Der Kopf ist ein empfindliches Körperteil. Bereits ein Aufprall mit einer Geschwindigkeit von zehn Kilometern pro Stunde kann zu Hirnschäden führen. Fahrradhelme verringern laut Unfallstudien das Risiko für schwere Kopfverletzungen deutlich. Auch unser neuester Test von 2024 zeigt: Jeder Fahrradhelm ist sicherer als keiner.
Warum ein Fahrradhelm mit Licht?
Zusätzliche Sicherheit bieten Fahrradhelme mit Licht, die im Dunkeln gut zu sehen sind. Damit es gar nicht erst zum Unfall kommt, sollten die Anbieter Fahrradhelme grundsätzlich mit Rücklichtern und Reflektoren ausstatten. Die Fahrradbranche boomt und speziell E-Bikes tragen zur enormen Popularität der Zweiräder bei.
Unfallrisiko und Prävention
Durch das höhere Tempo der elektrifizierten Räder steigt allerdings auch die Unfallgefahr. Bei knapp 27.400 Radunfällen ohne weitere Beteiligte verletzten sich im Jahr 2023 rund 6.400 Menschen schwer und 147 tödlich. Dabei sind nicht nur Gehirnerschütterungen, sondern schwere Kopfverletzungen bei Stürzen die häufigste Unfallfolge. Laut Deutscher Gesellschaft für Unfallchirurgie könnten 60 bis 70 Prozent der tödlichen Hirnverletzungen mit Kopfschutz vermieden werden.
Testkriterien und Ergebnisse
Die Stiftung Warentest und der ADAC haben im März 2024 gemeinsam einige Fahrradhelme getestet. Die Ergebnisse lassen sich unter anderem nach Preis und Ausstattungsmerkmalen wie Rücklicht und Fliegengitter filtern. Die meisten Fahrradhelme im Test sind Unisex-Modelle, eignen sich also prinzipiell für Damen und für Herren.
Um den besten Fahrradhelm zu küren, simulierten wir mithilfe von Dummys Unfälle - mit Geschwindigkeiten von bis zu 21,6 km/h (für S-Pedelec-Helme bis 23,4 km/h) und verschiedenen Aufprallszenarien (Stirn, Hinterkopf, Seite). Wir prüfen teils strenger, als es die Prüfnorm für Fahrradhelme vorsieht.
Wichtige Testaspekte:
- Unfallschutz: Stoßdämpfung und Schutzwirkung bei verschiedenen Aufprallszenarien.
- Handhabung und Komfort: Anpassbarkeit, Belüftung und Tragegefühl.
- Sichtbarkeit: Vorhandensein und Effektivität von Reflektoren und LED-Lichtern.
Sehr gut sichtbar sind Modelle, die an allen Seiten und am Gurt mit Reflektoren ausgerüstet sind und am Hinterkopf ein Licht tragen. Eine perfekte Ausstattung ist aber eher die Ausnahme. Unsere erfahrenen Test-Radler und -Radlerinnen prüften zudem die Handhabung und den Komfort der Helme.
Empfehlenswerte Modelle
Im Fahrradhelm-Test 2024 haben wir erstmals auch drei speziell für S-Pedelecs zertifizierte Helme geprüft. Sie sollen Fahrerinnen und Fahrern dieser schnellen E-Bikes ein Plus an Sicherheit bringen. Hier sind einige der getesteten und empfohlenen Modelle:
- Uvex Urban Planet LED: Testsieger mit guter Bewertung in Unfallschutz und Handhabung.
- Fischer Urban Plus Brooklyn: Günstiges Modell mit Beleuchtung, Sonnen- und Insektenschutz.
- Alpina Brighton MIPS: Sportlicher Helm mit MIPS-Schutz und integrierter Beleuchtung.
- Lumos Ultra E-Bike: "Leuchtturm"-Produkt mit integrierten Vorder-, Rück-, Brems- und Blinklichtern.
- Abus Pedelec 2.0: Innovativer Helm mit integriertem Regenschutz und LED-Licht.
Detaillierte Betrachtung einiger Modelle
Uvex Urban Planet LED
Der Uvex Urban Planet LED schneidet unter den neu getesteten Helmen mit der Gesamtnote 2,0 (gut) am besten ab. In den Bereichen »Unfallschutz« und »Handhabung und Komfort« vergeben Stiftung Warentest und ADAC jeweils ein »gut« (2,3 bzw. 1,8).»Der etwas schwere, aber gut verarbeitete Helm von Uvex geht als Testsieger hervor. Das Innenfutter dient gleichzeitig als Insektenschutz und vermittelt angenehmen Tragekomfort. Außerdem ist uns das Plus an Sicherheit, auf das wir gleich noch näher eingehen, das etwas höhere Gewicht wert.
