Fahrräder aus Stahl: Eine umfassende Betrachtung von Vor- und Nachteilen

Stahl ist als Material für Fahrradrahmen neben Stoffen wie Aluminium, Carbon oder Titan ein wenig in Vergessenheit geraten. Zu Unrecht, meinen wir. Lange Zeit galt Stahl als ideales Rahmenmaterial für Fahrräder. Werkstoffe wie Aluminium, Carbon oder Titan weisen zwar ein geringes Gewicht auf, doch Stahl-Fahrräder punkten insbesondere beim Fahrverhalten und bei der Sicherheit.

Vorteile von Stahlrahmen

Ein Rahmen aus Stahl absorbiert die Kräfte und Belastungen während einer Fahrt viel besser als ein Carbon-Rahmen oder Aluminium-Rahmen. Das zeigt sich unter anderem bei Unebenheiten, die zum Federn des Rahmens führen. Die Ausfahrt mit einem Fahrrad, dass einen Stahlrahmen besitzt, ist nicht nur angenehmer, sondern auch sicherer. Ein Rahmen aus Stahl ist, anders als ein Carbon-Rahmen, sehr viel robuster und damit bruchsicher. Bei einer drohenden Überlastung zeigen Rohre aus Stahl sehr frühzeitig durch auffälliges Wackeln ein aufkommendes Problem an.

Zudem ist die Reparatur eines Stahlrahmen-Fahrrads für die meisten Mechaniker eine Routine. Sie verfügen über das nötige Know-how und in ihren Werkstätten über das erforderliche Werkzeug. Dagegen lässt sich ein Alurahmen nur vorläufig oder gar nicht ausbessern. Stahl hat als Material im Rahmenbau bei Rädern viele individuelle Vorteile und nur sehr wenige Nachteile. Der Fahrradrahmen ist für Zweiradfreunde so etwas wie die Seele des Fahrrads.

Wer ein gebrauchtes Rad mit einem Stahlrahmen kauft, erhält nicht nur ein Fortbewegungsmittel auf zwei Rädern, sondern eine damit verbundene Vorgeschichte. Räder mit einem Stahlrahmen zu fahren, zeichnet sich als Trend ab. Denn das Aufpeppen alter Fahrräder hat etwas von Vintage-Style und ist ein Lebensgefühl. Stahlrahmen sind vorwiegend bei maßgeschneiderten Zweirädern in Verwendung. Mit einfachen Mitteln lassen sich aus den Stahlrohren ergonomische Zweirad-Rahmen formen.

5 Vorteile eines Stahl Fahrradrahmens:

  1. Stahl ist stark und haltbar. Ein Stahlrahmen kann bei richtiger Pflege Jahrzehnte lang halten. Stahl ist auch widerstandsfähiger gegen Schäden durch Stöße als andere Materialien, wie zum Beispiel das weichere Aluminium.
  2. Stahlrahmen sind in der Regel billiger als Rahmen aus anderen Materialien.
  3. Stahlrahmen können repariert werden, wenn sie beschädigt sind. Wenn dein Stahlrahmen beschädigt ist, kann er oft von einem qualifizierten Fahrradmechaniker repariert werden. Dies ist bei Rahmen aus anderen Materialien nur in den seltensten Fällen möglich.
  4. Stahlrahmen bieten eine ruhige Fahrt. Stahlrahmen haben aufgrund ihrer atomaren Zusammensetzung eine natürliche "Federung", die Unebenheiten auf der Straße schlucken kann und so für ein ruhigeres Fahrgefühl sorgt.
  5. Stahlrahmen gibt es in einer Vielzahl von Ausführungen. Du wirst Stahlrahmen in einer unendlichen Vielzahl von Stilen finden, um deinem Traum-Fahrrad gerecht zu werden: von Cruisern im Vintage-Stil bis hin zu modernen Rennrädern.

