Radfahren ist eine beliebte Sportart, und die richtige Ausrüstung kann den Unterschied zwischen einer angenehmen Fahrt und einer schmerzhaften Erfahrung ausmachen. Besonders wichtig ist die Wahl der richtigen Radhose. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Testbericht über Damen-Radhosen, wobei besonderes Augenmerk auf Komfort, Passform und Funktionalität gelegt wird.
Radhosen mit Träger: Darum sind sie so praktisch
Die meisten Frauen, die regelmäßig und engagiert Fahrrad fahren, stellen jedoch schnell fest, dass eine Radhose ohne Träger außer in diesem einen Punkt ansonsten überwiegend Nachteile mit sich bringt. Sie rutscht, der Bund kann sich in der Hüftbeuge einrollen, die Nierengegend wird nicht geschützt und das Sitzpolster bleibt nicht zuverlässig in Position. Radsportlerinnen ziehen lieber Bikeshorts mit Hosenträgern (Bib-Shorts) an, da diese viele Vorteile bieten, die eine Bundhose nicht hat. Deshalb mussten die Hersteller Lösungen finden, um das Herunterziehen der Hose zu ermöglichen, ohne das Trikot oder andere Oberteile ablegen zu müssen.
Diese Systeme für pee-friendly Bib-Shorts gibt es
Fast alle Hersteller von Radbekleidung bieten mittlerweile pinkel-freundliche Trägerhosen für Frauen an, die einen schnellen Boxenstopp ohne lästiges Ausziehen ermöglichen sollen. Die Bib-Shorts mit dem schnellen Ausstieg lassen sich grob in drei Kategorien einteilen: Während bei Gore und Bioracer Reißverschlüsse die Hose trennen, ermöglichen bei Assos, Craft, Isadore und Rapha Clips, Magnetverschlüsse sowie Haken und Ösen das Abtrennen der Träger. Endura, Pas Normal Studios, SQ-Lab und Velocio hingegen setzen auf elastisches Material am Hosenbund und den Trägern, was ein einfaches Herunter- und Hochziehen ohne den Einsatz von Reißverschlüssen oder Haken ermöglicht.
Die Hersteller haben verschiedene Bezeichnungen für die Pipi-Pause unterwegs entwickelt: Gore nennt es "Bio Break", was die Pause für biologische Bedürfnisse umschreibt; der "Boxenstopp" ist ebenfalls beliebt, während "Klopause" eher hölzern klingt. Im internationalen Marketing-Sprech, der vom Englischen geprägt ist, setzt sich zunehmend der Begriff "pee-friendly" durch, was letztlich bedeutet, dass es bequem ist, in speziell konstruierten Radhosen das kleine Geschäft zu erledigen, ohne sich fast ganz ausziehen zu müssen.
Die Hosen im Test zeigen insgesamt eine solide Performance und erhalten entsprechend gute bis sehr gute Bewertungen, wobei sich größere Unterschiede beim Handling zeigen. Jede dieser Hosen übertrifft eine Standard-Trägerhose in Bezug auf das Handling, wobei Hosen nach dem Schlupfprinzip (Pull Down) die schnellste Pipi-Pause ermöglichen. Die Hosen von Assos, bei denen die Clips eingefädelt werden müssen, und von Craft mit dem etwas kniffligen Hakensystem erfordern hingegen mehr Zeit.
Radhose öffnen und schließen in drei Varianten
Es gibt verschiedene Mechanismen, um eine Radhose während der Fahrt zu öffnen und zu schließen. Hier sind die drei Hauptvarianten:
Reißverschlüsse
In dieser Ausführung verlaufen die Reißverschlüsse entweder senkrecht am Rücken oder waagerecht beidseitig über der Hüfte. Bei einem senkrechten Reißverschluss teilt sich die Radhose vertikal und lässt sich zu beiden Seiten hin öffnen, was für kurze Boxenstopps gut funktioniert, aber beim Toilettengang eine erhöhte Sauberkeit erfordert. Waagerecht verlaufende Reißverschlüsse bieten etwas mehr Spielraum. Beide Varianten beschränken die Elastizität der Bike-Hose etwas und können auf nackter Haut leicht zwicken.
Träger mit Haken-, Clip- oder Magnetverschluss
Die Träger können entweder nur hinten oder vollständig von der Fahrradhose abgetrennt werden. Bei den meisten Modellen dienen mechanische oder magnetische Clips als Verschlussmechanismus, während Craft eine Reihe von Haken und Ösen verwendet, über die sich die Spannung der Hosenträger gleichzeitig anpassen lässt. Diese Ausführung ermöglicht es, die Hose weit herunterzuziehen. Das Wiedereinfädeln der Träger kann jedoch aufgrund der Spannung der Hosenträger eine Geduldsprobe darstellen.
Pull Down
In der Pull-Down-Variante sind sowohl die Träger als auch die Hose so flexibel gestaltet, dass die Hose mitsamt der Träger ganz einfach heruntergezogen werden kann. Diese Methode ist die unkomplizierteste und schnellste, jedoch können die Träger aufgrund des Zugdrucks auf den Schultern im Laufe der Zeit Druckstellen hinterlassen.
