Fahrrad mit Kardanantrieb: Vor- und Nachteile

Besitzt jemand ein Fahrrad mit Kardanantrieb? Seit über 100 Jahren werden immer mal wieder Räder mit Kardanantrieb angeboten, obwohl die Vorteile ganz offensichtlich sind, hat dieser Antrieb sich nicht durchgesetzt.

Funktionsweise des Kardanantriebs

Bei einer Kardanwelle wird die Kraft über eine Gelenkwelle zum Hinterrad übertragen. Statt über Ritzel und Kette wird die Kraft mit Zahnrädern über eine Antriebswelle übertragen. Hinten wird das Ganze dann mit einer Schaltnabe kombiniert, die einen passenden Adapter liefert. Anstelle einer öligen und schmutzigen Kette wird die Tretkraft direkt auf die Hinterachse des Fahrrades übertragen und zwar durch bewegliche Antriebsstangen und nicht sichtbare Zahnradscheiben.

Vorteile des Kardanantriebs

  • Wartungsarmut: Der Kardanantrieb ist absolut wartungsfrei. Da es sich um ein geschlossenes System handelt, ist der Kardanantrieb ein ebenso sauberes wie wartungsfreundliches Konzept. Wartung wie Schmieren oder Nachspannen entfällt. Lediglich einmal im Jahr soll je nach Hersteller per Schmiernippel die Welle mit Fett versorgt werden.
  • Langlebigkeit: Dazu hält der Kardantrieb deutlich länger als ein Riemen - nahezu ein Fahrradleben. Eine Kette, die bis 150.000km oder mehr hält.
  • Sauberkeit: Beim Fahrrad mit Kardan hat man als größten Vorteil einen „sauberen“ Antrieb. Ölverschmierte Hosenbeine oder Öl auf der Felge oder den Bremsflächen gibt es nicht.
  • Sicherer Antrieb: Man spürt den sicheren Antrieb beim ersten Tritt in die Pedalen.
  • Geringere Belastung: Darüber hinaus bietet der Kardanantrieb einen weiteren Vorteil: Er verringert die Belastung des Fahrers beim Treten des Rades. Dies ist besonders vorteilhaft für Menschen mit schwachem Knie- oder Fußmuskeltonus.

Nachteile des Kardanantriebs

  • Hohes Gewicht: Die Nachteile sind das hohe Gewicht. Kardanwelle bringt am Fahrrad eigentlich nur Nachteile.
  • Hoher Preis: Kardanwelle bringt am Fahrrad eigentlich nur Nachteile: teuer. Dafür liegen Gewicht und Preis einer Kardanwelle höher.
  • Geringer Wirkungsgrad: Die Nachteile liegen im etwa doppelt so hohen Gewicht gegenüber dem Kettenantrieb und im geringen Wirkungsgrad von ca. 90% (hohe Flankenreibung und Axial-Lagerbelastung der Kegelzahnräder). Kardanantrieb am Fahrrad = Frust durch Wattvernichtung.
  • Eingeschränkte Schaltungsmöglichkeiten: Mit einem Kardanantrieb, der sich optisch gut in eine Fahrrad einfügen lässt, bist du auf bescheidene fünf Gänge einer Nabenschaltung angewiesen. Als Schaltung kommt nur eine Nabenschaltung in Frage.
  • Komplizierter Hinterradausbau: Je nach Ausführung komplizierter Hinterradausbau.
  • Mögliche Schwächung des Fahrwerks: Je nach Fabrikat durch die Bauweise und Dimensionierung des steuerbordseitigen Hinterbaus geschwächtes Fahrwerk wahrscheinlich.
  • Lastwechselreaktionen: Unangenehm bei einem Kardanantrieb, ähnlich wie es früher bei Motorrädern war, ist natürlich auch gewöhnungsbedürftig, ist dieses "harte" Eingreifen des Antriebes beim Losfahren.

Kardanantrieb vs. Kette und Riemen

Kette

Der im Motorradbau am häufigsten verwendete Sekundärantrieb ist die Kette. Ein Kettenantrieb ist nicht nur einfach aufgebaut, sondern vor allem kostengünstig zu produzieren. Sofern die Kette richtig gespannt und geschmiert ist, hat er nur einen geringen Leistungsverlust. Niedriges Gewicht, ein relativ einfacher Wechsel des Kettensatzes sowie die Möglichkeit, die Übersetzung mithilfe von größeren/kleineren Kettenrädern zu ändern, sind weitere Vorteile der Kette. Der größte Nachteil ist ihre aufwendigere Pflege (Schmieren, Reinigen und Spannen) sowie die begrenzte Lebensdauer.

Wartung/Reparatur

Die Kette eines modernen Motorrads läuft wegen des dürftigen Kettenschutzes leider relativ ungeschützt und muss deshalb regelmäßig (alle 300-500 km!) nachgeschmiert sowie gegebenenfalls gereinigt werden. Dank moderner O-Ring-Ketten ist allerdings nur eine Schmierung von außen nötig. Mangelnde Schmierung führt zu hohem Verschleiß, Leistungsverlust sowie stärkeren Lastwechselreaktionen. Eine gut geschmierte Kette kann bis zu 40.000 km halten, ungepflegte Exemplare sind oft schon nach weniger als 10.000 km am Ende ihrer Lebensdauer.

Zahnriemen

Die Alternative zum Kettenantrieb ist der Zahnriemen, der ein fast identisches Prinzip hat, aber aus einem anderen Material besteht. Sein größter Vorteil ist der geringere Wartungsaufwand. Er muss nicht geschmiert werden, ist leiser, hat aufgrund der Elastizität des Riemens geringere Lastwechselreaktionen und eine Lebensdauer von ca. 40.000 km. Allerdings ist er breiter, benötigt daher mehr Platz und hat einen etwas höheren Leistungsverlust als ein Kettenantrieb. Da er aus mit Nylon oder Kevlar verstärktem Gummi besteht, altert er und kann spröde werden und reißen. Verbaut wird er überwiegend bei Harley-Davidson und Buell, aber auch bei einigen BMWs. Spezialisten bieten auch eine Umrüstung von Kette auf Zahnriemen an, die Kosten hierfür betragen etwa 1.500 Euro.

Wartung/Reparatur

Läuft der Riemenantrieb mit quietschenden Geräuschen, ist das Hinterrad oft nicht richtig justiert. Grundsätzlich sollte der Riemen aber nicht geschmiert werden, da sich sonst Schmutzpartikel sammeln, die schmirgelnd wirken. Wie bei einer Kette muss die Spannung natürlich kontrolliert werden. Ein Nachspannen ist in der Regel aber viel seltener erforderlich, oft erst nach 8.000 km.

Vergleichstabelle

Merkmal Kardanantrieb Kettenantrieb Zahnriemenantrieb
Wartung Sehr gering Hoch Gering
Lebensdauer Sehr hoch Mittel Mittel
Wirkungsgrad Geringer Hoch Mittel
Gewicht Hoch Gering Mittel
Kosten Hoch Gering Mittel
Schaltmöglichkeiten Begrenzt (Nabenschaltung) Flexibel (Kettenschaltung) Begrenzt (Nabenschaltung)

Fazit

Die Entscheidung für oder gegen einen Kardanantrieb hängt von den individuellen Bedürfnissen und Prioritäten ab. Wer Wert auf geringen Wartungsaufwand und lange Lebensdauer legt, könnte mit einem Kardanantrieb zufrieden sein. Wer jedoch ein leichtes, effizientes und vielseitiges Fahrrad sucht, ist mit einem Ketten- oder Riemenantrieb möglicherweise besser beraten.

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