Bei der Anschaffung eines neuen Rades achtet man auf vieles, ein entscheidendes Detail wird beim Probefahren oft nicht genau begutachtet: Die Fahrradgriffe. Dabei spielen diese eine wichtige Rolle für den Fahrkomfort und letztendlich auch die Gesundheit. Es ist normal, dass der Körper irgendwann Ermüdungserscheinungen hat. Mit gepolsterten Fahrradhandschuhen kann dieser Zeitpunkt noch etwas herausgezögert werden. Gerade auf langen Touren mit mehr als 100 km am Tag, würden wir immer mit Handschuhen fahren.
Wann man andere Fahrradgriffe benötigt
Wer mit seinen Fahrradgriffen bisher zufrieden ist, muss diese nicht zwangsläufig austauschen. Oftmals ist der einzige Grund für einen Wechsel der eigene Komfort, zum Beispiel weil ein anderes Material bevorzugt wird oder die vorhanden Griffe nicht gut verarbeitet sind. Neben Unzufriedenheit und Schmerzen ist Verschleiß einer der Hauptgründe für den Wechsel. Schweiß, Regen und UV-Strahlen können dem Fahrradgriff über die Jahre zusetzen. Die Farbe löst sich, Ablagerungen lassen sich nicht mehr restlos entfernen oder das Material ist gebrochen oder gerissen. Jetzt wird es Zeit für neue Fahrradgriffe.
Materialien bei Fahrradgriffen: Natürlich vs. Künstlich
Neben Gummi und Kunststoffen geht hier der Trend zu natürlichen Materialien wie Kork oder Leder. Diese haben häufig eine geringere Haltbarkeit, bringen dafür aber andere, interessante Vorteile mit sich. Die Schweißaufnahme und Abgabe ist bei natürlichen Materialien besser. Leder verformt sich zudem durch die Nutzung und passt sich so der Hand des Fahrers mit der Zeit an. Das haptische Gefühl bei natürlichen Materialien ist meist ein warmes, währen synthetische Materialien, wie zum Beispiel Plastik, sich häufig „kalt“ anfühlen.
Die häufigsten Materialien für Fahrradgriffe sind:
- Gummi
- Silikon
- Moosgummi
- Kunststoff
- Kork
- Leder
Schmerzen durch den falschen Lenkergriff
Ein falscher Fahrradgriff führt nicht nur zu schmerzenden Händen. Durch falsche Belastung kann sich der gesamte Oberkörper verspannen und in Schonhaltung gehen. Bemerkt man erste Anzeichen, sollte man reagieren. Insbesondere Fahrräder wie Mountainbikes, Trekkingräder und Rennräder führen durch die vornübergebeugte Haltung zu einer erhöhten Belastung der Arme, Schultern und Hände. Die richtigen Griffe können hier Abhilfe leisten. Es ist jedoch nicht immer der Griff selbst der Übeltäter, es kann auch ein guter Griff sein, der falsch eingestellt ist. Es ist also nicht immer ein Austausch nötig.
Ergonomische Fahrradgriffe für lange Fahrradtouren
Für lange Touren empfehlen sich Lenkergriffe mit Hörnchen (auch bekannt als Barender oder Bar-Ends). So kann die Handposition gelegentlich verändert und Belastungsspitzen vermieden werden. Eine leicht veränderte Körperhaltung kommt dabei nicht nur den Händen, sondern auch dem Schulterbereich und den Armen zu gute. Für Fahrräder, die einen aufrechteren Sitz begünstigen, sollte man eher auf Komfort achten. Hier werden oftmals natürliche Materialien bevorzugt. Ergonomie macht hier auch Sinn, große Auflageflächen und Polsterungen können zu einer entspannten Radtour beitragen.
