen sich so mit wenigen Handgriffen an die jeweiligen Bedürfnisse anpassen. Den größten Komfort bieten selbsttönende Fahrradbrillen. Ihre photochromatischen Gläser tönen sich durch einen integrierten Filter je nach Intensität der UV-Strahlung von selbst. Speziell bei einer Fahrradbrille sollte hinsichtlich des Tönungsgrads stets darauf geachtet werden, dass die Brille im Straßenverkehr auch eingesetzt werden darf.

Papas verspiegelte Pilotensonnenbrille auf dem Fahrrad? Sieht zwar cool aus, ist aber gefährlich. Stürzt man, können Glassplitter ins Auge gelangen. Die Gläser von Radsonnenbrillen sind oftmals aus bruchfestem Polycarbonat, ebenso der Rahmen. Nicht zuletzt wiegen aus leichten Kunststoffen hergestellte Brillen sehr wenig - alle von uns getesteten Modelle gruppierten sich um die 30 Gramm-Marke.

Passform und Komfort

Was die Passform angeht, decken die meisten Radsonnenbrillen inzwischen ein sehr breites Spektrum an Gesichtsformen ab. Durch verbiegbare Bügel und Nasenstege lassen sich insbesondere teurere Brillen der eigenen Gesichtsform anpassen. Wenn man trotz Anpassung bereits nach kurzer Zeit Druckgefühle verspürt, hat man womöglich nicht die passende Größe bzw. das richtige Brillenmodell ausgewählt. Daher lohnt es sich auch, die Abmessungen der Brille im Auge zu behalten. Damit die Brille nicht von der Nase rutschen kann, sollten die Brillenbügel im Idealfall gummiert sein - das gleiche gilt für den Nasensteg.

Eine Belüftung sollte im Idealfall vorhanden sein. Das Beschlagen der Brille wird durch sie im Idealfall vermieden, ist jedoch eine individuelle Sache. Der eine schwitzt mehr, der andere weniger. Auch die Brillenform ist dafür verantwortlich, wie schnell die Brillengläser beschlagen.

Die richtige Pflege

Die Brillenpflege ist das A und O guter Brillenbehandlung. Dazu zählt zuallererst die sorgfältige Aufbewahrung im mitgelieferten Beutel oder gar dem Brillenetui, denn nichts hassen Fahrradbrillen mehr als den Kontakt mit harten Gegenständen wie Schlüsseln, Smartphones oder Lippenstiften. Für der Reinigung gilt: Mikrofasertuch bzw. -beutel schlägt T-Shirt. Das gleiche gilt für Küchenpapier oder Taschentücher, speziell erstere wirken oft wie feines Schmirgelpapier. Wasser und zur Not ein Schuss Spülmittel helfen in Kombination mit im Lieferumfang der Brille befindlichen Mikrofaserbeutel auch bei groben Verunreinigungen.

Einzelne Modelle im Test

Um Ihnen die Auswahl zu erleichtern, werden im Folgenden einige getestete Modelle vorgestellt:

Naked Optics The Volt

Individualisierbare Brille mit klarer Formsprache, gutem Halt und fairem Preis. Die The Volt von Naked Optics hat uns insbesondere überzeugt, was das Design angeht. Die farbenfrohe Brille wird vom Hersteller als „multifunktional und perfekt für verschiedene Sportarten geeignet“ vorgestellt, was sie offensichtlich nicht als reine Fahrradbrille kategorisiert. Der Look ist - wir sagten es - mehr als auffällig. Wer es poppig mag, wird diese Brille lieben! Je nach Bedarf und Einsatzbereich kann die Brille individuell angepasst werden: Der untere Rahmen lässt sich abnehmen, stattdessen kann man den mitgelieferten Nasenflügel anbringen, um je nach Geschmack ein randloses Sichtfeld zu ermöglichen.

