Der Fahrradhelm mit dem Namen Hövding ist eine wahre Revolution auf dem Markt. Der Hövding Airbag hat ein amtliches Gewicht. 810 Gramm bringt der unsichtbare Helm auf die Waage. Inklusive Cover legt man sich gut 860 Gramm um den Hals. Das ist etwa das Dreifache eines klassischen Fahrradhelms.
Was ist der Hövding?
Beim Hövding handelt es sich um einen Airbag, der sich in einer Art festem Kragen befindet und beim Radfahren um den Hals gelegt wird. Das Design des Airbags ähnelt einer Kapuze und besteht aus einem resistenten und reißfesten Nylonstoff. Der Gasgenerator, der den Airbag im Falle eines Sturzes in nur 0,1 Sekunden aufbläst, befindet sich in einer Vorrichtung im Kragen im Nacken des Radfahrers. Dabei handelt es sich um einen sogenannten “Kaltgasgenerator”, der Helium verwendet.
Der Fahrrad-Airbag des schwedischen Herstellers Hövding könnte eine Alternative für einige Helmmuffel sein. Er wird als Kragen um den Hals getragen. Der Kragen sollte eng anliegen, mit dem Boa-Drehverschluss lässt sich die Weite stufenlos einstellen.
Wie funktioniert der Hövding Airbag?
Die darin versteckte Gaskartusche soll einem bestimmten Algorithmus folgend ausgelöst und innerhalb einer Zehntelsekunde den Airbag öffnen. Der legt sich dann wie eine Schutzhaube um den gesamten Kopf und verhindert den harten Aufprall mit dem Schädel. Im Nacken befindet sich ein Kaltgasgenerator. Er füllt den Airbag im Ernstfall mit Helium.
Sensoren registrieren 200 Mal pro Sekunde die Positionsänderung. Erkennt das System einen Sturz, wird der Airbag in weniger als 0,1 Sekunden ausgelöst. Die Gasdruck-Kartusche schießt hinten aus der keilförmigen Einheit und baut schlagartig eine neun Zentimeter dicke Polsterung auf, die sich über den Kopf stülpt.
Kernpunkt der Funktionsweise ist die Sensorik. Schließlich muss der Fahrradhelm genau erkennen, wann er aufgehen muss und wann nicht. Eine rasante Fahrt durch das Gelände ist dann also kein Problem und der Airbag bleibt geschlossen. Bei einem Sturz jedoch löst er sofort aus, obwohl ähnliche Erschütterungen herrschen.
Der Hövding im Test
Zwei Studentinnen aus dem schwedischen Malmö fanden 2006 offenbar keinen Fahrradhelm, der ihren ästhetischen Ansprüchen genügte. Oder sie wollten sich schlicht ihre Frisuren nicht ruinieren. Jedenfalls suchten die beiden im Rahmen ihrer Diplomarbeit an der Universität Lund nach einem alternativen (und unsichtbaren) Schutz für den Kopf von Radfahrer:innen. Nach sechs Jahren tüftelten die Industriedesignerinnen Terese Alstin und Anna Haupt.
Es gibt gute Gründe, die dafür sprechen, aber auch einige dagegen. Der Nutzen steht außer Frage. Das Produkt wurde im Jahr 2005 von zwei Industriestudentinnen aus Schweden erfunden und weiterentwickelt.
In der Crashanlage des ADAC Technik Zentrums Landsberg wurde 2021 dieses Szenario nachgestellt, um den Airbag-Helm Hövding 3 zu testen. Mit 18 km/h fährt Stuntman Paul Wilk auf die geöffnete Autotür zu, prallt mit seinem Fahrrad gegen die Tür, hechtet drüber und landet nach einer Rolle vorwärts auf dicken blauen Gymnastikmatten.
"Der Airbag hat sich innerhalb kürzester Zeit, nach 80 Millisekunden, voll entfaltet", sagt Michael Peuckert, ADAC Projektleiter für Produkttests.
Eine Untersuchung der Universität Straßburg bescheinigt dem Hövding einen sehr guten Schutz vor Kopfverletzungen. Das kann ADAC Experte Peuckert bestätigen: "Wenn ich nach vorn oder zur Seite falle, ist die Wahrscheinlichkeit, dass er auslöst und schützt, sehr hoch."
Der Hövding 3 wurde im Rahmen des großen ADAC Fahrradhelm-Tests außer Konkurrenz getestet und erhält daher kein ADAC Urteil. Aber einige Erkenntnisse haben die Tester gewonnen. "Ein spannendes Produkt mit einer sehr hohen Schutzfunktion vor Kopfverletzungen, wenn er sich voll entfaltet hat", sagt Peuckert, der auch bei der Ausstattung Stärken sieht.
Vor- und Nachteile des Hövding
Vorteile:
- Besserer Schutz als herkömmliche Helme
- Frisur bleibt erhalten
- Gute Belüftung
Nachteile:
- Hoher Preis
- Einmaliger Gebrauch nach Auslösung
- Nicht für alle Radsportarten geeignet
Vorteile im Detail
Der Hövding beschützt bei einem Sturz den gesamten Kopf und auch den Halsbereich. Außerdem bleibt dein Sichtfeld stets frei und ist nicht eingeschränkt. Du behältst deine Frisur und kannst unter Kunststoff und Hartschaum nicht schwitzen. Lediglich der Hals wird von dem Airbag System umschlossen.
