Fahrrad Schaltwerk Einstellen: Shimano Anleitung

Wenn die Kette beim Fahrradfahren schleift oder rattert, sobald man zu treten beginnt, ist häufig eine falsch eingestellte Schaltung das Problem. Was nach einem teuren Werkstattbesuch klingt, lässt sich meist mit wenigen Handgriffen selbst beheben. So geht's.

Schritt-für-Schritt-Anleitung: Schaltung einstellen

Dass die Kette beim Fahrradfahren manchmal kurz knackt, ist normal. Doch wenn aus dem gelegentlichen Knacken ein dauerhaftes Rattern oder Schleifen wird, sollte man der Ursache auf den Grund gehen. Die gute Nachricht: Oft ist nur eine falsch eingestellte Kettenschaltung schuld daran. Das zu beheben hilft nicht nur gegen das Rattern, es senkt auch den Verschleiß von Kette und Ritzel.

Auch wenn die Kette beim Schalten nur schwer auf das nächste Ritzel springt, kann man das meist mit einfachen Mitteln selbst beheben. Und so einfach geht es.

Vorbereitung

  • Werkzeug: Kreuzschlitzschraubendreher bzw. Inbusschlüssel genügen
  • Fahrrad fixieren: Am besten spannen Sie das Fahrrad dazu in einen Montageständer ein, sodass Kurbel und Räder sich frei bewegen können. Einfache Fahrrad-Montageständer für den gelegentlichen Gebrauch gibt es auch regelmäßig beim Discounter. Zur Not kann aber auch eine zweite Person helfen, die das Fahrrad bei Bedarf anhebt bzw.

Die drei Hauptparameter der Schaltungseinstellung

Stellt man zum aller ersten Mal eine Gangschaltung am Fahrrad ein, dreht man meist wild an allen Einstellschrauben und verschlimmert eigentlich alles nur. Dabei ist die richtige Einstellung nicht so kompliziert, wie sie anfangs scheinen mag und unterteilt sich im Wesentlichen in drei verschiedene Parameter auf. Diese drei Parameter treffen im übertragenden Sinn sogar auf elektronische Schaltungen zu:

  • Umschlingung der Kette
  • Die Anschläge
  • Seilspannung

Vorab-Check

Bevor du jetzt verzweifelt versuchst deine Schaltung einzustellen und zu keinem brauchbaren Ergebnis kommst, solltest du, gerade wenn du dein Bike schon etwas länger fährst oder viel im Gelände unterwegs bist, sicherstellen, dass auch alle Komponenten intakt und voll funktionsfähig sind. Häufig funktioniert eine Schaltung aufgrund eines schwergängigen Schaltseils oder wegen eines verbogenen Schaltauges nicht ordentlich. Dann kann auch der beste Profi die Schaltung nicht mehr ordnungsgemäß einstellen. Bist du also nicht erfolgreich mit der Einstellung, solltest du diese Faktoren untersuchen.

1. Überprüfung des Schaltauges

Um festzustellen, ob das Schaltauge verbogen ist, kann eine Sichtprüfung von hinten auf das Schaltwerk hilfreich sein. Dabei sollte die Leitrolle des Schaltwerks in einer Linie mit den Ritzeln stehen. Für eine präzisere Diagnose empfiehlt sich die Verwendung einer Schaltauge-Kontrolllehre oder eines Richtwerkzeugs, mit dem die genaue Ausrichtung überprüft werden kann.

2. Richten oder Austausch des Schaltauges

Ist das Schaltauge nur leicht verbogen, kann es mit einem speziellen Richtwerkzeug vorsichtig zurückgebogen werden. Achtung: Das Material kann brechen, insbesondere wenn es bereits vorgeschädigt ist.

In vielen Fällen ist es jedoch empfehlenswert, das Schaltauge auszutauschen. Ersatz-Schaltaugen sind modellabhängig und können bei Fachhändlern oder online bezogen werden. Der Austausch erfordert in der Regel das Entfernen des Schaltwerks und eine präzise Montage des neuen Schaltauges.

Wichtig: Bereits leichte Verbiegungen können dazu führen, dass die Schaltung nicht mehr präzise arbeitet. Ursachen für ein verbogenes Schaltauge sind häufig Stürze, Umfaller oder der Kontakt mit Fremdkörpern. Für die Überprüfung und das Richten sind spezielle Werkzeuge erforderlich. Bei Unsicherheiten ist es ratsam, einen Fachmann zu konsultieren.