Individualisierung und Design

Ein Konstrukteur setzt die einzelnen Teile sehr umsichtig zusammen. Bei der Lackierung solcher Rahmen sind Spezialisten gefragt, denn bei einer Behandlung der Oberflächen ist bei einem Stahlrahmen sehr viel Fachwissen gefragt. Gemuffte Stahlrahmen treten seltener auf, weil die nötigen Bauteile zum Löten der Muffen rar sind. Das zeigt sich auch beim Preis für Stahlrahmen. Ein gemuffter Rahmen aus Stahl ist wesentlich kostspieliger. Als Nachteil wird bei einem geschweißten Rahmen dagegen oft die Erwärmung des Rohres genannt, wodurch die Festigkeit und Steifigkeit leiden kann.

Steuerrohr-Schilder wie am tarngrün gepulverten Tannenwald verströmen ein wenig Retro-Schick. Bei Standert können Kunden die Farbe des Steuersatzes und - schaltungsabhängig - die Art des Rahmen-Inserts wählen. Unsere Testräder eint außer dem Werkstoff Stahl auch ihr Grundkonzept: Während Carbonräder immer häufiger in nur einer Variante ohne die Chance individueller Anpassung angeboten werden, lassen sich unsere Stahlsportler sehr weitgehend in Baukastensystemen personalisieren.

Hersteller von Stahlrohren

Bis heute stellen namhafte Hersteller noch Stahlrohre für Rahmen her. Einer dieser Produzenten ist Columbus Tubi aus Italien. Reynolds produziert in Großbritannien passende Rohre aus einer Legierung mit Stahl, Mangan und Molybdän.

  • Columbus: Ein italienisches Unternehmen, das seit den 1920er-Jahren Fahrradrohre herstellt.
  • Reynolds: Ein britisches Unternehmen, das hochwertige Fahrradrohre aus Stahl produziert.
  • Tange: Ein japanischer Hersteller von Fahrradrohren aus Stahl.
  • Dedacciai: Ebenfalls ein italienisches Unternehmen, das Fahrradrohre aus Stahl und anderen Materialien produziert.
  • Kaisei: Ist ein weiteres japanisches Unternehmen, das sich auf die Produktion von Fahrradrohren spezialisiert hat.

Nachteile von Stahlrahmen

Lange war Stahl in der High-End-Rahmenproduktion vollkommen verpönt. Ein Fahrradrahmen aus Stahl galt als schwer, billig und minderwertig. Spätestens als der Werkstoff Stahl Ende der 90er und in den frühen 2000er an jedem Discounter-Fahrrad zu finden war, war der Charme eines Stahlrahmens verflogen. Aber warum ist Stahl als Werkstoff für Fahrradrahmen eines Tages fast komplett von der Bildfläche verschwunden? Lag es nur an den Nachteilen wie der Anfälligkeit für Korrosion oder dem relativ hohen Gewicht? Oder lag es daran, dass sie zu robust und zu langlebig für die Fahrradindustrie waren?

Es musste also ein neuer Werkstoff her, um den Verkauf neuer Räder anzukurbeln. Und so kam Aluminium als „das” neue und revolutionäre Material um die „Ecke”. Aluminium ist leichter und unempfindlich gegenüber Korrosion und erschien mit seinen dickeren Rohren und großen Schweißschuppen neu und ungesehen. Später hat sich dann im High-End-Segment Carbon durchgesetzt und Titan hatte stets ein Nischendasein für Fahrradliebhaber & Enthusiasten gehabt. Das hat sich bis heute kaum geändert.

3 Nachteile von Stahlrahmen:

  1. Stahlrahmen sind schwerer als Rahmen aus anderen Aluminium oder Carbon. Dies kann die Fahrt bergauf und den Transport des Fahrrads erschweren.
  2. Stahlrahmen können rosten, wenn sie nicht richtig gepflegt werden. Du musst deinen Stahlrahmen ordentlich pflegen, damit er nicht rostet. Dazu gehört, dass Du ihn sauber und trocken hältst und, sofern möglich, trocken und überdacht abstellst. Nebenbei bemerkt, tut dies jedem Fahrrad gut. Steht dein Fahrrad in deiner Wohnung kannst Du es sogar jederzeit betrachten. Steht es im Keller oder in der Garage ist es auf jeden Fall gut vor Dieben geschützt.
  3. Stahlrahmen sind nicht ganz so steif wie Rahmen aus Aluminium oder Carbon. Dies kann zu dazu führen, dass sich dein Fahrrad aus Stahl bei Fahrten auf unebenen Straßen etwas weich anfühlt.

