Modellvielfalt und Preisspannen sind unter den Kinder-Fahrradhelmen enorm. Die oft bunten Lebensretter sind bei Discountern ebenso zu finden wie im gehobenen Fachhandel, man kann einen Kinderhelm für ein paar Euro mitnehmen oder bis zu 100 Euro anlegen. Eine verlässliche Orientierungshilfe bietet das Preisetikett nicht. Viele Kinder empfinden Fahrradhelme längst nicht mehr als lästige Pflicht, sondern tragen sie mit Begeisterung - und oft auch Stolz.
Guter Schutz muss nicht teuer sein
Geht es nach der Stiftung Warentest, müssen Sie für einen sicheren und komfortablen Kinder-Fahrradhelm keineswegs tief in die Tasche greifen. Lidl bietet beispielsweise einen Helm mit Rücklicht für 12 Euro - „gut“ im letzten Vergleichscheck der Warentester. Selbst den Testsieger (Abus Youn-I 2.0) gibt es schon für weniger als 40 Euro.
Sicherheitsmerkmale von Kinder-Fahrradhelmen
Bei Fahrradhelmen gibt es keine großen Unterschiede in der Funktionsweise. Alle sind dafür gemacht, einen Aufprall abzufedern und den Kopf zu schützen. Kinderfahrradhelme schützen Kinderköpfe bei Stürzen.
Helmarten
Es gibt allerdings auch noch verschiedene Konstruktionsarten der Helmschale:
- Softshell-Helme: Weichschalenhelme bestehen lediglich aus einer Schicht aus Hartschaumstoff. Das macht sie besonders leicht. Diese Helme sind auch meistens günstiger als andere. Trotzdem raten wir vom Kauf eines Softshell-Helms ab, da einfach nicht genügend Schutz gewährleistet werden kann. Solche Helme gibt es auch nur noch selten zu kaufen. Die staatliche Initiative »Ich trag‘ Helm« meint deshalb: »Das in der Vergangenheit häufig für Kinderhelme genutzte Verfahren ist veraltet.
- Hardshell-Helme: Bei dieser Helm-Art hat die Schaumstoffschicht noch einen Überzug aus hartem Kunststoff. Das macht sie robuster, aber auch schwerer als Weichschalenhelme. Solche Helme werden hauptsächlich für Erwachsene im Downhill-Bereich verwendet. Die Extremsportler unter den Kopfschützern sind Hartschalenhelme, die sich auch Downhill-Biker wegen der harten Außenschale gerne aufsetzen.
- Mikroschalen-Helme: Die am meisten verwendete Helm-Variante sind Mikroschalen-Helme. Auch hier ist der Schaumstoffkern mit einer Kunststoffschicht überzogen. Diese ist aber weniger hart als bei Hardshell-Helmen. Mikroschalenhelme schützen deutlich besser als Softshell-Helme und wiegen nicht so viel wie Hartschalenhelme. Am besten ist es, wenn die beiden Schichten mittels In-Mold-Verfahren miteinander verschweißt sind.
Um Ihrem Kind beim Fahrradfahren den optimalen Schutz und Komfort zu bieten, sollten Sie einen zu diesem Zweck bestimmten Kinderfahrradhelm kaufen. Andere Sporthelme wie etwa Skihelme oder Reithelme sind für andere Zwecke bestimmt. Wir raten davon ab, sie zum Fahrradfahren zu verwenden.
"MIPS"-Helme
Durch eine bewegliche Kunststoffeinlage soll „MIPS“ (Multi Directional Impact Protection System) beim Sturz vor Drehkräften schützen. Die Stiftung Warentest sieht darin jedoch keinen Sicherheitsvorteil. Guten Schutz gebe es auch ohne MIPS - und umgekehrt: Manche MIPS-Helme schnitten bei der Stoßprüfung schlechter ab als Helme ohne. Außerdem sind sie teurer und immer auch etwas schwerer.
Größenwahl und Passform
Fahrradhelme - auch für Kinder - werden meist in verschiedenen Größen angeboten, wobei sich die Größenangaben auf den Kopfumfang in Zentimetern beziehen. Bei vielen Helmen lässt sich die Weite mittels Drehrad im Nackenbereich millimetergenau einstellen. Grundsätzlich gilt: Der Helm sollte sitzen, ohne zu wackeln, aber nicht drücken. Die Größe des Helmes ist eines der wichtigsten Kriterien beim Kauf. Sie ist entscheidend für Sicherheit und Tragekomfort. Stellen Sie sicher, dass der Helm Ihrem Kind gut passt. Dafür sollten Sie vorher den Kopfumfang ausmessen. Wenn Sie den Helm in einem Laden kaufen, sollte er vor dem Kauf unbedingt anprobiert werden. Bei Onlinekäufen können Sie ihn zu Hause anprobieren und gegebenenfalls zurückschicken.
So finden Sie die richtige Helmgröße
- Messen Sie den Kopfumfang Ihres Kindes etwa eineinhalb Zentimeter über den Augenbrauen.
