Fahrrad mit Dach und Heizung: Ein Test der wetterfesten E-Bike-Alternativen

Im Sommer ist das Fahrrad eine bewährte Alternative zum Auto. Es kostet keinen Sprit, wir finden überall einen Parkplatz und der warme Fahrtwind ist angenehmer als die Klimaanlage. Sobald es aber regnet, wird Fahrradfahren unangenehm. Eine Kombination aus Auto und Fahrrad könnte die Lösung sein.

E-Bikes mit Dach: Komfort und Wetterschutz

Ein E-Bike mit Kabine oder ein Fahrrad mit Dach bietet deutlich mehr Wetterschutz als ein klassisches Fahrrad. Wer mit dem Fahrrad fährt, ist beim Wetterschutz im Normalfall auf die passende Kleidung angewiesen, wie auch bei Rollern und Motorrädern. Bei mehrspurigen E-Bikes gibt es zahlreiche Modelle mit Kabine oder Dach, die relativ gut vor Regen und Sonne schützen.

Ein E-Bike mit Kabine ist ein elektrisch unterstütztes Fahrrad mit erweitertem Wetterschutz, der mindestens aus einem Dach und oft zusätzlich aus einer Windschutzscheibe besteht. Türen gibt es nicht. Üblich sind einsitzige Fahrzeuge mit drei oder vier Rädern aus der Kategorie Schwerlastenrad. Übrigens dürfen diese E-Bikes mit Kabine grundsätzlich auf Radwegen fahren: Da sie mehrspurig sind, dürften sie theoretisch sogar 2 Meter breit sein, um noch offiziell als Fahrrad zu gelten.

Ein Fahrrad mit Dach hat keine geschlossene Kabine, sondern oft wirklich nur ein Dach. Eine Scheibe ist manchmal nachrüstbar. Eine Unterbodenverkleidung fehlt.

Modelle im Test: Eine Übersicht

Auch wenn sie eine interessierte Anhängerschaft haben, konnten sich E-Bikes mit Dach bislang noch nicht auf öffentlichen Straßen durchsetzen. Dabei gibt es eine ganze Reihe vielversprechender Modelle.