Das Sichtfeld ist mit dem Fullframe uneingeschränkt gut, was an der großen Scheibe liegt. Mit ihrem Gewicht von 36 Gramm ist sie zwar eine der schwersten Brillen im Test, aber überraschenderweise tut das ihrem Tragekomfort keinen Abbruch. Sie sitzt sehr bequem, und die gummierten Bügelenden sorgen für einen perfekten Halt, sodass die Multifunktionsbrille auch bei anspruchsvollen Aktivitäten, bei denen es so richtig zur Sache geht, nicht verrutscht. Das individuell einstellbare Nasenstück bietet zusätzlichen Komfort und verhindert, dass die Brille speziell bei langen Trainingseinheiten drückt. Die Sportbrille besteht zu 50% aus der nachhaltigen Kunststoffmischung »CO2RE«, die laut Hersteller für „Langlebigkeit und Strapazierfähigkeit“ sorgt.

Da die Naked Optics The Volt nicht zu den selbsttönenden Fahrradbrillen gehört, ist es ein Pluspunkt, dass ihre Gläser wechselbar sind. »Die Brille sitzt bequem und sicher auf meinem Gesicht und passt auch gut unter meinen Fahrradhelm. Ich bin sehr zufrieden mit der Sicht durch die Gläser. Trotz des starken Schwitzens beim Mountainbiken hatte ich keine beschlagenen Gläser und konnte somit eine klare Sicht auf den Weg behalten. Auch bei wechselndem Wetter behielt ich stets eine klare Sicht und konnte gut sehen, ohne dass ich die Brille abnehmen musste.

Bollé C-Shifter

Die Bollé C-Shifter ist die - Entschuldigung für die Ausdruck - coole Sau unter den Sonnenbrillen. Sie hat das wohl aufgeräumteste Design unter allen getesteten Brillen. Zwar sind die Gläser der Brille nicht austauschbar, dafür ist die C-Shifter in zahlreichen Varianten erhältlich. Auf unserer Testfahrt fällt uns zunächst einmal die Unkompliziertheit der Brille auf - kein Anstoßen an den Augenbrauen, kein Enge-Gefühl und kein Anstoßen an den Schläfen - die Brille ist auch für »Breitkopferte« sehr gut geeignet. Auch was die Belüftung angeht, hat uns die C-Shifter gut gefallen.

Julbo Intensity Spectron HD

Multisportler werden die Julbo Intensity Spectron HD lieben! Mit unter 20 Gramm Gewicht (!) ist sie die leichteste Brille im Test. Der französische Hersteller hat hier jedenfalls sein ganzes Know-How aus Jahrzehnten der Sportbrillen-Herstellung einfließen lassen. Uns wurde die Brille zum Test mit Spectron HD-Gläsern der Kategorie 3 ausgeliefert. Optional ist sie auch mit teureren, nachdunkelnden Gläsern (Kategorien 1-3) erhältlich. Auffällig ist - wie sollte es anders sein - die gute Belüftung der Brille. Auch bei sehr schweißtreibenden, langen Anstiegen bringt man sie erst sehr spät zum Beschlagen. Das macht sie besonders für stark schwitzende Sportler attraktiv. Einziges Manko der luftigen Konstruktion: Die Brille wirkt recht filigran, zum Beispiel an den Bügeln. Daher auch der gut gemeinte Rat, auf diese Brille vielleicht etwas mehr Acht zu geben als auf die über 30 Gramm schwere Konkurrenz.

Evil Eye Roadsense

Die Evil Eye Roadsense spielt preislich wie auch funktionell in einer eigenen Liga. Der Preis von rund 200 Euro ist stolz, doch muss man der Brille zugute halten, dass sie für unsere Begriffe mit einem der besten Brillengläser im Test punkten kann. Die von uns getestete Joris Ryf Edition (Joris Ryf ist ein Profi-MTB-Fahrer) mit »LST Vario purple M«-Gläsern kann man im Morgengrauen aufsetzen, bei wechselhaftem Wetter am Vormittag auf der Nase behalten, um die Tour dann bei strahlendem Sonnenschein ausklingen zu lassen. Evil Eye bietet die Roadsense auch mit geschliffenen Gläsern an - und natürlich mit unterschiedlichen Gläsertypen, die gewechselt werden können. Zwar beschreibt der Hersteller die Brille als »extrem leicht«, mit 33 Gramm reiht sie sich jedoch bestenfalls in der Mittelklasse ein.

