Fahrrad Steuersatz Wackelt: Ursachen und Lösungen

Der Steuersatz ist eine Kugellagerbaugruppe, die dafür sorgt, dass die Gabel und der Rahmen miteinander verbunden werden. Bei den meisten Fahrrädern ist es egal, welchen Steuersatztyp man einsetzt, solange er die richtige Größe hat.

Steuersatztypen und Größen

Klassische Gewindestauersätze passen auf Gabeln, deren Gabelschaft ein Gewinde tragen. Die obere Lagerschale wird auf den Gabelschaft geschraubt und die Mutter wird danach oben auf geschraubt, um das ganze zusätzlich zu sichern. Gewindelose Steuersätze, die bei den meisten neuen Fahrrädern (seit den 1990er Jahren) eingesetzt werden, passen auf Gabelschäfte ohne Gewinde und benutzen eine Klemmung oder eine Manschette zum Sichern der oberen Lagerschale.

Die nominale Größe eines Steuersatzes basiert auf dem Außendurchmesser des Gabelschafts. Daher kommt es zu einigem Durcheinander, da ausgerechnet das größenangebende Bauteil normalerweise am komplett aufgebauten Fahrrad nicht sichtbar ist. Bei einem Fahrrad mit klassischem Vorbauschaft und Klemm- oder Spreizkeil ist der Vorbauschaft 1/8 Zoll (3,2 mm) kleiner als der Gabelschaft. Die allermeisten Gewindesteuersätze haben die Größe 1 Zoll (25,4 mm). Eine Minderheit hat die Größe 1 1/8 Zoll (28,6 mm). Es gibt weitere Größen, die aber extrem selten sind.

Wenn Du Dir nicht sicher bist wegen aller dieser Maße, nimm den alten Steuersatz oder den Rahmen sowie die Gabel mit, wenn Du einen neuen Steuersatz einkaufst. Falls der neue Steuersatz weniger hoch baut als der alte, kann man Spacer benutzen, um die alte Bauhöhe wieder zu erreichen.

Ermittlung der Steuersatzgröße

Hier sind einige Methoden, um die Größe Ihres Steuersatzes zu bestimmen:

  • 20-Cent-Münze: Eine gebräuchliche 20 (Euro-)Cent Münze ist (fast) exakt so groß wie ein 7/8 Zoll Vorbauschaft (Münze 22,25 mm, Vorbauschaft 22,2 mm). Ist also der Vorbauschaft genauso breit wie die 20 Cent Münze, handelt es sich um einen 1 Zoll Steuersatz.

Anzeichen und Ursachen eines Wackelnden Steuersatzes

Wenn der Steuersatz wackelt, ist das ein Zeichen dafür, dass er zu locker eingestellt wurde. Das überprüft man am einfachsten, indem man die Vorderradbremse betätigt und den Lenker vor- und zurückbewegt. Wenn man einen merklichen Schlag fühlt (oder schlimmstenfalls hört), heißt das normalerweise, dass der Steuersatz zu lose ist. Dass dies vom Steuersatz und nicht von der Bremse herrührt, kann man leicht feststellen, indem man einen Finger auf den Spalt zwischen die Lagerschalen am oberen oder unteren Ende des Steuerrohrs legt.

Wenn der Steuersatz zu stark vorgespannt ist, wird er schwergängig. Das kann man feststellen, indem man das Fahrrad vorne (nicht am Lenker!) anhebt, so dass das Vorderrad in der Luft ist. Normalerweise wird das Vorderrad sich durch sein Eigengewicht zur einen oder anderen Seite hin bewegen.

Manchmal hat man beide Phänomene gleichzeitig. Das deutet auf ein schwerwiegendes Problem hin. Hierbei handelt es sich nicht um ein reines Einstellungsproblem. Wenn der Steuersatz bei gerade gestelltem Lenker lose ist und beim Einlenken in die eine oder andere Richtung schwergängig wird, kann man das nicht durch Einstellen beheben.

Mögliche Ursachen für einen Schwergängigen oder Wackelnden Steuersatz

  • Der Gabelschaft wurde bei einem Unfall verbogen.
  • Eine oder mehrere der Lagerschalen wurden schief montiert.
  • Eine oder mehrere der Lagerschalen sitzen nicht richtig fest an den Stellen, wo sie im Rahmen bzw. auf der Gabel sitzen - oder das Patronenlager sitzt nicht plan in der Lagerschale. Hierdurch wirkt der Steuersatz wackelig, obwohl genug Vorspannung vorhanden ist, um Lagerspiel zu verhindern. In den meisten Fällen kommt das vom Gabelkonus.
  • Häufig kommt es vor, dass der Haltering des Kugellagers kopfüber eingesetzt wurde.
  • Fall der Steuersatz nur lose Kugeln hat, könnte eine zuviel installiert sein.
  • EIn Steuersatz könnte aus verschiedenen nicht zusammenpassenden Teilen zusammengesetzt worden sein.

