Fahrrad Dr. Nice Test: Speichenlose Innovationen und All-Mountain-Performance

Das smarte Elektrofahrrad kommt den Ansprüchen einer jungen, überwiegend urbanen Zielgruppe hundertprozentig entgegen. Es wirkt wie ein Gast aus der Zukunft, ist aber bereits heute handfeste Realität: das smarte, speichenlose Reevo Bike.

Das Reevo Bike: Revolutionäres Design und smarte Features

Wer Speichen, Gabeln, Naben oder Ketten sucht, wird beim Blick auf das Reevo Bike „enttäuscht“: Es sind schlichtweg keine vorhanden. Im Reevo stecken vier Jahre konzentrierter Forschung. Die Tüftler der Start-up Zweiradschmiede aus den Vereinigten Staaten haben das Fahrrad ohne Speichen zudem mit einigen wegweisenden Details ausgestattet, die es verdient haben, erwähnt zu werden. So zum Beispiel der unsichtbare Fahrradständer.

Neben der beeindruckenden Optik überzeugt das futuristische Fahrrad ohne Speichen durch jede Menge smarte Features vom Fingerprint-Sensor für optimalen Diebstahlschutz bis zum autonomen Beleuchtungssystem. Der geschwungene Rahmen ist eher ein robuster, harmonisch abgerundeter Körper, die akzentuierte, matte Lackierung würde einem Renn-Motorrad alle Ehre machen, und die smarten Features dürfen ohne Übertreibung als revolutionär bezeichnet werden.

Die ausgeklügelte Technik der speichenlosen Laufräder basiert auf einem doppelten Felgensystem, bei dem der innere Teil fixiert und mit dem Rahmen verbunden ist, während der äußere Teil rotiert. Man wollte ein speichenloses Fahrrad bauen, das sowohl extrem leicht als auch extrem schnell ist. Zumindest für den US-amerikanischen Markt ist dies ohne Einschränkung gelungen: Das Reevo erreicht in der US-Ausführung dank eines 750-Watt-Motors Geschwindigkeiten von bis zu 60 km/h.

Ab 25 km/h schaltet sich der Motor aus, der Fahrer ist ab diesem Moment selbst für eine weitere Geschwindigkeitserhöhung - falls erwünscht - zuständig. beginnt die Auslieferung des Reevo Hubless wie geplant im November 2021. Da das Maximalgewicht des Reevo bei 120 kg liegt, sollte die Fahrerin oder der Fahrer zudem nicht allzu schwer sein.

Zielgruppe und Diebstahlschutz

Für wen wurde das Reevo Bike erdacht und gemacht? Zunächst einmal ganz klar für Stadtbewohner. Das elektrounterstützte, intelligente Fahrrad ohne Speichen strahlt mit seiner kompakten Optik viel urbanen Chic und Innovationsfreudigkeit aus. Die Zielgruppe des Reevo ist jung, mobil, modern und hat keine Lust auf überfüllte S-Bahnen und nerviges im-Stau-Stehen.

Das Reevo Bike ist begehrt- so begehrt, dass es vermutlich ins Visier von Dieben geraten wird, sobald es draußen ist. Ein in den Rahmen integriertes Fahrradschloss sowie ein biometrisches Authentifizierungssystem (Entsperrung per Touch-ID) bewirken, dass das smarte Rad der Zukunft nicht in die falschen Hände gerät.

Weitere speichenlose Fahrräder

Das Reevo ist zwar das spektakulärste, aber bei Weitem nicht das einzige Fahrrad ohne Speichen, das derzeit von sich reden macht. Mit dem nicht-elektrounterstützten SadaBike und dem elektrischen Oohbike sind weitere Konzepte drauf und dran, den Fahrradmarkt aufzumischen. Das SadaBike ist sogar faltbar und eignet sich daher perfekt für die Mitnahme im Camper oder in der U-Bahn.

Außerdem interessant: Das Oohbike gewann den European Product Design Award und soll demnächst in Serie produziert werden. Auf der Herstellerwebseite oohbike.com kann es schon heute vorbestellt werden.

Pivot Shuttle AM Gen2: Die Allzweckwaffe im All-Mountain-Segment

Mit der zweiten Generation des Shuttle AM will Pivot die Allzweckwaffe im All-Mountain-Segment bauen. Vom „Rallye Car“ zum „Trophy Truck“, wie die US-Schmiede es selbst beschreibt, soll das E-MTB für alle Fahrertypen passen. Egal, ob Touren, Tech-Climbs oder Highspeed-Downhills. Die Entwickler aus Tempe, Arizona, haben dafür an vielen Details gefeilt.