3. Umschlingung der Kette

Als Umschlingung wird der Winkel bezeichnet, den die Kette die Kassette umschlingt. Normalerweise ist dieser wichtig, um die Umschlingung der kleinen Ritzel richtig einzustellen, bei den 12 fach Antrieben ist er allerdings fest vorgegeben. An den Shimano Schaltwerken befindet sich auf der Rückseite des Schaltwerkskäfigs eine Markierung, die sich mit dem größten Ritzel der Kassette decken soll. Das Schaltwerk wird auf den leichtesten Gang geschalten und so eingestellt, dass sich die äußersten Zähne des größten Ritzels mit der Markierung decken.

4. Einstellen der Anschläge

Mit den Anschlägen wird verhindert, dass die Kette über das größte oder kleinste Ritzel hinaus kann und in die Speichen gerät oder den Rahmen beschädigt. Bei falscher Einstellung der Anschläge kann es auch passieren, dass die Kette beispielsweise nicht in den größten oder kleinsten Gang wechselt und im Gang davor hängen bleibt.

Es gibt zwei Anschlagsschrauben, eine für jedes Ende der Range. Bei Shimano sind diese mit einem L und einem H gekennzeichnet, was für Low- und High-Speed steht. Low begrenzt also den Anschlag zum größten Ritzel mit der meisten Zähne Zahl (für langsame Geschwindigkeiten) und High ist für das kleinste Ritzel mit der niedrigsten Zähne Zahl (für hohe Geschwindigkeiten) zuständig.

Die Anschläge sollten so eingestellt werden, dass die Kette leicht auf das entsprechende Ritzel wechselt, ohne darüber hinaus Schalten zu können. Besonders die Einstellung des H-Anschlags ist wichtig, denn sie kann bei falscher Einstellung die Seilspannung beeinflussen.

4.1. Einstellung High-Speed Anschlag

Um die Einstellung des H-Anschlags zu prüfen, Schalte auf das kleinste Ritzel und löse den Schaltzug vom Schaltwerk, um den Einfluss der Seilspannung zu eliminieren. Jetzt sollte die Kette genau mittig unter dem kleinsten Ritzel laufen. Wenn du das Schaltwerk per Hand nach oben drückst und wieder loslässt, sollte die Kette problemlos und schnell auf das kleinste Ritzel schalten. Mit dem Hineindrehen des Anschlags sitzt das Schaltwerk weiter innen und umgekehrt.

Hinweis: Dazu blicken Sie von hinten auf das Schaltwerk. Wenn Sie in den kleinsten oder größten Gang geschaltet haben, sollte die Kette exakt gerade vom jeweiligen Ritzel nach unten auf das anschließende Leitröllchen gespannt sein. Um die obere Begrenzung einzustellen, müssen Sie mit dem Schraubendreher die H-Schraube (H für high) drehen. Meist reicht hier nur wenig Drehung im oder gegen den Uhrzeigersinn, um das Leitröllchen nach rechts oder links zu bewegen. Wenn Leitröllchen und kleinstes Ritzel genau in einer Linie sind und die Kette gerade durchläuft, geht es weiter mit der unteren Begrenzung.

4.2. Einstellung Low-Speed Anschlag

Bei der Einstellung des Low-Speed Anschlags ist wichtig, dass die Kette auf keinen Fall über das größte Ritzel hinaus schalten kann. Schaltest du also alle Gänge bis zum größten Ritzel hinauf, darf sich der Schalthebel auf dem größten Ritzel nicht oder nur noch minimal drücken lassen und das Schaltwerk sollte sich nicht mehr in Richtung Speichen bewegen. Ist der Anschlag zu weit innen eingestellt, schaltet die Kette nicht oder nur schwer auf das größte Ritzel.

Hinweis: Hierfür schalten Sie zunächst in den kleinsten Gang (größtes Ritzel), vorne an der Kurbel schalten Sie (wenn vorhanden) auf das kleine Kettenblatt. Nun soll die obere Leitrolle exakt unter das große Ritzel des Hinterrads: Dafür drehen Sie diesmal die L-Schraube (L für low) mit dem Kreuzschlitzschraubendreher bzw. Inbusschlüssel.

