Fahrradfahren lernen: Eine umfassende Anleitung

Möchten Sie jemandem helfen, das Radfahren zu lernen? Falls Sie keinen passenden Kurs in einer Radfahrschule in Ihrer Nähe finden: Mithilfe der folgenden Tipps können Sie einen absoluten Radfahr-Neuling dabei unterstützen, das Radfahren zu erlernen. Diese Tipps sollen eine „Erste Hilfe” sein und ersetzen keinen professionellen Radfahrkurs. Das Radfahren lernen ist ein komplizierter Prozess. Gerade wenn man es als Erwachsener lernt, kann es ein langer Weg sein.

Vorbereitung ist alles

1. Nehmen Sie den Radfahr-Beginner ernst

Glauben Sie dem Radfahrneuling, dass er/sie tatsächlich nicht Radfahren kann. Beglückwünschen Sie sie/ihn zu ihrem/seinem Entschluss, Radfahren lernen zu wollen. Sagen Sie: "Tolle Idee. Ich helfe Dir." Sagen Sie nie: "Radfahren kann doch jedes Kind" oder "Radfahren verlernt man nicht".

2. Suchen Sie ein passendes Rad und schrauben Sie die Pedale ab

Gut geeignet zum Radfahren lernen ist ein Rad mit einem tiefen Durchstieg. Wenn Sie die Wahl haben zwischen einem Rad mit Rücktrittbremse und einem ohne, nehmen Sie das Rad ohne Rücktrittbremse. Wenn Sie die Wahl zwischen verschieden großen Rädern haben, versuchen Sie es zuerst mit dem kleineren Rad.

Suchen Sie Werkzeug, um die Pedale abschrauben und die Sattelhöhe verstellen zu können. Denken Sie auch an eine Luftpumpe.

Stellen Sie den Sattel so tief wie möglich. Wenn der Sattel dann auf dem Gepäckträger klemmt, montieren Sie den Gepäckträger ab, damit Sie den Sattel noch tiefer stellen können.

Schrauben Sie beide Pedale ab. (Linkes Pedal zum Lösen nach rechts abschrauben. Beim rechten Pedal nach links schrauben.)

Wenn das Rad eine Gangschaltung hat, stellen Sie einen mittel-leichten Gang ein.

Bringen Sie auch Ihr eigenes Rad mit, damit Sie auch mal etwas vorführen können.

3. Achten Sie auf die richtige Bekleidung

Fürs Radfahren lernen braucht man keine besondere Bekleidung. Aber ein paar Dinge sollte man trotzdem beachten.

  • Schuhe: Die Schuhe sollten fest am Fuß sitzen und eine möglichst rutschfeste Sohle haben. Sneaker oder Turnschuhe sind gut geeignet. Die Schnürsenkel-Schleife am besten in den Schuh stecken, damit sie sich nicht am Rad verhaken kann. Sandalen und Flip-Flops sind nicht so gut geeignet.
  • Hose: Bequeme Jeans, Leggings oder Jogginghosen sind gut geeignet. Wenn die Hosenbeine sehr weit sind oder am Saum Aufschläge haben, müssen sie sorgfältig zusammengesteckt werden. Das geht gut mit speziellen Hosenklammern oder -Bändern. Oder Sie falten das Hosenbein außen am Knöchel zusammen und stecken es mit einer Wäscheklammer fest. Eine (gepolsterte) Radhose ist natürlich komfortabler als eine Jeans. Man kann so eine Radhose auch unter einer normalen Hose tragen.
  • Handschuhe: Engsitzende (Leder-)Handschuhe (z.B. Montage-Handschuhe aus dem Baumarkt) sind praktisch. Damit kann man sicher den Fahrradlenker greifen. Ideal sind Radfahrhandschuhe (mit oder ohne Finger, mit gepolsterter Handinnenfläche). Achten Sie darauf, dass die Radfahrhandschuhe richtig herum angezogen werden: Die gepolsterte Fläche sitzt innen auf der Handfläche. Der Klettverschluss sitzt oben auf dem Handgelenk/dem Handrücken.