Alpina Turbo HR

Günstige Brille für Einsteiger mit technischem Look, anständiger Belüftung und solider Bauweise. Die Alpina Turbo HR bringt alles mit, was eine Fahrradbrille für Einsteiger braucht - und sieht dabei noch richtig cool aus. Ebenso gut hat uns die Belüftung gefallen - für die meisten Einsatzbereiche reicht sie aus, allein auf langen, hochsommerlichen Passfahrten dürfte sie an ihre Grenzen stoßen. Für Einsteiger bietet die preiswerte Alpina Turbo HR alles, was man auf kürzeren Tour braucht.

Weitere getestete Modelle

Weitere getestete Modelle umfassen:

  • Athletes Eyewear Gamechanger
  • Van Rysel RR 900 Perf
  • Rudy Project Magnus
  • Engo 2

Selbsttönende Sonnenbrillen im Test

Eine Sonnenbrille gehört für die meisten Biker so selbstverständlich zur Ausrüstung wie Fahrradpumpe und Ersatzschlauch. Dabei ist sie für viele mehr als nur reiner Schutz vor Sonne, Fahrtwind oder Flugobjekten. Gerade die aktuell so angesagten Shield-Modelle mit besonders großen Scheiben punkten mit einer zusätzlichen Portion Style.

Wenn aber der Trail plötzlich in einen schattigen Wald wechselt oder man auf der Tour von der Dämmerung überrascht wird, sind diese Filterklassen zu dunkel. Anhalten und Scheibe wechseln? Das nervt. Ohne Brille weiterfahren? Zu gefährlich für die Augen. Selbsttönende Brillen passen sich automatisch an die jeweiligen Lichtverhältnisse an und können so den optimalen Kompromiss bieten.

Breiter Einsatzbereich dank Selbsttönungs-Effekt

Um einen möglichst breiten Einsatzbereich abzudecken, sollte die Anfangstönung der Brille möglichst klar sein. Nur dann sind die Gläser im Übergang zwischen Tag und Nacht ausreichend hell und bieten auch bei Nachtfahrten mit Licht ausreichend Sicht. Die meisten Modelle im Test wechseln ihre Tönung zwischen den Filterklassen zwei und drei. Wirklich nachttaugliche Kandidaten beginnen dabei bei einer kaum wahrnehmbaren Abdunklung von 20 bis 25 Prozent.

Die dunkelste im Test gemessene Scheibe filtert bis zu 88 Prozent des Lichts, was eher für grelle Tage in der Wüste, als für die mitteleuropäische Wirklichkeit taugt. Dunkler ist also nicht unbedingt besser. Die Filterklasse muss übrigens laut EU-Norm bei jeder Brille angegeben sein. Doch die Filterklassen sind erklärungsbedürftig, da die Verdunkelungswirkung nicht linear verläuft, sondern exponentiell. Während die Klasse 0 (mit 0-20 Prozent Tönung) kaum sichtbar tönt, liegen zwischen Verdunkelungen von 70 und 90 Prozent Welten.

Für Fahrten im Auto sind selbsttönende Brillen in der Regel nicht geeignet. Weil moderne Autoscheiben einen Großteil der UV-Strahlung filtern, ist die Reaktion der photoaktiven Moleküle im Brillenglas stark eingeschränkt. Der UV-Schutz hingegen bleibt auch bei nicht getönter Scheibe in vollem Umfang erhalten.

