Nachdem 2023 die Internetstores GmbH mit Tochter Fahrrad.de und mehr als 32 weiteren Online-Händlern Insolvenz angemeldet hatte, scheint jetzt Rettung für die Fahrradsparte in Sicht: Gründer René Marius Köhler kauft sein früheres Unternehmen offenbar zurück. Nachdem es lange unklar war, wie es mit der insolventen Internetstores GmbH (Addnature, Bikester, Brügelmann, Campz, Fahrrad.de, Probikeshop) weitergeht, scheint jetzt eine Lösung zumindest für die Fahrradsparte gefunden zu sein.
Internetstores-Insolvenzverwalter Christian Gerloff gab bekannt, dass eine Vereinbarung zum Verkauf der Vertriebsplattformen Fahrrad.de und Bikester abgeschlossen wurden. Ab dem 1. Mai 2024 wird eine Gesellschaft des Stuttgarter Unternehmers René Marius Köhler die neue Eigentümerin werden.
Gründer René Köhler übernimmt wieder Fahrrad.de
Gründer René Köhler übernimmt wieder :
René Köhler hatte Fahrrad.de 2003 im Alter von 20 Jahren gegründet und 13 Jahre als CEO geführt. Er galt damit in der Branche als erfolgreichster Junggründer Deutschlands. 2016 verkaufte er die Internetstores GmbH an die Signa Group von René Benko. Köhler betreibt heute die Koehler Group, ein Investment- und Immobilienunternehmen in Stuttgart.
Laut dem Branchenmagazin RadMarkt will Köhler mit einer eigens für die Übernahme gegründeten Gesellschaft Fahrrad.de Bikester GmBH den Online-Shop Fahrrad.de und vier der fünf stationären Geschäfte in Deutschland übernehmen. Damit gibt es wohl eine Zukunft für die Fahrrad.de-Geschäfte in Stuttgart, Düsseldorf, Dortmund und Hamburg. Wie und ob es in Berlin weitergeht, ist noch unklar. Über die finanziellen Einzelheiten der Transaktion sei Stillschweigen vereinbart worden.
Insolvenzverwalter Gerloff erklärte in einem Statement:"Fahrrad.de und Bikester sind starke Marken mit einem treuen Kundenstamm. Ich freue mich, dass die Marken weiter bestehen werden und sich Bike-Enthusiasten auch künftig über die gewohnten Adressen für ihren Sport ausrüsten können."
Hintergrund der Insolvenz
Als Auslöser für die Insolvenzen-Welle der Internetstores und weiterer Unternehmen gilt der Rückzug einer Zahlungsvereinbarung des Hauptgesellschafters Signa Holding GmbH von 150 Millionen Euro an die Muttergesellschaft Signa Sports United NV. Am 1. Januar 2024 wurde das Insolvenzverfahren der Internetstores GmbH vom Amtsgericht Bielefeld eröffnet.
Zwischenzeitlich konnte man bei Fahrrad.de keine bereits erhaltene Ware retournieren. Es gab Gerüchte über Kündigungswellen. Aktuell läuft immer noch ein Räumungsverkauf auf der Webseite von Fahrrad.de. (Stand 04.04.2024)
Was steckt hinter Signa Sports United?
Die von René Marius Köhler vor 20 Jahren gegründete Internetstores GmbH, zu der auch Fahrrad.de gehört, wagt 2021 zusammen mit weiteren Unternehmen aus dem Sport-Bereich den Gang an die Börse. Sie alle werden unter der Signa Sports United NV (SSU) vereint, einem Dachkonzern ohne eigenen Geschäftsbereich. Das Berliner Unternehmen SSU gehört zum Imperium des österreichischen Investors René Benko (Galeria/Karstadt) und ist ein sogenannter SPAC (Special Purpose Acquisition Company), ein 2021 sehr beliebter Weg, um an die Börse zu gelangen.