- Achten Sie darauf, dass die Helmschale weder zu weit noch zu eng ist.
- Rütteln Sie leicht am Kopf Ihres Kindes. Der Helm darf mit geöffnetem Verschluss nicht verrutschen.
- Passen Sie den Sitz des Helms mit einer Stellschraube an.
- Schließen Sie das Kinnband. Es sollte gut sitzen, aber nicht drücken.
Größenangaben
Hier sind allgemeine Richtlinien für die Helmgröße je nach Alter des Kindes:
- 0-3 Jahre: 44 bis 52 Zentimeter
- 2-7 Jahre: 46 bis 57 Zentimeter
- 5-12 Jahre: 52 bis 60 Zentimeter
- 12 Jahre oder älter: 52 bis 65 Zentimeter
Weitere wichtige Aspekte
Glattflächige geschlossene Helme in BMX- oder Skateroptik sind unter Kindern zwar beliebt, lassen aber kaum Luft an den Kopf. Viele große Belüftungsöffnungen - am besten mit Insektengittern gegen Einflug von Stechgetier - sind daher unverzichtbar. Ein guter Kinderhelm sollte außerdem im Dunkeln gut sichtbar sein und mindestens mit Reflektoren versehen sein.
Zusätzliche Tipps für den Kauf
- Belüftung mit Insektenschutz: Der Helm sollte auf jeden Fall über ein gute Belüftungssystem verfügen, um unangenehmes Schwitzen zu vermeiden. Außerdem brauchen die Lüftungsschlitze einen Insektenschutz in Form eines feinmaschigen Netzes, damit beim Fahren keine kleinen Tierchen unter den Helm gelangen.
- Zustand: Kaufen Sie nur Helme im Neuzustand. Gebrauchte Helme können auch unsichtbar im Inneren beschädigt sein und nicht mehr genug schützen. Deshalb sollten Sie auch nach einem Unfall den Helm Ihres Kindes auf jeden Fall austauschen, auch wenn keine Schäden sichtbar sind.
- Prüfsiegel: Fahrradhelme müssen ganz bestimmten Sicherheitsstandard entsprechen, um verkehrstauglich zu sein. Dafür brauchen Sie eine Überprüfung vom TÜV, sowie ein CE und GS (Geprüfte Sicherheit) Prüfzeichen. Außerdem sollte ein Hinweis auf die EU-Norm EN 1078 (Fahrradhelme) bzw. EN 1080 (Stoßschutzhelme für Kleinkinder) vorhanden sein.
Empfehlenswerte Modelle
Hier sind einige empfohlene Kinderfahrradhelme im Überblick:
| Modell | Größen | Konstruktion | Belüftung | Besonderheiten |
|---|---|---|---|---|
| Abus Smiley 3.0 | S (45-50 cm), M (50-55 cm) | In-Mold | 4 Lufteinlässe & 4 Luftauslässe | Tiefe Passform, Platz für Zopf |
| Alpina Ximo Flash | 45-49 cm, 47-51 cm, 49-54 cm | Microschalen-In-Mold | 11 Lufteinlässe | LED-Rücklicht, reflektierende Elemente |
| Abus Youn-I 2.0 | S (48-54 cm), M (52-57 cm) | In-Mold | 8 Luftein- und 9 Luftauslässe | LED-Rücklicht, Reflektoren |
| KED Meggy II | XS (44-49 cm), S (46-51 cm), S/M (49-54 cm), M (52-58 cm) | Microschalen-In-Mold | 5 Lufteinlässe | Doppel-LED Blinklicht, schadstofffrei |
Studien und Meinungen zur Helmpflicht
In Deutschland gibt es keine Helmpflicht für Fahrradfahrer, weder für Erwachsene noch für Kinder. Tatsächlich ist das Risiko, beim Biken eine ernsthafte Kopfverletzung zu erleiden, ziemlich gering. Zudem herrscht unter Experten Streit darüber, ob Helme tatsächlich so sehr schützen wie erhofft.
- Eine Studie der Universität Kopenhagen besagt, dass sich ein Unfall mit ernsthafter Kopfverletzung nur einmal in 3000 Jahren ereignet, wenn man durchschnittlich schnell radelt.
- Eine Grundlagenstudie der Länder Baden-Württemberg und Thüringen von 2017 ergab hingegen, dass ein Helm das Verletzungsrisiko zwischen 50 und 70 Prozent senkt und nachweisbar die Folgen eines Schädel-Hirn-Traumas mindern kann.
- Eine weitere Studie der Unfallforschung der Versicherer aus den Jahren 2012 und 2013 kam zu dem Ergebnis, dass Fahrradhelme nachweislich die meisten lebensbedrohlichen Kopfverletzungen verhindern oder abmildern können.
Fazit
Was man trotz kontroverser Studien guten Gewissens behaupten kann: Jeder Helm ist besser als »oben ohne« zu fahren. Selbst ein durchwachsen bewertetes Modell kann die Verletzungsgefahr verringern.
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