MotoGP vs. Superbike: Ein Vergleich der Königsklassen des Motorradrennsports

Viele bekannte Namen sind in der Starterliste der Superbike WM zu finden. James Toseland kennt beide Welten: die MotoGP und die Superbike WM. Mit James Toseland mischt auch ein ehemaliger Superbike-Champion in der sogenannten Königsklasse mit.

Seiner Meinung nach steht die Superbike WM der MotoGP in Nichts nach, allerdings produzieren beide Rennserien ihre eigenen Spezialisten. "Es gibt verschiedene Fahrstile und die Überholmanöver in der MotoGP sind anders als bei den Superbikes", erklärte Toseland gegenüber crash.net.

In seiner Superbike-Zeit gehörte Toseland zu den Superbike-Spezialisten, wie seine Konkurrenten. "Diese Rennen waren genauso schwierig zu gewinnen."

Einen Unterschied macht Toseland in der Konkurrenzdichte der MotoGP aus. "Sie ist unglaublich", so Toseland. "Es gibt glaube ich, elf Weltmeister aus verschiedenen Klassen in der MotoGP. Der Wettbewerb zwischen den Fahrern und Herstellern ist extrem eng.

Technische Unterschiede und Fahrgefühl

Werden in der MotoGP von den Herstellern nur Prototypen eingesetzt, so verwendet die Superbike-WM Maschinen auf Basis der Serienmodelle. Auf seinen Abstecher zu den seriennahen Kollegen angesprochen, erklärt Abraham die Unterschiede zu seiner aktuellen Ducati: "In den MotoGP-Kategorien sind die Bikes viel stärker und steifer."

Der Charakter der Motorräder sei sehr verschieden, betont der Tscheche. "In der Superbike-WM sind die Bikes weicher. Natürlich sind sie auch sehr kräftig - wenn du das Gas öffnest, ist die Power dennoch da. Aber bei einem MotoGP-Bike fühlt es sich so an, als würde dir jemand in den Arsch treten. In der Superbike fühlt es sich eher so an, als würde dich jemand schubsen", veranschaulicht Abraham den Vergleich.

Es ist zwar schon ein Rennbike, aber die Motorräder in der MotoGP sind fester. Bereits in der Vergangenheit haben nicht viele Fahrer den Umstieg von der MotoGP auf die Superbike oder umgekehrt geschafft. Stefan Bradl ist das jüngste Beispiel für einen Umstieg.

Abraham glaubt: "Es ist nicht schwieriger, aber auch nicht einfacher. Es kommt auf den Fahrstil an." Manche Fahrer würden eben besser auf ein Superbike passen, andere besser auf eine MotoGP-Maschine.

"Das konnte man in der Vergangenheit sehen, als ein paar Fahrer von der Superbike in die MotoGP gekommen sind und nicht gut abschneiden konnten. Umgekehrt war es gleich." Zuletzt konnten die MotoGP-Aussteiger Sylvain Guintoli, Max Biaggi und Carlos Checa in der Superbike reüssieren.

Abraham selbst tat sich schwer beim Umstieg: "Ich hatte im Vorjahr kein gutes Paket. Ich dachte, ich würde etwas ganz anderes bekommen. Aber ich habe auch nicht gut performt." In der MotoGP würde es hingegen wieder besser laufen. "Niemand hätte anhand meiner Ergebnisse im Vorjahr gedacht, dass meine Resultate in diesem Jahr so gut seien. Das hat aber den Grund, dass ich diese Art des Bikes bevorzuge. Es fühlt sich einfach natürlicher an."

Seinen Fahrstil musste er übrigens nicht groß verändern, trotzdem habe er im Vorjahr viel gelernt. "Das war eine komplett andere Erfahrung, wie man das Bike fahren muss und wie das Team arbeitet. Alles war sehr anders."

Weltmeister Alvaro Bautista (Ducati) beendete das Kräftemessen mit der Bestzeit und war 0,009 Sekunden schneller als Rekord-Champion Jonathna Rea (Kawasaki). Es liegt also nahe, zu fragen, warum in der MotoGP Unsummen investiert werden, wenn die Superbikes kaum langsamer sind. Und auch das Fahrgefühl ist laut Alvaro Bautista sehr unterschiedlich.

WSBK vs. MotoGP: Unterschiede im Detail

Der Spanier fuhr in der MotoGP mit Material von Suzuki, Honda, Aprilia und Ducati. "Der Unterschied ist schon ziemlich groß", so Bautista. "Beim ersten Test mit dem Superbike spürte ich, dass weniger Leistung vorhanden ist.