Zum damaligen Zeitpunkt wird das mehrheitlich von Benkos Signa Holding gehaltene Unternehmen von der Börse mit 3,2 Milliarden USD bewertet. Der Gedanke hinter dem Börsengang: Der Erlös der Aktien soll eine aggressive Wachstumsstrategie finanzieren. (Quelle: Handelsblatt 14.12.2021)
"Dieser wichtige Schritt ermöglicht es uns, auf der Stärke unserer Technologie- und Infrastrukturplattform aufzubauen und unsere Position auf dem globalen Sport-E-Commerce-Markt weiter auszubauen", so Signa Sports Chef Stephan Zoll zum Abschluss des Deals.(Quelle: Handelsblatt 14.12.2021)
Stetiger Wertverlust der Signa Sports Aktie
Laut Fahrrad.de-Gründer Köhler besitzen die Aktien zu diesem Zeitpunkt einen Wert von fast 10 Euro das Stück (Quelle: Suttgarter Zeitung 23.10.2023 - 15:01). Am 29. September 2023 schließt die Signa-Sports-Aktie mit 27 US-Cent, am Montag darauf mit rund 20 US-Cent (Quelle: Handelsblatt Börse 27.10.2023). Dazwischen eine Geschichte des stetigen Wertverlustes.
Wie kam es zur Insolvenz von Internetstores?
Noch im Februar dieses Jahres holt Signa einen Sanierungsspezialisten für fahrrad.de an Bord. Ende Juni verspricht die Signa Holding GmbH eine weitere 150-Millionen-Euro-Finanzspritze für die SSU. Bereits zuvor hat der Investor immer wieder finanziell unter die Arme gegriffen.
In der Zwischenzeit ist der Börsenwert des Unternehmens von 3,2 Miliarden USD bei Börsengang auf wenige Millionen geschrumpft. Das Ende des Corona-Fahrrad-Booms in der Branche und die hohen Lagerbestände werden dafür mitverantwortlich gemacht.
Am 2. Oktober 2023 wird schließlich bekannt, dass SSU sich von der Börse zurückziehen wird.
Signa Holding zieht 150 Millionen EURO Finanzhilfe zurück
Den letzten Rest gibt dem zusammenbrechenden Konstrukt die Ankündigung der Hauptgesellschafterin Signa Holding GmbH vom 16.Oktober, die dringend benötigte Finanzspritze von 150 Millionen Euro zurückzuziehen.
Seit dem 19. Oktober 2023 sind bei fahrrad.de keine Rücksendungen mehr möglich. Schwestergesellschaften der fahrrad.de-Mutter Internetstores wie Tennis Point GmbH, ChainReaction und Wiggle melden Insolvenz an.
Internetstores reicht Insolvenzantrag ein
Die Gerüchte über eine mögliche Insolvenz von Internetstores und fahrrad.de manifestieren sich am 23. Oktober 2023 in der Veröffentlichung des Insolvenzantrages beim Landgericht Stuttgart. Für den Mutterkonzern SSU und die Töchter Internetstores und Tennis-Point wird ein gemeinsamer Insolvenzverwalter eingesetzt.
Internetstores-Gründer Köhler spricht im Gespräch mit der Stuttgarter Zeitung von Fehlern im Management von SSU (Quelle: Suttgarter Zeitung 23.10.2023 - 15:01).
Wegen des laufenden Insolvenzverfahrens kann Fahrrad.de aktuell nicht alle Services anbieten. Auf der eigenen Webseite findet sich diese Statusmeldung an die Kunden (30.10.2023).
Was bedeutet das für Kunden von fahrrad.de?
Weitere Konsequenzen hängen davon ab, was der Insolvenzverwalter mit Internetstores vor hat. Er entscheidet, ob liquidiert oder saniert wird. Möglicherweise werden Lagerbestände verkauft und Entlassungen im Personalbereich vorgenommen.
Aber auch die Tochterunternehmen der Internetstores GmbH, z. B. fahrrad.de, gehören zu den Vermögenswerten, die im Zuge der Insolvenz veräußert werden können, um die Gläubiger zufrieden zu stellen.
Vorerst ist die gute Nachricht, dass fahrrad.de sobald möglich alle Services wieder aufnehmen möchte. Dazu gehört auch der Retouren-Service, der seit dem 19. Oktober ausgesetzt ist.
Das Firmen-Imperium von René Benko ist Ende 2023 in sich zusammengebrochen - ein Unternehmen nach dem anderen musste Insolvenz anmelden. In den Strudel der Signa-Pleite ist auch Internetstores und seine bekannteste Marke Fahrrad.de geraten.
