Fahrrad Winterreifen 28 Zoll im Test: Mehr Sicherheit im Winter?

Spezielle Winterreifen für Fahrräder versprechen den Bikern mehr Sicherheit bei Eis und Schnee. Doch lohnt sich der Wechsel? Die Zeiten, als Fahrräder nur dafür genutzt wurden, um mal bei schönem Wetter in den Biergarten zu radeln, sind längst vorbei. Inzwischen sind Fahrräder mit und ohne Motor echte Alltagsgeräte, die von vielen Bikern und Bikerinnen z.B. komfortabel unterwegs sein wollen.

Die Herausforderungen im Winter

Der Winter stellt mit lockerem und festgefahrenem Schnee, Schneematsch, Eis und Reifglätte die größten Herausforderungen an die Ganzjahresfahrenden. Denn die generellen Stabilitätsgrenzen des einspurigen Fahrrads machen auf allen Untergründen ein Minimum an Grip erforderlich. Spezielle Winterreifen für Bikes - ohne oder mit für Fahrräder erlaubten Spikes - versprechen, die Grenze für diesen minimalen Grip zumindest geringfügig zu verschieben.

Winterreifen im Test: Was bringen sie wirklich?

Auf lockerem oder festgefahrenem Schnee sowie Schneematsch bieten Winterreifen im Vergleich zu reinen Sommerreifen deutliche Vorteile bei Grip und Traktion. Dies wird vorrangig beim Bremsen deutlich. Auf fest gefahrenem Schnee verkürzen sich bei Reifendrücken von 2 bar die Bremswege der Winterreifen im Verhältnis zu denen der Sommerreifen im Mittel um 16 Prozent. Auf glattem und ebenem Eis ist der Gewinn durch Winterreifen ohne Spikes im Vergleich zu Sommerreifen deutlich geringer.

Im Test mit dabei war auch ein modulares Reifenmodell, das erlaubte, über den Standardmantel mit Sommereignung einen zweiten Winterreifenmantel mit Spikes aufzuziehen. Dieser zusätzliche "Überzug" wird seitlich mit umlaufenden Reißverschlüssen in der Nähe der Felgenhörner fixiert. Dies macht sich vorrangig bemerkbar auf lockeren und festgefahrenen Schneefahrbahnen sowie auf Schneematsch.

Der Grip-Trick mit Sommerreifen

Wer keine speziellen Winterreifen aufgezogen hat, kann bei Schnee oder Eis die Gripverhältnisse an den Aufstandsflächen der Standard-Reifen durch die Absenkung des Reifendrucks auf 2 bis 3 bar (abhängig von dem Fahrzeuggesamtgewicht) verbessern - auch wenn dadurch der Rollwiderstand steigt.

Spike-Reifen: Die Krallen für Eis und Schnee

Spike-Reifen sind im Winter eine echte Option für Pendler und alle, die bei winterlichen Bedingungen unterwegs sein müssen. Diese helfen, in dieser heiklen Situation den Bremsweg auf weniger als die Hälfte zu reduzieren. Auch bauen die Spikes durch den teilweisen Formschluss mit dem Eis höhere Seitenkräfte auf, wodurch eine - wenn auch stark begrenzte - Schräglage für die Kurvenfahrt möglich ist. Auch auf Schnee sind die Spike-Reifen den Kollegen ohne Spike-Besatz zumindest leicht überlegen: Ihre Bremswege fallen im Mittel ca. 10 Prozent kürzer aus.

Auf Asphalt ist der größte Unterschied das laute, spezifische Laufgeräusch durch die Spikes. Die Traktion wird meist nur gering beeinflusst, wenn oft das Gefühl auch gerne etwas anderes suggeriert.

Worauf sollte man beim Kauf von Spike-Reifen achten?

