Fahrrad Federgabel Arten: Vor- und Nachteile

Die meisten MTB-Fahrwerke arbeiten heute mit Hilfe von Luft, sowohl am Hinterbau als auch an der Federgabel. An bestimmten Biketypen sieht man aber immer öfter Federbeine mit Stahlfedern. Wir erklären die Unterschiede zwischen den Systemen und deren Vor- und Nachteile.

Evolution der Federgabeln

Manch einer erinnert sich vielleicht noch an die Anfänge der Federungen am Mountainbike, als RockShox 1990 mit der RS-1 die erste Federgabel überhaupt auf den Markt brachte. Die funktionierte übrigens mit Luft und Öl, so wie heute das Gros der Federungen. Leider arbeiteten die ersten RockShox Gabeln nicht zuverlässig, weshalb im Laufe der Evolution auch andere Systeme zum Einsatz kamen - besser gesagt „ausprobiert“ wurden. LLetzteres gilt vor allem für die Elastomer-Epoche, als in den Gabeln bunte Gummipfropfen steckten, die mehr schlecht als recht vor sich hin knautschten. Und die bei kühlen Temperaturen aus der Feder- wieder eine Starrgabel machten. Stahlfedern wiederum erlebten eine eher wechselhafte Geschichte, sind aber bis heute eine Alternative zur Luftkammer geblieben. Vom Funktionsprinzip her sogar eine gute Alternative.

Funktionsweise von Luftfederungen

Das Grundprinzip einer Luftfederung lässt sich mit Hilfe einer normalen Fahrradluftpumpe anschaulich erklären und zugleich erspüren: Man zieht den Kolben heraus, hält mit dem Daumen die Auslassöffnung zu und drückt jetzt den Kolben gegen das Luftvolumen im Inneren des Zylinders. Der Kolben lässt sich nun mit einer gewissen Kraft ein Stück weit gegen die Luft drücken. Und er „federt“ wieder in die Ausgangsstellung zurück, wenn man den Druck weg nimmt.

Im Vergleich zur Fahrradpumpe ist das Luftvolumen in Federgabeln und Hinterbau-Elementen allerdings winzig klein. Folge: Damit es dem Gewicht von Fahrer und Bike überhaupt entgegen wirken kann, benötigt man eine Hochdruckpumpe, die - je nach System und Wunsch-Setup - bis zu 200 psi in die Luftkammer geben kann. Das entspricht rund 14 bar! Man kann sich also vorstellen, dass in einem Luftelement sehr gute Dichtungen benötigt werden.

Das Experiment mit der Fahrradpumpe offenbart eine weitere Charakteristik von Luftfederungen, die die Entwickler vor Herausforderungen stellt: Am Beginn des Vorgangs lässt sich der Kolben relativ leicht gegen das Luftpolster drücken. Aber stärker mehr man die Luft komprimiert, desto mehr Widerstand setzt sie dem Druck entgegen. Bis es schließlich nicht mehr weiter geht. Diesen immer steiler werdenden Anstieg des Widerstands nennt man progressiv. Einerseits ein vorteilhafter Effekt, da er die Federung vor Durchschlägen schützt. Andererseits jedoch kann die Progression das System ab einer bestimmten Einfedertiefe unkomfortabler machen. Dazu im Anschluss mehr.

Vor- und Nachteile von Luftsystemen

  • Vorteile:
    • Einfach abstimmbar mit Hilfe HD-Pumpe
    • Niedriges Systemgewicht
    • Natürlicher Durchschlagschutz (Progression)
  • Nachteile:
    • Teils träges Ansprechverhalten wg. Dichtungen
    • Progressive Kennlinie nicht immer erwünscht
    • Höherer Wartungsaufwand als Stahlfedern

Einsatzbereiche: Cross Country, All Mountain, Enduro

Funktionsweise von Stahlfederungen

Eine so genannte Druck- oder Schraubenfeder als Federelement kennt jeder. Sei es aus Kraftfahrzeug-Fahrwerken oder auch nur aus dem Kugelschreiber. In der Regel eine mit gleichbleibender Steigung gewundene Spirale aus Federstahl. Unkompliziert im besten Sinn: Zusammendrücken und zurückfedern lassen. An Mountainbike-Fahrwerken findet man (hochwertige) Stahlfeder-Elemente hauptsächlich noch am Hinterbau, eher selten an Gabeln. Ausnahmen: Einzelne Federgabel-Modelle in der Günstig-Klasse, sowie ebenso vereinzelt Modelle im Segment Downhill/Freeride.