Neustart von Fahrrad.de
René Marius Köhler hatte Fahrrad.de 2003 gegründet und bis 2016 als CEO geleitet. Nach der Eingliederung in die Signa Sports United hielt er nur noch einen kleinen Anteil und war nicht mehr in der Unternehmensführung. Jetzt hat er Fahrrad.de gekauft und wagt den Neustart.
Im Interview erklärt er die Pläne für die Zukunft:
TOUR: Was genau haben Sie gekauft?
Köhler: Es geht nur um Internetstores - nicht um Wiggle, Chain Reaction und andere Elemente der Signa Sports United. Internetstores war Weltmarktführer für den Versand von Fahrrädern - in der Spitze waren es 600 Millionen Euro Umsatz. Wir haben keinen alten Rechtsträger übernommen, sondern nur die Domain, die Markenrechte und die Kundendaten gekauft. Im Kern haben wir Fahrrad.de und Bikester übernommen und der Deal umfasst auch die Eigenmarken wie Votec. Nicht übernommen haben wir das nordeuropäische Geschäft, also Finnland, Dänemark und Norwegen und Schweden. Und wir haben nicht das Outdoor-Geschäft übernommen, das unter Campz lief.
TOUR: Sie hatten selbst Anteile an Signa Sports United?
Köhler: Ja. Es waren ursprünglich Internetstores-Anteile, die zum Börsengang in Anteile der Sigma Sports United getauscht wurden. Das sollte mehr Motivation für das gesamte Unternehmen bringen. Allerdings wurde die Firma so katastrophal geführt, die Sigma Sports United und auch die Töchter, das hat überhaupt nichts ausgemacht. Die sind mit 180 gegen die Wand gefahren. Ich hatte beim Börsengang der Sigma Sports United sieben Millionen Aktien, und der IPO-Preis pro Aktie waren 10 Dollar. Das heißt, da hatte ich einen Anteil von 70 Millionen US-Dollar.
TOUR: Warum wollte niemand Signa Sports übernehmen?
Köhler: Anfänglich gab es viele Wettbewerber. Fast jeder Marktteilnehmer war interessiert: von Decathlon über Bike24, über SportsDirect und viele andere.
Aber das war ein unendlich komplexes Firmenkonstrukt: ein Listing in Amerika an der Börse, dann eine holländische BV als Dachgesellschaft, und dann eine Berliner Holding, Sigma Sports United. Dann darunter die ganzen Töchter, wie Wiggle und Internetstores und Tennispoint. Diese Firmen haben ihrerseits überall in verschiedenen Ländern Töchter. Die Internetstores hat wieder Töchter in Skandinavien oder in Südeuropa.
Allein dieser Insolvenzprozess ist kompliziert: die Verknüpfungen zu den Töchtern werden aufgelöst und jede einzelne Firma hat ihren eigenen Insolvenzverwalter. Allein bei Sports United war wahrscheinlich eine zweistellige Anzahl von Insolvenzverwaltern unterwegs. Das muss dann auf Einzelunternehmen-Ebene geführt werden. Das muss aber auch wieder im Kontext der gesamten Sigma Sports United-Verfahren geführt werden. Dann sind überall die Banken dabei und die Gründer und die Manager. Das ist ein unfassbar komplexes Konstrukt. Da werden Tausende von Menschen jahrelang beschäftigt sein, das aufzuräumen.
Es geht für Fahrrad.de wieder bei Null los
TOUR: Ihre Mutter hat laut einem Interview gesagt sie sind irre: ohne Ware und in so kurzer Zeit den Neustart mit Fahrrad.de zu wagen
Köhler: Ja, meine Mutter hat schon recht - es geht jetzt wieder von Null los. Sie müssen sich erstmal für ein Shopsystem entscheiden, für eine Datenbank, für die ganzen Auswertungssysteme. Das sind alles simple Fragen, die aber in unglaublicher Kürze geklärt werden müssen. Sie brauchen die komplette Ware und Mitarbeiter und selbst so etwas einfaches wie ein Telefonanschluss ist wichtig.
TOUR: Ist es realistisch, das in so kurzer Zeit aufzubauen?