"Die Fahrstabilität eines MotoGP-Bikes ist ebenfalls viel besser. Es wirkt, als würde das Motorrad wie auf Schienen fahren. Es ist sehr fahrstabil, während ein Superbike arbeiten lassen muss.

"Es sind komplett unterschiedliche Motorräder", stellt Bautista fest. "Ein Superbike muss auf der Straße genau so gut funktionieren wie auf der Rennstrecke.

"Unser Motorrad aus der Superbike-WM ist sehr eng verwand mit dem Motorrad, das die Leute kaufen können. Ich bin mit dem Straßenmotorrad gefahren. Die Bremsen sind ähnlich, die Motorleistung ist ähnlich.

"Der größte Unterschied für mich ist die Sitzposition. Das Serien-Motorrad ist zu groß für mich.

Garrett Gerloff kam beim MotoGP-Event in Assen spontan zum Einsatz, weil Petronas-Yamaha-Pilot Franco Morbidelli verletzungsbedingt nicht fahren konnte. "Ich wünschte, ich könnte behaupten, dass es eine Hilfe war. Aber es war vermutlich schlimmer, die Strecke mit dem MotoGP-Bike kennenzulernen und dann hierhin zurückzukehren", erklärt der US-Amerikaner.

"Die Motorräder sind so unterschiedlich", berichtet Gerloff, der mit der Yamaha R1 stark umstellen musste. "In der ersten Session mit der R1 hatte ich zu kämpfen, meine Referenzpunkte zu treffen. Es fühlte sich alles so anders an. Die Charakteristiken der beiden Maschinen sind sehr unterschiedlich. Dieser Kurs ist ziemlich einmalig. Es wäre besser gewesen, nicht vorher mit der MotoGP-Maschine gefahren zu sein."

Weicheres Chassis und Reifen

Mit der Yamaha M1 hatte Gerloff vor allem auf den Bodenwellen zu kämpfen. Mit dem WSBK-Bike gab es dieses Problem nicht. "Es ist überhaupt nicht angsteinflösend und fährt deutlich stabiler und vorhersehbarer. Es fühlte sich mit dem Superbike deutlich besser an. Wenn man das Superbike fährt, dann spürt man nicht, dass der Kurs viele Bodenwellen hat", erklärt Gerloff.

"Es ist wohl auf das Motorrad und zu einem großen Teil auch auf die Reifen zurückzuführen", grübelt der Yamaha-Pilot. Neben dem weicheren Chassis sind auch die Karkassen der Pirelli-Reifen in der Superbike-WM weicher als die Michelin-Reifen in der MotoGP.

Am Renntag betrug der Unterschied der schnellsten Rennrunden nur wenige Zehntelsekunden. Beim MotoGP-Rennen gelang Gerloff im Rennen eine 1:34.569er-Runde. Beim WSBK-Event kam Gerloff in Lauf zwei auf 1:34.917 Minuten. "Ich hätte schneller sein sollen mit der MotoGP-Maschine", ist sich der Texaner bewusst.

Ducati belohnt Bautista mit einem zweitägigen MotoGP-Test für den Gewinn der Superbike-WM 2022. "Ich bin richtig happy, wieder dieses Motorrad fahren zu können", freut sich Bautista und staunt: "Der Unterschied zwischen dem Superbike und der MotoGP-Maschine ist beeindruckend und betrifft beinahe alle Bereiche: die Beschleunigung, das Bremsen, die Aerodynamik, die Leistung und das Getriebe. Der Unterschied ist unglaublich."

"Ich freue mich sehr, denn ich hatte ab der ersten Runde ein gutes Gefühl. Ich konnte ein sehr gutes Verständnis für das Motorrad aufbauen. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht", berichtet der Spanier, der Ende 2018 von der MotoGP in die Superbike-WM wechselte.

"Die Anpassung an dieses Motorrad lief sehr gut, vermutlich sogar besser als erwartet. 2018 fuhr ich zum letzten Mal damit", bemerkt Bautista. Seit seiner finalen MotoGP-Saison haben sich die MotoGP-Bikes grundlegend verändert. Die Aerodynamik und die Ride-Height-Devices haben das Fahrverhalten der Motorräder stark verändert.