4. Suchen Sie einen geeigneten Platz

Die Fläche muss frei von (Auto-)Verkehr sein. Der Platz/die Fläche kann asphaltiert sein oder einen anderen gut befahrbaren Belag haben. Ideal ist es, wenn der Platz nicht von außen einsehbar ist. Bitte fragen Sie im Zweifel nach, ob Sie den Platz benutzen dürfen. Auch in einem Park kann man (an einem Werktag) gut Radfahren lernen. Am Wochenende ist es im Park oft zu voll.

5. Nehmen Sie sich Zeit und nicht zuviel vor

Pausen sind wichtig beim Radfahren lernen auf einem Übungsplatz. Bis ein absoluter Radfahr-Neuling die erste Runde mit dem Rad dreht, wird es mehrere Stunden oder mehrere Tage dauern.

Radfahren lernen ist keine Mutprobe. Und "Beibringen" geht auch nicht. Fahranfänger*innen müssen selbst in kleinen Schritten lernen und neue Bewegungen ausprobieren.

6. Stellen Sie sich ein Kind auf einem Roller oder einem Laufrad vor

Wichtig sind: Kleine Schritte und ein individuelles Lerntempo.

7. Das Rad in Ruhe kennenlernen

Lassen Sie dem/der Anfänger*in Zeit, das Rad in Ruhe kennenzulernen. Seitenständer, Handbremse - alles ist neu. Zeigen Sie zuerst, wie man den Seitenständer aus- und einklappt!

Nun soll das Rad geschoben werden. Denken Sie sich Schiebe-Varianten aus:

  • Rad nur am Sattel anfassen.
  • "Parcours": Auf einem gezeichneten Parcours schieben.
  • Lassen Sie den/die Anfänger*in auch mal Ihr Rad schieben und dessen Bremsen testen!

Machen Sie zwischendurch ein paar Gleichgewichtsübungen. Stellen Sie sich z.B. mit einem Fuß seitlich auf einen Bordstein und schwingen mit dem anderen Fuß vor und zurück.

Die ersten Schritte auf dem Rad

8. Probieren Sie das Radfahren zuerst ohne Pedale

Nach dem ersten Kennenlernen des Rades kann es losgehen mit dem Lauf-Radeln bzw. Geh-Radeln. Dazu können Sie ein Fahrrad ohne Pedale und mit ganz niedrig gestelltem Sattel wie ein Laufrad benutzen.

Zu Beginn kann auf dem Sattel sitzend losgelegt und ausprobiert werden, wie sich die Geschwindkeit steigern lässt.

Es kann z. B. folgendes ausprobiert werden:

  • Nur mit dem linken / nur mit dem rechten Fuß abstoßen
  • Mit beiden Füßen zugleich abstoßen
  • Unterschiedliche Sattelhöhen ausprobieren

9. Üben Sie das Bremsen vor dem Fahren

Wer geübt hat, wie er ein Rad sicher zum Stehen bringt, hat weniger Angst vor dem Radfahren.

Mögliche Aufgaben zum Bremsen:

  • Vorderradbremse / Hinterradbremse / Beide Bremsen festhalten und versuchen, das Rad zu schieben
  • Nur Vorderradbremse / Nur Hinterradbremse / Beide Bremsen benutzen
  • Dosiert bremsen / Kräftig bremsen

10. Probieren Sie mal Rollern

Rollerfahren ist eine gute Vorübung fürs Radfahren. Wenn Sie einen Roller in Erwachsenengröße zur Verfügung haben, können Sie ihn jetzt zum Einsatz bringen. Aber auch ohne Roller kann man rollern! Schrauben einfach nur ein Pedal wieder ans Rad und fordern Sie den/die Anfänger*in auf, das Rad wie einen Roller zu benutzen. Er sollte sich dabei möglichst nicht auf den Sattel setzen.

Mögliche Aufgaben zu Rollern:

  • Rollern und Bremsen.
  • Auf kurvigem Parcours rollern.
  • Rechtsrum / linksrum.

Bei einem richtigen Roller kann man auch mal beide Füße auf den Roller setzen.

