Gefederte Fahrradsattelstützen im Test: Mehr Komfort beim Radfahren

Verschiedene Umfragen beweisen: Sitzprobleme sorgen mit am häufigsten für Verdruss beim Radfahren. Gelegenheits-Radfahrer klagen dabei häufig über Schmerzen an den Sitzknochen, Vielfahrer hingegen leiden unter Problemen am unteren Rücken - vor allem im Bereich der Lendenwirbelsäule. Ein Grund dafür ist, dass je nach Sitzposition bis zu 70 Prozent des Fahrergewichts auf dem Sattel lasten. Sitzknochen und Wirbelsäule tragen dieses Gewicht. Je nach Fahrrad werden mehr oder weniger Stöße und Vibrationen zum Fahrer weitergeleitet. Federstützen arbeiten dann als Stoßfänger.

Mit einer gefederten Sattelstütze können Unebenheiten der Fahrstrecke über die Federung absorbiert werden.

Funktionsweise und Bauarten von gefederten Sattelstützen

An vielen Kompletträdern sind Federstützen verbaut. Meist aber nur in günstiger Ausführung, weil die Kalkulation knapp ausfällt. Wird ein Hindernis überfahren, bewegt sich das Hinterrad in einer kreisförmigen Bewegung um die Vorderradachse. Dadurch erfolgt die Stoßrichtung über den Sattel nach vorne oben. Betrachtet man die zu federnde Masse, fällt auf, dass sich die Form der Wirbelsäule quasi mit der Stoßrichtung überschneidet. Das erklärt auch gleich die in der Regel bessere Funktion von Parallelogrammstützen, da ihre Einfederrichtung dieser Kraft perfekt entgegenwirkt. Bei Teleskopstützen ist der Krafteinleitungswinkel hingegen deutlich steiler, wodurch Potential vor allem im Ansprechverhalten verloren geht.

Gefederte Sattelstützen können aufgrund ihrer Bauform in zwei Kategorien eingeteilt werden. Zum einen gibt es Feder, beziehungsweise Teleskop-Sattelstützen oder Parallelogramm-Sattelstützen. Bei den gefederten Teleskop-Sattelstützen bewegt sich der obere Teil, das Standrohr in das untere Tauchrohr, ähnlich wie bei einer Federgabel.

Teleskopfederstützen und Parallelogrammfederstützen haben eine unterschiedliche Einfederrichtung. Beim Teleskopprinzip werden die Rohre in sich verschoben und die Federrichtung wirkt nach vorne unten. Das Rad überträgt die Stöße des Untergrunds vor allem durch das Hinterrad auf den Körper.

Teleskopstützen

Bei Teleskopstützen werden die Rohre in sich verschoben und die Federrichtung wirkt nach vorne unten (Airwings, Ergotec, Sitting Bull, USE, XLC). Sie sind meist eher leicht, günstiger, fein einstellbar, bieten eine dezentere Optik und eine geringere Aufbauhöhe.

Die Vorteile von gefederten Teleskop-Sattelstützen liegen auf der Hand: Sie sind günstig, haben ein geringes Eigengewicht und sind fein einstellbar. Dafür reagiert die Stütze im Vergleich nicht ganz so sensibel und beim Einfedern verändert sich entsprechend die Sitzhöhe. Teleskop-Sattelstützen federn ausschließlich nach unten, wodurch sich die Sitzhöhe verändert. Dies muss beim Einstellen der Sitzhöhe berücksichtigt werden, sowie ein gewisses Einsinken beim Draufsetzen.

Teleskopstützen leiten die Erschütterungen parallel zum Sattelrohr ab, wodurch es bei nach vorn gebeugter Sitzhaltung innerhalb der Stütze zu Reibungen kommen kann, welche die Effizienz mindern. Somit sind solche Stützen eher für aufrechte Sitzpositionen, wie bei City- oder Trekkingrädern, geeignet.

Parallelogrammstützen

Bei Parallelogrammstützen bewegt sich der Sattel auf einer Kreisbahn nach hinten unten (by.schulz, CaneCreek, Cirrus, Contec, Ergotec, M-Wave, Redshift, Suntour). Dadurch ist der Komfort höher und die Sattelhöhenänderung ist nicht so extrem. Stabile Gelenke sorgen für gutes Ansprechverhalten und eliminieren das seitliche Spiel. Allerdings sind sie eher schwer, aufwendig und teuer in der Konstruktion, weisen eine klobige Optik sowie eine hohe Aufbauhöhe auf.