Zuerst die Breite, denn Spikes bauen durch das wintertaugliche Profil und die überstehenden Spikes etwas breiter und höher als klassische Reifen. Dem entgegnen die Hersteller, indem sie trotz der offiziell gleichen Größe meist etwas kleiner fertigen. So passen die Spikes dann mit Blick auf das Platzangebot in Rahmen und Gabel, ohne dass eine Nachjustage der Schutzbleche nötig ist. Ein Check mit eingebauten Reifen ist trotzdem sinnvoll, damit die Stahlkrallen nicht doch an der Lackierung streifen. Im Test fallen 45Nrth Wrathchild, ReTyre, VeeTire und der Kenda Klondike Skinny deutlich schmaler aus.

Wer seine Reifen performanceorientiert aufzieht, stellt sich die Frage: „Kann ich auch schlauchlos fahren?“ Alle Hersteller bieten bei Mountainbikereifen (und 45Nrth beim Gravelreifen) die Möglichkeit, auf den Schlauch zu verzichten. Das bringt in der Praxis einen geringeren Rollwiderstand, weniger Gewicht und einen Selbstheilungseffekt durch die dann zwingend zu verwendende Dichtmilch. Allerdings sollte diese für kalte Temperaturen freigegeben sein, damit sie ihrer Arbeit perfekt nachgehen kann. Die Montage ist mit herkömmlichen Reifen zu vergleichen. Alle Testprobanden sind mit mehr oder weniger Handkraft montierbar. Einzig der 45Nrth Gravdal sitzt straff und braucht einen Reifenheber.

Wie lange halten Spikereifen?

Die meist verbauten, gehärteten Stahlspikes aus Wolfram-Carbid-Stahl sind härter als Asphalt, halten mehrere tausend Kilometer und damit mehrere Jahre. Für eine gute Funktion und Haltbarkeit müssen die Hersteller einige Punkte beachten. Damit sich die Spikes nicht vorschnell verabschieden und sicher sitzen, muss die Karkasse stabiler und die Gummimischung härter ausfallen. Der Gummi darf bei kalten Temperaturen trotzdem nicht verspröden und muss gute Traktion generieren. Zu weiche Mischungen sind also nicht zielführend. Für eine gute Funktion bei Matsch und Schnee sollte das Profil deutlich offener gestaltet sein und eine gute Selbstreinigung aufweisen.

Für wen lohnt sich die Umrüstung auf Winterreifen?

Prinzipiell für alle, die im Winter sicher unterwegs sein wollen und mit Schnee, Eisflächen oder Blitzeis rechnen. Dabei ist es egal, ob Sie auf einem Trekking-, Mountain-, Fat- oder Gravelbike pedalieren, ob Sie mit oder ohne Motorunterstützung fahren. Und selbst für kleine 20- und 24-Zoll-Reifen an Lasten-, Kompakt- oder Kinderrädern gibt es Alternativen (Schwalbe).

Auf die Frage: „Darf ich in Deutschland auf der Straße überhaupt mit Spikes fahren?“, lautet die Antwort: Klassische Räder ohne Motor und Pedelecs dürfen mit Spikes im Straßenverkehr teilnehmen.

Wer überwiegend oder mehrheitlich auf lockerem oder festgefahrenem Schnee und kleinen Eisflächen oder einer Mischung aus diesen Elementen unterwegs ist, wird mit Spike-Winterreifen am besten zurechtkommen. Auf festen Untergründen ohne winterliche Beläge unterscheiden sich die Sommer- und Winterreifen nur wenig. Der Einsatz der Vorderradbremse sollte auf winterlichen Straßenbelägen grundsätzlich mit Bedacht erfolgen. Dies gilt im Besonderen, wenn keine Spikes im Spiel sind.

Fahrten auf großflächig blankem Eis (z.B. Blitzeis, Regen auf durchgefrorenem festen Belag) sollten mit allen Bereifungsarten im öffentlichen Straßenverkehr vermieden werden. Fast alle Fahrmanöver bergen das Risiko von Stürzen mit unkalkulierbaren Folgen.