11. Tritt für Tritt zum Radfahren

Wenn der/die Fahranfänger*in sich mit dem Rad vertraut gemacht hat, wenn er/sie sicher laufradeln, rollern und bremsen kann, fehlt nur noch ein letzter Schritt vor dem eigentlichen Radfahren: Das Anfahren. Auch hier sollte man es wieder langsam angehen lassen: Schritt für Schritt bzw. Tritt für Tritt.

Zunächst ist es wichtig, dass der Fuß das Pedal findet und es in die richtige Anfahrposition bringen kann.

Für Räder ohne Rücktrittbremse: Pedal mit dem Fuß in die Runde bewegen: Sich über das Rad stellen, Bremsen festhalten, Füße mindestens schulterbreit auseinander. Wenn das rechte Pedal angeschraubt ist: Rad leicht nach links neigen, mit dem rechten Fuß das rechte Pedal rückwärts bewegen, immer in die Runde.

Für Räder mit Rücktrittbremse: Wenn das linke Pedal angeschraubt ist: Sich links neben das Rad stellen. Rad mit der linken Hand am Lenker halten, mit rechten Hand unter der Sattel greifen und das Hinterrad anheben. Mit dem rechten Fuß das linke Pedal vorwärts drehen.

Die richtige Anfahrposition ist gefunden wenn das Pedal fast oben steht (von links gesehen auf 11 Uhr)

Wenn das geklärt ist, kann es losgehen:

Im Sattel sitzend anfahren: Zum Anfahren den Fuß auf das oben stehende Pedal stellen. Während man sich mit dem Standbein vom Boden abstößt, tritt der Fuß das oben stehende Pedal runter und beschleunigt das Rad.

Erneut anfahren: Das Pedal wieder in Anfahrposition stellen und wieder anfahren.

Wenn Anfahren und Bremsen gut klappen: Beide Pedale anschrauben!

Viele Anfänger*innen können jetzt "spontan" radfahren und die nächste halbe Stunde werden Sie sie nicht mehr vom Rad runter bekommen. Lassen Sie sie/ihn das Glück genießen und freuen Sie sich mit!

Später können Sie dann mit ihm dann weitere Übungen machen. Denn auch wenn das Fahren jetzt gut klappt: Bis zum sicheren Fahren im Verkehr braucht es noch mehr Übung.

Das richtige Alter und die richtige Ausrüstung für Kinder

Ab wann können Kinder Fahrradfahren lernen? Wie findet man das passende Kinderfahrrad? Fahrradfahren lernen ist eine große Herausforderung für unsere Kinder: Es erfordert Konzentration, Körperbeherrschung, Gleichgewichtssinn und Koordination.

Die meisten Kinder beginnen in einem Alter zwischen drei und vier Jahren, Fahrradfahren zu lernen. Es gibt aber kein festes oder vorgeschriebenes Alter, ab dem Kinder damit beginnen können oder sollten. Vielmehr kommt es darauf an, ob sie die zum Radfahren nötigen motorischen Voraussetzungen erfüllen. Gleichzeitig zu lenken und zu treten ist eine herausfordernde Koordinationsarbeit und einige Kinder sind dazu eher, andere später fähig. Wie so oft, folgt hier jedes Kind seinem eigenen Entwicklungstempo.

Ein guter Hinweis darauf, dass eure Kinder bereit zum Fahrradfahren lernen ist: Sie sind sicher mit dem Laufrad unterwegs und stellen während der Fahrt die Füße auf das Trittbrett. Wenn sie so das Gleichgewicht halten können, könnten sie bereit zum Fahrradfahren sein.

Das Fahren mit dem Laufrad (und auch dem Roller) ist also eine gute Übung für das spätere Fahrradfahren: Es schult den Gleichgewichtssinn und die Koordinationsfähigkeit.

Bevor es mit den ersten Fahrübungen losgeht, benötigt ihr ein passendes und sicheres Kinderrad. Passend meint: Die Fahrradgröße muss zur Größe eurer Kinder passen. Lasst euch in einem Fachgeschäft beraten, welche Fahrradgröße eure Kinder benötigen, und bittet sie, Probe zu sitzen. Nicht zu empfehlen ist ein Kinderfahrrad, in das eure Kinder noch „hineinwachsen“ müssen - auch wenn dieser Gedanke bei den Preisen für Fahrräder verständlich ist. Ein schlecht passendes Zweirad erschwert euren Kinder das Fahrradfahren lernen und kann ihnen schnell den Spaß am Radeln verderben.