Parallelogramm-Federsattelstützen sehen zunächst wuchtiger aus als Teleskop-Sattelstützen, allerdings sind sie wesentlich effektiver, was das Ansprechverhalten und somit die Dämpfung angeht, da sie nicht nur nach unten, sondern nach unten und hinten abfedern. Als Federelement kommt auch hier meist eine Stahlfeder oder ein Elastomer zum Einsatz, welches direkt im oder am Parallelogramm unterhalb des Sattels verbaut sind.

Daraus ergeben sich folgende Vorteile: Die Parallelogramm-Sattelstützen haben ein sensibleres Ansprechverhalten und bieten selbst bei geringen Stößen mehr Komfort. Der große Nachteil dieser Konstruktion ist jedoch tatsächlich der Federweg. Hier verändert sich nicht nur die Sitzhöhe, sondern auch die Sitzposition, also der Abstand zwischen Sattel und Lenker beim Einfedern. Unter Umständen kann so ein erhöhter Druck zwischen Damm und Sattel entstehen. Dies muss beim Einstellen des Sattels entsprechend bedacht werden.

Blattfederstützen

Die einzige Blattfederstütze (Canyon) ist sehr leicht, sensibel und wartungsfrei. Allerdings gibt es nur eine Federhärte, die je nach Fahrergewicht und Stützenauszug aus dem Rahmen stark variiert.

Einsatzbereich und Fahrergewicht

Zudem arbeiten Federstützen mit höherem Gewicht auf dem Sattel besser. Das gilt für das Körpergewicht des Radfahrers wie auch für eine aufrechte Sitzposition, etwa an einem Holland- oder Stadtrad.

Zu folgenden Punkten sollten Sie sich Gedanken machen: Wird mehr im Alltag, auf Touren oder sportlich gefahren oder gibt es Rückenprobleme mit Vorerkrankungen? Leichte Personen oder Sportler profitieren stark von Parallelogrammstützen. Wer aufrecht und statisch sitzt, geringe Wippneigung schätzt, kann getrost zur Teleskopstütze greifen. Wer Probleme am Gesäß oder Wirbelsäule hat oder im Gelände unterwegs ist, profitiert von viel Federweg.

Da jeder Fahrradfahrer unterschiedlich schwer ist, sollte die gefederte Sattelstütze in ihrer Federstärke einstellbar sein. Diese kann mittels Schraube bereits auf eine gewisse Federstärke eingestellt werden.

Materialien und Federung

Als Federmedium setzen fast alle Hersteller auf Stahlfedern. Diese sind schwer, dauerschwingfest, temperaturunempfindlich, wartungsfrei, bieten eine lineare Kennlinie und ein gutes Ansprechverhalten. Allerdings ist die Eigendämpfung gering und je nach Fertigung unterliegt Stahl Korrosion. Elastomere, im Volksmund auch Gummipuffer genannt, sind leicht, korrosionsunempfindlich, wartungsarm, recht preiswert, progressiver und bieten eine gute Eigendämpfung.

Einzigartig ist die Carbonblattfeder bei Canyon. Sie ist leicht, sensibel und wartungsfrei. Dafür kostet sie ordentlich und ist nicht auf verschiedene Fahrergewichte anpassbar.

Bei den eingesetzten Materialien liegen Aluminium und Eisen weit vorne, im Sportbereich und bei gewichtsoptimierten Fahrrädern findet auch ein CFK Material seinen Einsatz.

Anpassbarkeit und Geometrie

Für eine gute Anpassung an den Fahrer sind der Stützenversatz sowie ein Blick auf die Sattelklemmung zu werfen. Der Versatz wird dazu von der gedachten Mitte des Stützenrohres bis zur Mitte der Sattelklemmung gemessen. Je größer der Wert, umso weiter wandert der Sattel nach hinten.

Bei Canyon kann die Aufnahme der Sattelstreben gedreht werden und bietet dadurch eine Variation von 12 Millimetern. Der Versatz ändert sich zudem durch das Einsinken in den Federweg. Bei Teleskopstützen nimmt der Wert ab. Am größten ist die Zunahme bei by.schulz, CaneCreek, Contec, Ergotec und Suntour.

Bei der Sattelklemmung betrachten wir den Verstellweg des Sattels. Dieser hängt vor allem an der oberen Sattelklemmschelle, weil diese durch die Biegung des Sattelgestells limitiert wird. Eine schmale Bauweise bringt mehr Verstellweg. Spitzenreiter sind Airwings, Canyon und USE. Stark limitiert bauen Sitting Bull, Suntour und vor allem Redshift.

