Sonne in den Speichen und den eigenen Renner unterm Hintern, während an Frühform und Grundlage für die anstehende Saison gearbeitet wird: Es gibt gute Gründe, das eigene Rad mit ins Trainingslager zu nehmen. Wichtigste Voraussetzung dafür, vor allem wenn eine Flugreise ansteht: ein solider Radkoffer oder eine gut gepolsterte Tasche, damit der Renner unbeschadet und einsatzbereit am Ziel ankommt. Teilweise brauchen auch Radprofis einen guten Radreise-Koffer.
Aber auch fürs Ausleihen ist es wichtig zu wissen, ob der jeweilige Koffer seinen Zweck erfüllt. Und das bedeutet, das Rad bestmöglich vor den Gefahren auf dem Transportweg zu schützen. Mallorca ist ein beliebtes Radreiseziel. Meist wird per Flugzeug angereist.
Grundsätzlich gibt es zwei Varianten: als klassische Hartschalen-Radkoffer oder als Radtaschen aus robustem (Nylon-)Stoff. Erstere bringen ein klares Plus in Sachen Schutz, benötigen aber sowohl vor Ort im Hotelzimmer oder in der Ferienwohnung wie auch im eigenen Keller deutlich mehr Platz als eine Radtasche, die sich bei Nichtgebrauch meist deutlich kleiner zusammenfalten lässt.
Tipp am Rande: Auch wer mit der Bahn verreist, kann von einem Radkoffer profitieren, denn dann zählt das Rad als Gepäckstück und ihr spart euch das Geld fürs separate Fahrrad-Ticket.
Die Preisfrage: Kaufen oder leihen?
Eine erste gute Nachricht angesichts der doch stolzen Preise von 500 bis 1000 Euro für einen Radkoffer: Ihr müsst ihn nicht unbedingt kaufen. Es gibt Anbieter, die Radkoffer für wenige Euro pro Tag verleihen. Auch eine Nachfrage im örtlichen Radladen oder beim Radverein kann weiterhelfen. Nur wer mehrmals im Jahr mit dem Rad verreist, spart mit einem eigenen Koffer Zeit und Nerven.
Worauf es beim Kauf ankommt
Das zweite wesentliche Kriterium ist mittlerweile der Lenker. Manche, vor allem ältere Radkoffer, erfordern, dass der (entweder inkl. Vorbau oder ohne) vom Gabelschaft abgenommen wird, damit das Rad in den Koffer passt. Das ist bei aktuellen Rennrädern mit komplett integrierten One-Piece-Cockpits zwar nicht komplett unmöglich, birgt aber eine Menge Frustrationspotenzial. Außerdem sind - selbst wenn das Cockpit gelöst ist - die Bremsleitungen oft nicht lang genug, um das Cockpit wie vom Kofferhersteller geplant am Rahmen zu befestigen. Das gilt übrigens auch für klassische Lenker-Vorbau-Kombinationen, bei denen die Bremsleitungen eng unterm Vorbau ins Steuerrohr geführt werden. Wirklich viel Luft, um den Lenker an den Rahmen einzudrehen, ist da nicht immer.
Thema: One-Piece-Cockpit
Zwar reagieren die Kofferhersteller auf diese Entwicklung, aber noch längst nicht alle Modelle sind auf die neuen Anforderungen eingestellt, wie einige Modelle in diesem Test zeigen. Kurz: Wir empfehlen allen Besitzern von One-Piece-Cockpits, sich nach einem Radkoffer umzusehen, der so viel Platz bietet, dass das Cockpit dranbleiben kann.
In unserem Test sind das die Modelle von Elite, Evoc Sports und Scott. Von B&W International soll noch im Lauf des Jahres ein entsprechendes Modell auf den Markt kommen. Und egal ob One-Piece- oder klassisches Cockpit: Wenn der Lenker nicht angefasst werden muss, gelingt das Verpacken wie auch das Zusammensetzen am Urlaubsort deutlich stressfreier. Und immer daran denken, selbst wenn das aktuelle Rad noch ein klassisches Cockpit hat: Beim nächsten Rad ist das vielleicht anders. Und so ein Koffer soll ja länger genutzt werden. Hinzu kommt, dass solche Koffer einen höheren Wiederverkaufswert aufweisen, weil sie universeller einsetzbar sind.
Und noch ein letzter Tipp aus der Testpraxis: Es ist definitiv ratsam, rechtzeitig vor der Abreise einmal "zur Probe" zu packen. Nur dann könnt ihr sichergehen, dass alles funktioniert wie gewünscht. Den Stress, erst am Abend vor dem Abflug zu merken, dass ihr improvisieren müsst, könnt ihr euch so ersparen. Und dann: sollte einer entspannten Anreise ins Trainingslager nichts mehr im Weg stehen.
Sieben Radkoffer im Test
Im Folgenden werden sieben Radkoffer verschiedener Hersteller getestet und bewertet. Die Testkriterien umfassen Schutz (40%), Packen (20%), Transport (20%), Gewicht (10%) und Ausstattung (10%).
