Citybikes für Damen: Design, Funktion und Komfort im Test

Was für eine wundervolle Aufgabe: ein Testfeld zusammenzustellen und dabei den Fokus auf cooles, originelles Design, Lifestyle, schöne Materialien und handwerklich tolle Verarbeitung zu legen! Dachte ich. Die folgende Ernüchterung war jedoch groß. Beim Durchforsten der aktuellen Bio-Modelle für die City traf man entweder auf “alte Bekannte”, also was Formensprache angeht, oder auf eher nüchternen Pragmatismus. Offenbar hat man sich in den Entwicklungsabteilungen die letzten Jahre eher der E-Bikes angenommen, die kommen durchweg schick und modern daher. Gerade bei den Herstellern mit großen und ganz großen Stückzahlen scheint speziell das Citybike in letzter Zeit sehr stiefmütterlich behandelt worden zu sein.

Zeit für die Spezialisten

Irgendwie auch befriedigend dann, die erhofften Designperlen nicht bei den ganz Großen, sondern bei den Labels zu finden, die eher am Kuchen naschen, als ihn zu verputzen. Was all deren Räder so speziell machte, dass wir sie hier aufnehmen wollten, war wieder recht unterschiedlich. Was ist oder was heißt “schön” im Zusammenhang mit einem Stadtfahrrad, und wie viel Design darf sein ohne die Funktion zu mindern? Immerhin ist ein Citybike kein Ausstellungsstück.

Im Testfeld findet sich vom Faltrad bis zum leichtgewichtigen Kurvenräuber oder komfortablen Packesel eine bunte Auswahl. Drei Eckpunkte sind ihnen gemein: eine relativ aufrechte Sitzposition und die pflegeleichte Nabenschaltung definieren sie als typisches Citybike, dazu sind sie durchweg recht clean, heißt: klare, schnörkellose Linienführung mit möglichst wenig Streben oder Anbauteilen, die aus der minimalistischen Silhouette herausragen. Dieser Designtrend zieht sich aktuell durch viele Produkte, vom iPod über das Interieur von E-Autos bis zu minimalistischen Wohnlandschaften.

Timo Dillenberger, Testredakteur: Wegen der auffällig vielen “Wows” wildfremder Menschen haben wir erstmals auch diesen Faktor in die Bewertung aufgenommen. Zugegeben, er ist etwas subjektiv, unser “Wow-Meter” soll auch nur einen Eindruck geben, wie heftig die Mitmenschen auf das jeweilige Modell reagiert hat.

Citybikes: Optik, Funktion und die StVZO

Solch eine saubere Optik und klare Linie haben natürlich ihren Preis, im wörtlichen, aber eher noch im übertragenen Sinne. Minimalistische Gepäckträger, wie der auf dem Koga, können einfach nicht die Lasten eines Tourengepäckträgers aufnehmen. Ähnliches gilt für die schicken, auf der Gabel montierten Frontträger. Selbst wenn sie 15 Kilo aushalten, das Lenkverhalten ab fünf Kilo wird derart unberechenbar, dass der Großeinkauf keinen Platz darauf findet, eher die Brötchentüte oder der Bürorucksack. Knackpunkt Licht: Zwar sind Akkulampen zum Nachrüsten mittlerweile legal, Reflektoren rundum müssten aber an sich doch dran sein. Ein eingesandtes Cityrad verfügt zugunsten aufgeräumter Optik nicht einmal über eine Bremse vorn.

Hier liegt es in der Verantwortung des Käufers des Cityrads, ob sie oder er beim unvermeidlichen Kompromiss mehr auf Sicherheit oder mehr auf Optik Wert legt. Dass man schicke, moderne Optik, Praxisnutzen und gute Fahreigenschaften auch unter einen Hut bringen kann, zeigt das Schindelhauer Gustav in der farblichen Sonderedition. Der massiv wirkende Rahmen gerade in der dezenten Lackierung bildet so klare Konturen, dass die Anbauten nicht auffallen. Und der integrierte Frontträger beeinflusst das Lenkverhalten nur minimal, da er am Rahmen fixiert ist und nicht mitlenkt. Apropos Integration: Koga und Urwahn vereinen beim Licht Design und Diebstahlschutz! Das Rücklicht besteht je aus in die Sattelstütze eingelassenen LEDs, und auch Frontlampen beziehungsweise Tagfahrlicht sind ins Cityrad versenkt; das verhindert lange Finger und Schäden durch “Parkrempler” - und sieht auch noch spektakulär aus!

