Fahrradhelm-Test: Sicherheit, Komfort und Innovation im Fokus

Stürze gehören zum Radsport und Helme retten Leben. Radsportler gehen heutzutage selten ohne Helm aufs Rad, da Helme nicht nur dem Unfallschutz dienen, sondern auch Sichtbarkeit, Sonnen- und Wetterschutz bieten und modische Statements setzen. Moderne Helme sind leicht, gut belüftet und schmiegen sich hervorragend an den Kopf.

Die wichtigsten Qualitätskriterien

Das wichtigste Qualitätskriterium für einen Radhelm ist und bleibt die Schutzfunktion. Im Inneren aller Modelle prangt ein Sticker, der besagt, dass sie die Europäische Sicherheitsnorm EN 1078 CE bestanden haben. Das Normsiegel bedeutet nur, dass ein Mindestschutz gewährleistet ist bei einem stumpfen Aufprall aus 19,5 km/h. Dabei dürfen Verzögerungswerte von 250 g nicht überschritten werden und der Helm darf nicht zerbrechen.

Um differenziert nach dem Stand der Wissenschaft zu testen, wird gemeinsam mit dem Schwestermagazin BIKE ein eigener Helm-Prüfstand betrieben, der es erlaubt, die Schlagdämpfung als wichtigste Schutzfunktion eines Helmes zu testen. Zum anderen kann der Prüfstand auch simulieren, wie stark das Gehirn beim schrägen Sturz auf die Straße belastet wird - denn dabei wirken massive Rotationskräfte.

Rotationseinbauten und MIPS-Systeme

Diese Rotationskräfte beim schrägen Aufprall des Kopfes zu vermindern, hat sich das schwedische Unternehmen Mips auf seine Fahnen geschrieben und damit die Helmentwicklung entschieden vorangetrieben. Verschiedenartig ausgeführte Gleitschichten im Helminneren sollen dafür sorgen, dass der Kopf bei schrägem Aufprall nicht abrupt mit einer Drehbewegung belastet wird, die zu inneren Blutungen führen können. Das Spektrum der Mips-Konstruktionen reicht inzwischen von flächigen, den Kopf umfassenden Plastikschalen bis hin zu Polsterinnenleben, deren Gleitfunktion nur bei genauem Hinsehen zu erkennen ist.

10 von 20 Testhelmen enthalten eines der Mips-Systeme; Lazer und Giro haben mit Kineticore (Styropor-Höcker) und Spherical (zwei getrennte Helmschalen) andere Systeme in ihre Helme gebaut, die ebenfalls vor den Drehkräften schützen sollen.

Testergebnisse und Sicherheitsbewertung

Die Auswertung der Daten zeigt, dass durchweg alle 20 Helme einen vernünftigen Schlagschutz bieten. Das Spektrum der Beschleunigungsspitzen reicht von 80 bis 120 g. Im Durchschnitt liegen die Top-Helme acht Prozent vor den günstigeren Modellen. Auch im Rotationsschutz sind die teureren Helme etwas besser. Mit Rotationseinbauten ist die Gefahr einer Gehirnerschütterung deutlich gemindert. Allerdings funktionieren die Lösungen nicht alle gleich gut.

Interessante Erkenntnis: Weder ein hoher Preis noch ein Rotationsschutz-System garantiert den idealen Kopfschutz. Die individuellen Unterschiede zwischen den Helmmodellen sind größer, weshalb es sich lohnt, genauer in die Steckbriefe zu schauen.

Komfortaspekte und Belüftung

Auch keiner der Komfortaspekte - Gewicht, Belüftung und Anpassbarkeit - ist eine Frage des Geldes. Sowohl der leichteste (Abus Power Dome mit 210 Gramm) als auch der schwerste Helm (POC Omne Air Mips mit 330 Gramm) gehören zu den günstigen Testkandidaten. Am besten belüftet ist das günstige Eco-Modell von Scott, der am schlechtesten belüftete Helm ist ein Top-Modell, der relativ geschlossene Aero-Helm Falconer von Sweet Protection.

Bei der Wahl des Helmes sollte man also Einsatzzweck und Fahrprofil vor Augen haben. Schnelles Fahren bringt mehr Luft an den behelmten Kopf als Kletterpartien neben einer erhitzten Felswand. Sich zwei unterschiedlich belüftete Helme zu gönnen, scheint nicht übertrieben.

Testsieger und Preis-Leistungs-Verhältnis

Den Testsieg nach Noten holt sich der besonders teure Met Trenta 3K Carbon (330 Euro), der den besten Schlagschutz im Testfeld mit minimalem Gewicht (227 Gramm) vereint. Nur ganz knapp geschlagen folgt auf dem zweiten Platz der viel günstigere Scott ARX mit 100 Euro Listenpreis, der mit ausgezeichneter Belüftung und nur 234 Gramm Gewicht punktet, aber auch mit einer ordentlichen Sicherheitsbewertung von 1,9. Den dritten Platz belegt der 260 Euro teure Poc Ventral Air mit ebenfalls sehr guter Kühlung (Sicherheit 1,7). Testsieger in Sachen Kopfschutz sind mit der Sicherheitsnote 1,4 die Top-Helme Cube Heron und Met Trenta 3K Carbon.

Auch eine Anprobe des Wunschhelms ist Pflicht, denn ein Helm, der nicht richtig sitzt, hat wenig Wert. In Sachen Preis zeigt die Internetrecherche, dass viel Spielraum vorhanden ist. 30 Prozent Abschlag auf die Listenpreise sind oftmals drin.