1. B&W International Bike.Bag 2.0
- Preis: 529 Euro
- Gewicht: 9,5 kg
- Maße: 136 x 85 x 30 cm
- Testurteil: SEHR GUT/ 79 Punkte
Die Bike.Bag 2.0 von B&W International ist das günstigste Modell im Test und bietet dennoch praktisches Zubehör wie einen Kettenstrebenschutz, Abstandshalter für die Ausfallenden und eine fest angenähte Montagematte. Das robuste Außenmaterial sorgt für guten Schutz, allerdings muss der Lenker demontiert werden.
Der Richtige für: Besitzer von Rennrädern mit klassischem Lenker/Vorbau und kleinerem Budget
2. Elite Borson
- Preis: 699 Euro
- Gewicht: 11,8 kg
- Maße: 130 x 90 x 36 cm
- Testurteil: GUT/ 69 Punkte
Elites Radkoffer Borson zeichnet sich durch eine dreiteilige Außenhülle aus, die sehr guten Zugriff auf das montierte Rad gewährt. Der Lenker kann dranbleiben, was ein großes Plus bei Rädern mit integrierten One-Piece-Cockpits ist. Zum Lieferumfang gehören zwei Doppellaufradtaschen.
Der Richtige für: Räder mit schmaleren One-Piece-Cockpits und alle, die mit einem zweiten Laufradsatz reisen.
3. Evoc Sports Road Bike Bag Pro
- Preis: 945 Euro
- Gewicht: 12,1 kg
- Maße: 139 x 91 x 50 cm
- Testurteil: SEHR GUT/ 83 Punkte
Die Road Bike Bag Pro von Evoc zeichnet sich durch schnelles und einfaches Packen aus. Lenker und Sattelhöhe können unverändert bleiben. Für den Schutz sorgen acht vertikale Streben in der Hülle, zwei horizontale Kunststoffrohre sowie die Hartschale im oberen Bereich.
Der Richtige für: Alle Räder mit integrierten One-Piece-Cockpits und höheren Sitzrohren.
4. PRO Transporttasche Mega
- Preis: 659,95 Euro
- Gewicht: 9,3 kg
- Maße: 135 x 21 x 81 cm
- Testurteil: SEHR gut/ 79 Punkte
Die Mega von PRO setzt auf eine herausnehmbare Schiene. Die Aufnahmen für Gabel und Hinterbau lassen sich per Adapter ans jeweilige Rad (auch an Mountainbikes) anpassen. Auch für den Lenker, der abgeschraubt werden muss, liegt ein Pad zur Fixierung am Rahmen bei.
Der Richtige für: Alle Fahrer, die einen Koffer suchen, der sowohl Straßen- als auch Mountainbikes aufnimmt.
5. Scott Bike Transport Road/ Tri Tasche
- Preis: 999,95 Euro
- Gewicht: 13,2 kg
- Maße: 152 x 50 x 105 cm
- Testurteil: SEHR GUT/ 76 Punkte
In Scotts Bike Transporttasche Road/Tri kann der Lenker am Rad bleiben. Geschützt wird das Cockpit mit zwei festen Pads. Das Rad selbst wird auf einer fest im Boden montierten Schiene über zwei Adapter an Gabel und Hinterbau befestigt.
Der Richtige für: Rennradfahrer und Triathleten, die einen guten Koffer für One-Piece-Cockpits suchen.
6. Thule RoundTrip
- Preis: 799,95 Euro
- Gewicht: 12,6 kg
- Maße: 124 x 33 x 85 cm
- Testurteil: SEHR GUT/ 74 Punkte
Das Alleinstellungsmerkmal des RoundTrip von Thule ist der integrierte Montageständer. Der Koffer selbst zeichnet sich durch seine kompakte Bauform aus, bietet auf der anderen Seite aber auch wenig Platz für zusätzliches Gepäck. Außerdem muss der Lenker abgenommen und am Rahmen fixiert werden.
Der Richtige für: Räder mit klassischer Vorbau-Lenker-Kombination, dank Montageständer mit perfekter Arbeitshöhe.
7. Topeak PakGo EX
- Preis: 799,95 Euro
- Gewicht: 11,8 kg
- Maße: 120 x 35 x 80 cm
- Testurteil: SEHR GUT/ 83 Punkte
Der Pakgo Ex von Topeak ist der einzige Hartschalen-Radkoffer in diesem Vergleich. Das Rad selbst wird ohne Laufräder und mit angelegtem Lenker in die eine Hälfte gelegt und mit Spanngurten befestigt. So ist das Rad unterwegs sehr gut geschützt.
Der Richtige Für: Alle, die den Schutz eines Hartschalenkoffers wünschen und über genügend Platz verfügen.