Köhler: Technisch muss ich sagen, es ist schon bemerkenswert, was diese Industrie in den letzten 20 Jahren geleistet hat. Es ist schon so, dass es heutzutage Systeme gibt, von denen wir damals nicht zu träumen gewagt hätten. Shopsysteme, die sehr gut bedienbar sind, Integrationsmöglichkeiten der Daten oder die Produktanlage. Da haben wir früher Produkt für Produkt händisch angelegt und heute können wir Produkte automatisch aus erhaltenen Produktdaten einrichten. Früher haben wir die Bilder zum Beispiel selbst gemacht im eigenen Fotostudio. Das ist heutzutage alles Standard.
TOUR: Und kann man am 1. Mai auf der neuen Seite von Fahrrad.de einkaufen?
Köhler: Ja, auf jeden Fall. Auf den Großteil des früheren Funktionsumfangs wird man am Anfang noch verzichten müssen. Sicherlich fehlt auch im Zubehör- und Bekleidungsbereich einiges. Fahrräder werden auf jeden Fall angeboten. Es gibt auch schon zwei Marken, die ich nennen kann: Cube und Kalkhoff. Die DNA von Fahrrad.de waren immer Kompletträder. Das ist auch, wo ich persönlich herkomme: mein Vater hatte einen Fahrradladen in Stuttgart. Zubehör, Teilebekleidung war auch wichtig, aber wir haben uns als Fahrradverkäufer verstanden.
Volle Lager sind ein Glücksfall
TOUR: Letztendlich haben Sie Glück, weil aufgrund der Marktlage noch Material in den Lagern ist. Das wäre ja noch vor 1,5 Jahren ganz anders gewesen.
Köhler: Die Krise hat mit dazu beigetragen, dass die 70 Mio. Dollar, die ich da drin hatte (Anm. d. red.: Anteile an Signa Sports United) als Vermögen, sich aufgelöst haben. Bis dato war es dann Pech. Jetzt in der aktuellen Situation haben wir dieses Glück, weil die Ware ist da.
Viele Lieferanten haben sogar das Problem, dass sie noch Eigenmarken von uns auf dem Hof haben. Es gibt jetzt auch keine verbrannte Erde. Der Zuspruch aus der Branche ist enorm. Ich hatte damals einen ordentlichen Ruf und habe nie die Leute geärgert. Deswegen freut sich eigentlich die Industrie, dass ich zurückkehre.
TOUR: Wir hatten einen schwierigen Fahrradmarkt mit Kaufzurückhaltung. Erwarten Sie eine baldige Trendwende? Ist Ihre Hoffnung, dass sie mit Fahrrad.de von einem neuen Aufschwung profitieren können?
Köhler: Ja, das ist definitiv die Annahme. Den Startzeitpunkt haben wir nicht zu bestimmen gehabt. Die Insolvenz war da und der Prozess hat gedauert. Aber das war sicher ein Grund, dass wir gesagt haben, wir möchten das machen, dass einerseits Ware am Markt verfügbar ist zu attraktiven Konditionen, die auch einem Newcomer ermöglichen, Ware zu bekommen. Es war ja zeitweise unmöglich, die richtige Ware zu kriegen.
Im Moment ist extrem viel Ware im Markt aber die Umsätze waren überschaubar. Wenn es dann wieder losgeht, würden wir uns ganz gut positioniert fühlen. Das kommt definitiv mit dazu, dass ich das noch mal gemacht habe. Viele Leute fragen, warum ich mir das nochmal antue. Aber ich konnte es irgendwie nicht lassen.“
Halbe Million Euro Verlust am Tag”
TOUR: Was wollen Sie anders machen, als Signa Sports?
Köhler: Man kann das mit Signa Sports überhaupt nicht vergleichen. Als ich das Unternehmen übergeben habe, war es mit 7,5 Prozent Ergebnis vom Umsatz sehr profitabel für den Händler. Zum Schluss hatte es im letzten Jahr ein negatives Ergebnis von 30-35 Prozent. Zahlen, die derartig haarsträubend sind, dass man es fast nicht erklären kann. Allein Internetstores hat pro Arbeitstag eine halbe Million Euro Verlust gemacht. Das muss man sich mal vorstellen.