Die Ergonomie wird jedoch nicht ausschließlich durch den Griff erzeugt. Die meisten E-Bikes haben mittlerweile von Werk gute Fahrradgriffe. Hier muss selten etwas getauscht werden, oftmals reicht es schon die Griffe auf die Position des Fahrers einzustellen. Beim Kauf eines Fahrrads werden im Regelfall der Sattel und der Lenker optimal ausgerichtet, die Fahrradgriffe erhalten meist nur wenig Beachtung. Bei Mountainbikes, welche im Gelände genutzt werden, wären Fahrradgriffe mit großer Auflagefläche jedoch nicht zielführend. Hier ist ein guter Grip und die Möglichkeit, den Griff bequem und sicher zu umfassen, wichtiger, um auch bei Sprüngen nicht den Kontakt zum Lenker zu verlieren. Jedoch sollte man hier auf Nähte und Materialübergänge achten: Diese können durch punktuelle Belastungen zu Scheuerstellen führen oder drücken.
Fahrradgriff-Modelle im Test
CONTEC Trail D3 Evo Neo
Contec fixiert seinen Trail D3 mit der cleveren Syntace-Klemmung. Die sitzt bombenfest und bietet zudem einen Abrutschschutz. An der Oberseite dämpft ein etwas weicher Gummi, die Riffelung an der Unterseite erhöht die Haftung. Für einen Ergo-Griff etwas wenig ausgeformt. Zudem könnte der Trail D3 etwas stärker dämpfen.
Preis: 16,95 Euro
Info: www.contec-parts.de
Griffigkeit: 4 von 6 Punkten
Komfort: 3 von 6 Punkten
Foto: Georg Grieshaber
CUBE Natural Fit Tour
Cube stützt den Handballen mit einem ausgeprägten Flügel. Der ist gut gedämpft und greift sich sehr angenehm, liegt aber dennoch sicher in der Hand. Das Gummi ist griffig und gibt guten Halt in der Abfahrt. Der Natural Fit wird mit einer Schraube an der Lenkerinnenseite geklemmt und kann bei Bedarf einige Millimeter nach außen gerutscht werden.
Preis: 29,95 Euro
Info: www.cube.eu
Griffigkeit: 5 von 6 Punkten
Komfort: 5 von 6 Punkten
Foto: Georg Grieshaber
SPECIALIZED Contour XC Grips
Der kleine Flügel des Specializeds ist perfekt der Anatomie der Hand nachempfunden und dämpft Stöße dank weichem Gummi wie die Luftfederung einer Mercedes-S-Klasse. In der groben Riffelung an der Unterseite können sich die Finger förmlich verhaken. Lediglich bei Nässe wird die profillose Oberseite des Griffes schnell rutschig.
Preis: 19,90 Euro
Info: www.specialized.com
Griffigkeit: 5 von 6 Punkten
Komfort: 6 von 6 Punkten
Foto: Georg Grieshaber
BONTRAGER inForm Evoke RL
Der dicke Bontrager ist ein kleines Pummelchen und eigentlich eher für große Hände gemacht. Die finden auf der schmalen Grifffläche aber kaum Platz. Die Oberfläche mit ihrem kleinen Flügel bietet einen guten Kompromiss aus Griffigkeit und Komfort, ist aber nicht sonderlich ergonomisch ausgeformt.
Montage des neuen Fahrradgriffs
Grundsätzlich gibt es zwei verschiedene Arten, einen Fahrradgriff zu befestigen:
- Hülsen, welche einfach auf den Lenker aufgeschoben werden
- Lock-on-Systeme, welche mit einer Schraube „festgezogen“ werden
- Lenkerband, zum Beispiel bei Gravelbikes oder Rennrädern.
Bevor der neue Fahrradgriff angebracht werden kann, muss der Alte ab. Bei geschraubten Griffen ist das sehr einfach: Schraube lösen, Griff abziehen, fertig. Bei Hülsen kann das Demontieren etwas knifflig werden, da das Material über die Zeit in den eigentlichen Lenker „einbackt“, sich also fest verbindet und ohne weiteres nicht lösen lässt. Diese können mit etwas Geduld aber rückstandsfrei entfernt werden.