Anleitung zum Herunterziehen: Um die Hose herunterzuziehen, führt man beide Hände hinter den Rücken. Mit den Daumen sucht man die Innenseite der Träger und führt sie am Ansatz zur Hosenbox unter den Stoff. Von dieser Position aus kann man sich langsam hinhocken oder hinsetzen, während die Daumen bzw. Hände gleichzeitig die Hosenbox nach unten schieben. Die Träger gleiten dabei am Gesäß vorbei.
Die Form des Sitzpolsters - was ist am besten?
Die Form und Dicke des Sitzpolsters spielen eine entscheidende Rolle für den Komfort beim Radfahren. Erfahrene und trainierte Radsportlerinnen ziehen in der Regel ein dünnes, festes und kleineres Sitzpolster in der Radhose vor. Der Grund dafür ist, dass das Schambein und die Sitzknochen auch das dickste und weichste Polster nach kurzer Zeit zusammendrücken können, wodurch das verdrängte Material zwischen Haut und Sattel Reibungen verursachen kann, was zu Hautreizungen bei jedem Pedaltritt führen kann.
Personen, die weniger trainiert sind, empfinden möglicherweise anfangs ein sehr dünnes und festes Polster als unbequem. Doch nach einer gewissen Zeit gewöhnt sich das Gewebe im Sitzbereich an die Belastung, und das dünnere und festere Sitzpolster wird in der Regel als angenehmer empfunden.
Die günstigste und die leichteste Fahrradhose im Test
Die günstigste Hose im Test ist die Craft ADV Aero Bibshort W, während die leichteste Hose die Pas Normal Studios Women’s Essential Light Bib ist.
| Hose | Preis | Gewicht (Größe S) |
|---|---|---|
| Craft ADV Aero Bibshort W | 130 Euro | 155 Gramm |
| Pas Normal Studios Women’s Essential Light Bib | 255 Euro | 150 Gramm |
Im Überblick: Die 10 getesteten Radhosen für Frauen
Für unseren ersten großen Vergleichstest dieser pinkel-freundlichen Fahrradhosen haben wir 14 Hersteller eingeladen, von denen 10 teilgenommen haben. Viele bekannte Hersteller sind vertreten, von Assos bis Velocio; die günstigste Hose stammt von Craft und kostet 130 Euro, während das Modell von Velocio mit 260 Euro genau doppelt so viel kostet.
Bike-Hose Assos Uma GTV Bib Shorts C2
Preis: 200 Euro
Produktionsland: Bulgarien
Gewicht (Größe S): 170 Gramm
Größen: M bis XXL
Pinkel-Funktion / Ausstattung: Hosenträger hinten mit Clips, Komfort-Beinabschlüsse, Komfortträger, Polster schwimmend vorne und hinten vernäht
Polster Länge, Breite / Härte: 23, 13 cm / weich
Fazit: Das Material ist fest und dicht, was sich angenehm anfühlt, aber möglicherweise bei sehr heißen Temperaturen zu warm sein kann, besonders mit langen Hosenbeinen. Das Polster ist weich und scheuert dank der schwimmenden Befestigung kaum. Die Clip-Verschlüsse sind gut erreichbar.
Bioracer Epic Women’s Bibshorts
Preis: 147 Euro
Produktionsland: Europa
Gewicht (Größe S): 205 Gramm
Größen: XS bis XL
Pinkel-Funktion / Ausstattung: Reißverschluss hinten, Komfort-Beinabschlüsse, Reflexmaterial
Polster Länge, Breite / Härte: 20, 13 cm / mittel
Fazit: Der vertikale Reißverschluss zum Öffnen und Teilen der Hose am Rücken ist gut erreichbar, reduziert jedoch die Elastizität der Hose etwas. Die Träger haben die Tendenz, sich einzurollen.
Craft ADV Aero Bib Shorts W
Preis: 130 Euro
Produktionsland: China
Gewicht (Größe S): 155 Gramm
Größen: XS bis XXL
Pinkel-Funktion / Ausstattung: Hosenträger mit Haken-Verschluss, Komfortträger, Reflexmaterial
Polster Länge, Breite / Härte: 22, 13 cm / fest
Fazit: Die preisgünstigste Hose im Test. Das Material wirkt etwas schlaff, wodurch das Polster nicht optimal fixiert wird. Der Hakenverschluss am Rücken funktioniert zwar gut, erfordert jedoch einiges an Geschick. Die Mesh-Träger fühlen sich auf nackter Haut etwas kratzig an.
Endura Damen Pro SL Bibshorts
Preis: 140 Euro
Produktionsland: China
Gewicht (Größe S): 210 Gramm
Größen: XS bis L
Pinkel-Funktion / Ausstattung: Schlupfhose, Komfortträger, Komfort-Beinabschlüsse, Geld-zurück-Garantie (90 Tage), Crash-Replacement
Polster Länge, Breite / Härte: 23, 13 cm / fest
Fazit: Die Vorderseite der Radhose ist wie ein Ganzkörperanzug geschlossen, was sie etwas schwerer macht. Die Pinkel-Funktion gehört zu den besten in diesem Bereich. Allerdings verlängert sich das Anziehen aufgrund des sehr klebrigen Gelprints an den Beinabschlüssen etwas.