Achtet zudem darauf, dass eure Kinder problemlos an die Bremsgriffe der Handbremsen kommt und der Lenkerabstand nicht zu groß oder zu klein ist. Empfehlenswert für den Start sind zudem Fahrräder mit einem tiefen Einstieg - sie erleichtern zu Beginn ein schnelles Absteigen bei einem drohenden Sturz.

Die Sattelhöhe sollte zudem eher niedrig sein: Für kleine Anfänger:innen ist es sicherer, wenn sie beide Füße zu Beginn noch auf den Boden stellen können und der Sattel tief eingestellt ist. Ebenfalls empfehlenswert ist ein Aufprallschutz am Lenker: Er verhindert, dass eure Kinder bei einem Sturz ungebremst gegen das harte Material des Fahrrads stoßen.

Sollen euere Kinder - sobald sie sicher fahren können - auch im allgemeinen Straßenverkehr mit dem Fahrrad unterwegs sein, braucht ihr für ein verkehrssicheres Kinderfahrrad zudem Reflektoren, Schutzbleche und eine Klingel. Außerdem wichtig: ein passender Fahrradhelm!

Stützräder: Ja oder Nein?

Heute wird von den stützenden Extra-Rädern allerdings abgeraten und sie werden sogar als kontraproduktiv beim Fahrradfahren lernen eingeschätzt. Das liegt zum einen daran, dass sie die Entwicklung des Gleichgewichtssinns ausbremsen, der beim Radfahren unabdingbar ist. Zum anderen verfälschen sie das Kurvengefühl eurer Kinder. Durch die Stützräder werden sie sich beim Kurvenfahren eher nach außen als nach innen lehnen. Nehmt ihr die Räder später wieder ab, muss sich euer Nachwuchs dann wieder umgewöhnen. Außerdem können eure Kinder mit den Stützrädern am Kantstein hängen bleiben, was das Sturzrisiko erhöht.

Wenn eure Kinder bereits sicher mit dem Laufrad fahren können, wären Stützräder sogar ein Rückschritt: Ihr Gleichgewicht ist schon gut geschult und sie brauchen keine abstützenden Räder.

Weitere Tipps und Übungen für Kinder

Sind eure Kinder motiviert und motorisch bereit, steht dem ersten Versuch auf dem Fahrrad nichts mehr im Wege. Wir haben Tipps zum Fahrradfahren lernen für euch zusammengestellt:

  • Geeigneten Übungsort finden: Sucht euch einen ruhigen Ort, an dem wenig Fußgänger:innen und andere Radfahrer:innen unterwegs sind.
  • Bedienung des Zweirads erklären: Wie funktioniert die Bremse und wozu sind die Pedale da? Erklärt euren Kindern vor dem ersten Fahrversuch, wie ein Fahrrad funktioniert. Lasst es die Bremse ausprobieren, dreht an den Rädern und bewegt die Pedale.
  • Der erste Fahrversuch: Haltet eure Kinder leicht an den Schultern oder am Rücken fest und greift nicht an den Lenker. So müssen sie ihr Gleichgewicht selbst halten, bekommen aber von euch Sicherheit vermittelt. Jetzt können die Kleinen anfangen, zu treten. Wichtig hierbei: Stützen, aber nicht schieben! Eure Kinder sollen allein treten lernen und ein Gefühl dafür entwickeln, wie sie die Geschwindigkeit beeinflussen können.
  • Die richtige Blickrichtung: Achtet darauf, dass eure Kinder nach vorn schauen. Gerade zu Beginn neigen die Kleinen dazu, erstaunt auf die Pedale zu blicken oder sich nach allen Seiten umzuschauen.
  • Verlässlich unterstützen: Eure Kinder müssen sich auf euch verlassen können. Lasst sie daher nicht unangekündigt los und vermeidet ein plötzliches Anschubsen.

Fahrradfahren lernen als Erwachsener

Radfahren ist gesunde, kostengünstige Mobilität. Viele Menschen lernen es deshalb schon in jungen Jahren - aber einige auch nicht. Obwohl statistisch gesehen fast jeder Mensch in Deutschland ein Rad besitzt, gibt es viele Menschen, die nie gelernt haben, Rad zu fahren.

