Fahrrad kaufen für 6-Jährige: Worauf achten?

Ein passendes Fahrrad für sein Kind zu finden kann zur Herausforderung werden, insbesondere, wenn man es online bestellt oder gebraucht kauft und auf entsprechende Beratung und Probefahrt verzichten muss.

Alter, Größe, Innenbeinlänge - Werte zur Orientierung

Will man sich erst einmal einen groben Überblick verschaffen, können Größentabellen für den Kinderfahrradkauf helfen. Von Tabellen, die ausschließlich nach dem Alter des Kindes gehen, sollte man Abstand nehmen - jeder wächst unterschiedlich schnell.

Andere Hersteller verweisen auch auf die Schritt- oder Innenbeinlänge. Doch „da wird es dann schon wissenschaftlich“, sagt Filippek. Und ergänzt: „Die Proportionen der Kinder sind nicht so unterschiedlich. Als grobe Orientierung reicht es völlig, nach der Körpergröße zu gehen. Im konkreten Fall muss man natürlich ausprobieren, ob das Kind auf das entsprechende Rad passt.“

Online, gebraucht oder im Geschäft?

Das mag beim Kauf aus zweiter Hand noch funktionieren, beim Online-Fahrradkauf - wo es oftmals die günstigeren Angebote gibt - jedoch weniger. Besser wäre aber der Gang ins Geschäft. Denn bei Kinderrädern ist es noch wichtiger als bei Erwachsenenrädern, dass man sie ausprobieren kann.

„Man muss schauen, ob sie drauf passen, ob sie sich sicher fühlen, ob sie die Bremshebel vernünftig erreichen können - oft tun sie das nämlich nicht“, sagt Filippek.

Kein Fahrrad zum „Reinwachsen“

Man kennt es von Kinderkleidung, diese wird gerne mal etwas größer gekauft, sodass das Kind sie länger tragen kann. Ein Gedanke, der auch bei Fahrrädern naheliegt, denn alle fünf bis zehn Zentimeter ein neues Fahrrad zu kaufen, das kann teuer werden.

René Filippek jedoch sagt: „Es ist sehr wichtig, immer genau die richtige Größe zu haben, denn das Kind muss sein Rad richtig bedienen können. Häufig sieht man Kinder, die mit zu großen Rädern unterwegs sind. Aber wenn sie mal in eine kritische Situation kommen, koordinativ vielleicht noch nicht weit genug entwickelt sind, kann das sehr problematisch werden, weil sie das Fahrrad nicht mehr unter Kontrolle haben.“

Das Rad sollte also immer der Größe des Kindes entsprechend gekauft werden. Außerdem muss es ja nicht immer ein komplett neues Rad sein, der Gebrauchtmarkt für Kinderfahrräder funktioniert super“, sagt Filippek. Und wenn es - aufgrund der besseren Beratungsmöglichkeiten - doch ein neues sein soll, kann man es später immerhin gut wieder verkaufen, die Nachfrage ist da. Und so halten sich auch die Investitionen im Rahmen.

Radgröße und Rahmengröße

Die Größe von Kinderfahrrädern wird nach der Größe der Laufräder (in Zoll) und nicht nach der Größe des Rahmens unterteilt. Anders also als bei Rädern für Erwachsene. Ein Kinderfahrrad hat also entsprechend dem Rahmen immer kleinere Laufräder.

„Aber auch auf die Rahmengeometrie, also Rahmenform, muss geachtet werden. So passt etwa das eine Kind auf das Fahrrad mit 20-Zoll-Laufrädern und das andere nicht. Deswegen ist es so wichtig, das Fahrrad vor dem Kauf auszuprobieren.“ Das Kind sollte vernünftig auf dem Rad sitzen und den Lenker wie auch die Bremshebel gut erreichen können.

Die Rahmenhöhe lässt sich durch Verstellen des Sattels entsprechend anpassen, die Rahmenlänge jedoch nicht. Daher sollte diese weder zu kurz, noch zu lang sein.