Da schau einer her! Hand aufs Herz: Neben der Freude an schicker Optik hat sicher kein Biker etwas dagegen, wenn Passanten und Radler freundlich schauen oder grüßen. Das ist uns bei den Testfahrten auffällig häufig passiert, wie mit einem VW Käfer oder Bulli. Die Menschen freuen sich einfach über so schöne Fahrzeuge, ganz gleich, ob sie vier oder zwei Räder haben. Das stempelt einen nicht zum Angeber, man bereichert den umweltfreundlichen Stadtverkehr um einen schönen Anblick, ein Rad, das auch praktisch, schnell, bequem und wendig ist. Manchen mag dies und der Stolz aufs Citybike sogar dazu motivieren, öfter aufs Bike statt ins Auto zu steigen. Was für eine tolle Bonusfunktion!

Die 8 Citybikes im Test: Designperlen für die Stadt

Gazelle Van Stael

Gazelle kann also nicht nur Hollandräder! Das Van Stael ist eine Hommage an die sportliche Vergangenheit der Marke. Dabei passt die gelieferte Farbkombi extrem gut zur puristischen Aufmachung, allen voran die Ledergriffe und die schlanken Bremshebel, die Klingel musste für die Optik an den Vorbau weichen. Die schmalen Reifen rollen und beschleunigen toll, der leicht gekröpfte Lenker ermöglicht fast aufrechtes Sitzen, und doch will das Van Stael eher sportlich düsen als cruisen, auch weil die Gänge echt lang übersetzt sind. Steuer- und Sattelrohr stehen recht steil, das macht das Cityrad wunderbar agil. Urgemütliche Optik trifft auf tempogene, todschicke und günstige Kombi.

Die wichtigsten Details zum Cityrad Gazelle Van Stael:
  • Preis: 899 Euro
  • Gewicht: 15 kg
  • Rahmenset/Größen*: gemuffter Stahlrahmen mit 1-Zoll-Rohren, Stahlgabel starr, Größen 49 (nur mid), 54, 59 und 64 (nur high) cm
  • Antrieb/Bremsen: 7-Gang-Shimano-Nexus-Getriebenabe mit Kette, 44:19 übersetzt, gefräste Kurbeln / Tektro-Caliper-Bremsen mit Retro-Hebeln
  • Ausstattung: Hochprofilfelgen mit Continental-SportContact-II-Reifen 622 x 28 in Cremeweiß, Brooks-Ledersattel und Slender-Ledergriffe, Metalschutzbleche, Kettenkasten, Seitenständer
  • Maximales Gesamtgewicht/Zuladung: 130 kg/27 kg und 25 kg (beide opt.)
  • Entfaltung: 3,14-7,72 m
Vor- und Nachteile:
  • Plus: Minimalistisch klassisches Design, toller Lack, super agil und komfortabel
  • Minus: Lang übersetzt, Bremsleistung bei Regen, Bereifung wenig komfortabel

Koga Supermetro

Die Vernunftlösung im Test, dabei birgt das Rad so viele optische wie technische Highlights. Allein die spektakulär geformten Rohre, besonders das Steuerrohr mit integriertem Licht, Bremsleitungen und Schaltzug, dazu ganz hervorragende Schweißnähte und der Hammerschlag-ähnliche Lack: alles wie aus einem Guss! Man sitzt citytypisch aufrecht, muss deshalb an Ampeln brav runterschalten, um zu beschleunigen. Auf Schwung läuft das Rad sehr spurtreu und leicht, auch mit etwas Gepäck auf dem Träger, ab 13-15 Kilo macht der das Fahrgefühl minimal schwammig. Der Rahmen selbst ist brutal steif; gut, dass die Reifen Schläge etwas abdämpfen. Alleskönner mit etwas Understatement.

Die wichtigsten Details zu diesem Stadtfahrrad Koga Supermetro:
  • Preis: 1849 Euro
  • Gewicht: 15,5 kg
  • Rahmenset/Größen: flach geschweißtes Alurahmenset aus hydrogeformten Rohren (6061er-Legierung), integrierter Lenkeinschlagbegrenzer und Koga Light Design / Diamantrahmen in M/L/XL, Mixedrahmen in S/M/L
  • Antrieb/Bremsen: Shimano-Nexus-8-Gang-Nabenschaltung mit Alfine-8-Schaltgriffen, Gates Carbondrive mit Übersetzung 46:22, Excenter-Tretlager / Shimano MT201 hydraulische Scheibenbremsen, 160 mm
  • Ausstattung: Koga Urban Gepäckträger, Conti Contact Urban in 40-622 auf doppelwandigen Felgen, ART-zertifiziertes Rahmenschloss, Ergopedale
  • Maximales Gesamtgewicht/Zuladung: 130 kg/25 kg (hi.)
  • Entfaltung: 2,45-7,50 m
Vor- und Nachteile:
  • Plus: Top Lichtanlage inkl. Tagfahrlicht, wartungsarmer Gates-Riemen, top Bremsen, robuster Lack, dezenter 25-kg-Träger
  • Minus: Relativ schwer