Die richtige Ausrüstung für Erwachsene

Für Erwachsene, die zum ersten Mal auf ein Fahrrad steigen, empfehlen wir einen Rahmen mit tiefem Einstieg. Diese Rahmenform erleichtert das Auf- und Absteigen. Gerade beim Radfahrenlernen ist das ein wichtiger Punkt“, sagt Birgit Greif vom Fahrradhersteller Winora. Räder mit breiteren Reifen versprechen mehr Komfort und Stabilität - ein nicht zu unterschätzender Faktor auf den ersten Fahrten.

Achtung: Zum Radfahrenlernen eignen sich E‑Bikes nicht. Das höhere Gewicht ist für Einsteiger:innen auf den ersten Touren und bei den Übungen hinderlich. Zusätzlich können die diversen Funktionen rund um den Motor überfordern.

Die ersten Übungen für Erwachsene

Wer sich dem Abenteuer Fahrrad ungern unter vielen Augen stellen möchte, sollte sich trotzdem unbedingt Hilfe von einer erfahrenen Radfahrenden suchen und nicht einfach eigenmächtig in den Sattel springen. „Radfahrenlernen sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen. Wichtig ist, einen gesunden Respekt gegenüber dem Radfahren zu haben. Wobei zu viel Angst auch ein falscher Begleiter ist. Hier gilt es, sich in Gesprächen mit anderen die Ängste nehmen zu lassen“, sagt Stephanie Römer vom Fahrradhersteller Tout Terrain.

Zuerst gilt es, Vertrauen zum Rad aufzubauen. Man brauch Zeit, sich erst mal alles richtig anzusehen, anzufassen und die einzelnen Komponenten zu bedienen“, rät Jacob von Hacht vom Fahrradhersteller Stevens. Anfänger:innen sollten das Rad zuerst einmal schieben - und zwar auf einem Übungsplatz. Beim einhändigen Schieben am Sattel oder beim Schieben im Slalom merken sie, wie sich das Rad verhält. Kombiniert mit ein paar Gleichgewichtsübungen bekommt man gleich ein besseres Gefühl fürs Radfahren.

Bevor es zum ersten Mal in den Sattel geht, ist ein Gefühl für die Bremse wichtig. Wer das Fahrrad sicher zum Stehen bringt, hat weniger Angst. Dabei ist es ratsam, ein Rad mit zwei Handbremsen zu nehmen und wenn möglich auf einen Rücktritt zu verzichten. Handbremsen lassen sich besser dosieren und sind mittlerweile an allen Rädern Standard. Bereits beim Schieben können auch Übungen zum Bremsen mit eingebaut werden. Durch Ziehen der beiden Bremshebel lernt man die unterschiedliche Bremsleistung an Vorder- und Hinterrad besser zu verstehen.

Ähnlich gilt es auch bei Erwachsenen vorzugehen: Man stelle den Sattel möglichst tief ein und schraube die Pedale ab - so ähnelt das Fahrrad einer Laufmaschine, wie sie vor über 200 Jahren als Vorläuferin des Fahrrads erfunden wurde. Übungsvarianten wie das Abstoßen mit einem Bein oder das Kurvenfahren erhöhen den Lernfaktor und machen Spaß. Mit der Zeit gilt es dann, die Geschwindigkeit zu steigern.

Die ersten Tritte

Wenn man etwas Vertrauen zum Rad hat, fehlt der letzte Schritt: das Anfahren! Im Sattel sitzend wird nun in die Pedale getreten. Zum Anfahren stellt man den Fuß auf das oben stehende Pedal (Position auf ca. 11 Uhr) und mit dem Standbein stößt man sich vom Boden ab. Die Beschleunigung sorgt dann dafür, dass man besser die Balance halten kann. Diesen Vorgang wiederholt man nun öfter. Zwar ist es individuell verschieden, welches Pedal als das passende zum Anfahren erachtet wird, aber im Idealfall steht der linke Fuß auf dem Pedal und mit dem rechten Fuß stößt man sich vom Boden ab. Der Grund: Beim Anfahren auf der Fahrbahn ist die Körperseite geschützt vor dem Verkehr.

