Im Falle von Ulrich Klingler treffen die Worte: Erstens kommt es anders und zweitens, als man denkt wohl sehr zu. Schließlich sprach bis vor Kurzem noch alles dafür, dass der 71-Jährige den Langener Fahrradladen „Zweirad Schneider“ zum Ende des Jahres ein und für alle Mal schließen wird.
Glücklicherweise hat sich kurzfristig doch noch ein Nachfolger für das Geschäft gefunden. Ohne einen Nachfolger für die Übernahme des Traditionsgeschäftes blieb ihm nichts anderes übrig, als den Ausverkauf zu verkünden.
Ein Laden mit Flair
Betritt man dieser Tage das Geschäft in der Dorotheenstraße, stößt man allerdings nicht gerade auf eine „Alles-muss-Raus“-Mentalität. Kurzum: Die Dinge nehmen ihren gewohnten Lauf.
Das liegt an Alexander Fürst, denn er ist derjenige, der sich kurzfristig doch noch gefunden hat, um das Geschäft zu übernehmen.
„Dieser alte Laden hat einfach Flair“, ist der 56-jährige Umweltingenieur begeistert und erzählt, dass er nur durch Zufall vom Verkauf des Geschäftes erfahren habe.
Da es für den begnadeten Radfahrer ohnehin an der Zeit gewesen sei beruflich noch mal etwas Neues zu beginnen, hätten die Voraussetzungen einfach gut gepasst.
„Nach einer halben Stunde war für uns beide klar, dass ich den Laden übernehmen werde“, erinnert er sich an das Verkaufsgespräch mit Klingler.
Denn nicht weniger angetan als von den Räumlichkeiten ist Fürst auch von dessen bisherigem Inhaber und schon bald seinem Vorgänger.
„Diese supertolle Atmosphäre, die er schafft und wegen der die Leute ja auch einfach gerne hierherkommen, möchte ich unbedingt beibehalten“, erzählt er.
Kontinuität und neue Ideen
Das Lob kann der Rentner in spe gut annehmen. Fast 20 Jahre lang führte Klingler den kleinen Laden.
Er war der Erste, der nicht mehr zur namensgebenden Familie Schneider gehörte, in deren Händen das 1909 gegründete Geschäft zuvor für drei Generationen gelegen hatte.
Schon bald nach der Jahrtausendwende begann Klingler damit, sich auf ein ausgewähltes und qualitativ hochwertiges Angebot zu spezialisieren.
Wer in Langen oder Umgebung ein Faltrad oder später auch ein E-Bike suchte, für den war Zweirad Schneider stets eine sichere Adresse.
Nicht umsonst kann Ulrich Klingler auf einen Kreis von Stammkunden zurückblicken, der die 500 längst überschritten hat.
Im nahenden Ruhestand freut er sich darauf, sich wieder vermehrt seinem Hobby zu widmen: historischen Fahr- und Motorrädern.
Natürlich ist er auch „froh drum, nicht komplett schließen zu müssen“, sagt der gelernte Ingenieur.
„Da hängt schon auch einfach mein Herz dran, an dem Traditionsladen.“
Das weiß auch sein Nachfolger Alexander Fürst, der am Konzept gar nichts groß ändern will.
„Ich möchte nur, dass die Leute zufrieden sind“, beschreibt er seinen bescheidenen Ansatz.
Daher werde auch er weiterhin auf ausgewählte Produkte und nicht auf Massenware setzen.
Die eine oder andere kleine Neuerung kündigt er dann aber doch schon vorab an: Den Dienstleistungsbereich möchte er perspektivisch ausbauen, etwa einen Lieferservice anbieten, genauso wie die Möglichkeit, „dass wir die Räder bei den Kunden zu Hause abholen kommen.“
Auch Lastenräder sollen künftig zum Sortiment gehören. Ansonsten solle aber alles beim Alten bleiben.
„Außer vielleicht, dass ich hier noch eine Kaffeemaschine reinstelle und eine kleine Leseecke mit Fachzeitschriften einrichte“, führt er seine bisherigen Vorstellungen aus.
Personal gesucht
Neben aller Vorfreude auf die bevorstehende Übernahme beschäftigt Fürst derzeit aber auch noch die Suche nach Personal.
„Wir brauchen dringend Unterstützung“, sagt er und meint damit eine vakante Vollzeitstelle als Zweiradmechaniker sowie zwei Anstellungen auf 450-Euro-Basis, die nötig seien, um das Geschäft am Laufen zu halten.
Woran gerade kein Mangel besteht, ist die Zustimmung. Immer wieder hört Fürst, „wie wichtig es für Langen ist, diesen alten Laden weiterzuführen“, freut er sich über die Resonanz.
Wie zum Beweis des eben gesagten, verabschiedet sich ein Mann mit den Worten „es ist toll, dass es weitergeht.“
Er hält zwei Laufräder in den Händen und versichert beim Verlassen des Geschäfts: „Der Kundenstamm ist auf jeden Fall da.“
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