Zum Lieferumfang des Urban Planet LED gehört ein Plug-In-LED-Licht. Der Helm ist sehr robust und sowohl hinten als auch im Bereich der Schläfen weit nach unten gezogen. Das sollte im Falle eines Sturzes die Sicherheit erhöhen. Der Tragekomfort ist klasse, der Kopfschutz lässt sich schnell und individuell anpassen.
Alpina Brighton MIPS
Der sportliche-schicke Alpina kommt wahlweise in schwarz oder weiß daher. Der in Deutschland hergestellte Alpina wirkt mit seiner sehr runden Form überaus modern - und integriert die Beleuchtung formschön in die Schale. Während die Frontlichter gut als solche erkennbar sind, sind die Rücklichter im ausgeschalteten Zustand hinter dem schwarz durchgefärbtem Plastik kaum zu erkennen.
Vorn wie hinten leuchten je zwei LED-Lichtbänder, ein Dauerlicht-Modus sowie zwei Blink-Modi können unterhalb des Nackens per Taster durchgeschaltet werden. Löblich dagegen: Der 250 Euro teure Brighton setzt auf einen MIPS-Schutz, der bei Unfällen mit schrägem Aufprall Rotationskräfte reduzieren soll.
Lumos Ultra E-Bike
Der Ultra E-Bike Helm ist wahrhaft ein "Leuchtturm"-Produkt von Lumos. Er verfügt über integrierte Vorder-, Rück-, Brems- und Blinklichter mit einer Vielzahl von COB-LED-Modulen. Das Blinksystem sowie die Bremslichtfunktion wird über eine Fernbedienung am Lenker oder deine Apple Watch aktiviert.
Kompatibel ist der Ultra nicht nur mit der Apple Watch, sondern auch mit Apple Health und Strave übers Smartphone. Ein schwenkbares Visier schützt deine Augen vor Fahrtwind. Dieses ist großzügig gestaltet, damit auch eine Brille darunter Platz findet, ohne zu kneifen.
Abus Pedelec 2.0
Der Abus Pedelec 2.0 ist eine echte Perle, weil er neben seiner ohnehin schon guten Ausstattung ein absolutes Alleinstellungsmerkmal besitzt: Er hat einen Regenschutz integriert. Rückseitig ist ein LED-Licht integriert. Hier kann man per Knopfdruck zwischen rotem Dauer- und rotem Blinklicht wählen. Der interne Akku wird per USB geladen.
Klappt man diese mit etwas Kraft nach unten, so öffnet sich ein Geheimversteck mit einer schwarzen Regenhaube. Diese wird über den Helm gezogen und vorne mit zwei Gummibändern unten eingehakt. Ein nasser Kopf wird durch dieses Regencape zuverlässig verhindert. An den Seiten und hinten ist der Helm für besseren Schutz heruntergezogen.
Weitere Modelle mit integrierter Beleuchtung
Neben den bereits genannten Modellen gibt es noch viele weitere Optionen auf dem Markt, die eine integrierte Beleuchtung bieten:
- Uvex City Light
- MET 20 Miles
- Alpina Altona
- Alpina Brooklyn
- Cratoni Commuter
- Giro Bexley MIPS
- Giro Camden MIPS
- Lazer Urbanize
- Livall BH51M Neo
Sicherheitsaspekte und Normen
Fahrradhelme können schwere Kopfverletzungen verhindern und Leben retten. Das haben bereits verschiedene Studien und Untersuchungen belegt. Laut Bundesverkehrsministerium ist ein guter Fahrradhelm dazu in der Lage, bis zu zwei Drittel der Energie zu absorbieren, die bei einem Sturz ohne Helm auf den Kopf einwirken würde.
Fahrradhelme, die in der EU verkauft werden, müssen den Anforderungen der DIN EN Norm 1078 entsprechen. Alle Helme in unserem Test erfüllen diese Norm. Wer noch mehr Wert auf Sicherheit legt, kann beim Kauf nach der Norm NTA 8776 Ausschau halten.