Der größte Vorteil einer Stahlfeder gegenüber der Luftfederung ist ihre Charakterisitk: Während ein Luftpolster beim komprimieren immer „härter“ wird (progressiv), steigt der Widerstand einer Stahlfeder über den gesamten Bereich gleichmäßig (linear) an. Das heißt, das Fahrwerk arbeitet auch bei tiefer Einfederung noch effektiv und der Federweg wird im Idealfall maximal ausgenutzt. Mit Stahlfedern lassen sich deshalb sehr große Federwege realisieren. Außerdem ist das Ansprechverhalten eines Feder-Elements feinfühliger, da kaum Reibungen von Dichtungen überwunden werden müssen.

Eigentlich ideale Eigenschaften. Warum man dennoch selten Stahlfedern sieht, hat im Wesentlichen zwei Gründe: Zum einen sind sie vergleichsweise schwer. Und zum anderen besitzen sie einen begrenzten Gewichtsbereich. Gemeint ist das Gewicht des Fahrers. Denn während eine Luftgabel im Prinzip für alle Fahrergewichte abstimmbar ist - man benötigt lediglich eine Hochdruckpumpe - , ist eine Stahlfeder immer nur für einen bestimmten Bereich geeignet. Beispielsweise eine weiche Feder für leichte Fahrer-/innen bis 60 Kilo, eine mittelharte für den Bereich von 60 bis 80 Kilo und eine harte für schwere Fahrer ab 80 Kilo.

In der Regel muss man zwar nur einmal beim Basis-Setup die richtige Federhärte für sich finden. Aber alleine der Tausch erfordert am Hinterbau den kompletten Ausbau des Dämpferelements. Außerdem benötigt man die verschiedenen Federhärten stets in Länge und Durchmesser passend für das jeweilige Federbein. Für einen Händler würde das beispielsweise bedeuten: Während eines Verkaufsgesprächs ist ein (womöglich mehrfacher) Umbau des Setups für verschiedene Fahrer und Probefahrten kaum möglich.

Vor- und Nachteile von Stahlfedersystemen

  • Vorteile:
    • Beste Ausnutzung des Federwegs (Linear)
    • Große Federwege realisierbar
    • Sehr feinfühliges Ansprechverhalten
  • Nachteile:
    • Unterschiedlich harte Federn zur Abstimmung nötig
    • Durchschlaggefahr höher als bei Luft
    • Hohes Systemgewicht

Einsatzbereiche: Enduro, Freeride, Downhill

Vergleich der Kennlinien

Die Luftfeder geht etwa ab der Hälfte des Federwegs in die Progression.

Federweg, SAG und Progression - Tipps zum Luftfahrwerk

Als Basis sollte man wissen, wie ein MTB-Fahrwerk überhaupt arbeitet. Angenommen ein Fully hat einen Federweg von 150 mm an Gabel und Hinterbau. Dann sind diese 150 mm jedoch nicht zum reinen „schlucken“ von Hindernissen zu verstehen, sondern als Arbeitsbereich insgesamt. Denn ein gut eingestelltes Fahrwerk befindet sich stets in einer Art Schwebe. Dieser Idealzustand sollte entstehen, sobald sich der Fahrer auf das Bike setzt. Sinn der Schwebe ist, sowohl Hindernisse schlucken zu können (z. B. eine Schwelle oder ein Stein), als auch in Vertiefungen „hineinfedern“ zu können (z. B. Schlaglöcher).

Diesen Betrag, um den das Fahrwerk beim Aufsitzen einsinken sollte, nennt man SAG. Im Idealfall beträgt er ca. 20 - 30 Prozent des gesamt zur Verfügung stehenden Federwegs. Das Einstellen des SAG ist abhängig vom Körpergewicht des Fahrers/der Fahrerin und muss individuell über den Luftdruck erfolgen.

Folge des SAG ist damit aber auch, dass jener prozentuale Anteil des Federwegs zum Schlucken eines Hindernisses nicht mehr zur Verfügung steht. Bei unserem Beispiel-Fully „fehlen“ damit nach oben etwa 40 Millimeter. Im Prinzip kein großes Problem - wenn bei einem Luftdämpfer nicht die anfangs beschriebene Progression ins Spiel käme. Denn wenn das Federelement jetzt ein größeres Hindernis schlucken muss, wird es dies aufgrund der bereits durch den SAG vor-komprimierten Luft widerwilliger tun, als ganz am Anfang des Federwegs.

Der Trick mit zwei Luftkammern

Um den Effekt der Progression abzuschwächen, bedienen sich viele moderne Federbeine eines Tricks: Sie besitzen eine zweite Luftkammer mit „negativer“ Wirkung. Der Begriff „Dual Air“ im Modellnamen ist beispielsweise ein Hinweis darauf. Das RockShox Doppelkammer-System heißt „DebonAir“. Funktion: Setzt man die Negativ-Luftkammer unter Druck, zieht sie das Federelement zusammen und wirkt damit der Hauptkammer entgegen. Dies verbessert generell das Einfederverhalten von Luft-Gabeln und -Hinterbau-Federelementen. Die Reibung von straff sitzenden Dichtungen wird leichter überwunden, das Fahrwerk reagiert feinfühliger.