Stahl im Vergleich zu anderen Materialien

Ein Rennrad mit Stahlrahmen wird bei guter Steifigkeit immer etwa ein Kilo schwerer sein als eines mit Carbongestell. Wer ständig auf Höchstleistung aus ist, kauft fast automatisch den Faserflitzer. Selbst wenn die Bedeutung des Rahmengewichts traditionell überbewertet wird: hochheben kann jeder, und auch im Wiegetritt fühlt sich ein Stahlrahmen schwerfälliger an als ein Carbon-Leichtgewicht.

Für Stahlrahmen sprechen dennoch einige Ansichten, Fakten - und Vorurteile. Um mit diesen anzufangen: Dass Stahlrahmen per se komfortabel seien, ist Unsinn. Richtig konstruiertes Carbon kann das besser. Schon die sinnvolle Kombination aus Carbonsattelstütze und Sattel bewirkt viel, wie in diesem Testfeld der Vergleich zwischen dem hoppelig-harten 8bar und den deutlich komfortableren Standert oder Rennstahl zeigt. Zudem sind die schmalsten Reifen im Test 28 Millimeter breit. Mikro-Rütteleien saugen sie so gut auf, dass das Rahmenmaterial höchstens unterstützend wirkt. Wenn, dann zählt die Konstruktion, das Rahmendesign.

Die beiden günstigeren Stahlrahmen im Test, die Modelle von Tannenwald und 8bar, leuchten auf Wunsch fast in der gesamten RAL-Farbpalette, und die ohnehin sehr individuell lackierten Räder von Standert und Rennstahl lassen viel Freiheit bei der Ausstattung. Damit besetzen die Stahlräder ihre Marktnische nachdrücklich: Individualität statt Messwert, Gefühl statt Aerodynamik.

Ökobilanz

Was definitiv für Stahl spricht, ist dessen dem Carbon weit überlegene Energie- und Ökobilanz. Recycelter Stahl (und das ist weltweit ein großer Teil des Materials) braucht in der Herstellung nur wenige Prozente der Energie von Carbonlaminat und lässt sich - ganz anders als die Fasern - praktisch endlos recyceln. Angesichts der im Test weit verbreiteten Gabeln, Laufräder und Anbauteile aus Carbon werden zwei Kilo Stahl anstelle eines Kilos Carbon die Welt zwar kaum verbessern. Doch auch Reparierbarkeit, Robustheit und zeitlosere Optik können für das Metall sprechen.

In der Klimabilanz des Transportwegs nähmen sich beide Materialien in diesem Testfeld indes wenig: Alle Marken lassen ihre Stahlrahmen in Taiwan schweißen. Andreas Kirschner, Chef von Rennstahl und der Titan-Marke Falkenjagd, hängt das Umweltthema dennoch hoch: „Die Ökobilanz unserer Fahrräder haben wir während der gesamten Wertschöpfungskette im Auge, von der energieeffizienten Gewinnung der notwendigen Rohstoffe und der extrem langen Haltbarkeit des Endproduktes, bis hin zur Wiederverwertbarkeit“, verkündet seine Webseite.

Lackierung und Korrosionsschutz

Wer sich für Stahl entscheidet, entscheidet sich in 98 % aller Fälle für eine Farbbeschichtung. Aufgrund der günstigen und aufwandsarmen Durchführung wird hier eine Pulverbeschichtung bevorzugt. Nachdem die Rahmen geschweißt wurden, haben sie in der Regel Flugrost angesetzt. Dieser kann mit Schleifpapier oder mit Hilfe des Sandstrahlen entfernt werden, wodurch auch die optisch ansprechenden Hitzeverfärbungen abgetragen werden. Rahmen werden nach dem Schweißen direkt mit einem Ölnebel versiegelt, der erst kurz vor der Lackierung entfernt wird geliefert. Dank unserer besonders schlagfesten M83-Lackierung und von innen gewachsten Rohren wird der Korrosionsschutz deutlich erhöht. Aus den genannten Gründen werden Stahlrahmen aber vorzugsweise pulverbeschichtet.