Fahrradgriffe mit heißem Wasser lösen
Hierfür kann man die Griffe in heißes Wasser tauchen, damit konnten wir die alten Griffe im Fahrradgriff Test sehr gut entfernen. Bei ganz hartnäckigen Griffen kann Spüli-Wasser mit einer Spritze direkt zwischen Lenker und Griff gespritzt werden. Löst sich der Griff nicht, hilft im schlimmsten Fall nur noch die Schere oder ein Messer. In diesem Fall sind die Griffe danach nicht mehr einsatzfähig und defekt. Bei bereits defekten Fahrradgriffen ist dies jedoch nicht weiter schlimm.
Schrauben kontrolliert festdrehen
Beim Anbringen verhält sich die Technik ähnlich: Das Lock-on-System wird durch festziehen der Schrauben befestigt. Die „Nm“ Angabe auf den Fahrradgriffen sollte beachtet und die Schrauben mittels Fahrrad Drehmomentschlüssel festgezogen werden. Für die erste längere Fahrt sollte das passende Schraubwerkzeug mitgeführt werden, um den Griff bei nicht korrektem Sitz entsprechend zu korrigieren. Dies ist ganz wichtig, selten schafft man es den korrekten Sitz direkt bei der Montage zu erreichen. Wir haben verschiedene Fahrradgriffe getestet und mussten immer wieder nachjustieren um den für uns perfekten Sitz der Griffe zu erreichen.
Sind die Griffe nicht ausschließlich rund geformt, tendieren wir zu verschraubten Fahrradgriffen. Dies hat den Grund, dass diese oft recht fest montiert werden können, ohne dass sich die Griffe unter Krafteinfluss verdrehen. Gummigriffe, mit einer großen Ablagefläche für den Handballen, können bei der einfachen Steckmontage durchaus im laufe der Zeit verdrehen. Aufgesteckte Griffe können zusätzlich durch einen kleinen Unterdruck gehalten werden. Kommen im Laufe der Zeit Risse in den Griff oder werden die Ecken durch zum Beispiel Hauswände beschädigt, kann Luft gezogen werden und ein Griff mag unter Last schnell abgezogen werden. Passiert dies während der Fahrt, kann dies durchaus zu unangenehmen Stürzen führen.
Griffe auf den Lenker schieben
Bei neuen Hülsen-Griffen zum Aufschieben hilft erneut etwas Spüli-Wasser diese über den Lenker zu stülpen. Sobald das Wasser vollständig verdunstet ist, sind die Griffe in der Regel fest am Lenker montiert. Alternativ kann der neue Griff ebenfalls erwärmt werden. Das Material dehnt sich etwas aus und lässt sich dann recht gut auf den Lenker schieben. Kühlt der Griff wieder ab, zieht sich das Material zusammen und sitzt fest.
Hinweis: Der Durchmesser am Fahrradlenker, an den Enden, an denen die Griffe montiert werden, beträgt im Regelfall immer 22,2 mm. Hat das Fahrrad einen Drehschaltgriff, so muss darauf geachtet werden, dass ein Griff etwas kürzer ist als der andere. Der kürzere Griff wird dann auf die Seite gesteckt, an der sich der Drehschaltgriff befindet. Wir empfehlen dabei keinesfalls die Griffe selbst zu kürzen und auf ein bereits passendes Set zu setzen.
Weitere getestete Fahrradgriffe
Neben den bereits genannten Modellen wurden auch weitere Fahrradgriffe getestet, darunter:
- Ergon GS1 Evo
- SQlab 702
- Ergon GT1
- Ritchey WCS Ergo
- Revolute Grip-C
Diese Griffe wurden hinsichtlich Komfort, Grip, Ergonomie und Materialqualität bewertet. Die Ergon GS1 Evo erwiesen sich als Testsieger, während die SQlab 702 besonders für Trekking- und Citytouren geeignet sind.
Checkliste für den Kauf von Fahrradgriffen
Beim Kauf von Fahrradgriffen sollten folgende Merkmale berücksichtigt werden:
- Material: Gummi, Leder, Schaumstoff oder Silikon
- Profil und Textur: Für rutschfesten Griff
- Ergonomie: Anpassung an die Handform
- Länge und Größe: Passend zur Handgröße
- Verschlussmechanismus: Sichere Befestigung
- Montage: Einfache Anbringung
- Zusätzliche Funktionen: Bar-Ends oder Hörnchen
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