Gore Wear Ardent Bib Shorts Women’s
Preis: 150 Euro
Produktionsland: Rumänien
Gewicht (Größe S): 170 Gramm
Größen: XXS bis L
Pinkel-Funktion / Ausstattung: zwei seitliche Reißverschlüsse an der Hüfte, Komfort-Beinabschlüsse, Komfortträger, Reflexmaterial
Polster Länge, Breite / Härte: 22, 13 cm / mittelfest
Fazit: Beim Treten der Pedale sind die waagerechten Reißverschlüsse kaum spürbar, können jedoch etwas kratzen, wenn man die Hose an- oder auszieht. Das Polster ist gut platziert, trägt jedoch etwas auf und ist beim Treten der Pedale stärker spürbar als bei den anderen getesteten Hosen.
Isadore Women’s Signature Clippee Syst. Bib Shorts 2.0
Preis: 190 Euro
Produktionsland: Portugal
Gewicht (Größe S): 190 Gramm
Größen: XXS bis XL
Pinkel-Funktion / Ausstattung: Magnetverschlüsse an den Hosenträgern, Komfort-Beinabschlüsse, Riegeltasche, Reflexmaterial, aus Recyclingmaterial
Polster Länge, Breite / Härte: 22, 13 cm / mittelfest
Fazit: Dank der Magnetverschlüsse lassen sich die Träger problemlos von der Hose trennen; allerdings sind die Magnete beim Treten der Pedale spürbar. Das Polster ist äußerst angenehm und sitzt perfekt. Außerdem verfügt die Hose über eine Riegeltasche am rechten Hosenbein.
Pas Normal Studios Women’s Essential Light Bib
Preis: 255 Euro
Produktionsland: Portugal
Gewicht (Größe S): 150 Gramm
Größen: XXS bis XXL
Pinkel-Funktion / Ausstattung: Schlupfprinzip, Komfortträger, Komfort-Beinabschlüsse, Riegeltasche
Polster Länge, Breite / Härte: 20, 13 cm / fest
Fazit: Im Test ist dies die leichteste Hose; ihr Material fühlt sich vergleichsweise dünn an und eignet sich besonders für sommerliche Temperaturen. Sie bietet sehr gute Trageeigenschaften und ein unauffälliges Polster, ist jedoch relativ teuer.
Rapha Women’s Detachable Bib Shorts
Preis: 260 Euro
Produktionsland: Portugal
Gewicht (Größe S): 185 Gramm
Größen: XXS bis XL
Pinkel-Funktion / Ausstattung: Hosenträger mit Clipverschluss hinten, Komfort-Beinabschlüsse, Reflexmaterial
Polster Länge, Breite / Härte: 26, 15 cm / mittelfest
Fazit: Der Clipverschluss ist sehr einfach zu handhaben. Die Hose verfügt über ein relativ festes und sehr großes Polster, das jedoch nicht optimal in Position gehalten wird, was ein gewisses Windelgefühl erzeugt. Die luftigen Hosenträger aus Mesh-Material neigen dazu, sich einzurollen.
SQlab SQ-Short One 12 Women
Preis: 200 Euro
Die SQlab SQ-Short One 12 Women zeichnet sich durch ein strammes Polster aus.
Shimano W’s Eleganza Bib Shorts
Preis: 159,95 Euro
Gewicht (M): 154 Gramm
Größen: S-XL
Made in: Italien
Ausstattung: nahtlose Träger und Bündchen; Mesh-Steg am Rücken; Reflex
Besonderheiten: Drop-Tail-Funktion
Polster Länge/Breite/Härte: 22 cm / 15 cm / weich
Fazit: Aufwändig konstruierte Bib Shorts mit sehr wenigen, sauber geführten Nähten, die bei sensiblen Fahrerinnen aber leicht kratzig sein können. Das Material ist angenehm weich und dünn, aber dennoch ausreichend straff. Die nahtloses Bündchen an den Beinen bleiben sauber in Position. Weniger gelungen sind die stark einrollenden und zu dünnen Träger. Etwas schmales, weiches Polster.
Verwandte Beiträge:
- Triumph Mountainbike Test & Kaufberatung: Modelle, Preise & Erfahrungen
- Decathlon Mountainbike 26 Zoll: Test & Kaufberatung
- Ist Fahrradfahren Sport? Kalorienverbrauch & gesundheitliche Aspekte
- E-Dreirad mit Akku: Test & Vergleich der besten Modelle für Senioren & Erwachsene
- Fahrrad XXL Fürth Erfahrungen: Alles, was du vor dem Kauf wissen musst!
- Cabrio oder Motorrad: Welches bringt mehr Fahrspaß und Alltagstauglichkeit?
Kommentar schreiben