Sicherheit auf einen Blick

Die Grafik zeigt, wie die Helme in der Sicherheitsprüfung abschneiden. Sortiert nach der Gesamtnote Sicherheit aus Rotation und Beschleunigung/Schlagdämpfung, wobei wir Letztere höher gewichten. Der insgesamt sicherste Helm steht ganz unten. Sowohl die Balken für die Wahrscheinlichkeit einer Gehirnerschütterung durch Kopfrotation (schwarz) als auch für die Schlagdämpfung (rot) sollten möglichst kurz sein.

Zur Einordnung: Helme ohne Mips-System liegen in diesem Test im Schnitt bei 27 Prozent Wahrscheinlichkeit einer Gehirnerschütterung.

Nutcase Helme: Auffälliges Design und Schutz

Nutcase Helme zeichnen sich dadurch aus, dass sie besonders auffällig, bunt und mit einem unverkennbaren Design gestaltet sind. Der Erfinder Michael Morrow war der Meinung, dass es keine schönen Fahrradhelme gibt, die von dem Fahrradfahrer, aber auch anderen Sportlern gerne getragen werden. Ziel war es jedoch Helme zu gestalten, die in der Schutzfunktion den normalen Mikroschalen-Helmen in nichts nachstehen. Dabei sollte das Design so sein, dass man mit Witz und Kreativität das Tragen eines Schutzhelms bzw. Gerade Kinder und Jugendliche finden die normalen Fahrradhelme oft „uncool“ und lassen diese lieber weg.

Die Nutcase Helme schneiden im Test in Punkto Sicherheit recht gut ab. Sicher muss also nicht immer gleich unschön sein. CE Prüfzeichen und EU Normen werden eingehalten. Auch Elemente wie Luftschlitze sind für eine ausreichende Belüftung vorhanden. Der große Vorteil der Helme, sie gehen bis in den Nackenansatz und schützen so auch ideal den Hinterkopf.

Seit 2005 kann man diese beliebten Helme frei kaufen. Nach dem Motto : „I Love my brain!“ sind die Helme auf den Markt gekommen. Damit die Fahrradhelme gut passen, haben diese eine Stellschraube am Hinterkopf. Hiermit kann man den Riemen am Hinterkopf solange in der Größe anpassen, bis der Helm optimal am Kopf sitzt.

Canyon HighBar-Helme: Innovation ohne Riemen

Canyon stellt zwei neue Rennradhelm-Modelle vor: den Canyon Disruptr CFR und den Canyon Sringr CFR. Das Besondere bei beiden Modellen ist aber nicht ihre Aerodynamik oder ihr Gewicht. Auf den ersten Blick sehen sie nämlich nahezu unspektakulär und normal aus. Das Besondere ist: der Kinngurt. Die klassische Befestigung mit Riemen, der am Ohr ein Dreieck bildet und dann unter dem Kinn hindurchläuft, ist hier nicht zu finden. Stattdessen gibt es nur noch einen Kunststoffgurt vor dem Ohr. Dieser lässt sich nicht öffnen, sondern muss zum Aufsetzen und Absetzen des Helms hochgeklappt werden. Die Technik nennt sich HighBar-Technologie.

HighBar ist ein Helmsicherungssystem der gleichnamigen Firma HighBar aus Kalifornien. Statt mit den klassischen Dreiecksriemen, die unter dem Kinn geschlossen werden, arbeitet HighBar mit nur einem starren "Arm", der von der Schläfe unter dem Kinn hindurchläuft. Zum Aus- und Anziehen muss der Arm hochgeklappt werden. Das Klappgelenk sitzt in etwa da, wo das normale Y des Gurtsystems auch seinen Drehpunkt hätte.

Beim Aufsetzen des Helms steht der Bügel noch nach vorne, später zieht man ihn nach unten - fertig. Eng anliegen muss der Bügel nicht, etwas Luft darf bleiben. Das macht das Tragen tatsächlich sehr angenehm und vergleichsweise luftig - wenn das recht starre System zur Kopfform passt.

Detaillierte Testergebnisse der Helme

Hier eine Übersicht der Testergebnisse einiger der getesteten Helme:

Helm Preis Gewicht (g) Schutzwirkung Belüftung Tragekomfort Testurteil
Abus AirBreaker 249,95 Euro 214 Sehr gut Sehr gut Sehr gut Sehr gut (87 Punkte)
Bollé Furo MIPS 200 Euro 337 Gut Sehr gut Gut Gut (58 Punkte)
Bontrager Velocis MIPS 219 Euro 270 Sehr gut Sehr gut Sehr gut Sehr gut (75 Punkte)
HJC Ibex 2.0 249 Euro 231 Sehr gut Sehr gut Sehr gut Sehr gut (75 Punkte)
Lazer Genesis 168 Euro 211 Sehr gut Sehr gut Sehr gut Sehr gut (74 Punkte)
Met Trenta 3k Carbon 330 Euro 220 Gut Sehr gut Sehr gut Sehr gut (81 Punkte)
Oakley Aro 3 MIPS 180 Euro 295 Sehr gut Sehr gut Gut Gut (68 Punkte)
POC Ventral Lite 270 Euro 203 Sehr gut Sehr gut Sehr gut Überragend (91 Punkte)
Rudy Project Venger 149,95 Euro 237 Gut Sehr gut Sehr gut Sehr gut (77 Punkte)
Scott Centric Plus 199,95 Euro 219 Sehr gut Sehr gut Sehr gut Sehr gut (79 Punkte)
Specialized S-Works Prevail II Vent 330 Euro 234 Sehr gut Sehr gut Sehr gut Sehr gut (91 Punkte)

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