MIPS und andere Schutzsysteme
Einige Anbieter versprechen Extra-Schutz durch Mips oder ähnliche Systeme wie Kineticore von Lazer. Mips steht für Multidirectional Impact Protection System, zu Deutsch: Schutzsystem für Zusammenstöße aus verschiedenen Richtungen. An der Helm-Innenseite ist eine Kunststoffschale befestigt, die sich unabhängig bewegt. Sie soll Rotationskräfte abfangen, die während eines Aufpralls auf das Gehirn wirken.
Der Fahrradhelm-Test der Stiftung Warentest zeigt, dass Mips keine Voraussetzung für einen guten Fahrradhelm ist. Auch einige Helme ohne dieses System schützen gut vor Kopfverletzungen.
Passform und Tragekomfort
Idealerweise sollten Sie einen Fahrradhelm vor dem Kauf immer anprobieren. Nur so können Sie feststellen, ob er optimal zu Ihrer Kopfform passt. Er sollte stramm sitzen, aber nicht drücken. Grundsätzlich ermöglicht es so gut wie jeder Fahrradhelm, die Größe über ein Drehrädchen anzupassen. Dennoch ist es wichtig, einen Fahrradhelm zu kaufen, der von seiner Dimension her zu Ihrem Kopf passt.
Einige Fahrradhelme lassen sich zusätzlich durch versetzbare Kletteinsätze an die Kopfform anpassen. Achten Sie beim Kauf auf zusätzliche Reflektoren oder eine für andere Verkehrsteilnehmer gut sichtbare Farbe.
Wichtige Tipps für den Kauf
- Anprobieren: Der Helm muss optimal sitzen und darf nicht drücken.
- Normen beachten: DIN EN 1078 ist Pflicht, NTA 8776 bietet zusätzlichen Schutz.
- Sichtbarkeit: Achten Sie auf Reflektoren und eine gut sichtbare LED-Beleuchtung.
- Komfort: Gute Belüftung und ein angenehmes Innenfutter sind wichtig.
- Regelmäßiger Austausch: Nach einem Sturz oder alle drei bis fünf Jahre sollte der Helm ausgetauscht werden.
Rückrufaktionen
Die Firma Limar ruft eine Charge des Helms Limar Torino zurück. In der Größe M habe der Fahrradhelm eine europäische Normvorgabe in einer Prüfung bei kalten Temperaturen von minus 20 Grad Celsius nicht eingehalten, so der Hersteller. Laut Mitteilung auf der Anbieter-Webseite erhalten Kundinnen und Kunden eine vollständige Rückerstattung oder einen Ersatz vom Händler.
Betroffen ist die Lot-Nummer 2022/04, die auf dem Etikett im Innern des Helms zu finden ist, sowie diverse im Limar-Rückruf aufgeführte EAN-Codes.
Fahrradhelme mit Licht im Test (2022)
Im Jahr 2022 wurden 11 Helme mit Rücklicht zu Preisen unter 120 Euro getestet. Hier sind einige Ergebnisse:
| Modell | Fazit |
|---|---|
| MET Mobilite | Kinnriemen mit Magnetlasche, MIPS, gute Lichtposition und -stärke. |
| Btwin City 540 (Decathlon) | Preis-Leistungs-Sieger, abnehmbares Rücklicht. |
| Uvex City I-Vo | Sehr leicht, Licht nicht so stark. |
| Endura Urban Luminite | Komplett reflektierend, USB-Licht oben montiert. |
| Lazer CityZen KinetiCore | KinetiCore-Technik, hohes Gewicht. |
| Giro Caden II | Hohes Gewicht, Schirm gegen Regen. |
| Agu Civick LED | Leicht, helle Beleuchtung, harte Innenschale. |
| Alpina Haga | Schwache Lichtstärke, bequemer Sitz, abnehmbarer Schirm. |
| Cratoni C-Pure | Kinnriemen rutschte im Test, Licht zu tief angebracht. |
| Abus Urban-I 3.0 | Magnetisches Fidlock-System, Licht von der Seite kaum sichtbar. |
| Livall C20 | Bewegungssensoren, Notfallkontaktbenachrichtigung, festes Rücklicht. |
Dieser Test bewertete auch die aktive Sichtbarkeit durch LED-Rücklichter, die im Straßenverkehr für ein Plus an Sicherheit sorgen. Entscheidend war nicht nur die Helligkeit, sondern auch die Blinkfunktion und die Position des Lichts, idealerweise hoch genug, um nicht von einer Kapuze verdeckt zu werden.
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