TOUR: Der Markt hat sich völlig verändert im Vergleich zu ihrer Gründungsphase von Fahrrad.de vor 20 Jahren. Warum glauben Sie, trotzdem erfolgreich sein zu können?
Köhler: Der Markt hat sich komplett verändert, aber die Art, wie man Erfolg hat, oder die Elemente, die es braucht, um Erfolg zu haben, haben sich nicht verändert. Ein ordentliches Sortiment zum leistungsfähigen Preis, ein tolles Online-Marketing, eine Erreichbarkeit im Kundenservice, und dass die Menschen verstehen, wofür sie arbeiten. Dann aber auch ein kuratiertes Sortiment, wo man den Kunden nicht mit 200.000 Produktlisten überfordert, sondern eine Beratungsfunktion wieder wahrnimmt. Das ist unsere Empfehlung.
Und dann vor allem, dass die Prozesse wieder klappen. Signa hat es teilweise geschafft, auf Fahrrädern eine Lieferzeit von sechs Wochen zu haben. Ich habe nur angeboten, was auch im Lager ist. Das sind Dinge, die ich wieder implementieren will. Die meisten Händler überschätzen völlig ihre Aufgabe. Die Aufgabe des Händlers ist nur, Ware anzubieten zu einem ordentlichen Preis, um sie schnell zum Kunde zu bringen, ohne Fehler. Jeder glaubt, er hätte noch 100.000 Funktionen mehr, vernachlässigt dann aber diese Kernprozesse. Wenn Sie mich ganz ehrlich fragen, ich wäre schon glücklich, wenn wir es schaffen, die Kernprozesse gut zu machen.
TOUR: Wird es noch stationäre Geschäfte von Fahrrad.de geben?
Köhler: Es gibt stationäre Fahrradgeschäfte in Hamburg, Dortmund, Düsseldorf und zwei in Stuttgart und Berlin. Berlin geben wir ab, das war innerhalb von der Karstadt-Fläche, zu den überzogenen Benko-Mieten, das macht keinen Sinn - alle anderen Standorte übernehmen wir. Wir wollen auch gerne expandieren. Früher wollte ich das nicht machen, weil mir das zu komplex erschien. Ich wollte mich konzentrieren auf das Thema Online, aber der Markt hat sich erheblich verändert.
Wir haben heute das Thema E-Bikes, wo die Service-Herausforderung nochmal gewachsen ist im Vergleich zu früheren Normalrädern. Dann haben Sie das Thema Bike Leasing, was einen riesigen Anteil hat, der einfacher stationär funktioniert, als online. Früher hatten wir Outdoor und Bike und das in verschiedenen Ländern. Jetzt ist es relativ simpel: es ist der Fokus auf dem deutschsprachigen Markt. Dann zu sagen, wir machen vielleicht auch noch einen Laden in München oder Zürich - das könnte ich mir schon gut vorstellen. Und wir werden weiter an Partnerschaften mit dem stationären Handel festhalten.
Es gab ein sehr erfolgreiches Teilgeschäftsmodell: das hieß Fahrrad.de-Fachhandelspartner. Da gibt es Vergütungen, wenn wir das Fahrrad zum Händler liefern dürfen und er das dann aufbaut und dem Kunden übergibt. Auch als Service ist er dann ansprechbar.
Filialen und Mitarbeiter
Das Bangen um fahrrad.de und die Filialen unter anderem in Dortmund und Düsseldorf ist beendet: Es geht weiter mit den Bike-Shops. Auch der große Online-Shop ist gerettet. Wochenlang hatte es online und in den Filialen eine Rabattschlacht gegeben. „Wir schließen“, hieß es auf großen Plakaten in den Schaufenstern. Es lockten Preisnachlässe von bis zu 80 Prozent.
Und lange sah es tatsächlich nach Schließung aus: Der Dachkonzern des Online-Fahrradhändlers, die Internetstores GmbH, hatte Ende 2023 Insolvenz angemeldet. Internetstores war in den Sog der Pleite ihres Mutterkonzern geraten - dem Handels- und Immobilienkonzern Signa von René Benko.