Kurbellänge bis Tretlagerhöhe

Die Kurbellänge ist von entscheidender Bedeutung bei Kinderrädern, doch „gerade bei günstigeren Produkten wird einfach irgendeine Kurbel angeschraubt“, sagt Filippek. Ideal wäre jedoch eine kurze Kurbel, sodass die Kinder beim Fahren das Knie nicht so stark beugen müssen.

Wenn Kinder, das Knie beim Fahren fast schon unter dem Kinn haben, wirds schwierig, das ist ungesund.“ Hinsichtlich der Tretlager wird bei Kinderfahrrädern gerne darauf hingewiesen, dass diese nicht zu hoch sitzen sollten, besser möglichst nah am Boden.

Rücktritt oder Handbremse?

Beim Thema Bremstypen scheiden sich die Geister. Die Bremskraft sei beim Rücktritt zu gering, früher oder später müsse man sich ohnehin an die zweite Handbremse gewöhnen, und das verwirre die Kinder nur.

Was sagt der Experte? „Da gibt es in der Tat sehr viele Diskussionen - unter Erwachsenen. Aber den Kindern ist das relativ egal. Die Koordination mit den Bremshebeln kann hingegen gerade am Anfang etwas kompliziert sein.“ Ein endgültiges Urteil, welcher Bremsentyp nun besser sei, wolle René Filippek aber nicht fällen.

Mountainbike, Rennrad, Hollandrad

Spezielle Fahrradtypen gibt es mittlerweile auch für die Kleinsten. Aber ist es wirklich sinnvoll? „Wenn man sich sicher ist, dass das Kind dieses Fahrrad vernünftig beherrscht, also koordinatorisch in der Lage ist, mit Schaltung, Bremsen und der Geometrie des Rades an sich umzugehen, spricht nichts dagegen“, sagt Filippek.

Wenn der Impuls, ein bestimmtes Rad haben zu wollen, von den Kindern selbst ausgeht, ist das ein gutes Zeichen, dass sie es auch fahren können. Jeder Fahrradtyp erfordert andere Fähigkeiten.

Gewicht von Kinderfahrrädern

Ist man nur in der Stadt unterwegs, wo es keine großen Höhenunterschiede gibt, spielt das Gewicht des Kinderfahrrades keine wesentliche Rolle.

„Aber muss das Kind mal einen Berg hochfahren, macht sich das Gewicht bemerkbar. Kinderfahrräder wiegen normalerweise nicht sehr viel weniger als ein vergleichbares Erwachsenenrad. Im Verhältnis ist ein Kinderrad also sehr viel schwerer, als wir Erwachsene das kennen“, sagt Filippek.

Oft sind es Gimmicks wie etwa Federgabeln, die Kinder zwar toll finden, die bei Kinderfahrrädern aber nicht wirklich etwas bringen außer zusätzliches Gewicht.

Gangschaltung für Kinderräder

Viele kleine Kinderfahrräder sind heutzutage schon mit einer Gangschaltung ausgestattet. Aber ab welchem Alter lohnt sie überhaupt? „Im Grunde kann man schon bei 20-Zöllern anfangen. Ab etwa sechs Jahren können Kinder durchaus mit einer Gangschaltung umgehen. Eine einfache Drei-Gang-Nabenschaltung wäre sinnvoll, das überfordert nicht“, sagt Filippek.

No-Name- oder Markenrad?

Viele Eltern setzen auf bekannte Markenräder für ihre Kinder - frei nach dem Motto: Das haben viele, also muss es gut sein. Stimmt das? „Markenhersteller müssen nicht unbedingt bekannt sein, in den vergangenen Jahren sind sehr viele neue, aber ebenso gute auf den Markt gekommen. Grundsätzlich haben Markenhersteller den Vorteil, dass sie sich mit dem Thema Kinderfahrräder sehr intensiv auseinandergesetzt haben“, sagt der Fahrradexperte.

Ein gutes Kinderrad hingegen zeichnet sich durch runde, fließende Formen im Lenkerbereich aus, die im Falle eines Sturzes ein geringeres Verletzungsrisiko bergen; teilweise wird der kritische Bereich sogar gepolstert.