Trotzdem sollte der Blick auch auf das untere Sattelgestell nicht fehlen. Perfekt ist das bei der Ergotec SP-10.0 gelöst. Zu geringe Unterstützung findet sich vor allem bei M-Wave und USE.

Beim Verstellwinkel geht es darum, dass die Satteldecke möglichst parallel zum Boden ausgerichtet werden kann. Limitiert ist der Bereich bei Airwings, Contec und Ergotec PM-705N. Runde und frei drehbare Aufnahmen bieten einen sehr großen Bereich, sind aber oft gerastert und damit nicht mehr stufenlos verstellbar (by.schulz, M-Wave, Sitting Bull, Suntour).

Canyon fällt gar komplett aus dem Raster, weil die Stütze mehrfach aus- und eingebaut werden muss, um den perfekten Sattelwinkel zu finden.

Montage und Einstellung

Zunächst wird der Sattel an der alten Stütze abmontiert und am besten zuvor noch der Abstand zwischen Sattel und Rahmen ermittelt. Dies spart bei der Montage der neuen Stütze etwas Zeit. Danach wird die Klemmschelle am Sitzrohr gelöst und die Stütze entfernt. Bevor die neue Stütze eingeschoben wird, sollte sichergestellt werden, dass sich kein altes Fett usw. im Inneren des Sitzrohres befindet. Gegebenenfalls muss hier zuvor etwas geputzt werden. Ist alles sauber, wird eine neue Montagepaste aufgebracht und die Stütze, gegebenenfalls mit einer Spacerhülle, eingeschoben. Danach wird die Stütze auf die zuvor ermittelte Länge grob eingestellt und die Klemmschelle festgezogen.

Damit selbst überprüft werden kann, ob die Federung richtig eingestellt ist, kann man sich an grob zwei Merksätzen orientieren: Wird eine niedrige Bordsteinkante heruntergefahren, sollte die Sattelstütze leicht, aber merklich einfedern. Wird eine hohe Bordsteinkante heruntergefahren, dann sollte die Sattelstütze gerade so nicht durchschlagen.

Vor- und Nachteile gefederter Sattelstützen

Vorteile

  • Erhöhung des Komforts beim Radfahren
  • Reduzierung von Belastungen auf Wirbelsäule und Gesäß
  • Einfache Montage

Nachteile

  • Dynamische Veränderung des Abstands zwischen Sattel und Pedalen
  • Möglicher Verlust von Energie beim Pedalieren durch die Federung
  • Erhöhtes Gewicht im Vergleich zu starren Sattelstützen

Auswahlkriterien für gefederte Sattelstützen

  • Fahrergewicht: Die Federstütze sollte für das Gewicht des Fahrers ausgelegt sein.
  • Federweg: Je unebener das Gelände, desto mehr Federweg sollte die Stütze haben.
  • Einstellbarkeit: Eine gute Anpassbarkeit der Federhärte und Sattelneigung ist essenziell.
  • Rohrdurchmesser: Vor dem Kauf sollte der benötigte Rohrdurchmesser ermittelt werden.

Tabelle: Vergleich ausgewählter gefederter Sattelstützen

Modell Federweg Gewicht Max. Nutzergewicht Besonderheiten
by.schulz G.2 ST 30 mm 700 g 60-85 kg E-Bike geeignet, 3D-geschmiedetes Aluminium
Airwings Comfort 1 Plus 50-55 mm Variiert Bis 140 kg Einstellbarer Sitzwinkel und Federhärte
Suntour SP12-NCX 50 mm 890 g 60-100 kg Geringe Wartung, Abdeckung enthalten

Hinweis: Die Angaben in der Tabelle können je nach Modellvariante und Hersteller abweichen.

Fazit

Grundsätzlich ist festzustellen: Eine Federsattelstütze erhöht den Komfort. Im Detail haben die Hersteller ihre Hausaufgaben mehr oder weniger gut gemacht. Maximalen Komfort bieten vor allem Parallelogrammfederstützen. Hier holt sich Suntour den Preis-Leistungstipp. Der Testsieg geht am Ende an zwei Stützen: by.schulz G.2 ST und die horrend teure Cirrus. Bei den Teleskopstützen kann leider keine den besten Parallelogrammstützen das Wasser reichen.

Wichtig ist: Immer alle Schrauben und Anbauteile nach Herstellerangaben festziehen.

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