Zusammenfassung der Testergebnisse
Die folgende Tabelle fasst die Testergebnisse der verschiedenen Radkoffer zusammen:
| Modell | Preis | Gewicht | Testurteil |
|---|---|---|---|
| B&W International Bike.Bag 2.0 | 529 Euro | 9,5 kg | SEHR GUT/ 79 Punkte |
| Elite Borson | 699 Euro | 11,8 kg | GUT/ 69 Punkte |
| Evoc Sports Road Bike Bag Pro | 945 Euro | 12,1 kg | SEHR GUT/ 83 Punkte |
| PRO Transporttasche Mega | 659,95 Euro | 9,3 kg | SEHR GUT/ 79 Punkte |
| Scott Bike Transport Road/ Tri Tasche | 999,95 Euro | 13,2 kg | SEHR GUT/ 76 Punkte |
| Thule RoundTrip | 799,95 Euro | 12,6 kg | SEHR GUT/ 74 Punkte |
| Topeak PakGo EX | 799,95 Euro | 11,8 kg | SEHR GUT/ 83 Punkte |
So testet Roadbike die Radkoffer im Detail
Welcher Radkoffer ist der beste? Kernaufgabe ist der Schutz, der dementsprechend mit 40 % in die Endnote eingeht. Wichtig zu wissen: Diese Wertung gilt nicht absolut, denn auch beim besten Radkoffer ist ein Schaden nicht gänzlich ausgeschlossen. Vielmehr ist die Bewertung relativ zu verstehen: Die von uns höher bewerteten Modelle schützen den Inhalt und sensible Bereiche wie Schaltwerk oder Bremshebel besser als die anderen Modelle. Die Außenhülle ist dank Verstärkungen oder angebrachten Pads stabiler und schützt besser vor Stößen. Außerdem haben wir bewertet, wie gut und bequem die Radkoffer zu packen sind - mit 20 %: Geht das schnell von der Hand oder erfordert es Geschick und viel Werkzeug? Ebenfalls mit 20 % geht in die Endnote ein, wie gut sich der Koffer transportieren lässt: Hat er ausreichend und gut platzierte Griffe und gute Rollen? Weitere 10 % der Endnote entfallen je aufs Gewicht und auf die Ausstattung.
Im Test fließen viele Punkte in die Bewertung mit ein, wie zum Beispiel Ausstattung, der Transport und natürlich der Schutz des Bikes.
Welche Arten von Fahrrad-Transporttaschen gibt es und wo liegen ihre Stärken bzw. Schwächen?
- Radkartons sind die günstigste und einfachste Lösung. Im Radhandel erhalten Sie sie schon für wenige Euro. Sind Sie bereit, etwas Zeit und Mühe zu investieren und Rahmen sowie Komponenten abzupolstern, reist Ihr Bike sicher. Für einmalige Trips sind sie völlig ausreichend.
- Hardcases schützen Ihr Rad am besten, sind aber schwer und eignen sich in vielen Fällen nur für Räder mit kurzem Radstand.
- Transporttaschen sind der gute Kompromiss. Sie sind verhältnismäßig leicht und günstig, schützen Ihr Rad aber nur dann zuverlässig, wenn sie ausreichend gepolstert und an sensiblen Stellen verstärkt sind. Viele Modelle werden mit einer Bodenwanne ausgerüstet, in die der Rahmen eingespannt wird.
Übrigens: Ob Steckachsen oder Schnellspanner, die meisten Transportkoffer bzw. -taschen können sich mit beiden Montagevarianten anfreunden.
Tipps aus Tests: Auf diese Details lohnt es sich zu achten
Spielt die Gewichtsfrage eine genauso große Rolle wie der Schutz, sind Sie zum Beispiel mit dem Softbag-Modell Savage von Douchbags mit eingefasstem Alu-Überrollkäfig gut bedient. Andere Hersteller setzen auf glasfaserverstärkte Kunststoff-Gestänge, zum Beispiel Evoc mit der für Rennräder entwickelten Version der Bike Bag Pro. Erwarten Sie ein Maximum an Praktikabilität, erhalten Sie bei Thule sogar eine Transporttasche mit integriertem Montageständer. Übrigens: Nicht bei allen Modellen müssen Lenker und Sattel demontiert werden. Entsprechende Modelle wurden zum Beispiel in der Ausgabe 3/20 von Roadbike getestet.
Begleitet Sie Ihr Rad häufiger mal auf Reisen, empfiehlt es sich, zu einem Modell mit austauschbaren Rollen zu greifen - bei vielen Exemplaren sind sie genietet.
Welche Hersteller schneiden in den Tests am besten ab?
Evoc, Scott, B & W, Elite, Scicon und Thule sind die gängigsten Anbieter und besetzen die oberen Plätze in unseren Bestenlisten. Im Schnitt liegen deren Modelle - je nachdem, ob es sich um Softbags oder Hartschalen-Transportkoffer handelt - im Schnitt zwischen 300 und 500 Euro. Je nach Ausstattung und Material sind auch schnell mal höhere dreistellige Beträge fällig. Gut geht aber auch günstig, etwas Kompromissbereitschaft vorausgesetzt.
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