Behebung von Problemen

Lose sitzender Gabelkonus

Wenn der Gabelkonus lose sitzt, kann man das mit einem Hammer und einem Ankörner beheben, indem man eine Serie von "Kratern" an die seitliche Fläche des Gabelschafts schlägt, auf den der Gabelkonus aufgeschlagen wird. Die erhöhten Kanten dieser Krater können evtl. genug Material hergeben, um den losen Sitz zu beheben. Alternativ kann man auch eine andere Steuersatzgröße nehmen.

JIS-Rahmen und Gabel

Das heißt im Speziellen, dass bei Einsatz von JIS Rahmen und Gabel diese so umgearbeitet werden können, dass sie zu einem ISO Steuersatz passen. Da JIS Steuerrohrlagerschalen schmaler und JIS Gabelkonen größer sind, gibt es genug Material, das man wegnehmen kann, um auf ISO umzubauen. Auch kann man "Plastik-Stahl" (Epoxid Kleber mit Stahlpartikelfüllung) einsetzen, um den Spalt zwischen der Lagerschale und deren Sitz komplett zu verfüllen.

Haltering des Kugellagers

Häufig kommt es vor, dass der Haltering des Kugellagers kopfüber eingesetzt wurde. Es gibt keinen echten Standard in welche Richtung der Haltering eingesetzt wird. Dadurch kann es zu Verwirrung kommen. Wenn man jedoch einen kritischen Blick auf die Lagerschalen des Steuersatzes wirft, wird man schnell sehen, ob der Haltering evtl. kopfüber montiert wurde, weil er Kontakt zu einer der Lagerschalen hat.

Lose Kugellager

Fall der Steuersatz nur lose Kugeln hat, könnte eine zuviel installiert sein. EIn Steuersatz könnte aus verschiedenen nicht zusammenpassenden Teilen zusammengesetzt worden sein. Es ist in Ordnung, wenn man nur die oberen oder nur die unteren Teile eines Steuersatzes als Ganzes tauscht. Jedoch müssen die beiden Lagerschalen oben und unten jeweils zusammenpassen. Auch müssen die Lagerkugeln und der Haltering (bzw. das Patronenlager) genau die richtige Größe haben.

Einrastender Steuersatz

Idealerweise sollte ein einrastender Steuersatz ausgetauscht werden. Zumeist reicht es jedoch den Haltering durch lose Kugeln zu ersetzen. Man kann die gleiche Kugelgröße nutzen, jedoch passen durch Weglassen des Halterings mehr Kugeln, die näher zusammenrücken, in die Lagerschalen.

Dellen in der Lagerschale

Eine Steuersatzlagerschale kann bei einem Aufprall sehr tiefe Dellen durch die Lagerkugeln bekommen. Diese deutlich tieferen Dellen befinden sich dann nur auf der gegenüber liegenden Seite der Aufprallstelle. Zumeist wird hier auch die Gabel beschädigt.

Einstellung des Steuersatzes

Am einfachsten gelingt das Einstellen mit zwei Schlüsseln. Stelle das Fahrrad aufrecht hin. Löse die Kontermutter. Am besten hält man dabei die obere Lagerschale mit dem zweiten Schlüssel fest, während man die Kontermutter mit dem ersten Schlüssel löst. Baue Sicherungsscheibe und Kontermutter aus. Belasse die obere Lagerschale an Ihrem Platz, außer Du möchtest den Steuersatz warten. Schraube die obere Lagerschale von Hand (ohne Schlüssel) so weit fest, dass das Kugellager sich gerade so spannt. Dann schraube sie wieder etwa 1/8 Umdrehung auf. Ziehe die Kontermutter leicht an und teste das Lager auf freie Rotationsbewegung und Spielfreiheit. Wenn die Einstellung noch nicht perfekt ist, löse die Kontermutter und stelle die Kugellager nochmal ein.

Spezielle Steuersatztypen

Aheadset Steuersätze

Gewindelose Steuersätze haben eine einstellbare Lagerschale, die von oben über den gewindelosen Gabelschaft geschoben werden. Aheadset Steuersätze sind die bekanntesten Vertreter ihrer Art. Sie bedingen, dass eine gewindebstückte Befestigung im Gabelschaft installiert wird. Diese Art Steuersatz benötigt eine speziellen Vorbau, der außen am Gabelschaft mit einer oder mehreren Klemmschrauben festgeklemmt wird.

