Fahrradhelm vs. Airbag: Was bietet mehr Sicherheit für Radfahrer?

In Berlin sieht man sie immer öfter: Airbags für Radfahrer. Sie werden wie ein Kragen um den Hals getragen und ersetzen den Helm auf dem Kopf. Angesichts neuer Airbag-Konstruktionen für Radfahrer fragen sich viele: Hat der klassische Fahrradhelm ausgedient?

Die Bedeutung des Fahrradhelms

Zunächst mal ist es absolut sinnvoll, einen Helm zu tragen, und der ADFC rät auf jeden Fall dazu. Im Sinne der eigenen Sicherheit ergibt das Tragen eines Fahrradhelms auf jeden Fall Sinn, weil er Kopfverletzungen verhindern und bei Unfällen den Unterschied ausmachen kann zwischen Leben und Tod. Wenn man aber zum Beispiel auf der nassen Straße wegrutscht und auf den Kopf fällt, dann kann der Helm Verletzungen verhindern oder zumindest abmildern. Oder bei den gefürchteten Dooring-Unfällen, wenn der Kopf auf die scharfe Türkante knallt, da ist ein Helm total sinnvoll. ADFC empfiehlt Helme auch für Kinder, die in Lastenrädern, Kindersitzen oder Fahrradanhängern sitzen. Es gibt extra abgeflachte Modelle, damit sich die Kleinen trotzdem noch anlehnen können.

Worauf muss ich beim Kauf eines Helmes achten?

Beim Helmkauf ist vor allem entscheidend, dass das Modell richtig passt - und nicht so sehr, wie viel es kostet. Es müssen ohnehin alle in Deutschland verkauften Produkte standardisierte Normen erfüllen, egal ob sie zehn Euro beim Discounter oder 100 Euro im Fachhandel kosten. Teurere Modelle sind in der Regel leichter und besser belüftet, was besonders im Sommer angenehm ist. Der Helm sollte nicht drücken und nicht zu locker sitzen. Viele Radfahrer tragen ihn auch falsch und schieben ihn zu weit in den Nacken. Dort kann er aber bei einem Aufprall zur Gefahr für die Wirbelsäule werden. Richtig sitzt der Helm, wenn er ein bis zwei Fingerbreit über den Augenbrauen sitzt. Und wenn er beim Kopfschütteln nicht wackelt oder verrutscht.

Der Fahrrad-Airbag als Alternative

Viele Radfahrer greifen dennoch inzwischen lieber zum rund 300 Euro teuren Hövding - dem schon angesprochenen Fahrrad-Airbag. Es ist ein interessantes Konzept, das es schon relativ lange gibt. Aber man sieht Airbags erst in letzter Zeit häufiger, seit der schwedische Hersteller mit dem Preis runtergegangen ist. Allerdings ist die Anschaffung immer noch recht kostspielig.

Wie funktioniert ein Fahrrad-Airbag?

Der Airbag ist in jedem Fall sicherer als ein Helm, weil er mehr Energie auffangen kann als der klassische Styroporschaum und weil er den Kopf viel weiter umschließt. Der Hövding wird um den Hals getragen und erkennt sensorgesteuert anhand von einprogrammierten Bewegungsmustern, wenn der Träger stürzt. Dann bläst sich der Airbag als eine Art luftgefüllter Helm um den Kopf herum auf und schützt ihn beim Aufprall.

Handhabung und Technik des Airbags

Man sollte zunächst einmal nicht vergessen, den Airbag auszuschalten, wenn man vom Rad steigt. Sonst kann es sein, dass die Sensoren auslösen, wenn man zum Beispiel beim Bäcker steht und nach unten in seine Tasche greift, um das Geld rauszuholen. Das hat es schon gegeben - sehr ärgerlich, weil man dann den Airbag für viel Geld einschicken oder neu kaufen muss. Darüber hinaus brauchen die Airbags eine gewisse Zeit, bis sie auslösen, während die Schutzwirkung des Helmes sofort da ist. So kann es zum Beispiel sein, dass beim Aufprall auf eine Autotür oder beim Zusammenstoß mit einem Auto der Airbag nicht rechtzeitig auslöst und er bei der Kollision noch nicht genug Druck in der Blase hat, um wirklich zu schützen. Wenn man hingegen mit dem Kopf auf den Boden stürzt, dann schützt der Airbag besser als ein Helm.