Technische Details und Design

Auf den ersten Blick lässt sich das Shuttle AM Gen2 vom Vorgänger kaum unterscheiden und bleibt seiner Formsprache treu: klare Linien und kantige Rohre. Nur der Dämpfer steht jetzt etwas senkrechter im Rahmen und das neue Shuttle AM macht einen cleaneren Eindruck. Dazu trägt vor allem die überarbeitete Kabelführung bei, denn statt zwei separater Ports führt nun ein einziger, seitlich hinter dem Steuerrohr platzierter Eingang gleich beide Leitungen ins Rahmeninnere.

Ein cleveres Detail ist außerdem die dezente Klemme am Vorbau, die die Bremsleitung fixiert und nerviges Klappern verhindert. Alle Modelle kommen im Voll-Carbon-Hauptrahmen, den Pivot über zusätzliche Carbon-Layups oder verändertem Faserwinkel jeder Rahmengröße individuell anpasst. Die nötigsten Trail-Essentials lassen sich am Tool-Mount unter dem Oberrohr montieren, während sich am Unterrohr gleich vier Anschraubpunkte für den Flaschenhalter befinden. Für Ruhe auf dem Trail sorgt ein großzügiger Kettenstrebenschutz, der viele Teile des Hinterbaus schützt und Kettenschlagen effektiv verhindert.

Motor und Reichweite

Pivot setzt am Shuttle AM Gen2 auf den neuen Bosch Performance Line CX-R-Motor, der den exklusiven Race-Modus mitbringt. Serienmäßig liefert er 100 Nm und 750 Watt Peak und lässt sich in der Bosch eBike Flow App individuell einstellen. Das soll verhindern, dass sich bei starken Kompressionen oder harten Schlägen der Kontaktstecker zwischen Motor und Akku löst, was in seltenen Fällen durchaus für unerwartete Aussetzer gesorgt hat.

Wer noch mehr Reichweite will, kann für einen Aufpreis von 500 € den 250-Wh-Power-More-Range-Extender nachrüsten und so auf insgesamt 1.050 Wh aufstocken. Dafür muss aber die Trinkflasche geopfert werden und die Abdeckung des Ladeports muss für die Montage des Range Extenders abgenommen werden. Schade, denn obwohl sich die Abdeckung wieder einfach befestigen lässt, birgt dass das Risiko, diese beim Ride schnell zu verlieren. Erfreulich ist, dass die fummelige Gummi-Abdeckung des Vorgängers ersetzt wurde. Jetzt schützt die magnetisch schließende Kunststoffkappe mit eingelassenem Pivot-Logo den Port zuverlässig vor Dreck und Nässe, ohne zu klappern.

Komponenten und Ausstattung

In der Pro X0 Eagle Transmission-Version greift Pivot zu robusten und hochwertigen Komponenten. Zum ersten Mal in der Geschichte ihrer E-MTBs setzt Pivot beim neuen Shuttle AM auf ein Fahrwerk von RockShox: An der Front arbeitet eine RockShox ZEB Ultimate-Federgabel mit 160 mm Federweg und der Charger-3.1-Kartusche. Hinten übernimmt der RockShox Super Deluxe Ultimate-Luftfederdämpfer mit 150 mm Hub und bietet mit dem SAG-Indikator auf der Kolbenstange Hilfe beim Setup.

Die namensgebende SRAM X0 Eagle Transmission-Schaltung schaltet butterweich und vollzieht auch unter Volllast präzise Gangwechsel. Verzögert wird mit den kräftigen SRAM MAVEN Silver-Vierkolbenbremsen, die sich vorne wie hinten in 200-mm-HS2-Centerlock-Scheiben festbeißen. Nervig: Passende Centerlock-Scheiben sind oft schwerer verfügbar als 6-Loch-Bremsscheiben. Die OneUp V3-Dropper spendiert 210 mm Hub und sorgt bergab für viel Bewegungsfreiheit. Beim Laufradsatz verbaut Pivot den robusten DT Swiss HX1501 aus Aluminium, der im Super-Boost-Einbaumaß zu mehr Steifigkeit am Heck führen soll, aber die Ersatzteiljagd zur Geduldsprobe machen kann. Darauf aufgezogen sind ein MAXXIS Minion DHF vorn und ein DHR II hinten - beide in der härteren MaxxTerra-Gummimischung und EXO+-Karkasse.

Modellvarianten und Preise

Für satte 13.999 € gibt es bei der Team XX Eagle Transmission-Variante das volle Paket: Bosch Performance Line CX-R-Motor, FOX 36 Factory-Federgabel mit GRIP X2-Kartusche vorn sowie den FOX FLOAT X Factory-Dämpfer hinten. Geschaltet wird elektronisch mit der SRAM XX Eagle Transmission-Schaltung und gebremst mit den bissigen SRAM MAVEN Ultimate. Der DT Swiss HXC1501-Carbon-Laufradsatz spart Gewicht und ist mit der gleichen MAXXIS-Reifenkombi bestückt wie an unserem Testbike. Laut Hersteller bringt das Topmodell in Größe Large 21,5 kg auf die Waage, womit es eines der leichtesten Full-Power-E-MTBs auf dem Markt ist.