Aber keine Angst, auch mit Federelementen ohne Negativ-Luftkammer lässt sich ein gut arbeitendes Fahrwerk erzielen. Wichtig: Nimm dir fürs Setup genügend Zeit! Taste dich auf einem kleinen Testparcours Schritt für Schritt an den richtigen Luftdruck und an den für dich optimalen SAG heran. Vorsicht nur bei zu wenig Luftdruck! Das Durchschlagen - also der Fall, dass ein Federelement beim Schlucken eines großen Hindernisses an seinen Anschlag „knallt“ -, solltest du weitgehend vermeiden. Denn das kann Federgabeln und Hinterbau-Federbeine auf Dauer schädigen.

Weitere Arten von Federgabeln

Es gibt verschiedene Arten von Fahrrad-Federungen, darunter Luftfedergabeln, Stahlfeder-Gabeln und hydraulische Federungen, die jeweils unterschiedliche Eigenschaften aufweisen und für verschiedene Einsatzbereiche und Fahrstile geeignet sein können, wie z. B. die Upside-Down Gabel für MTB (Mountainbikes).

Die gängigsten Arten von Fahrrad-Federungen haben wir von WELT.de in der folgenden Tabelle für Sie zusammengefasst:

Art Merkmale
Air-Federgabel (Luftfedergabel) Einstellbarkeit, Leichtgewicht, geringe Wartungsanforderungen
Stahl-Federgabel Langlebigkeit, zuverlässige Leistung, bessere Dämpfung
Coil-Federgabel robuste Leistung, hohe Federungskraft, gute Stabilität
Upside-Down-Federgabel (Doppelbrücken-Federgabel) bessere Steifigkeit und Stabilität, Leichtbauweise, gute Dämpfung
Low-Rider-Federgabel geringer Federweg, spezielles Federungssystem für Komfort und Gepäck, leichtere Konstruktion als andere Federgabeltypen
Hybrid-Federgabel optimale Kombination aus Einstellbarkeit und Leistung, leichtgewicht, zuverlässige Leistung
Federgabel mit parallelogrammartiger Aufhängung bessere Dämpfung und Kontrolle, gute Stabilität, hohe Federungskraft

Die Federgabel stellt eine wesentliche Komponente des Fahrrades dar. Sie ist das Verbindungsstück zwischen Vorderrad und Lenker und hat damit maßgeblichen Einfluss auf das Fahrverhalten des Rades. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen der Starrgabel und der Federgabel.

Seit Beginn des Rades wurden starre Gabeln aus Stahl gefertigt. Daher sind sie grundsätzlich sehr stabil und zudem sehr leicht. Weiterhin ist die Starrgabel darauf ausgelegt, auf der Straße und nicht im Gelände gefahren zu werden. Denn die Belastung der Gabel im Gelände kann im Extremfall Fall zum Bruch der Gabel führen. Vorteile der Starrgabel sind ihr Gewicht und ihre niedrigen Anschaffungskosten.

Die sogenannte Federgabel, zeichnet sich durch ein verbautes Federelement aus. Hierbei gibt es zwei Arten der Federung: Stahlfederung und Luftfederung.

Stahlfedern sind in die Konstruktion der Gabel eingearbeitet und nehmen die Energie bei einem Federungsvorgang auf. Die Spannung der Feder, welche den Grad der Federung bestimmt, ist eingeschränkt einstellbar.

Die Luftfederung hingegen bietet hierbei mehr Möglichkeiten. Ein individuell einstellbarer Luftdruck in der Gabel selbst, federt Erschütterung ab. Die Einstellung der Federung ist durch Anpassen des Luftdrucks sehr gut und in kleinen Abstufungen möglich.

Beide Formen der Federgabel bieten je nach Modell einen Federweg von 50 bis 200 mm. Dabei spielt die Konstruktion des Rahmens auch eine Rolle. So sind Schweißnähte am Rahmen bei einer 50 mm Federung nicht für einen höheren Federweg auslegt.

Ein mittlerweile weit verbreitetes System ist das sogenannte Lock-Out-System. Dieses ermöglicht es, eine Federgabel hart zu stellen. Um dieses System zu aktivieren, wird entweder ein Hebel am Lenker betätigt oder eine Schraube am rechten Gabelschaft umgedreht. Dieses hängt von der Gabel ab.

Die Federung freut sich nach der Reinigung über ein wenig Silikonspray oder Teflonöl.

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