Gut zu wissen: Filterklassen von Sonnenbrillen in der Übersicht

Von völlig klar bis ziemlich dunkel - diese Filterkategorien gibt es bei Sonnenbrillen:

  • Filterkategorie 0

    Geeignet für bewölkte Tage und Dämmerung

    Blendschutz: Bis 20 % des Lichts werden absorbiert

  • Filterkategorie 1

    Geeignet für bedeckte Tage

    Blendschutz: Bis 57 % des Lichts werden absorbiert

  • Filterkategorie 2

    Geeignet für Sommertage in unseren Breiten (Mitteleuropa)

    Blendschutz: Bis 82 % des Lichts werden absorbiert

  • Filterkategorie 3

    Geeignet für Aufenthalte im Schnee, in den Bergen und am Meer in Südeuropa

    Blendschutz: Bis 92 % des Lichts werden absorbiert

  • Filterkategorie 4

    Geeignet für Aufenthalte im Hochgebirge oder auf Gletschern - zum Autofahren ungeeignet!

    Blendschutz: Bis 97 % des Lichts werden absorbiert

Details & Bewertung: Ergebnisse der Brillen im Test

Hier eine zusammenfassende Tabelle der getesteten Brillen mit ihren jeweiligen Bewertungen:

Modell Preis Gewicht in M Filterfarbe Kategorie Transmission Breite Länge Anpassung Passform BIKE-Bewertung
100% S2 149 Euro 32 Gramm Klar zu grau 1-3 82-24% 133 mm 169 mm Keine Für mittelbreite Gesichter und schmale bis mittlere Nasen sehr gut - 51 Punkte
Alpina S-Way QVM+ 149 Euro 31 Gramm Blau, verspiegelt 1-3 48-23% 132 mm 154 mm Nasensteg, Bügel, Inklination Für schmale bis mittlere Gesichter gut - 44 Punkte
BBB Fullview PH 119 Euro 31 Gramm Klar zu grau 1-3 81-20% 132 mm 158 mm Nasensteg Für breite Gesichter, Nasensteg variabel sehr gut - 49 Punkte
Bollé Lightshifter 199 Euro 35 Gramm Grau, grün verspiegelt 1-3 60 -12 % 132 mm 160 mm Nasensteg dreifach Für schmale bis mittelbreite Nasen und Gesichter gut - 45 Punkte
Evil Eye Vizor Pro 279 Euro 36 Gramm Klar zu grau 0-3 88-16 % 132 mm 159 mm Nasensteg dreifach, Inklination Für mittelbreite Gesichter sehr gut - 49 Punkte
Julbo Rush 209 Euro 38 Gramm Rotbraun 1-3 80-24% 130 mm 169 mm Nasensteg, Bügel Für mittlere bis schmale Gesichter sehr gut - 47 Punkte
Oakley Flight Jacket 249 Euro 35 Gramm Klar zu grau 1-3 75-22% 135 mm 170 mm Keine Für mittelbreite Gesichter und mittelbreite Nasen sehr gut - 48 Punkte
Rockrider XC Race 55 Euro 39 Gramm Klar zu grau 1-3 63-20 % 132 mm 162 mm Keine Für schmale bis mittlere Gesichtsformen, schmale Nasen gut - 41 Punkte
Rose PS 07 Photocromic 65 Euro 30 Gramm Klar zu grau 0-2 93-44 % 130 mm 164 mm Nasensteg Für schmale oder runde Köpfe, variabler Nasensteg sehr gut - 50 Punkte
Rudy Project Cutline 235 Euro 36 Gramm Rotbraun 1-3 79-23 % 136 mm 162 mm Nasensteg, Bügel Für breite Gesichter, variabler Nasensteg sehr gut - 48 Punkte
Scott Shield LS 119 Euro 36 Gramm Klar zu grau 1-3 61-22% 140 mm 168 mm Nasensteg Für breite Gesichter, Nasensteg variabel gut - 42 Punkte
Smith Attack MAG MTB 229 Euro 35 Gramm Klar zu grau 0-3 86-21 % 130 mm 162 mm Nasensteg Für schmale bis mittelbreite Gesichter und Nasen sehr gut - 53 Punkte
Sweet Protection Ronin 229 Euro 32 Gramm Klar zu grau 0-3 82-19 % 136 mm 159 mm Keine Für mittelbreite, runde Gesichter, mittlere bis breite Nasen 49 Punkte