ADAC Test: Airbag-Helm schützt nicht in allen Unfallszenarien

In der Crashanlage des ADAC Technik Zentrums Landsberg wurde 2021 dieses Szenario nachgestellt, um den Airbag-Helm Hövding 3 zu testen. Nach 80 Millisekunden ist der Fahrrad-Airbag entfaltet. Eine Untersuchung der Universität Straßburg bescheinigt dem Hövding einen sehr guten Schutz vor Kopfverletzungen. ADAC Experte Peuckert kann bestätigen: "Wenn ich nach vorn oder zur Seite falle, ist die Wahrscheinlichkeit, dass er auslöst und schützt, sehr hoch." Gut sei auch, dass der Hövding sich sehr schnell entfaltet. "Allerdings schützt er nicht in allen Unfallszenarien so gut wie ein Helm", schränkt Peuckert ein, "zum Beispiel beim Crash mit einer Lkw-Tür oder einem Lkw-Spiegel." Hier seien herkömmliche Fahrradhelme eindeutig besser als ein Airbag, der sich ja erst entfalten muss. Peuckert: "Der Helm ist immer da, bietet sozusagen ab Millisekunde 0 vollen Schutz."

Fahrrad-Airbag: Stärken und Schwächen

Der Hövding 3 wurde im Rahmen des großen ADAC Fahrradhelm-Tests außer Konkurrenz getestet und erhält daher kein ADAC Urteil. Aber einige Erkenntnisse haben die Tester gewonnen. "Ein spannendes Produkt mit einer sehr hohen Schutzfunktion vor Kopfverletzungen, wenn er sich voll entfaltet hat", sagt Peuckert, der auch bei der Ausstattung Stärken sieht. So lässt sich der Airbag-Kragen auf den Halsumfang des Trägers einstellen, man kann den Bezug wechseln, der Akkustand wird per LED angezeigt und eine App ist verfügbar.

Als größte Schwäche sehen die Tester, dass der Airbag-Kragen bauartbedingt nicht in jeder Unfallsituation schützen kann. Dazu kommt der im Vergleich zu Helmen eingeschränkte Tragekomfort.

Weitere Aspekte der Fahrradsicherheit

Man sollte sich darüber im Klaren sein, dass man trotz Helm nicht komplett geschützt ist. Nach wie vor muss man vorsichtig und defensiv fahren, gerade in einer Stadt wie Berlin, wo die Rad-Infrastruktur vielerorts nicht die beste und das Verhältnis zwischen Rad- und Autofahrern belastet ist. Auf der anderen Seite gibt es Radfahrer, die fühlen sich mit Helm auf dem Kopf gut geschützt und fahren dann zu risikoreich. Nur: Wenn man unter einen rechts abbiegenden LKW gerät, kann ein Helm gar nichts ausrichten.

Beleuchtung und Sichtbarkeit

Fürs Bauchgefühl ist es sicher gut, wenn ich beim Radfahren ordentlich beleuchtet bin - auch am Körper. Gerade wenn man wie ich eher dunkle Kleidung trägt. Ein Helm mit rotem Rücklicht schadet da sicher nicht. Ich würde aber von allem abraten, was blinkt. Das Blinken kann man als Autofahrer schlecht verorten, die Entfernung lässt sich schwer einschätzen. So lenkt es eher ab und kann die Unfallgefahr erhöhen. Überhaupt rate ich dazu, es beleuchtungstechnisch nicht zu übertreiben. In der Straßenverkehrszulassungsordnung ist genau geregelt, welche Beleuchtung an Fahrrädern vorhanden sein muss. Also ein weißer Frontscheinwerfer und ein rotes Rücklicht, dazu einige Reflektoren. Wer sich an die Vorschriften hält, riskiert kein Bußgeld und wird im Dunkeln von anderen Verkehrsteilnehmern auch sofort als Radfahrer erkannt. Wenn ich hingegen wie der elektrische Reiter umherfahre, sorge ich womöglich für Ablenkung und damit für Unsicherheit. Was sinnvoll sein kann, gerade am Stadtrand oder auf unbeleuchteten Landstraßen, sind Warnwesten oder Jacken aus reflektierendem Material.

Blinker und Rückspiegel

Blinker sind am Fahrrad gar nicht zulässig, sie sind nur an mehrspurigen Cargobikes und an Lastenrädern mit Aufbauten erlaubt. Man darf nun mal nicht alles an sein Rad bauen, was leuchtet. Und man muss auch auf Lastenrädern mit Blinkern Handzeichen geben. Manchmal sieht man in Berlin auch Helme und Rucksäcke mit integrierten Blinkern. Das ist theoretisch sogar erlaubt, aber ich halte es nicht für sinnvoll. Bei komplexen Vorgängen wie dem Linksabbiegen, wenn man die Spur wechseln und auf den Gegenverkehr achten muss, da will ich doch nicht noch ans Blinken denken müssen. Ich wage auch zu bezweifeln, dass der Autofahrer hinter mir das Blinken als solches erkennen würde. Fazit: Wenn Radfahrer auf einen Richtungs- oder Spurwechsel hinweisen wollen, dann ist das Handzeichen Pflicht.

