Viele Radfahrer träumen davon, mit dem Fahrrad zum Nordkap zu fahren. Hier ist eine Zusammenfassung einer solchen Radtour, die wertvolle Einblicke und Erfahrungen bietet. Bis zum Nordkap sind es rund 4.600 Kilometer, die gesamte Tour umfasste etwa 6.400 Kilometer.
Die Route und Etappen
Die Reise begann am 9. Mai in Kissing an der Romantischen Straße, südöstlich von Augsburg. Die ersten zehn Tage führten von Kissing nach Münster/Westf. Die Route verlief über das Altmühltal, Rothenburg ob der Tauber, das Taubertal, zum Main, Sinntal, Rotenburg an der Fulda, Fulda-Radweg, Weser, Externsteine bis nach Wolbeck (Münster). In Wolbeck wurden zwei Ruhetage eingelegt.
Weiter ging es über Flensburg, Viborg, Aalborg nach Frederikshavn. In Dänemark gibt es viele Shelter, die mit einer entsprechenden App leicht zu finden sind. An Tag 23 erfolgte die Fährüberfahrt von Frederikshavn nach Göteborg. Die Buchung war online problemlos möglich.
Bis Norsjö folgte der Radfahrer überwiegend dem/den Sverigeleden. Die Route führte über Göteborg, Trollhättan, Vänern, den Dalsland-Kanal, Klarälvsbanan (Radweg auf alter Bahntrasse, ca. 90 km) nach Borlänge.
Von Borlänge ging es weiter über Falun, Sundsvall, Langsele, Jungsele, Asele, Lycksele nach Norsjö. Zwischen Norsjö und Arvidsjaur (Tag 44) kam es zu einem Speichenbruch. Dank YouTube-Videos konnte der Radfahrer den Schaden selbst beheben, da er Speichen und Werkzeug dabei hatte.
Pannen und Reparaturen
Während der Tour gab es einige Pannen, die jedoch alle behoben werden konnten:
- Defektes Lager der Pedale (in Gemünden am Main getauscht)
- Kettenriss (selbst behoben)
- Speichenbruch (selbst behoben)
Kette und Kassette wurden in einer Fachwerkstatt ausgetauscht. Es gab keine Reifenpanne.
Unterkünfte und Camping
Auf fast jedem Campingplatz waren die Aufenthaltsräume und Küchen gut ausgestattet. Einige Male wurde eine Hütte gemietet, wobei die Preise zwischen 30 €/Nacht (top) und 80 €/Nacht (toptop) lagen. Überwiegend wurden Campingplätze genutzt, um abends eine warme Dusche zu genießen. Wildgezeltet wurde nur an besonders schönen Stellen.
Gepäck und Ausrüstung
Insgesamt wurde zu viel Gepäck mitgenommen. Die Vorgabe war 25 kg, aber es wurden unnötige Dinge eingepackt. Karten im Gewicht von ca. 1,5 kg hätten durch Kopien ersetzt werden können. Ein Schwedischkurs und Wörterbücher wurden nicht genutzt, da eine Übersetzungsapp und Englischkenntnisse ausreichten. Ein Solarpanel wurde kaum gebraucht, da die Campingplätze über Küchen/Aufenthaltsräume zum Laden von Powerbanks verfügten.
Empfehlung: Bei einer solchen langen Radreise sollte man sich auf maximal 15 Kilogramm Gepäck beschränken und vor der Abfahrt überprüfen, was wirklich benötigt wird.
Begegnungen und Erfahrungen
Es ist ein besonderes Gefühl, von zu Hause ans Nordkap gefahren zu sein, was sehr empfehlenswert ist. Auch das Alleinereisen war aus Sicht des Radfahrers richtig, da man so sein eigenes Tempo und seinen Rhythmus finden kann. Allein findet man auch schneller Kontakt zu anderen Reisenden. Kurz vor dem Nordkap traf der Radfahrer Wilfried, und die letzten drei Tage zwischen Oslo und Göteborg wurden zu dritt mit Uwe gefahren.
Zahlen und Fakten
Von Kissing bis zum Nordkap wurden in rund 300 Stunden knapp 4.600 Kilometer gefahren, dabei rd. 30.400 Höhenmeter bewältigt und 8 Wochen unterwegs gewesen. Für den Rückweg wurden nur noch 3 Wochen benötigt.
Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Daten der Reise zusammen:
| Abschnitt | Kilometer | Höhenmeter | Zeit |
|---|---|---|---|
| Kissing - Nordkap | 4.600 km | 30.400 m | 8 Wochen |
Weitere Reiseberichte und Routen
Annie Voigt's Solo-Radtour von Berlin zum Nordkap
Annie Voigt aus Berlin unternahm ihre erste Fahrradtour überhaupt gleich zum Nordkap. In 23 Tagen legte die 26-Jährige rund 3000 Kilometer auf ihrem Diamant Trekking®-Rad Elan zurück. Trotz minimaler Vorbereitung und anfänglicher Schwierigkeiten erreichte sie ihr Ziel.
Routenvorbereitung und Gepäck
Annie kopierte GPS-Daten aus einem Reiseblog und kaufte im Outdoor-Store ein, was auf der Packliste stand. Am Ende standen 25 Kilogramm Gepäck bereit, die ihr Trekking®-Rad ans Ende der Welt bringen musste. Trotz des minimalistischen Ansatzes war das Gewicht beachtlich.