Fahrradbrillen mit Sehstärke

Eine Sehschwäche kann den Spaß am Radfahren verleiden. Die Alltagsbrille oder Kontaktlinsen können Abhilfe schaffen, haben aber auch Nachteile. Eine günstige Sportbrille mit geschliffenem Sehbereich oder Klebelinsen kann - nur für Weitsichtige - eine individuelle Option sein. Optik-Clips korrigieren gut, häufig aber ist der Sehbereich klein und die Gläser beschlagen leicht; hinter einer nur leicht getönten Sportbrille ist zudem das Aussehen gewöhnungsbedürftig. Direktverglaste Modelle sind relativ teuer, bieten aber die besten optischen Eigenschaften, schützen gut und fallen nicht auf.

Brille oder Kontaktlinsen?

Die Alltagsbrille ist fürs Radfahren meistens keine Option. Ihre kleinen, annähernd senkrecht vor den Augen stehenden und meist nicht getönten Gläser schützen kaum vor Fahrtwind, anfliegenden Insekten und Sonne. Im Augenwinkel trifft der Blick nicht auf geschliffenes Glas, entsprechend unscharf bleibt dieser Bereich. Zudem verrutscht die Brille leicht auf schweißnasser Nase und Kopf. Mit Kontaktlinsen und Sonnenbrille kommen viele Radsportler gut zurecht - wissen aber auch, dass das System an seine Grenzen kommen kann, wenn fortwährend Schweiß in die Augen läuft oder Regen und Spritzwasser die Linsen unterspülen. Damit der Spaß am Lieblingssport uneingeschränkt erhalten bleibt, lohnt also der Gang zum Sportoptiker.

„Sogar Radfahrende Brillenträger wissen oft gar nicht, dass es auch Radbrillen in Sehstärke gibt“, wundert sich Walter Drum, selbst aktiver Rennradler. Dabei steigt der Bedarf stetig, denn in einer immer älter werdenden Gesellschaft nimmt auch die sogenannte Alterssichtigkeit (Presbyopie) zu - mit dem Effekt, dass die Augenlinse im Nahbereich nicht mehr so gut scharf stellen kann. Das merken wir spätestens dann, wenn die Arme zu kurz sind, um das Handydisplay in den Schärfebereich der Augen zu rücken.

Vorteil Gleitsicht-Sportbrille

Auf dem Rad ist nicht nur der Radweg voraus klar zu erkennen, sondern auch die Anzeige auf der Fitnessuhr.

Immer mehr Angebote für eine Sportbrille mit Sehstärke

Die gute Nachricht ist, dass immer mehr Hersteller auf diese Entwicklung reagieren. Die Auswahl an Rad-Sportbrillen zur Direktverglasung wächst ebenso wie das Angebot von Modellen, an denen man zumindest Optik-Clips befestigen kann - quasi eine Brille in der Brille. Die Radbrille von Siols eignet sich besonders gut für Optik-Clips mit sehr großem Korrekturbereich. Neun Hersteller bieten laut unserer Recherche mittlerweile Direktverglasungen an; viele Optiker statten auch Sportbrillen anderer Marken mit geschliffenen Gläsern aus, die diese Möglichkeit selbst nicht anbieten.

Qualifizierte Sportoptiker findet man über den Zentralverband der Augenoptiker (ZVA) oder über die Webseite des Kuratoriums Gutes Sehen e.V.. Und: Auch bei Brillen-Discountern wie Fielmann oder Apollo-Optik lohnt die Nachfrage.