Der riesige Onlineshop von fahrrad.de stellte den Verkauf ein, und schnell sah es auch für die sechs Vor-Ort-Filialen düster aus.
Die Mitarbeitenden in den Filialen dagegen müssen sich kaum umstellen: „Wir übernehmen alle“, sagt der neue alte fahrrad.de-Chef. Rund zehn Beschäftigte seien es in jeder Filiale, auch in Dortmund und Düsseldorf.
Ausblick
Jetzt muss sich zeigen, wie erfolgreich ein Online-Fahrradhandel und seine Filialen wirklich sein können. Schließlich hat sich der Fahrrad-Markt nicht zuletzt mit eBikes und Corona-Boom stark gewandelt. Seit René Köhler den Fahrradladen seines Vaters in Stuttgart zu fahrrad.de ausbaute, hat sich viel verändert.
Ein Düsseldorfer Beispiel zeigt die aktuelle Situation: In einem Fahrradgeschäft in Flingern Süd läuft bis Ende April der Räumungsverkauf, mit Rabatten bis 80 Prozent. Die Filiale von Fahrrad.de an der Ronsdorfer Straße. Die Plakate im Schaufenster schreien einen in Großbuchstaben an: „Alles muss raus, wir schließen diese Filiale“. Rabatte werden in grellen Farben versprochen, „bis zu 80 Prozent vom Originalpreis“.
Im Eingangsbereich liefert ein Aufsteller den Countdown: „Nur noch 8 Tage“. Wer die Filiale der Handelskette Fahrrad.de an der Ronsdorfer Straße in Flingern Süd besucht, bekommt auf den ersten Blick Endzeitstimmung. Tatsächlich aber wird der Standort nach dem Räumungsverkauf nicht etwa geschlossen, sondern es geht ab Mai nahtlos weiter.
Bisher gehörte die Marke Fahrrad.de zur Internetstores Group, die wiederum zu einer Gesellschaft namens Signa Sports United gehört. Das ist eines der vielen Handelsunternehmen von René Benko - und war das erste Opfer in einer ganzen Reihe von Insolvenzen des Österreichers.
Internetstores ist seit Herbst pleite, weil Benko kein Geld mehr nachschoss und damit auch das Fahrradgeschäft komplett aus der Spur brachte. Der schwäbische Multimillionär René Marius Köhler, der Fahrrad.de einst gegründet und später an Signa verkauft hatte, übernimmt das Unternehmen nun wieder - und damit auch den Laden und die Belegschaft in Düsseldorf.
„Seit gestern haben wir alle Verträge neu abgeschlossen und können sicher sagen, dass es weitergeht“, sagt Köhler. Vergangene Woche wurde dort der Mietvertrag unterzeichnet, die Laufzeit liegt bei fünf Jahren. Köhler hatte sich auch schon der Belegschaft vorgestellt, dort sei die Stimmung jetzt wieder gut, sagt der Filialleiter.
Aktuell wird auf der rund 500 Quadratmeter großen Verkaufsfläche noch das alte Sortiment verschleudert, weil der Insolvenzverwalter möglichst viel Geld für die Gläubiger herausholen will. Manche E-Bikes sind um Tausende Euro reduziert, Straßen-Rennräder kosten nur die Hälfte. Ab Mai übernimmt Köhler den Rest, „zunächst starten wir mit einem zerfledderten Sortiment“.
Dann soll der Fokus auf einer Handvoll Marken liegen, darunter Cube und Kalkhoff. Alle fünf Vollzeitmitarbeiter bekommen neue Arbeitsverträge, das Gehalt werde deutlich erhöht.
Die wichtigsten Daten im Überblick
| Ereignis | Datum |
|---|---|
| Gründung von Fahrrad.de durch René Köhler | 2003 |
| Verkauf der Internetstores GmbH an die Signa Group | 2016 |
| Börsengang der Signa Sports United | 2021 |
| Rückzug der Signa Holding von der Finanzierungszusage | 16. Oktober 2023 |
| Insolvenzantrag der Internetstores GmbH | 23. Oktober 2023 |
| Eröffnung des Insolvenzverfahrens | 1. Januar 2024 |
| Übernahme von Fahrrad.de durch René Köhler | 1. Mai 2024 |
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