Empfehlenswerte Winterreifenmodelle

Ein Gravel-, drei Fatbike-, fünf MTB- und neun Trekkingreifen: Hier findet jeder seinen Winterreifen. Im Detail begeistern bezüglich Preis-Leistung vor allem CST (Fatbike, Trekking) und ReTyre (MTB). Empfehlungen heimsen beim Mountainbike Suomi und im Trekkingbereich Continental und Specialized ein. Die Testsiege in den Kategorien gehen an Vee Tire Co. (Fatbike) sowie Schwalbe (MTB und Trekking).

Einige Modelle im Detail

  • CST: Leicht, die echte Breite genau angegeben. Die Montage braucht ohne Hebel etwas Handkraft. In der Praxis rollt er noch gut, die Pannensicherheit könnte gerne besser ausfallen. Gute Performance auf Schnee und Eis. Günstiger Reifen für nicht zu extremes Winterwetter.
  • Schwalbe: Bis auf das sehr hohe Gewicht begeistert Schwalbes Trekking-Spike durch die Bank. Rollt für einen Spike sehr gut, bietet höchste Pannensicherheit sowie Bestnoten auf Schnee und Eis. In diversen Durchmessern und Breiten erhältlich.
  • Specialized: Der Name ist etwas irreführend, denn der Specialized begeistert vor allem auf Schnee. Auf Eis fehlen ihm die Spikes in der Mitte, die aber optional nachrüstbar sind. Rollt gut und fällt nicht allzu schwer aus.
  • Suomi: Mit Bestnoten bei Montage und vor allem der Traktion auf Schnee und Eis kann der Suomi ebenso punkten wie bei den zahlreich erhältlichen Varianten. Rollt passabel.
  • Vee Tire Co.: Großvolumiger Fat-Spike, der mit Schnee sehr gut und auf Eis gut zurechtkommt. Gewicht und Rollwiderstand fallen für einen Fattie überraschend gering aus. Auch der Pannenschutz passt. Chapeau!

Reifentypen und ihre Eigenschaften

Es gibt unterschiedliche Reifentypen, wie z. B. Drahtreifen, Faltreifen oder Tubeless-Reifen. Jeder Typ hat seine Vor- und Nachteile, wie Gewicht, Pannensicherheit, Montage und Preis. Drahtreifen werden in der Regel mit einem Fahrradschlauch gefahren, während Faltreifen auch ohne Schlauch auskommen. Tubeless Reifen sind, wie der Name schon verrät, zwar schlauchlos, aber trotzdem nicht wartungsfrei.

  • Drahtreifen: Diese Reifen haben starre Stahl- oder Kevlar-Drähte, die in die Kante des Reifens eingearbeitet sind und auf der Felge sitzen. Sie sind in der Regel günstiger, aber auch schwerer und schwieriger zu montieren. Drahtreifen werden in der Regel mit zusätzlichem Fahrradschlauch gefahren und sind somit nicht Tubeless-kompatibel.
  • Faltreifen: Faltreifen sind vom Aufbau ähnlich wie Drahtreifen, allerdings besitzen sie biegsame Kevlar-Drähte, was sie leichter und einfacher zu transportieren macht, da sie faltbar sind. Im Gegensatz zu klassischen Drahtreifen lassen sich Faltreifen auch schlauchlos fahren.
  • Tubeless Reifen: Diese Reifen werden ohne Schlauch gefahren und benötigen eine spezielle tubeless-kompatible Felge. Sie bieten Vorteile bei der Pannensicherheit und können mit geringerem Luftdruck gefahren werden, was mehr Komfort bietet.

Winterreifen im Test: Ergebnisse des TCS und ADAC

Der Touring Club Schweiz (TCS) hat gemeinsam mit dem ADAC vier Winterreifen mit und fünf ohne Spikes geprüft. Alle fünf Reifen aus dem Test von TCS und ADAC bieten auf Schnee und Schnee­matsch deutlicher mehr Grip als die Referenz-Reifen fürs Fahr­rad.

Im Test von TCS und ADAC zeigte sich klar: Reifen mit Spikes bieten auf Eis noch einen deutlich besseren „Grip“ als die Winterreifen ohne Spikes. Auf Schnee waren sie ähnlich gut.