Die Leistung, die Verarbeitung und das Sicherheitsgefühl haben mich überzeugt, dass der Hövding 3 im Ernstfall besser schützen kann als ein Fahrradhelm.
Bis zu achtmal besser als ein herkömmlicher Fahrradhelm soll der Hövding laut einer Studie der Stanford University im Straßenverkehr schützen.
Nachteile im Detail
Je weiter man sich beim Fahren nach vorne lehnt, als desto unangenehmer kann der Airbag empfunden werden. Allerdings schützt er nicht in allen Unfallszenarien so gut wie ein Helm", schränkt Peuckert ein, "zum Beispiel beim Crash mit einer Lkw-Tür oder einem Lkw-Spiegel."
Auf Kulanzbasis habe er damals einen neuen bekommen, sich aber zunächst über die Kosten geärgert, denn der Hövding kann nicht wiederverwendet werden und kostet 349 Euro.Mit dem ADAC Newsletter immer top informiert!Als größte Schwäche sehen die Tester, dass der Airbag-Kragen bauartbedingt nicht in jeder Unfallsituation schützen kann. Dazu kommt der im Vergleich zu Helmen eingeschränkte Tragekomfort.
Für wen ist der Hövding geeignet?
Helm-Muffel und Hipster aufgepasst!Auf unserer Testfahrt mit dem Hövding 3 haben wir weder Kopf noch Kragen riskiert.Auf der kaum 15 Kilometer langen Probefahrt durch Hamburg wird schnell klar, warum Hövding seinen unsichtbaren Helm vor allem "urban cyclists" an Herz (und um den Hals) legt.
Fakt ist: Der unsichtbare Airbag für Radfahrer ist eine gute Alternative für jene, die sich mit Helm auf dem Kopf nicht wohlfühlen, sich aber "obenrum" nicht ungeschützt in den Straßenverkehr stürzen wollen.
Die Zielgruppe des Fahrradhelmes dürfte für den Anfang wohl der Banker, Versicherungsmakler oder Manager sein, der sicher mit dem Fahrrad zur Arbeit kommen möchte und dennoch nicht auf eine ordentliche Frisur verzichten will.
Was kostet der Hövding?
Knapp 350 Euro ruft Hövding für seinen Airbag für Radfahrer auf. Das ist sportlich. Der Hövding 3 ist mit 349 Euro sehr hochpreisig, dafür bietet nachweislich sehr guten Schutz bei Unfällen und einen stabilen Akku, ist gut im Rucksack zu transportieren und ist auch ein Ausdruck von Innovation und schwedischem Design.
Hövding 4 angekündigt
Nach der Insolvenz Ende Dezember 2023 gehört Hövding inzwischen zum Technologieunternehmen iSi mit Hauptsitz in Österreich. Auf seiner Homepage kündigt das Unternehmen an, dass Mitte 2026 der Hövding 4 auf den Markt kommen soll.
Die Insolvenz von Hövding
Im Dezember 2023 überschlugen sich plötzlich die Ereignisse und führten zum Crash von Hövding, des europaweit bekannten schwedischen Herstellers für den alternativen Kopfschutz beim Radfahren. Ein neuer Hersteller steht dagegen in den Startlöchern.
Hövding macht dafür die schwedische Verbraucherschutzbehörde verantwortlich. Diese habe nach negativ verlaufenen Testes des aktuellen Modells Hövding 3 am 1. November 2023 ein zunächst vorläufiges Verkaufsverbot gegen das Unternehmen erlassen und am 15. Dezember 2023 ein dauerhaftes Verkaufsverbot sowie einen Rückruf für Hövding 3 angekündigt.
Laut Hövding hat das zuständige Verwaltungsgericht dem Einspruch des Unternehmens gegen die Entscheidung der Verbraucherschutzbehörde nur wenige Tage später stattgegeben. Der sofortige Verkaufsstopp und der Rückruf wurden damit aufgehoben. Das Unternehmen habe deshalb am 21.
Wie sich die Insolvenz nun auf den Service der bereits verkauften Produkte auswirkt, ist offen. Fakt ist: Die wenigsten Kunden können sich selbst bei einem Test von der Funktionsfähigkeit der Helme überzeugen. Sie müssen also auf die Technik vertrauen.
Alternativen zum Hövding
Die Minerva-AS GmbH aus Erding macht zunehmend auf sich aufmerksam. Das Unternehmen entwickelt nach eigener Aussage bereits seit 2017 Airbag-Systeme. Im Fokus waren dabei aber Erfahrungen aus der Lawinenentwicklung.Eine andere Alternative zum Hövding hat das Berliner Innovationsbüro nFrontier entwickelt: den Helm Pylo. Seine Besonderheit: Er beherbergt einen Airbag für das Gesicht.
Verwandte Beiträge:
- Fahrradhelm mit Kragen Test: Schutz & Komfort im Vergleich
- Fahrradhelm Damen Matt Schwarz: Stil & Sicherheit vereint
- Günstige Fahrradhelme für Herren: Top Modelle im Vergleich
- Motorrad Leggings Damen mit Protektoren im Test – Ultimativer Vergleich von Sicherheit und Komfort
- Lidl Fahrradhelme im Test: Sicherheit, Preis & Leistung
Kommentar schreiben