Du hast ein neues Fahrrad und bist bereit für die erste Fahrt? Damit es Spaß macht, sicher ist und man effektiv vorankommt, muss das Fahrrad richtig eingestellt sein. Ein korrekt eingestellter Sattel bringt dich nicht nur bequem und sicher ans Ziel, sondern beugt auch Verletzungen und gesundheitlichen Schäden vor. Stimmen die Fitting-Einstellungen am Bike nicht mit dem Fahrradtyp, der Körperergonomie und dem Fahrverhalten überein, können Beschwerden auftreten, besonders in den Knien oder im Rücken.
Warum ist die richtige Einstellung so wichtig?
Ein falsch eingestellter Fahrradsattel kann ernstzunehmende Folgen für deine Gesundheit haben. Bei einem zu tief eingestellten Sattel wird das Knie zu stark angewinkelt, was zu Schmerzen führen kann. Bei einem zu hoch eingestellten Sattel wird die Beinmuskulatur dagegen zu wenig beansprucht, wodurch sich der Druck auf das Gesäß erhöhen kann und die Oberschenkel schneller zu Krämpfen oder Zerrungen neigen. Außerdem kommt es auch auf die richtige Neigung des Sattels an. Wenn die Spitze zu weit nach unten zeigt, kann dies die Rumpf- und Armmuskulatur belasten.
Die Grundlagen des Bikefittings
Viele Fachhändler bieten die Einstellung des Fahrrads direkt nach dem Kauf zusammen mit dem Kunden an. Doch es geht auch allein. Die richtige Ergonomie zu finden, ist einerseits eine höchst individuelle Angelegenheit, denn schließlich besitzt jeder Mensch einen etwas anderen Körperbau. Andererseits ist die Vorgehensweise für fast jeden Fahrradtyp gleich.
Dabei gilt als wichtige Regel: Wer einmal mit allem durch ist, fängt wieder von vorne an. Nur so kann sichergestellt werden, dass sich eine Veränderung nicht negativ auf eine andere Größe auswirkt.
Benötigtes Werkzeug
- Schraubenschlüssel
- Inbusschlüssel
- Schraubendreher
- Wasserwaage (zur Einstellung der Sattelneigung)
Die richtige Sitzposition finden
Die optimale Sitzposition hängt nun nicht nur vom Sitzen ab. Die optimale Sitzposition auf dem Fahrrad ist nicht nur eine Frage des Komforts: Knie, Rücken und Gelenke werden entlastet.
1. Sattelhöhe einstellen
Der wohl wichtigste Einzelschritt für die optimale Fahrradergonomie beim Bikefitting ist das Einstellen der Sattelhöhe in Relation zur Lenkerposition. Denn um kraftvoll und vor allem muskulatur- und gelenkschonend zu radeln, muss das Knie beim Treten locker durchgestreckt werden können, jedoch nicht überstreckt.
Die Fersenmethode
Die einfachste Methode, um die Sattelhöhe richtig einzustellen, ist die Fersenmethode. Der Vorteil: Es werden keine Werkzeuge benötigt, und sie kann auch während einer Tour durchgeführt werden.
- Auf das Fahrrad setzen
- Ein Pedal mit dem Fuß bis auf die tiefste Stelle drehen
- Ferse auf das untere Pedal stellen
- Das Knie ist locker durchgedrückt: ideale Sitzhöhe
- Das Knie ist angewinkelt: Sattel zu niedrig
- Das Pedal wird mit der Ferse nicht oder nur mühsam erreicht: Sattel zu hoch
Tipp: Sollte es vorkommen, dass Sie beim Fahren trotzdem auf dem Sattel hin und her rutschen, könnte der Sattel noch ein wenig zu hoch sein. Testen Sie, ob Sie stabiler sitzen, wenn Sie die Sattelhöhe 1 bis 2 Zentimeter niedriger stellen.
Die Hügi-Methode
Zahlenaffine sind mit der Hügi-Methode gut beraten. Diese mathematische Formel zur Berechnung der Sitzhöhe wurde in den 1980er-Jahren vom Schweizer Wilfried Hügi entwickelt.
- Zunächst wird die Schrittlänge gemessen.