Empfehlungen aus dem Test:

  • Continental Top Contact Winter: Testsieger von TCS und ADAC, sehr empfehlens­wert für Schnee.
  • Continental Contact Spike 240 und Kenda Klondike Skinny: Eignen sich hervorragend für die Fahrt auf Schnee, haben aber deutliche Nachteile auf Asphalt.
  • Retyre Winter Traveler Skin: Der grobs­tollige Über­zug mit Spikes lässt sich per Reiß­verschluss bei Bedarf über den Stan­dard-Straßenreifen ziehen.

Tipps für sicheres Radfahren im Winter

  • Reifendruck reduzieren: Die einfachste Maßnahme, das Rad fit für winterliche Straßen zu machen: den Reifen­druck des Stan­dard-Reifens auf ein Minimum zu reduzieren. Dadurch erhält der Reifen eine breitere Auflagefläche und wird spür­bar griffiger.
  • Ausrollen lassen: Auf blankem Eis ist es besser, aufs Lenken und Bremsen zu verzichten.
  • Kein Risiko eingehen: Wenn Sie sich auch bei guten Sicht- und Witterungs­verhält­nissen auf dem Fahr­rad nicht sicher fühlen, sollten Sie es bei Glätte und Schnee lieber stehen lassen.
  • Sattelhöhe anpassen: Stellen Sie den Sattel so ein, dass Sie die Füße problemlos auf den Boden stellen können.
  • Mit Bedacht bremsen: Bei Schnee und Glätte ist es empfehlens­wert, erst einmal auszutesten, wie sich das Rad verhält und wie gut die Reifen am Boden haften, sprich: wie viel „Grip“ sie haben. Während der Fahrt sollten Sie vor allem die Hinterradbremse verwenden. In glatten Kurven am besten gar nicht bremsen, da das Rad sonst wegrutschen könnte.
  • Eis meiden: Groß­flächig blankes Eis macht eine sichere und kontrollierte Fahrt nahezu unmöglich.
  • Abstand halten: Eigentlich müssen inner­orts „verkehrs­wichtige“ Radwege geräumt werden. Passiert das nicht, ist die Benut­zung gefähr­lich für Radlerinnen und Radler. Sie dürfen daher auf die Straße ausweichen.
  • Fahr­radbeleuchtung: Bei schlechten Sicht­verhält­nissen ist eine funk­tions­tüchtige Fahr­radbeleuchtung ganz­jährig ein Muss. Im Winter ist sie aber ganz besonders wichtig.
  • Akku: Denken Sie daran, dass Akku-Leuchten bei Kälte oft eine verkürzte Leucht­dauer haben.
  • Kleidung: Es lohnt sich daher, nicht nur das Rad, sondern auch sich selbst gut sicht­bar zu machen: durch reflektierende Elemente an Taschen, Jacken oder am Hosen­bein. Noch besser: Kleidung beziehungs­weise Warn­westen mit Reflektoren und grell leuchtenden Farben wie Neongelb oder Neon­orange.

Pflege und Wartung von Fahrradreifen im Winter

  • Am besten steht das Fahr­rad trocken, vor Regen und Schnee geschützt.
  • Optimaler­weise sogar im Warmen - Schnee oder Eis kann so abschmelzen kann und friert nicht am Fahr­rad fest.
  • Noch besser: Nach der winterlichen Ausfahrt das Rad mit warmem Wasser, etwas Hand­geschirr­spül­mittel und einem groben Schwamm reinigen und anschließend mit einem Lappen trocknen.
  • Funk­tions­tüchtige Bremsen sind ganz­jährig ein Muss. Im Winter kann dieses wichtige Bauteil aber ganz besonders leiden, insbesondere wenn das Fahr­rad viel im Freien steht.
  • Kette: Die Fahr­radkette kann schnell Rost ansetzen. Deshalb nach der Fahrt mit einem alten Lappen Dreck und Feuchtig­keit von der Kette entfernen und ihr anschließend mit Kettenöl einen neuen Schutz­film verpassen.

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0