Den Einstieg markiert die Ride Eagle 70/90 für 8.599 €. Der Voll-Carbon-Hauptrahmen wird hier mit einem Aluminium-Hinterbau kombiniert. Als Herzstück arbeitet der Bosch Performance Line CX-Motor, der sich per Performance-Update zwar auch auf 85 Nm und 750 W Peakleistung anpassen lässt, aber ohne Titan-Kurbelachse, Keramiklager und den Race-Modus auskommen muss. Auch beim Display wird gespart: Statt des formschön ins Oberrohr eingelassene Kiox 400C gibt es das ältere Bosch System Controller-Display. Geschaltet wird mechanisch mit der SRAM Eagle 90 Transmission-Schaltung und gebremst mit den SRAM DB8 Stealth-Vierkolbenbremsen. Dazu gibt’s DT Swiss E532-Alu-Laufräder mit der gleichen Reifenkombi wie bei allen Modellen.

Geometrie und Fahrgefühl

Das Pivot Shuttle AM 2025 gibt es weiterhin in vier Größen - von SM bis XL und deckt damit Fahrer von 1,60 bis 2,00 m ab. Auf dem Papier hat sich gegenüber dem Vorgänger nur wenig getan: In Größe Large bleibt der Reach mit 476 mm identisch, der Lenkwinkel liegt weiterhin bei 64,1° und der Sitzwinkel ist mit 76,5° minimal steiler geworden. Der bewährte Flip Chip ist ebenfalls geblieben und hebt im „High“ das Tretlager um 0,5 mm an und macht den Lenkwinkel um 0,5° steiler. Außerdem lässt sich das Pivot Shuttle AM weiterhin auf ein Mullet-Setup mit kleinerem 27,5″-Hinterrad umbauen.

Aufsteigen, losfahren, wohlfühlen - so empfängt euch das Pivot Shuttle AM. Die ausgewogene Sitzposition zwischen den Laufrädern platziert euch zentral im Bike, ohne dass man zu gestreckt oder gestaucht auf dem Rad sitzt. Dank der eher hohen Front nehmt ihr auch auf langen Anstiegen komfortabel Platz, mit wenig Druck auf den Händen. Auf langen Touren punktet das Shuttle AM mit dem neuen eMTB+-Modus, der harmonisch unterstützt, Reichweite schont und dennoch genug Power für steile Anstiege liefert. Wird der Uphill steil und technisch, mutiert das Shuttle zum Traktor. Der kraftvolle Motor spricht im Race-Modus extrem direkt auf euren Input an, gibt seine volle Leistung schnell bereitwillig frei und schiebt mit kräftigem Nachlauf selbst dann noch weiter, wenn man kurz aussetzt.

Fahrverhalten im Gelände

Auf technischen, verblockten Anstiegen ist die Sensibilität des Race-Modus zu stark, um sich präzise und kontrolliert durch technisch anspruchsvolles Gelände zu manövrieren. Geht’s bergab, lässt sich das Shuttle AM superintuitiv steuern, spielerisch in Kurven werfen und vermittelt dabei jede Menge Vertrauen. Mit dem Flip Chip in der High-Position wirkt das Shuttle spürbar agiler und verspielter, ohne dabei merklich an Laufruhe einbüßen zu müssen.

Denn in ruppigen Steinfeldern und auf verblockten Wurzelpassagen punktet das Shuttle mit viel Sicherheit. Das eher straff abgestimmte Fahrwerk steckt harte Schläge souverän weg, bietet dennoch genug Feinfühligkeit bei kleinen Schlägen und hat reichlich Reserven. So jagt man mit hohem Tempo und lockerem Finger am Bremshebel durch den Rock Garden. Trotz der souveränen Laufruhe fühlt sich das Shuttle auch auf Flowtrails pudelwohl. Dank seinem vergleichsweise geringen Gewichts lässt sich das Shuttle AM leicht durch Anlieger drücken, flink durch schnelle Richtungswechsel jagen und bleibt dabei angenehm leise.

Zusammenfassung der Fahreigenschaften

Das Pivot Shuttle AM 2025 entpuppt sich als Allzweckwaffe für alle, die vom alpinen Singletrail bis zum schnellen Feierabend-Loop alles mit einem Bike abdecken wollen. Dank starkem Bosch CX-R-Motor, effizientem DW-Link-Hinterbau und agilem Handling punktet es mit starken Uphill-Qualitäten und einem potenten Trail-Charakter. Das Pivot Shuttle AM 2025 ist ein ausgewachsenes Trail-Tool, das auf allem glänzt, was zwischen Flow und Verblockt liegt. Es kombiniert die starken Gene seines Vorgängers mit sinnvollen Updates. So überzeugt es bergauf dank effizientem DW-Link und dem kraftvollen Bosch CX-R-Motor mit starken Kletter-Eigenschaften und bergab mit einer ausgewogenen Balance aus Agilität und Laufruhe.

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