Um den Aheadset Steuersatz einzustellen, wird die Vorbauklemmung gelöst und die Schraube, die durch die Steuersatzkappe in die Aheadkralle führt, wird festgezogen. So wird der Vorbau gegen die obere Lagerschale gedrückt und das ganze System vorgespannt. Dann wird der Vorbau in eine Linie mit dem Vorderrad ausgerichtet und die Klemmschrauben des Vorbaus werden angezogen. Sobald diese Klemmschrauben festgezogen sind, hat die Schraube in der Vorbaukappe keinen Last mehr zu tragen und kann sogar entfernt werden.

Diatech Steuersätze

Diatech Steuersätze von Dia Compe haben ein spezielles Paar Manschetten. Die eine Manschette wird unterhalb des Vorbaus und die andere direkt über der oberen Lagerschale montiert. Die untere Manschette hat eine angeschrägt konische Oberseite, die in die innere Anschrägung der oberen Manschette passt. Die obere Manschette hat einen kleinen Spalt an einer Stelle. Dieser wird mit einer Schraube zuzsammengepresst. Der Vorbau wird sehr fest am Gabelschaft festgeschraubt, so dass die obere Manschette nicht nach oben rutschen kann.

YST "GeForce" Steuersatz

Der YST "GeForce" Steuersatz, der unglücklicherweise nicht mehr hergestellt wird, hat eine Manschette, die über den Gabelschaft geschoben und mit einer Klemmschraube befestigt wird. Die Außenseite dieser Manschette hat ein Gewinde, auf das die obere Lagerschale geschraubt wird. Der GeForce Steuersatz ist der einzige, der den Vorbau nicht als Teil des Einstellmechanismus einbezieht. Daher kann dieser Steuersatztyp mit jeglicher Art von Vorbau (Außenklemmung oder Spreiz-/Keilklemmung) benutzt werden.

Um einen GeForce Steuersatz einzustellen, löst man die Klemmschrauben an oberer Lagerschale und Manschette. Schraube Manschette und obere Lagerschale fest zusammen und löse die Verbindung durch minimales Zurückdrehen wieder etwas. Drücke das Steuersatzsystem mit der einen Hand zusammen und schraube die Klemmschraube der Manschatte fest. Danach schraubst Du die obere Lagerschale fest, um den Steuersatz zu spannen, und schraubst die Klemmschraube der Lagerschale fest.

Wartung des Steuersatzes

Um einen Steuersatz zu warten, muss als erstes der Vorbau entfernt werden. Bei einem Gewindesteuersatz löse die Kontermutter, entferne alle Unterlegscheiben, dann schraube die obere Lagerschale heraus. Bei einem gewindelosen Steuersatz geht man wie folgt vor: Nachdem der Vorbau demontiert wurde, lassen sich alle Unterlegscheiben leicht entfernen. Die obere Lagerschale kann unter Umständen recht fest auf dem Gabelschaft sitzen.

Sobald die Gabel aus dem Rahmen entfernt wurde, kann man erkennen, welche Kugellagertypen im Steuersatz verbaut sind. Die Illustrationen unten zeigen den Aufbau von typischen Steuersätzen mit unterschiedlichen Kugellagertypen. Ein Gewindesteuersatz hat zumeist die Lagerkugeln in Halteringen. Man kann den Haltering problemlos durch einzelne Kugeln ohne Haltering ersetzen. Der gewindelose Steuersatz hat Lagerkartuschen. Hier können nur exakt passende Kartuschen als Ersatz benutzt werden - oder der gesamte Steuersatz muss getauscht werden.

Prüfung und Austausch von Kugellagern

Die Lagerkartuschen können mit den Fingern auf geschmeidgige Beweglichkeit geprüft werden. Etwas Widerstand durch die Lagerdichtungen ist normal. Wenn der Steuersatz mit losen Lagekugeln (im Haltering) ausgestattet ist, können diese wieder verwendet werden, falls sie immer noch in guter Verfassung sind. Vertauschen dieser beiden Halteringe kann daher die Lebensdauer verlängern. Einzelne Lagerkugeln können aus dem Haltering herausgedrückt und durch Neue ersetzt werden. Dabei muss man allerdings aufpassen, den Haltering nicht zu verbiegen.

Zusätzliche Tipps und Überlegungen

  • Regelmäßige Inspektion: Unterziehe den Steuersatz an deinem Fahrrad regelmäßig einer Inspektion, um größere Schäden zu vermeiden.
  • Lenklager regelmäßig prüfen: Ein perfekt eingestelltes Lenklager ist für sicheres Fahrverhalten essenziell.
  • Reinigung: Säubern Sie alle Einzelteile gründlich, auch die Spacer und die Auflageflächen des Vorbaus, um Knackgeräusche zu vermeiden.
  • Fett auf dem Carbongabelschaft: Fett auf dem Carbongabelschaft ist tabu.

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