Der Aufbruch und erste Herausforderungen
Der erste Tag verlief chaotisch mit einer blutenden Beule auf der Stirn und Verspätung. Am Rostocker Hafen gab es Diskussionen mit einem Fährenmitarbeiter. An Bord half ein russischer Motorradfahrer beim Verstauen des Gepäcks. Der erste Tag in Schweden begann früh mit einer lauten Ansage auf der Fähre.
Fahrt durch Schweden
Die Fahrt begann in Trelleborg. Annie hatte Schwierigkeiten mit den Klickpedalen und stürzte fast. Sie haderte mit der Entscheidung, die Reise anzutreten, fand aber Motivation bei einer Freundin in Lund. Die täglichen Etappen von 180 Kilometern erwiesen sich als anspruchsvoll, und Ruhetage wurden vergessen einzuplanen.
Begegnungen und Gastfreundschaft
Eine Pendlerin im Zug gab den Tipp, bei Leuten nach Schlafplätzen im Garten zu fragen. Dieser Tipp führte zu zahlreichen Übernachtungen in schwedischen Gärten und Häusern, von Tischlerwerkstätten bis zu Computer-Admins. In Korpilombolo durfte sie sogar in einer Sauna übernachten.
Verzweiflung und Überwindung in Norwegen
In Norwegen angekommen, wurden die Berge zur Herausforderung. Annie fluchte und schrie die Berge an, während sie die Höhenmeter überwand. Trotz der Verzweiflung erreichte sie schließlich das Nordkap.
Ankunft am Nordkap
Am Nordkap angekommen, war Annie überwältigt und glücklich. Sie hob ihr Rad auf die Plattform zum Globus und ließ ein Foto machen. Ein Pärchen gratulierte ihr zu ihrer Leistung.
Jasmin Böhm's Reise mit Kleinkind
Jasmin Böhm reiste mit ihrem kleinen Sohn Emil mit dem Fahrrad zum Nordkap. Es war bereits ihre vierte Fahrradtour. Sie schätzt die Entschleunigung und die Nähe zur Natur, die das Reisen mit dem Fahrrad ermöglicht.
Unterschiedliche Reiseerfahrungen
Jasmin vergleicht ihre Reisen nach Spanien, in die Türkei und zum Nordkap. Jede Reise war einzigartig, wobei die Landschaft und die Menschen unterschiedliche Eindrücke hinterließen.
Herausforderungen und Mentalität
Trotz Wind, Wetter und einer verlorenen Kamera blieb Jasmin optimistisch. Sie vertraut darauf, dass sich Tiefpunkte in etwas Positives wandeln. Die Menschen in Norwegen sind respektvoll und entspannt, was die Reise angenehm macht.
Arbeiten unterwegs und Unterstützung
Jasmin arbeitet unterwegs, was jedoch stressig sein kann. Sie erhält viel Unterstützung von Familien in Deutschland, mit denen sie über Instagram in Kontakt steht. Sie empfiehlt, klein anzufangen und nicht auf die beste Ausrüstung zu warten.
Jason Rotfuß's Solo-Radtour zum Nordkap
Jason Rotfuß, ein Radfahranfänger, wagte die Herausforderung, mit dem Fahrrad zum Nordkap zu fahren. Die Reise sollte ihn physisch und mental herausfordern und ihn aus seiner Komfortzone bringen.
Vorbereitung und Aufbruch
Jason musste sich komplett neu ausstatten und das richtige Equipment besorgen. Am 24. Mai 2024 verabschiedete er sich von Familie und Freunden, voller Zweifel und Ungewissheit.
Deutschland und Dänemark
Die ersten Tage waren eine Achterbahnfahrt. Jason steigerte seine Kilometerleistung von Tag zu Tag und gewann Selbstvertrauen. In Dänemark gab es erste Herausforderungen wie Wind und Reifenpannen.
Norwegen: Das härteste, aber schönste Kapitel
In Norwegen begann der anspruchsvollste Teil der Reise. Jason genoss die Herausforderung und die atemberaubende Landschaft. Er verbrachte Zeit mit anderen Radreisenden, angelte und schlief in der Natur.
Das Ziel vor Augen: Das Nordkap
Nach fast zwei Monaten erreichte Jason Tromsø. Die letzten 500 Kilometer waren emotional und die Landschaft wurde karger. Am 31. Juli stand er schließlich am Nordkap und hatte das Unmögliche möglich gemacht.
Rückblick: Wie die Reise verändert hat
Die Reise hat Jason nicht nur fitter gemacht, sondern ihm auch gezeigt, wozu er fähig ist. Er hat gelernt, dass Grenzen oft nur im Kopf existieren. Er sammelte Spenden für bedürftige Kinder in Entwicklungsländern.
Tipps zur Routenwahl
- Norwegen vs. Schweden/Finnland: Norwegen ist landschaftlich reizvoller, aber anspruchsvoller. Schweden und Finnland bieten weniger Abwechslung, können aber entspannter zu fahren sein.
- Küstenstraße vs. Inland: Die Küstenstraße in Norwegen (z.B. N17) ist sehr schön, aber oft kurvenreich und hügelig. Inlandrouten können direkter sein, aber weniger spektakulär.
- Fähren: Fähren können die Reise verkürzen und interessante Perspektiven bieten, sind aber mit zusätzlichen Kosten und Wartezeiten verbunden.
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