Retrovelo Louis Duo 26"

Durch die Stadt cruisen ohne Eile, dafür steht dieser Louis. Dieser, denn über den Online-Baukasten könnte man ihn ebenso sportlich aufbauen, sogar mit Rohloff-Nabe. Ohne Topspeed gibt’s auch keinerlei Kritik an den mechanischen Bremsen oder dem mittelmäßigen Geradeauslauf durch die rückwärtige Form des Lenkers, die eine urgemütliche Haltung bewirkt. So relaxt will man auch nicht viel schalten, das macht die 2-Gang-Automatik; Berge oder harte Steigungen sind damit kaum drin. Das stimmige, konsequente Design erinnert an ein Armeemotorrad der 40er, genauso robust ist das Rad von Gabel bis Heckträger. Die originelle, saucoole Optik muss man ob des Preises aber schon sehr mögen.

Die wichtigsten Details zum Cityrad Retrovelo Louis Duo 26":
  • Preis: 2880 Euro
  • Gewicht: 17,5 kg
  • Rahmenset/Größen: CroMo-Rahmen, teilgemufft mit teilbarem Hinterbau für Riementrieb, 3-Plattenkopf-Gabel, Aheadset / Einheitsgröße
  • Antrieb/Bremsen: Schlumpf-Haberstock-Kurbel mit 2-Gang-Getriebe mit Kettentrieb, Excentertretlager, Primärübersetzung 36:18 / SRAM AVID BB7 mech. Scheibenbremsen, 160 mm, Avid 2-Finger-Bremshebel
  • Ausstattung: Brooks-Ledersattel, Kork-Ergogriffe, Schwalbe-Big-Apple-Reifen in 60 x 559 inkl. Reflexstreifen, Shimano-Alfine-Nabendynamo
  • max. Gesamtgewicht/Zuladung: 130 kg / 20 kg (hi.)
  • Entfaltung: 2,16-3,56 m
Vor- und Nachteile:
  • Plus: Großer Custom-Baukasten, superkomfortable Reifen-Sattel-Lenker-Kombi, toll verarbeitet, viele Anbauten in Radfarbe
  • Minus: Wenig dynamisch, schwer, nicht billig

Schindelhauer Gustav Moonlight Rose Edition

Kein Wunder, dass Gustav schon alle Designawards abgeräumt hat! Das Rad ist nicht nur in der Sonderfarbe ein echter Blickfang, es ist auch super variabel einsetzbar. Aktentasche, Paket, Einkaufskorb, fast alles findet im Nu seinen Platz auf dem am Steuerrohr massiv verschraubten Träger; dass der nicht mitlenkt, verwirrt nur kurz. Mit den dicken Topreifen werden weder Fracht noch Pilot durchgeschüttelt, obwohl Gabel und Rahmen wunderbar steif sind. Deren Form ist eben nicht nur Designobjekt. Anbauten sind bewusst dezent gehalten, Gustav ist der Star! Gewicht und Fahrdynamik sind für ein lastentaugliches Rad recht gut. Sorry, Konkurrenz, das Rad ist überall vorne dabei - und bezahlbar!

Die wichtigsten Details zum Citybike Schindelhauer Gustav Moonlight Rose Edition:
  • Preis: 1750 Euro
  • Gewicht: 15,3 kg
  • Rahmenset/Größen: Rahmenset aus Aluminium (6061-T6-Legierung), Aero-Shape-Rohrsatz, 3-fach konifiziert, geschmiedetes Ausfallende mit Schlittenspannsystem, versteckte Öffnung für Riemen / Größen 45, 50, 55 cm
  • Antrieb/Bremsen: Shimano Nexus-8-Gang-Getriebenabe mit Alfine-Rapidfire-Schalter, Gates Carbon Drive - S150, Primärübersetzung 46:26 / Shimano MT200 hydraulische Scheibenbremse 160 mm
  • Ausstattung: Conti Contact Urban in 50 x 584, Shimano-Nabendynamo DH-T400, Busch & Müller Lumotec Eyc N Plus-Lampe und ILU jr. Rücklicht
  • Maximales Gesamtgewicht/Zuladung: 130 kg/15 kg (vo.) / - (hi., opt.)
  • Entfaltung: 2,01-6,17 m

Veloretti Caféchaser

Eines gleich vorweg: Ein Rad mit Bremse nur am Hinterrad ist in den Niederlanden völlig legal! Aber auch wenn man mit dem eleganten Understatement de...