"Die Motorräder sind jetzt ganz anders", bestätigt Bautista. "Ich hatte keine frischen Erinnerungen, doch selbst wenn ich welche gehabt hätte, so wäre das Motorrad dennoch ganz anders gewesen, vor allem bei der Aerodynamik. Durch die vielen Jahre in der Superbike-WM fühlte sich der Unterschied noch größer an, denn das Motorrad ist steifer und alles ist anders."

Perfekt harmonierte Bautista noch nicht mit der Desmosedici. "Aus ergonomischer Sicht können wir meine Position auf dem Motorrad sicher noch verbessern. Das Motorrad ist ein bisschen groß für mich, vor allem im Bereich des Sitzes und des Tanks. Wir haben ein paar Teile, die wir probieren können, wenn wir die Zeit finden", erklärt er.

Spaßfaktor und Fahrgefühl

WSBK-Pilot Remy Gardner erhielt in diesem Jahr von Yamaha die Chance, bei drei MotoGP-Wochenenden an den Start zu gehen. "Ich glaube, jeder Fahrer kann bestätigen, dass das Superbike mehr Spaß macht", erklärt Gardner und begründet: "Die MotoGP-Bikes fahren wie auf Schienen und man muss sie sehr präzise steuern.

Der Ritt mit dem etwa 300 PS starken MotoGP-Prototyp ist dennoch etwas, was Gardner genießt. "Ich will nicht sagen, dass das MotoGP-Bike keinen Spaß macht. Im Gegenteil: Wenn man die Leistung dank der starken Haftung nutzen kann, dann beschleunigt das Motorrad sehr beeindruckend.

Auch wenn sowohl das MotoGP-Bike als auch das Superbike über Motoren mit identischem Hubraum verfügen, so gibt es doch einige Unterschiede. Die Spitzenleistung des MotoGP-Bikes liegt etwa 60 bis 70 PS über der des Superbikes.

"Die Leistung und die Reifen unterscheiden sich, die Bremsen natürlich auch", bestätigt Gardner. "Ich muss aber festhalten, dass die Stahl-Bremsen, die wir in der Superbike-WM verwenden, ziemlich kräftig sind.

"Alle Motorräder sind schwierig am Limit zu bewegen. Das steht außer Frage", stellt Gardner klar. "Es gibt aber einige Ähnlichkeiten (zwischen der M1 und R1). Vor allem die Stärken und Schwächen sind ähnlich.

"Die Aero vereinfacht das Fahren, weil das Motorrad weniger stark zu Wheelies neigt. Man muss weniger mit dem Motorrad kämpfen. Auch das hintere Device hilft dem Fahrer. Doch es macht mehr Spaß ohne diese Hilfsmittel (lacht; Anm. d. Remy Gardner genießt das Fahren seiner Yamaha R1 mehr.

In diesem Jahr absolvierte Gardner seine zweite volle Saison in der Superbike-WM. Die nachlassende Konkurrenzfähigkeit der Yamaha R1 warf den Australier zurück. In Assen feierte er das einzige Podium der Saison.

Vergleich der Rundenzeiten

Interessanterweise hat sich hier ergeben, dass sich die Bestzeiten der Superbike-WM und MotoGP eigentlich auf allen Strecken so ungefähr um 2-3% unterscheiden. Beispiele: Phillip Island Márquez vs. Guintoli; 1:27,899 vs. 1:30,038 (2.4%) - Aragón Márquez vs. Haslam: 2.3%; Jerez: Lorenzo vs.

Die Motorräder der MotoGP sind extra für diese Rennen gebaut und werden auch nur dort eingesetzt. Man kann es mit der Formel 1 vergleichen. Diese Fahrzeuge findet man auch nicht auf der normalen Straße wieder.

Bei der Superbike-Rennserie ist es so, dass die Hersteller straßentaugliche Motorräder bauen müssen und dass je nach Größe der Firma eine bestimmte Anzahl von Fahrzeugen für die Straße homologiert werden müssen. Ich kann mich z. B. an Bimota erinnern, die 200 Exemplare homologiert haben mußten, damit Bimota ihr Modell bei Rennen einsetzen konnte.

Die Honda VFR750R (RC30) mußte damals weltweit mit 1000 Exemplaren homologiert werden. Vergleichbar ist das mit der DTM. Auch da ist die Basis ein straßentaugliches Fahrzeug.

Bei MotoGP sind ausschließlich Prototypen, die bestimmte Auflagen erfüllen müssen, am Start.

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