Zunächst erscheint das praktisch - man kann den rückwärtigen Verkehr im Auge behalten, etwa, wenn man links abbiegen will. Das Problem ist: Auf den Blick in den Spiegel kann man sich nicht verlassen. Nach wie vor besteht die doppelte Rückschaupflicht - erst rechtzeitig vor dem Einordnen und dann nochmal unmittelbar vor dem Abbiegen. Ein Schulterblick ist dabei unerlässlich, auch weil der Spiegel nur ein begrenztes Blickfeld bietet. Man kann damit nicht die gesamte Situation erfassen.

Minerva-AS AirRide Fahrrad-Airbag

Nach einem ähnlichen Prinzip hat Minerva-AS aus Erding jetzt ein Fahrrad-Airbag geschaffen, der Fahrradfahrerinnen und Biker bei einem Unfall besser vor schweren Verletzungen an Schultern, Brust oder Kopf schützen soll. Der AirRide Fahrrad-Airbag wiegt laut Hersteller 1200 Gramm, zu dem noch ein austauschbarer Inflator hinzukommt. In nur 150 Millisekunden soll sich der Fahrradairbag aufblasen - das kann in Notfällen entscheidend sein.

Die Sensoren des AirRide-Rucksacks messen 300-mal pro Sekunde die Position, Beschleunigung und Bewegungen des Fahrradfahrers. Ein speziell entwickelter Algorithmus analysiert diese Daten kontinuierlich und erkennt potenzielle Stürze, so der Hersteller. Im Falle eines Unfalls soll der Airbag automatisch ausgelöst werden und so vor Verletzungen schützen.

Minerva-AS gibt die Akkulaufzeit des Fahrrad-Airbags mit 30 Stunden nach Schließen der Aktivierungsschnalle an. Nach einer Auslösung lässt sich der Airbag zusammenfalten und der Inflator kann ausgetauscht werden. Dieses wiederverwendbare Sicherheitskonzept ist ideal für umweltbewusste Radfahrer/innen.

Weitere Airbag-Systeme von Minerva fürs Fahrrad - mit und ohne Helm

Das AirCruise Airbag-System ist laut Hersteller für Personen empfohlen, die gewohnheitsmäßig keinen Helm tragen. Im Gegensatz dazu sind der AirTour und der AirRide als Ergänzung zum Helm gedacht. Der wesentliche Unterschied zwischen dem AirTour und dem AirRide besteht im zusätzlichen Schulterschutz des AirRide. Für Fahrradfahrer und Bikerinnen mit einem besonderen Schutzbedürfnis ist der AirRide ideal, während solche, die auf ein möglichst geringes Gewicht achten, eher der AirTour gemacht ist.

Der AirRide ist vielseitig einsetzbar. Er soll den nötigen Schutz sowohl in städtischen Umgebungen als auch bei Triathlons oder langen Radtouren bieten. Auch Mountainbiker aus den Disziplinen Cross-Country, All-Mountain oder Marathon profitieren vom Einsatz des AirRide.

AirRide Fahrrad-Airbag: Preise und Verfügbarkeit

Der Fahrrad-Airbag AirRide ist im Online-Shop von Minerva-AS oder im Fachhandel erhältlich und kostet 799 Euro.

Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU)

Die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) rät zu einem Kopfschutz beim Radfahren. Das kann ein herkömmlicher Fahrradhelm sein. Eine Alternative bietet der Kopf-Airbag. Vorteil gegenüber dem Fahrradhelm ist der gleichzeitige Schutz des Nackens, der Halswirbelsäule, des Kiefers und des Gesichts.

Autoren der Stanford University bescheinigten dem Kopfairbag in einer Studie ein bis zu achtfach niedrigeres Risiko von Gehirnerschütterungen gegenüber einem Helm.

Gerade für E-Bike-Fahrer lohnt es sich, einen Kopfairbag in Erwägung zu ziehen. Auch bei diesem muss der Akku regelmäßig an die Steckdose, sodass beide Akkus in einem Arbeitsgang gefüllt werden können“, sagt Juhra.

Ältere Menschen entdecken zunehmend das E-Bike für sich, da sie mit geringerem Kraftaufwand mobil sein können. Doch gerade Senioren sind besonders gefährdet: Höhere Geschwindigkeiten bei gleichzeitigen körperlichen Einschränkungen führen nicht selten zu Unfällen mit schweren Verletzungen. Hier kann ein Helm oder Kopfairbag die Folgen mildern oder Verletzungen verhindern.

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