Bloß keine Stützräder!

Selten sieht man heutzutage noch Kinder mit Stützrädern fahren. Durch das Aufkommen der Laufräder haben die meisten schon eine gute Vorbereitung für das spätere Fahrradfahren, ihr Gleichgewichtssinn ist besser ausgeprägt. Auch der ADFC-Experte rät: „Keine Stützräder, davon rät mittlerweile eigentlich jeder ab.

Sicherheit geht vor

Wenn Du ein Kinderfahrrad gebraucht kaufst oder Dein Kind es von einem anderen übernimmt, dann überprüfe das komplette Rad auf Beschädigungen. Spielfahrräder benötigen laut der Prüfnorm 8098 zwingend einen Kettenschutz. Er verhindert, dass Kinder sich die Finger einklemmen oder mit Hosenbeinen in die Kette geraten. Achte also auch bei einem gebrauchten Fahrrad darauf, dass dieser vorhanden und intakt ist.

Die passende Größe finden

Ein ganz entscheidender Aspekt bei der Auswahl des ersten Fahrrads ist die passende Größe. Der häufigste Fehler ist es, ein zu großes Fahrrad zu kaufen mit dem Argument des „Reinwachsens“. Denn ein zu großes Rad ist für ein Kind nicht nur unbequem.

Das passende Fahrrad für das Kind

Schon das erste Fahrrad sollte Liebe auf den ersten Blick sein. Denn wenn es Deinem Kind gefällt, wird es damit viel eifriger die Welt erkunden, das Fahrradfahren lernen und auch mal einen unvermeidlichen Rückschlag, sprich: Sturz, wegstecken. Die Wahl des richtigen Kinderfahrrads kann für Eltern eine schwierige Aufgabe sein, denn es gibt viele Faktoren wie Alter, Größe, Fähigkeiten oder Vorlieben des jungen Radfahrers, von denen Sicherheit und Fahrfreude abhängen.

Größentabelle für Kinderfahrräder

Es ist üblich, dass Fahrradhersteller in ihren Tabellen die Radgröße dem Alter des Kleinkindes anpassen. Dabei ist jedoch zu beachten, dass erstens diese Spannen konventionell angegeben werden, da Kinder desselben Alters unterschiedliche Größen, Rumpf-, Arm- oder Beinlängen haben können, und zweitens die Modelle mit derselben Radgröße von Hersteller zu Hersteller variieren können.

Wichtig: Die folgende Tabelle ist ein Richtwert.

Alter Körpergröße Radgröße (Zoll)
2-4 Jahre 85-100 cm 12
3-5 Jahre 95-110 cm 14
4-6 Jahre 105-120 cm 16
5-7 Jahre 115-130 cm 18
6-9 Jahre 120-135 cm 20
8-11 Jahre 130-145 cm 24
ab 10 Jahre ab 145 cm 26

Die Fahrradrahmengröße eines Kinderfahrrads wird bei Modellen mit einer Radgröße von 20 Zoll und größer wichtiger. Die richtige Größe für ein Kinderfahrrad ist, wenn das Kleinkind mit den Füßen flach auf dem Boden auf dem Fahrrad sitzen kann. Der junge Radfahrer sollte den Lenker bequem greifen können, indem er die Ellenbogen leicht beugt.

Weitere Tipps

  • Laufrad: Für Kinder ab 2-3 Jahren, die noch keinen Gleichgewichtssinn haben.
  • Fahrrad mit Pedalen und ohne Stützräder: Wenn das Kind gut mit dem Laufrad zurechtkommt.
  • Gewicht: Je leichter das Fahrrad, desto besser.
  • Zusatzausstattung: Beleuchtung, Reflektoren, Klingel, Gepäckträger oder Korb.
  • Marken: Auf bewährte Modelle von renommierten Herstellern setzen.

Denk daran, ein Fahrrad zu kaufen, das richtig passt, und nicht eines, das zu groß ist.

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