  • DUO MOKE: Mit dem DUO MOKE kommt bald ein Cargo-Bike auf den Markt, mit dem mehrere Personen und zahlreich Last transportiert werden können. Mit dem DUO MOKE kommt bald ein Cargo-Bike auf den Markt, mit dem mehrere Personen und zahlreich Last transportiert werden können. Wer sich über die Breite vom DUO MOKE seine Gedanken macht, dem sei beruhigend gesagt: es ist für Deutschland eine Version mit 85 cm Breite in der Mache. Damit lässt sich auch der normale Radweg verwenden - nicht schlechter und nicht besser als mit einem gewöhnlichen, dreirädrigen Lastenrad auch. Die Kosten für ein DUO MOKE sollen sich bei ca. Genau wisse man den späteren Verkaufspreis aber noch nicht. Entstanden ist aus den Plänen am Ende ein auf einer Stahl- und Aluminium-Konstruktion basierendes kleines Elektrofahrrad mit abnehmbarer Kabine und anpassbar an unterschiedliche Bedürfnisse wie Kindertransport, Lastentransport oder als Lieferfahrzeug.
  • Podbike Frikar: Im Gegensatz zu manch anderem wetterfesten E-Bike hat das Podbike Frikar eine vollständig schließende Plexiglaskuppel und auf Wunsch sogar Heizung und Scheibenwischer. Die aerodynamische Form hilft bei der Reichweiten-Optimierung. Mit einer Breite von 84 Zentimetern ist es nicht wesentlich breiter als ein normales Fahrrad. Es kann auf eine Elektromotor-Unterstützung bis 25 km/h bauen. Das Frikar darf auf Fahrradwegen fahren, da ... ... es rechtlich ein Fahrrad ist. Standardmäßig kommt das Frikar mit einem einzelnen Akku. Je nach Wetter, Profil der Strecke, Untergrundbeschaffenheit usw. fahrt ihm damit rund 80 Kilometer am Stück. An sich bietet das E-Bike Platz für mehrere Akkus. Wer möchte, kann also gern entsprechend draufpacken. Die Akkus lassen sich entnehmen und extern laden. Vorrangig sicher eher etwas für skandinavische Kunden. Keine Angst, auch wärmere Regionen hat der Hersteller im Blick. So könnt ihr statt der Heizung auch eine Kühlung ordern. Zudem lässt sich das Frikar bei passendem Wetter auch als Cabriolet fahren. Dafür nehmt ihr einfach den oberen Teil des Chassis mithilfe weniger Handgriffe ab. Über jede Klimazone hinweg freuen sich potentielle Kundinnen und Kunden über den wählbaren Hepa-Filter. Im Grund aber stets namenlos. Frikar ist eine norwegische Wortschöpfung. Ins Deutsche übertragen bedeutet sie so viel wie „Vom Auto befreit“. Die Schöpfer um Chef-Techniker und Gründer Per Hassel Sørensen haben sich in den Sinn gesetzt, möglichst viele Menschen vom Auto zu befreien. An der Spitze dieses Vorhabens rollt demnächst dieses vierrädrige E-Bike. Dass es jetzt einen eigenen Namen erhalten hat, legt die Vermutung nahe, dass ihm noch weitere folgen werden. Voraussichtlich Anfang nächsten Jahres rollen auch hierzulande diese eigenwilligen E-Bikes auf den Fahrradwegen. Insgesamt zehn Exemplare sind seit 2019 in Stavanger und Umgebung unterwegs gewesen und haben ausgiebige Testergebnisse geliefert.
  • Hopper: Aus Augsburg kommt mit dem Hopper ein E-Mini-Auto mit Dach, das wie ein E-Bike auf Fahrradwegen fahren darf. Jetzt ist der Verkaufsstart erfolgt. Zum Start lockt ein Rabatt. Der Hopper darf überall fahren, wo auch Fahrräder fahren dürfen. Das überdachte Elektro-Dreirad ist maximal 25 km/h schnell, gilt rechtlich als E-Bike und darf auf Fahrradwegen fahren. Zum Verkaufsstart gibt es noch bis Ende des Jahres einen Rabatt. Die Reichweite beträgt laut Hersteller je nach Fahrweise und gewählter Unterstützungsstufe bis zu 65 Kilometer. Ihr müsst selber treten, doch gibt es eine Anfahrhilfe, die bis 6 km/h greift. Der Akku lässt sich mit einem Handgriff entnehmen und an der heimischen Steckdose laden. Von den in der Dachfläche integrierten Solarmodulen hat der Hersteller inzwischen offenbar Abstand genommen. Sie sollten bei guten Bedingungen - sprich, bei voller Sonneneinstrahlung - jede Stunde fünf Bonus-Kilometer generieren. Ein Rückwärtsgang erleichtert das Rangieren. Ohnehin ist der E-Flitzer dank eines drehbaren Hinterrades sehr wendig. Im Gegensatz zum E-Bike oder auch zum Cargo-Bike passt in den Stauraum auch der große Einkauf in das Fahrzeug. Konzipiert wurde es für zwei Erwachsene oder einen Erwachsenen, der bis zu zwei Kinder mitnehmen kann. Mit Frühbucherrabatt kostet das E-Bike mit Dach bis Ende des Jahres noch 12.900 Euro. Die Auslieferung soll Mitte 2024 erfolgen.
  • ONO: Die dreirädrige ONO ist ein E-Lastenrad mit nahezu Vollverkleidung. Auf der „Fahrerseite“ reicht die Verkleidung bis über die Hüfthöhe hinaus, was vor Spritzwasser von vorbeifahrenden Fahrzeugen schützt. Der Zustieg erfolgt türlos auf der „Beifahrerseite“. Die Frontscheibe hat einen Scheibenwischer.
  • EAV 2Cubed: Dieses vierrädrige E-Bike mit Kabine bietet wenig Wetterschutz von unten und von der Seite, aber dafür eine riesige Panoramascheibe. Der Schwerpunkt liegt hier auf maximaler Sicht sowie auf einfachem Auf- und Absitzen.
  • Radkutsche Musketier: Dieses Cargo Bike Dreirad hat in der Standard-Konfiguration kein Dach, es lässt sich aber nachrüsten.
  • Bayk Bring Cabin: Dieses Trike ist ein Fahrrad mit Dach und hat deshalb minimalistischen Wetterschutz. Dieser besteht aus einem leicht heruntergezogenen Dach und einer optionalen, abnehmbaren Windschutzscheibe.
  • Canyon E-Bike mit Dach: Zu diesem Zeitpunkt ist das Canyon E-Bike mit Dach noch ein Prototyp, eine Vision. Es ist schnell und stabil genug für den Straßenverkehr und dennoch leicht und wendig genug für den Radweg, wenn man am nächsten Stau vorbeifahren möchte. Das E-Bike bietet einen vollständig verschließbareren Fahrgastraum, der von einer innovativen Panorama-Kapsel umgeben ist. Wenn die Kapsel nicht zum Schutz vor Wind und Wetter geschlossen ist, kann sie zum Öffnen des Cockpits auf zwei Schienen nach vorne geschoben werden. Außerdem bietet sie hinter dem Fahrer genügend Platz für ein Kind, den Einkauf oder etwas Gepäck.

