Fahrradunfallstatistik in Deutschland: Ein umfassender Überblick

Nicht erst seit dem E-Bike-Boom nutzen immer mehr Menschen das Fahrrad, um von A nach B zu gelangen. Das zeigt sich auch in den Unfallzahlen. Jedes sechste Todesopfer im Straßenverkehr im Jahr 2024 war mit dem Fahrrad unterwegs, wie das Statistische Bundesamt in seiner vorläufigen Unfallstatistik mitteilte.

Im vergangenen Jahr starben laut dem Statistischen Bundesamt 441 Radfahrer im Straßenverkehr - deutlich mehr als vor zehn Jahren. Demnach kamen im vergangenen Jahr 441 Fahrradfahrerinnen und Fahrradfahrer ums Leben - das sind 33 weniger als im Jahr 2023. Die Zahlen der im Straßenverkehr getöteten Fahrradfahrer entwickeln sich im Zehnjahresvergleich gegenläufig zur Gesamtstatistik.

So kamen vergangenes Jahr insgesamt 18,3 Prozent weniger Menschen im Straßenverkehr ums Leben als vor zehn Jahren. Insgesamt starben im vergangenen Jahr 441 Radfahrerinnen und -fahrer bei einem Unfall, darunter 192 mit einem Pedelec - umgangssprachlich auch als E-Bike bezeichnet. Die Zahl der getöteten Radfahrenden insgesamt ist gegenüber 2014 um 11,4 % gestiegen.

Der Anstieg ist vor allem auf die steigende Zahl an getöteten Pedelec-Nutzenden zurückzuführen (2014: 39 Getötete). Im Jahr 2024 war nach vorläufigen Ergebnissen jede oder jeder sechste (16,0 %) im Straßenverkehr Getötete mit dem Fahrrad unterwegs.

Unfallursachen und Risikofaktoren

Von insgesamt 91 533 Fahrradunfällen mit Personenschaden waren 28,3 % Alleinunfälle. Die hervorgehobenen Abschnitte zeigen 1-5 Unfälle im Jahr 2020 an. Zudem gibt es an Wochentagen mehr Fahrradunfälle als am Wochenende. Da seit der Jahrtausendwende immer mehr Menschen das Fahrrad für den Weg zur Ausbildung und zur Arbeit nutzen, hat sich diese Entwicklung in den letzten Jahren weiter verstärkt.

Im Kalender ist deutlich zu sehen, dass auch die Fahrrad-Saison länger geworden ist. Das höchste Risiko für Fahrrad-Unfälle im Jahr 2020 war am 21. Mai (Himmelfahrt) mit 657 Personenschäden. Der Tag mit dem höchsten Unfall-Risiko im Jahr 2020 war übrigens der 21.

Fast zwei Drittel der betroffenen Radfahrenden hätten außerdem eingeräumt, dass auch ihre Fahrweise zum Unfall führte. Die meisten Stürze passierten zwischen Dezember und Februar. Nässe, Eis, Schnee und Laub seien besonders gefährlich.

Immer häufiger verunglücken Fahrradfahrer ohne Fremdeinwirkung. Besonders in den Wintermonaten ist die Gefahr dazu laut einer Studie groß. Bei jedem dritten tödlichen Unfall mit dem Fahrrad sind keine weiteren Verkehrsteilnehmer beteiligt. Die Zahlen bezogen sich auf das Jahr 2023. Bei knapp 27.400 Radunfällen ohne weitere Beteiligte verletzten sich demnach rund 6.400 Menschen schwer und 147 tödlich.

"Rad-Alleinunfälle haben sich in den letzten 15 Jahren mehr als verdoppelt, dabei ist die Dunkelziffer hoch", erklärte UDV-Leiterin Kirstin Zeidler. Die UDV sieht für den Anstieg mehrere Gründe. Außerdem gehe der Polizei zufolge jeder dritte Alleinunfall auf das Konto mangelhafter Infrastruktur, Verunglückte selbst sähen darin sogar die Hauptursache.

Unfallbegünstigende Faktoren: Linksfahrende Radfahrer, Radfahrer auf dem Gehweg und abschüssige Straßen. Vor allem Bordsteinkanten und Straßenbahnschienen machen es Radfahrenden der Studie zufolge schwer.

Als besonders gefährlich haben sich Konflikte zwischen abbiegenden Kraftfahrzeugen und geradeausfahrenden Radfahrern herausgestellt. Eine Unfallart, die fast ausschließlich vom Autofahrer verursacht wird und in 80 Prozent der Fälle mit Verletzten endet.