Testräder im Detail

Nachdem die Räder die TOUR-Labortests durchlaufen hatten, addierten sich die entsprechenden Wertungspunkte zu Noten. Sowohl die beiden Rennräder als auch die Gravelbikes können trotz ihrer Luxusausstattungen nicht ganz die Nachteile der vergleichsweise schweren Rahmen kompensieren.

Klassische Rennradfahrer wird am ehesten das elegante, vergleichsweise leichte Standert Triebwerk begeistern. Das 8bar Kronprinz mit seinem nur halb so teuren Rahmen-Set ist sehr steif, minimalistisch und robust. Das Einsteigermodell „Vogelfrei“ von Tannenwald wird von vorneherein eher als sehr individuell konfigurierbares Gebrauchsrad denn als Sportler angeboten; unser Testrad zeigt die Möglichkeiten auf. Rennstahl betritt mit dem laufruhigen, durchdachten 853 Trail Gravel die wachsende Nische der offroad-orientierten Schotter-Räder.

Allen gemein ist eine Erfahrung, die sich erst beim Wechsel zurück auf einen Carbonrenner wirklich erschließt: Sie fahren ruhig. Elegant. Unaufgeregt. Fast lautlos. Das Schnarren des Freilaufs, verstärkt im Resonanzraum eines Carbonrahmens, nervt dagegen plötzlich wie der Sound einer bedrohlich nahen Motorsäge beim Pilzesammeln.

Überblick über Testräder

Modell Preis Gewicht Rahmengrößen Antrieb Schaltung Bremsen Laufräder/Reifen
8bar Kronprinz Steel V1 4.099 Euro, Rahmen-Set 898 Euro 9,2 Kilo S, M, L SRAM Force AXS eTap SRAM Force AXS eTap SRAM Force Disc, 160/160 mm 8bar Road Ultra Disc / Schwalbe One TLE 28-622
Standert Triebwerk Disc 5.599 Euro, Rahmen-Set 1.799 Euro 8,9 Kilo 48, 50, 52, 54, 56, 58, 60 SRAM Force AXS eTap 2x11 SRAM Force AXS eTap SRAM Force Disc, 160/140 mm DT Swiss PRC 1400 Spline / Vittoria Corsa Graphene 28-622
Rennstahl 853 Trail Gravel Hawaii 5.600 Euro 9,7 Kilo S, M, L, XL, XXL Campagnolo Ekar 1x13, 9-42 Zähne Campagnolo Ekar Campagnolo Ekar, 160/140 mm Tune Schwarzbrenner / Schwalbe G-One Bite 50-622
Tannenwald Vogelfrei C.3 5.800 Euro 10,4 Kilo XS, S, M, L, XL, XXL Shimano GRX 1x12/SRAM XO 10-50 Zähne SRAM XO eTap AXS Hope RX4, 160/160 mm SON Dynamo/ Hope RS4/ DT Swiss Carbon/ Schwalbe G-One Speed 38-622

8bar Kronprinz Steel V1

Standert Triebwerk Disc

Rennstahl 853 Trail Gravel Hawaii

Tannenwald Vogelfrei C.3

Fazit

Je integrierter und unabänderlicher die High-End-Carbonräder werden, desto klarer tritt auch die Nische der hier getesteten Stahlrenner hervor: Kleine Manufakturen liefern die Individualität, die der Großserie fehlt. Dass die Rahmen werkstoffbedingt mindestens ein Kilo schwerer sind, ist der Preis dafür.

Ein klares Ja, wenn du einen Allrounder suchst und nicht alle paar Jahre ein neues Rad kaufen möchtest, sondern einen fahrbaren Untersatz für die nächsten Jahrzehnte haben möchtest.

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