Technisch ist die Korrektur einer Sportbrille anspruchsvoller als bei einer Alltagsbrille

„Aufgrund der leicht schräg stehenden Gläser oder Scheiben und der geneigten Kopfhaltung auf dem Fahrrad muss der Korrekturschliff entsprechend angepasst werden“, erklärt Walter Drum. Deshalb eignen sich auch nicht alle Sportbrillenmodelle und -tönungen fürs Einschleifen der Sehstärke; und selbst bei einer eigentlich geeigneten Sportbrille sind die Möglichkeiten begrenzt, mehr als sechs Dioptrien lassen sich selten realisieren. Grundsätzlich gut zur Korrektur eignen sich Brillen mit Vollrahmen und zwei getrennten Gläsern, selbsttönende Gläser und ausgesuchte Einscheiben-Modelle. Die trendigen Shield-Modelle sind schlecht geeignet für die Direktverglasung, wenn ihre Scheibe sich nicht eng genug um den Kopf schmiegt. Bei einem Gleitsichtmodell, also einem korrigierten Schliff, der scharfes Sehen im Nah- wie im Fernbereich ermöglicht, muss die Scheibe genügend groß sein für den Übergangsbereich zwischen diesen beiden Zonen.

Viel zu beachten bei der Anpassung

Die Vermessung der Augen für eine Sportbrille erfordert wegen der großen Gläser und deren starker Krümmung (der Basiskurve) mehr Aufwand als bei einer Alltagsbrille. Der größte Unterschied besteht darin, dass der Korrekturschliff der auf dem Fahrrad geneigten Haltung des Kopfes angepasst sein und bis in die Augenwinkel ein scharfes Bild ermöglichen muss. Weitere wichtige Parameter sind der Pupillenabstand und die Höhe: Damit ist die Ebene gemeint, auf der die Augen in Fahrradhaltung durch die Brille schauen - was von der individuellen Passform der Brille abhängt.

Langzeit-Erfahrungen

Die beiden Redaktions-Kollegen Jörg Wenzel und Jörg Spaniol haben das Herumprobieren mit Kontaktlinsen und Optik-Clips schon vor Jahren aufgegeben und in direktverglaste Radbrillen investiert. Entsprechend viel Erfahrung haben sie bereits gesammelt. Jörg Wenzels Tipp: „Bei Radsportbrillen mit Gleitsichtgläsern wird der Nahbereich oft auf 60 Zentimeter Abstand eingestellt. Für eine sportliche Sitzhaltung auf dem Fahrrad kann das aber zu viel sein. Ich komme mit dem üblichen Abstand für Gleitsichtbrillen von 30 bis 40 Zentimetern besser zurecht.“ Jörg Spaniol berichtet, dass ihn der Übergangsbereich seiner Gleitsichtbrille anfangs stark irritierte. Er empfiehlt zudem, bei der Vermessung und Beratung durch den Optiker sehr kritisch zu sein und im Zweifelsfall lieber einmal öfter nachzufragen. „An eine Brille, die nicht perfekt zum eigenen Sehvermögen passt, kann man sich nicht gewöhnen, und man sollte es auch nicht versuchen. Unter Umständen bleibt da nur der Umtausch.“

Beide Sportbrillenträger haben noch einen gemeinsamen Tipp: Für eine korrigierte Rennradbrille sollte man die Tönung nicht zu dunkel wählen; das macht sie vielseitiger nutzbar und bringt, über alle Jahreszeiten gesehen, den besseren Durchblick.

Günstige Alternativen zu Radbrillen mit Sehstärke

Wer zu den Weitsichtigen gehört, die das Computer oder Smartphone-Display nicht mehr scharf sehen, für den gibt es kostengünstige Angebote in Form von Radbrillen mit Lesezone oder flexible Linsen zum Einkleben in die eigene Sportbrille. Experten empfehlen beide Varianten als Übergangs- oder Ersatzlösung. Aufgrund der nicht optimalen optischen Güte und der nicht exakt an die individuelle Fehlsichtigkeit angepassten Korrektur, beispielsweise bei ungleicher Fehlsichtigkeit auf dem linken und rechten Auge, beurteilen sie die dauerhafte Verwendung solcher Sehhilfen mitunter kritisch.

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