- Diese Zahl wird anschließend mit dem Faktor 0,885 multipliziert.
- Das Ergebnis ergibt den optimalen Abstand von der Mitte des Tretlagers bis zur Oberkante des Fahrradsattels.
2. Sattelneigung einstellen
Neben der Sattelhöhe spielt die Neigung des Fahrradsattels eine wichtige Rolle dabei, eine bequeme und gesunde Sitzposition auf dem Fahrrad zu finden. Am besten sollte der Sattel möglichst waagerecht eingestellt sein. Zur Ermittlung der Waagerechten, kannst du die bereits erwähnte Wasserwaage verwenden.
- Diese legst du am besten zuerst auf den Boden, um zu sehen, ob der Untergrund eben ist.
- Anschließend bringst du den Fahrradsattel in eine waagerechte Position, indem du die Schraube(n), die den Sattel mit der Sattelstütze verbinden lockerst.
3. Horizontale Sattelposition (Sattelversatz)
An jedem Sattelstütze gibt es eine oder zwei Klemmschrauben. Bei den meisten Modellen lässt sich der Sattel nach vorn und hinten verschieben. Die Ausrichtung des Sattels bestimmt den optimalen Winkel zwischen der auf die Tretkurbel einwirkenden Kraft und dem Tretkurbelarm. Eine für jeden gültige ideale Einstellung gibt es nicht. Sollte sich die Einstellung bei längerem Fahren nicht optimal anfühlen, kann man nachjustieren.
Nun sollte der Fußballen auf Höhe der Pedalachse stehen und das Knie sollte am tiefsten Punkt leicht angewinkelt sein. Die Kniescheibe sollte nun im besten Fall durch die vordere Pedalachse laufen.
4. Lenkerposition einstellen
Wichtigstes Prinzip für die Lenkereinstellung ist, dass die Rückenmuskulatur eine sogenannte Vorspannung aufbaut. Rücken- und Bauchmuskulatur müssen aktiv gespannt sein. Nur so kann sich die Wirbelsäule stabilisieren und ist vor Überlastung geschützt. Ein Rundrücken schafft das nicht. Wie hoch dafür der Lenker eingestellt werden muss, ist vom Körperbau und dem persönlichen Empfinden abhängig.
Ergonomisch gesehen ist der Lenker dann optimal ausgerichtet, wenn das Becken beim Fahren leicht nach vorne kippt. Befinden sich beide Hände auf den Griffen des Lenkers, sollte der Rücken minimal ins Hohlkreuz gehen. Das unterstützt die natürliche S-Form der Wirbelsäule. Doch auch persönliche Vorlieben und Fahrradtyp entscheiden bei der Lenkerhöhe.
Spezielle Anpassungen für verschiedene Fahrradtypen
Grundsätzlich ist die Einstellung der Sitzhöhe bei allen Rädern dieselbe. Die richtige Sitzposition ergibt sich vor allem aus der Höhe und Position des Sattels und der Einstellung des Lenkers. Ist der Sattel zu niedrig, wird das Knie beim Treten zu stark angewinkelt. Wer zu hoch sitzt, belastet die Sitzknochen stärker.
Rennrad
Auf dem Rennrad ist man beim Fahren meist sehr stark nach vorne über den Lenker gebeugt. Dadurch liegt besonders viel Körpergewicht auf der Sattelspitze. Eine stark nach vorn gebeugte Haltung steigert die Aerodynamik.
Mountainbike
Gerade wenn du Mountainbike fährst, kann es nützlich sein, unterwegs häufiger die Sattelhöhe zu verändern. Während du auf einigen Passagen im Stehen fährst und somit besonders viel Bewegungsfreiheit brauchst, ist es sinnvoll, den Fahrradsattel etwas tiefer zu stellen. Eine hydraulische Sattelstütze , die sogenannte Dropper Post, kann dabei sehr hilfreich sein.
E-Bike
Auch wenn E-Bikes auf den ersten Blick sehr bequem erscheinen, solltest du bei dem Sattel nicht auf allzu stark gepolsterte Modelle zurückgreifen.