Sicherheit geht vor

Fahrsicherheit kann man lernen: Vor allem für Neueinsteiger oder Menschen, die lange nicht per Fahrrad unterwegs waren, ist das E-Bike eine häufig unterschätzte Herausforderung. Allerdings gilt auch hier: langsam herantasten! Unvorhersehbare Situationen können zu Unsicherheit führen. Darum hilft es, die ersten Fahrten in Tempo-30-Zonen und auf getrennten Radwegen zu machen.

Achtung: Anders als Kleinkinder dürfen erwachsene Fahrrad-Anfänger:innen nicht den Gehweg nutzen!

Alternativen für unsichere Radfahrer

Sie sollten sich deshalb überlegen, ob ein sportliches Trike oder ein Sesseldreirad für sie die bessere Alternative wäre. „Die Räder sind äußerst kippstabil. Damit sind sie gerade beim langsamen Anfahren für Neueinsteiger:innen bestens geeignet. Das Erlernen geht superleicht: einfach reinsetzen und losfahren! Und auch im Alltag fallen manche Sachen leichter, beispielsweise das Handzeichengeben“, sagt Alexander Kraft vom Hersteller HP Velotechnik.

Die richtige Größe des Kinderfahrrads

Die richtige Größe des Kinderfahrrads ist sehr wichtig. Kind soll sich auf seinem neuen Gefährt schließlich sicher fühlen. Für die Kleinsten geht es los mit Fahrradmodellen in 12 Zoll. eignen sich schon für kleine Radler ab drei Jahren. Nur die Fersen dürfen dabei den Bodenkontakt verlieren.

Die richtige Größe hat ein Fahrrad, wenn das Kind aufrecht sitzend den Lenker bedienen und auf dem Sattel sitzend mit beiden Beinen bequem auf dem Boden stehen kann. So können Kids besonders am Anfang das Radfahren sicher üben.

Größenempfehlungen für Kinderfahrräder

Körpergröße des Kindes (cm)Empfohlene Reifengröße (Zoll)
90-10512
100-11514
105-12016
115-13020
130-14524
145-16026

Hinweis: Eltern sollten ihrem Kind kein zu großes Fahrrad kaufen, nur damit es über einen längeren Zeitraum genutzt werden kann. Für den Spaß am Fahrradfahren ist das kontraproduktiv, und das Kind kann so keine Sicherheit beim Radfahren gewinnen.

Die Rolle der Eltern

Wichtig ist, dass Ihr Kind motiviert und nicht überfordert ist. Der Spaß sollte an erster Stelle stehen. In der Regel lernen Kinder, die viel mit dem Laufrad unterwegs sind, auch früher und schneller das Radfahren, da sie bereits die notwendige Balance haben und nur noch das Treten sowie das Auf- und Absteigen üben müssen.

Wie können Sie dabei helfen? Halten Sie den Rücken Ihres Kindes fest und reden Sie mit ihr oder ihm - das gibt die notwendige Sicherheit. Laufen Sie nebenher, aber schieben Sie ihr Kind nicht. Wenn es gut läuft, lassen Sie den Rücken los, laufen aber noch etwas mit und reden weiter. Wenn das gut klappt, üben Sie bremsen und Kurven fahren - hierzu können Sie einen kleinen Parcours erstellen, den Sie gemeinsam mit Ihrem Kind z. B. mitnehmen und für die Kids einen Parcours zeichnen.

Auch die einmalige Erklärung des Tretens und Anfahrens mit dem Kinderfahrrad wird sich Ihr Kind interessiert anhören. Wenn Ihr Kind aber nach 15 Minuten noch keine nennenswerten Fortschritte erzielt hat und kaum ein paar Meter mit dem Fahrrad allein geschafft hat, dann brechen Sie Ihre Unternehmung ab. Konzentration und Eifer Ihres Kindes würden nun stetig abnehmen und die Verunsicherung und Gefahr einer Enttäuschung im gleichen Maße ansteigen.

Das Wichtigste sind Ihre Ermutigungen und Ermunterungen.

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