Die wichtigsten Details zum Cityrad Veloretti Caféchaser:
  • Preis: 472,50 Euro
  • Gewicht: 14,0 kg
  • Rahmenset/Größen: Aluminium-Oversize-Rahmen, gekreuzte Sattelstreben, Stahl-Gewindegabel / Größen 57 und 61 cm, pulverbeschichtet
  • Antrieb/Bremsen: Singlespeednabe, Kettenantrieb, Übersetzung 44:18 / interne Rücktrittbremse, KEINE Frontbremse am Testrad, optional bestellbar
  • Ausstattung: Aluminium-Hochprofilfelgen, Kettenschutz in Rahmenfarbe, Zweibeinständer, Axa Batterierücklicht, Reifen in 622 x 37, Kettenspanner inkl.
  • Maximales Gesamtgewicht/Zuladung: 120 kg / - (hi.), 15 kg (vo.)
  • Entfaltung: 5,37 m
Vor- und Nachteile:
  • Plus: Extrem cleane Optik, toller Lack, stabile Felgen, Bleche in Rahmenfarbe
  • Minus: Nur mit Zubehör StVZO-konform, Gang nur Flachland tauglich, Frontträger labil

Weitere Betrachtungen

Für uns Städter, die am Stadtrand Münchens wohnen, gehört das Fahrrad einfach in den Fuhrpark. Unter der Woche bleibt das Auto meist in der Tiefgarage stehen und besonders kleine Erledigungen werden mit dem Rad erledigt. Für uns gehört der Weg zum Bahnhof, zur Schule, zum Kinder-Tanzkurs oder ins nahe gelegene Einkaufszentrum zu den typischen Radwegen.

Die letzten Jahre bin ich immer sehr zufrieden mit meinem Trekking-Bike durch die Gegend gefahren. Ein recht unscheinbares aber praktisches Fahrrad, an welches ich anfangs noch den Kindersitz gesteckt hatte. Inzwischen fahren die Kinder natürlich alleine, mit ihren zehn und sieben Jahren. Ich dachte nicht wirklich daran, mir ein neues Rad zu holen, bis ich das Hollandrad von FALTER entdeckte. Es war es Liebe auf den ersten Blick.

November ist keine typische Zeit um ein Rad zu erstehen, aber deutlich entspannter als im Frühjahr, wenn sich alle um ein neues Fahrrad bemühen. So kam es, dass wir in der zweiten Novemberwoche beim FALTER-Händler Fahrrad Sperk in Ottobrunn auf der Matte standen. Die FALTER-Bikes kann man sich zwar online ansehen und sich auch vorab die passende Rahmenhöhe berechnen lassen, doch bekommt man natürlich nur vor Ort ein Gefühl für das richtige Fahrrad. Durch die Eingabe der eigenen Postleitzahl findet man sofort die passenden Händler in der Nähe. Wer die Farbe gleich auswählt, kann auch die Verfügbarkeit des gewünschten Rads direkt online prüfen.

Da stand es, einfach wunderschön! Das Leder in der Farbe Creme, bildet einen perfekten Kontrast zu der dunkelrosa Farbe des Hollandrads. Toll finde ich auch das Logo der Marke. Sowohl der Schmetterling, als auch der Schriftzug FALTER, passt einfach perfekt zu diesem Retro-Bike. Nicht nur von weitem wirkt es klassisch und hochwertig, nein, es ist auch sehr hochwertig verarbeitet. Anders als gedacht, ist das Rad allerdings nicht wirklich schwerer als mein Trekkingrad. Es wiegt gerade einmal ein Kilo mehr als mein bisheriges KTM Bike, und das trotz dem zusätzlichen Gepäckträger am Vorderrad.

Auf dem Fahrrad durch die Straßen und auf dem Land zu cruisen mag ich sehr, aber es muss schon in einer gewissen Geschwindigkeit geschehen. Entsprechend happy bin ich, dass dieses Hollandrad nicht nur den Komfort mitbringt, sondern auch eine 7-Gang-Nabenschaltung von Shimano mit Rücktrittsbremse. An Letztere musste ich mich kurz wieder gewöhnen, was aber absolut kein Problem, vielmehr einen Vorzug darstellt, da sie schnell und scharf bremst, im Fall der Fälle.

Ungewohnt aber richtig toll ist der große Lenker. Man sitzt aufrechter und hat einen schönen, weiten Blick wenn man auf dem Rad fährt. Gleichzeitig ist man zügig unterwegs und genießt die Fahrt ganz anders, durch die bessere Haltung.

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