5. Einstellung der Seilspannung

Mit der Seilspannung wird die Position des Schaltwerks unter allen Ritzeln kontrolliert. Das heißt, wenn die Kette die Kassette nicht nach oben steigen möchte, braucht das Schaltwerk etwas mehr Seilspannung und du musst die Einstellschraube herausdrehen.

Hinweis: Mit der Einstellschraube am Schalthebel lässt sich die Zugspannung der Schaltung erhöhen oder senken. Das ist nötig, wenn sich die Kette nur schwer in den jeweils höheren oder niedrigeren Gang schalten lässt. Auch hier reicht in der Regel wenig Drehung nach vorne (Spannung erhöhen) oder hinten (Spannung senken): Springt die Kette nur schwer vom kleineren auf das größere Ritzel, sollte die Spannung erhöht werden.

6. B-Schraube (B-Screw)

Diese Schraube ist für den Grad der Umschlingung der Kette auf der Kassette und für den Abstand des oberen Schalträdchens zum jeweiligen Ritzel zuständig. In wenigen Fällen kann sich der Abstand aber auch später noch verstellen. Dann muss er erneut eingestellt werden. Dazu dreht man mit dem Schraubenzieher oder Inbusschlüssel die B-Schraube.

Wie groß der Abstand sein soll, ist von Modell zu Modell unterschiedlich: Shimano gibt für den idealen Abstand je nach Schaltgruppe verschiedene Maße an: 5 bis 6 Millimeter, 10 Millimeter oder "gerade so, dass keine Berührung erfolgt".

Kompatibilität

Um Deine Schaltung bestmöglich einstellen zu können, gibt es ein paar Voraussetzungen. Alle Teile des Antriebs und der Schaltung müssen zueinander kompatibel sein. Schaltwerk und Schaltgriff müssen vom gleichen Hersteller und idealerweise aus der gleichen Serie stammen. Essenziell sind hier aber die Schaltstufen: ein 12-fach Schaltwerk kann nur von einem 12-fach-Schaltgriff gleichen Herstellers angesteuert werden; es kann ausschließlich eine 12-fach-Kassette und -Kette benutzt werden. Shimano- und SRAM-Bauteile können NICHT gemixt werden. Dies führt unweigerlich zu Problemen bis hin zur kompletten Fehlfunktion. Auch wenn andere Hersteller kompatible Teile anbieten, schwöre ich persönlich auf Originalbauteile des jeweiligen Gruppen-Herstellers, um die beste Performance zu gewährleisten.

Pflege und Schmierung

Grobe Verschmutzungen, insbesondere an Ritzeln, Kette und Schaltröllchen, können Probleme beim Schalten verursachen. Eine gründliche Reinigung ist daher obligatorisch. Für geschmeidige Schaltvorgänge muss die Kette sauber und gut geschmiert sein. Die Gelenke des Schaltwerks müssen leichtgängig sein. Sind sie verdreckt oder ist die Schmierung durch häufiges Waschen mit dem Hochdruckreiniger nicht mehr gegeben, darfst Du ihnen nach dem Säubern gern einen Tropfen Kettenöl spendieren. Dasselbe gilt für die Lager der Schalträdchen. Grundsätzlich sollen alle Komponenten, die mit im Spiel sind, vor dem Einstellen der Schaltung sauber und natürlich technisch einwandfrei sein. Die Hauptursache für schlecht funktionierende Schaltungen ist zu viel Reibung. Weniger Dreck bedeutet weniger Reibung. Alle beweglichen Teile müssen sauber und geschmiert sein.

Überblick der Einstellschrauben

Bevor es an das Einstellen geht, hier noch ein kurzer Überblick der 3 Einstellschrauben eines modernen Schaltwerks. Als Anschauungsobjekt dient hier ein SRAM Eagle 12-fach-Schaltwerk. Die Schrauben und deren Funktion sind bei SRAM und Shimano aber gleich, auch deren Anordnung ist sehr ähnlich.

  • B-Schraube (B-Screw): Diese Schraube ist für den Grad der Umschlingung der Kette auf der Kassette und für den Abstand des oberen Schalträdchens zum jeweiligen Ritzel zuständig.
  • L-Schraube (Low Limit Screw): Diese Schraube stellt die obere Begrenzung des Schaltwerk-Schwenkbereichs ein, am größten Ritzel der Kassette.
  • H-Schraube (High Limit Screw): Diese Schraube stellt die untere Begrenzung des Schaltwerk-Schwenkbereichs ein, am kleinsten Ritzel der Kassette.

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