Vorteile von E-Bikes mit Dach

  • Schutz vor Fahrtwind: Bei kühleren Temperaturen, die es bei uns allein morgens gut und gerne neun Monate im Jahr haben kann, bieten die Windschutzscheiben Schutz vor kühlem Fahrtwind. Handschuhe, Schal und Mütze dürfen also öfter zuhause bleiben.
  • Perfekt für Leute, die Brille tragen: Mit Brille im Regen Fahrrad fahren macht wenig Spaß.

Nachteile und Herausforderungen

  • Größere Maße: Eine Kabine braucht Platz in der Höhe und der Breite.
  • Spritzwasser: Wenn die Kabine keinen Schutz von unten oder von der Seite bietet, kann von dort - wie bei jedem Fahrrad - Spritzwasser eindringen. Bei Regen haben sich deshalb Gamaschen bewährt, mit denen mindestens die Schuhe trocken bleiben.
  • Stauhitze: Im Stand fehlt Fahrtwind zur Kühlung, und der reguläre Wind wird durch die Kabine abgehalten. Kabinen mit großer Glasfläche und kleinen Öffnungen können sich dann stark aufheizen.
  • Scheiben können beschlagen: Dieses Phänomen tritt deutlich seltener als bei Autos auf.
  • Fahrzeugbreite: Lastenräder, vor allem mit drei oder vier Rädern, sind breiter als konventionelle Fahrräder.
  • Kostenintensiver: Kabinen erfordern Produktionsaufwand, das macht sich in den Kaufpreisen bemerkbar. Jedoch ermöglichen die Kabinen speziell im Unternehmenseinsatz eine hohe Akzeptanz bei den Mitarbeitenden.

Rechtliche Aspekte

Auch wenn einige der neuen E-Bike-Modelle im Gewand eines Miniautos daherkommen - rechtlich gesehen handelt es sich um Fahrräder bzw. Pedelecs, mit denen man legal auf Fahrradwegen in Deutschland fahren darf. Sofern der Motor nur bis zu einer Geschwindigkeit bis 25 km/h unterstützt und Tretbewegungen erforderlich sind, benötigt das Gefährt auch kein Versicherungskennzeichen wie Elektro-Scooter. Auch ein Führerschein ist nicht notwendig.

Generell werden Fahrräder mit Zusatzantrieb in drei Klassen unterteilt, nur eine davon gilt aus rechtlicher Sicht als ganz normales Fahrrad:

  • Pedelec: Elektrisches Fahrrad mit einer Motorunterstützung bis 25 km/h.
  • S-Pedelec: Elektrisches Fahrrad mit einer Motorunterstützung bis 45 km/h. Hierfür wird eine Zulassung in Form eines Versicherungskennzeichens benötigt sowie eine Haftpflichtversicherung und die Fahrerlaubnis der Klasse AM (Roller). Und: Es gilt Helmpflicht.
  • E-Bikes: Das E-Bike fährt auch ohne Pedalunterstützung auf Knopfdruck. Bei einer Geschwindigkeit über 6 km/h gilt es als Kraftfahrzeug und ist zulassungspflichtig.

Die Zukunft der E-Bikes mit Dach

Ein E-Bike mit Dach bringt viele Vorteile mit sich und kann ein kleines Auto in der Stadt voll ersetzen. Sicherlich müssen die neuen Modelle einen hohen Nutzwert und viel Komfort mitbringen, um Autofahrer vom Umstieg aufs E-Bike zu überzeugen. Einige Hersteller haben sich bereits gut positioniert, bei anderen ist es noch unklar, ob die überdachten Pedelecs tatsächlich in Serie gehen.

Ein fixes Dach sei jedoch nur für Spezialanwendungen sinnvoll, beispielsweise im Gewerbe, für Events oder in geeigneten Räumen. Auch wenn sich die Infrastrukturen kontinuierlich in die richtige, sprich: separierte, breite, geschützte Radwege, entwickeln, gehe es doch nur langsam voran. Nicht zuletzt braucht es für eine gelingende Mobilitätswende aber auch noch mehr gute Radwege und diebstahlsichere Abstellmöglichkeiten an Bahnhöfen und anderen Verkehrsknotenpunkten.

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