Besondere Risikogruppen

Ältere Radfahrende sind im Straßenverkehr besonders gefährdet. Unter den tödlich verletzten Fahrradfahrerinnen und -fahrern waren 2024 knapp zwei Drittel (63,5 %) 65 Jahre oder älter. Auch hier stellt das E-Bike einen zusätzlichen Risikofaktor dar.

Unfälle mit Pedelecs führten häufiger zu schweren Verletzungen als solche mit nichtmotorisierten Rädern. Pedelecs seien schwerer, beschleunigten stärker und seien "daher nicht ganz leicht zu handhaben", so Zeidler. 43,5 Prozent der Verkehrstoten auf dem Fahrrad waren mit E-Bikes unterwegs. Es kamen 192 Pedelec-Fahrer ums Leben.

Verursacher von Fahrradunfällen

An einem Großteil (67,7 %) der 92 882 Fahrradunfälle mit Personenschaden war eine zweite Verkehrsteilnehmerin oder ein zweiter Verkehrsteilnehmer beteiligt. Insgesamt galten 49,4 % aller unfallbeteiligten Radfahrer als Hauptverursacher ihres Unfalls. Fahrradfahrerinnen und -fahrer, die in einen Unfall mit Personenschaden verwickelt waren, trugen insgesamt an rund der Hälfte der Unfälle die Schuld (50,7 %).

Je nach Unfallgegnerin oder Unfallgegner zeigen sich allerdings Unterschiede: Bei Unfällen mit Fußgängerinnen und Fußgängern wurde der Person auf dem Fahrrad häufiger (57,0 %) die Hauptschuld angelastet. Auch Kollisionen mit Krafträdern wurden in der Hälfte (50,2 %) der Fälle von den Radfahrerinnen und -fahrern verschuldet. Waren Autofahrerinnen oder -fahrer beteiligt, trugen die Radfahrenden nur in 24,7 % der Fälle die Hauptschuld.

Auch bei den Fahrradfahrern war ein Pkw der häufigste Unfallgegner (71,9 %). Bei 11,3 % war ein weiterer Radfahrer und bei 6,6 % ein Fußgänger der Unfallgegner. Bei Unfällen mit einem Pkw war der Radfahrer nur zu 24,8 % und bei Unfällen mit Güterkraftfahrzeugen nur zu 19,4 % der Hauptverursacher des Unfalls. Bei Unfällen mit Fußgängern wurde dagegen dem Radfahrer häufig (56,7 %) die Hauptschuld angelastet. Auch Kollisionen mit Krafträdern wurden überwiegend von Radfahrern verschuldet (54,1 %).

Die größte Gefahr für Fahrradfahrende stellen der Auswertung nach Autos dar: 70,7 Prozent der 92.882 Fahrradunfälle mit Personenschaden waren Kollisionen mit Autos.

Präventionsmaßnahmen und Empfehlungen

An die Autofahrer appelliert Brockmann angesichts der oft unübersichtlichen Abbiegesituationen, den Schulterblick konsequent anzuwenden und im Zweifel auch mehrmals zu schauen. „Radfahrer sollten an Kreuzungen besonders aufmerksam sein und zur eigenen Sicherheit auch einmal auf ihr Vorfahrtsrecht verzichten“, rät Brockmann.

UDV-Leiterin Kirstin Zeidler forderte: "Städte müssen Borde an Übergängen beseitigen und zu Straßenbahnschienen ausreichend Abstand schaffen". Schließlich müssen die Verkehrsräume so gestaltet werden, dass im Kreuzungsbereich eine freie Sicht auf die Radfahrer gegeben ist.

Der Radverkehr sollte daher auf Radwegen nahe an der Fahrbahn oder auf Radfahrstreifen auf der Fahrbahn geführt werden. Wo möglich, sollten eigene Ampelphasen für Radfahrer geschaltet werden. Bei Konflikten mit Radfahrern hatte sogar jeder dritte Autofahrer den Schulterblick „vergessen“.

Bei den Kraftfahrzeugen sollten nach Ansicht der UDV Abbiegeassistenten weiterentwickelt und die Chancen der Vehicle-to-Vehicle-Kommunikation (Informationsaustausch zwischen Fahrrad und Auto) genutzt werden.

Passen Sie Ihre Fahrweise der entsprechenden Situation an und verhalten Sie sich vorhersehbar, in dem Sie beispielsweise Ihr Abbiegen durch Handzeichen ankündigen. Halten Sie Abstand von Lkw, Lieferwagen und Kommunalfahrzeugen. Aus bestimmten Winkeln können Fahrer nicht erkennen, ob sich seitlich neben dem Lkw Radfahrende befinden. Das kann bei Abbiegemanövern zu schrecklichen Unfällen führen.

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