Die richtige Haltung beim Fahrradfahren
Ist das Bike-Fitting beendet, ist die Grundvoraussetzung erfüllt, eine ideale Haltung beim Fahren einnehmen zu können. Ob man eine sportliche, geneigte oder eine aufrechte Haltung bevorzugt, wird dabei primär vom Fahrradtyp bestimmt. Beim sportlichen Fahren, etwa mit Rennrad und Mountainbike, sitzt man weiter nach vorn gebeugt als bei einem City- oder Trekkingrad.
Auf Körpersignale achten
Natürlich hat jeder Mensch eine eigene Anatomie und ein individuelles Empfinden. Achten Sie auf die Signale des Körpers. Wenn eine Einstellung für Sie unangenehm ist, obwohl sie so empfohlen wird, justieren Sie in kleinen Schritten nach. Schon einige Millimeter bei Sattel und Lenker können den Unterschied ausmachen. Tipp: Fahren Sie dynamisch. Zwischendurch das Gewicht verlagern, leicht in den Stand gehen, die Trittfrequenz verändern, die Hände ausschütteln und Pausen machen - so wird das Fahrradfahren angenehmer, und Sie beugen Verspannungen vor.
Professionelles Bikefitting
Wer Fahrradtyp, Ergonomie und Körpergefühl beim Einstellen der Fahrradkomponenten beachtet, sollte die Anpassungen selbst vornehmen können. Ein professionelles Fahrradfitting ist relativ teuer. Pro Stunde muss man mit etwa 100 Euro rechnen und - je nach Leistung - mit 2 bis 4 Arbeitsstunden.
Ein professionelles Bikefitting kann sinnvoll sein, wenn man auf Profiniveau fährt, gesundheitliche Einschränkungen oder eine Vorbelastungen mitbringt, zum Beispiel nach einem Unfall, oder eine lange Fahrradreise plant. Das Bikefitting beim Experten kann umfassen:
- Körpervermessung
- Fahrradvermessung
- Beweglichkeitsanalyse
- Einstellung der Sattelhöhe
- Justierung des Sattelversatzes
- Anpassung von Lenkerhöhe und -abstand
- Ermittlung der Lenkerbreite
- Optimierung der Fußstellung auf dem Pedal
- Kontrolle der Knieerhebungskurve
Typische Beschwerden und mögliche Ursachen
Folgende typische Beschwerden beim Fahrradfahren können von einer falschen Sitzposition kommen. Daher sollte bei Beschwerden immer erst überprüft werden, ob nach einer Veränderung von Sattel- oder Lenkereinstellung eine Besserung eintritt.
| Typische Beschwerden bei falscher Sitzposition | Mögliche Ursache |
|---|---|
| Schmerzen in der Achillessehne | Sattel zu hoch? Der Fuß nimmt beim Erreichen des tiefsten Punktes beim Pedalieren eine zu gestreckte Haltung ein. |
| Kniebeschwerden | Abhängig von der Art der Knieschmerzen könnte der Sattel zu niedrig eingestellt sein oder er ist zu weit vorne positioniert. |
| Schmerzen im Rücken | Eine große Sattelüberhöhung (speziell beim Rennrad kann der Sattel aus aerodynamischen Gründen höher montiert werden als der Lenker) kann die Rückenmuskulatur, wenn zu schwach, zu stark belasten. |
| Schmerzen im unteren Rücken | Naheliegende Ursache kann ist eine Überstreckung durch einen zu hohen Sattel oder eine zu aufrechte Sitzposition sein, sodass Erschütterungen beim Fahren in den Rücken gehen. |
| Taubes Gefühl/Druck in den Händen | Vielleicht ist die Sattelposition zu weit vorne und verstärkt den Druck auf die Hände oder der Lenker ist zu tief eingestellt. |
| Schmerzen in den Schultern | Eine aufrechtere Sitzposition kann entlasten. Auch ein schmalerer Lenker kann helfen. |
| Taubheitsgefühl im Gesäß und/oder in den Genitalien beim Sitzen | Die Sattelnase könnte zu weit nach unten neigen oder Sattelhöhe um 1-2 cm verringern. |
| Nackenschmerzen | Eventuell eine zu sportliche Sitzposition wie zu tiefer Lenker, zu hoher Sattel oder zu langer Vorbau. |
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