Shimano Stahlflex Bremsleitung Test: Die Bremse von 612 im Detail

Wer auf der Suche nach Bremsen ist, die sich von den Massenprodukten großer Hersteller abheben und einen kantigen Prototypen-Look bevorzugt, sollte sich "Die Bremse" von 612 genauer ansehen. 612 ist ein kleiner Schweizer Hersteller, oder besser gesagt, die One-Man-Show von Gründer Felix, der ein kleines Angebot an Anbauteilen anbietet. Neben Kettenblättern und Schaltkäfigen von SRAM AXS-Schaltungen führt er auch eine Bremse. Oder vielmehr: Die Bremse.

Die Vierkolbenbremse setzt auf Stahlflex-Leitungen und wird lokal hergestellt: Die Frästeile, also die Bremshebel, Bremszangen und das Gebergehäuse, kommen aus Deutschland. Alle Drehteile, sprich Bremskolben und Dichtungen, werden hingegen in der Schweiz hergestellt. Jede Bremse wird auf Bestellung von Felix montiert und versandt.

Mit einem Preis von rund 870 € pro Satz ist Die Bremse sicherlich kein Schnäppchen, im Vergleich zu anderen Edelschmieden wie Trickstuff aber wieder recht human. Und selbst die neuen SRAM CODE Stealth-Bremsen sind nicht mehr viel günstiger. Das Gewicht der Vorderbremse - inklusive 90 cm Leitung - beträgt 301 g.

Montage und Installation

Die Installation der 612-Bremse bringt direkt eine kleine Hürde mit sich. Da die Stahlflex-Leitungen mit einem Durchmesser von ca. 6 mm etwa 1 mm dicker sind als normale Bremsleitungen, kann es zu Problemen bei den innenverlegten Zügen kommen. Da die meisten Hersteller ihre Bikes auf die Maße von Standard-Bremsleitungen auslegen, kann es vor allem an Bikes, bei denen die Züge im Rahmen durch Kanäle laufen, problematisch werden.

Da man die Leitung beim Verlegen durch den Rahmen vom Bremshebel entfernen muss, ist es sinnvoll, Die Bremse danach zu entlüften - auch wenn sie bereits fertig entlüftet ausgeliefert wird. Alle Entlüftungskits, die eine Standard-M5-Schraube verwenden, funktionieren hier. Dazu gehören Shimano, das alte SRAM-System (also vor Bleeding Edge) und Formula.

Wenn ihr eine komplette Entlüftung vornehmen wollt, empfiehlt es sich, mit demontierter Leitung und einem M6-Anschluss direkt den Sattel zu entlüften und anschließend mit montierter Leitung und M5-Anschluss in der Banjo-Schraube das Öl in Richtung Bremshebel zu drücken. Die 612 ist mit Mineralöl befüllt, im Auslieferzustand wird von Felix Bionol verwendet, aber alle regulären Mineralöle (z. B. von Shimano oder MAGURA) funktionieren ebenfalls.

Ein weiteres Problem, das bei der Montage auftreten kann, ist, dass die Schelle der 612-Bremse nicht kompatibel mit vielen Schalthebeln ist. Wenn bei eurem Bike also die bisher verbaute Bremse und der Schalthebel per SRAM Matchmaker, Shimano I-SPEC oder MAGURA Shiftmix verbunden ist, benötigt ihr jetzt eine zusätzliche Schelle für den Schalthebel. Bei Shimano ist der Schalt-Trigger für die I-SPEC-Anbringung allerdings anders geformt, sodass ein Teil von Drittanbietern benötigt wird, um es direkt per Schelle am Lenker anzubringen. Wolftooth bietet beispielsweise etwas Passendes an.

Details zur Schelle

Zudem sind die 612-Schellen inklusive Schrauben recht klein dimensioniert. Uns ist bei einem eigentlich harmlosen, langsamen Baumkontakt mit dem Geber deshalb die Schelle und beide Schrauben verbogen. Bei einer Bremse mit so bulligem Look würde auch optisch eine etwas robustere Schelle absolut nicht stören. Die Bremshebel sind andererseits Crash-sicher(er).

Der 612-Bremssattel passt auf alle gängigen Scheiben und ist kompatibel mit Postmount-Adaptern von Shimano, MAGURA und GALFER. Wir sind Die Bremse ohne Wechsel der Scheiben auf den 203-mm-Shimanos gefahren und hatten damit absolut keine Probleme.

Das Justieren der Hebelweite ist stufenlos und bietet eine große Bandbreite - hier wird sicher jeder seine bevorzugte Einstellung finden. Allerdings lässt sich das nur mit einem 2er-Inbus auf der Innenseite des Gebers bewerkstelligen. Die Schraube ist nicht sehr gut zu erreichen und die Einstellung somit etwas fummelig.

Performance auf dem Trail

Wir sind die 612-Bremse über mehrere Monate auf dem Canyon Strive gefahren. Dabei war von Hometrail-Laps über harte Enduro-Abfahrten bis hin zu Bikepark-Tagen alles dabei. Und auch wenn wir unser Bestes gegeben haben, Die Bremse zum Glühen zu bringen, hatten wir auch bei langen Abfahrten keine Probleme mit nachlassender Bremspower.

Im ersten Eindruck fühlt sich der Bremshebel direkt schon ergonomisch und angenehm an. Er ist relativ breit und damit vergleichbar mit dem der Hope Tech 4-Bremse, allerdings mit mehr Krümmung. Riffelungen oder sonstige Anbringungen, die Grip am Hebel verbessern sollen, sucht man bei der 612 vergeblich, wir hatten jedoch keinerlei Probleme mit dem Halt unserer Finger an der Bremse.

Testet man Die Bremse im Stehen, fühlt sie sich erstmal nicht sehr knackig an, nachdem man den Druckpunkt spürt, hat man noch relativ viel Hebelweg. Sie bietet also kein so klar definiertes Ende, wie beispielsweise eine Shimano XT. Startet man dann auf den Trail und betätigt Die Bremse das erste Mal, sind jegliche Zweifel über Bremspower aus dem Weg geräumt. Hier bietet die 612 bereits vom Anfang des Schleifpunktes eine ordentliche Anker-Wirkung, durch das weiche Feeling des Druckpunktes hat man dabei eine super Modulation der Bremskraft. So benötigt man wenig Eingewöhnungszeit und Die Bremse verschwindet schnell aus dem Bewusstsein. Und das ist etwas Gutes, denn die 612 macht ihren Job tadellos und ohne, dass man aktiv darüber nachdenken muss.

Fazit

Die Bremse von 612 ist ein schickes Einzelstück, das sich bereits durch seinen industriellen Look von der Masse abhebt. Sie wird lokal in Kleinproduktion hergestellt und gibt jedem Bike einen individuellen Touch. Bei der Montage der Bremse muss man zwar ein paar Sachen beachten, ist das allerdings erledigt und man startet damit auf die Trails, bietet sie top Performance.

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