Eine gerissene Kette gehört zu den unangenehmeren Erlebnissen eines Radfahrers. Mit dem richtigen Werkzeug und etwas Geschick lässt sich eine gerissene Kette jedoch schnell reparieren.
Einleitung
Ein schöner Sommertag in München. Unzählige Rennradler und Mountainbiker flitzen Richtung Münchner Süden. An einer Ampel in Thalkirchen trete ich in die Pedale - und plötzlich ins Leere. Hinter mir rasselt etwas. Meine Kette ist gerissen und kringelt sich auf der Straßenoberfläche.
Werkzeug und Material
Für die Reparatur einer gerissenen Kette benötigst du folgendes Werkzeug und Material:
- Kettennieter
- Kettenspanner (Bestandteil einiger Kettennieter oder Multitools, alternativ ein gebogener Draht/Speiche)
- Lumpen für saubere Hände
- Idealerweise ein zusätzliches Steckglied
Reparaturanleitung
- Kette wieder auflegen: Bei einem Kettenriss hat sich die Kette möglicherweise um Kassette oder Kurbel gewickelt. Fädel die Kette zunächst wieder durch Schaltwerk und Umwerfer, nachdem Du Schaltwerk als auch Umwerfer auf das jeweils kleinste Blatt geschaltet hast. Achte dabei auf die Laufrichtung der Kette.
- Defektes Kettenglied entfernen: Lege das zu entfernende Kettenglied in den Kettennieter ein und drehe am Nieter, bis der Stift des Werkzeugs am Nietstift ansteht. Achtung: Den Nietstift nicht vollständig herausdrücken.
Kette verschließen
Es gibt zwei Möglichkeiten, die Kette zu verschließen:
a) Kette zusammennieten:
Führe die beiden Enden zusammen und drücke sie ineinander. Da der Nietstift nicht vollständig aus der Außenlasche gedrückt wurde, sollte die Kette von alleine zusammenhalten. Ein Kettenspanner kann die Arbeit erleichtern. Setze den Kettennieter wieder auf und drücke den Nietstift zurück in das Kettenglied, bis er vollständig verschwindet. Achte darauf, den Nietstift nicht zu weit hineinzudrücken.
b) Steckglied einsetzen:
Das Steckglied bzw. Kettenschloss verbindet die Kette, ohne diese vernieten zu müssen. Verwende jeweils die beiden inneren Kettenglieder. Die Steckglieder bestehen aus zwei Teilen mit Stift und äußerem Kettenglied. Stecke die Stifte von vorne und hinten durch die Kette und ineinander. Achte auf die Laufrichtung. Durch leichten Zug an der Kette verschließen sich die Teile leicht. Kontrolliere den sauberen Sitz. Zum finalen Verschließen das Hinterrad festhalten und gleichzeitig auf die Pedale drücken, um die Kette zu spannen und das Steckglied mit einem Klick zu verschließen.
- Glied gängig machen: Nach dem Nieten sollten sich die Glieder leichtgängig bewegen lassen. Bei gespannter Kette sollte kein Knick in der Kettenlinie erkennbar sein. Teste die Kette, indem Du sie durch das Schaltwerk laufen lässt. Das Schaltwerk sollte nicht durch die Kette mitgezogen werden.
Wann sollte man die Kette ersetzen?
Eine unterwegs reparierte Kette solltest Du zu Hause unbedingt ersetzen. Dies hat mehrere Gründe:
- Unterwegs ist oft nur eine Kürzung der Kette möglich.
- Bei gekürzter Kette stehen nicht mehr alle Gänge zur Verfügung.
- Der gesamte Antriebsstrang weist Abnutzungsspuren auf.
- Ein neues Glied passt möglicherweise nicht zum Rest des Antriebsstrangs.
Bei einer Kette mit geringer Laufleistung kann aber durchaus ein Kettenglied eingenietet werden. Dabei sollten unbedingt neue Nietstifte verwendet werden.
Tipp: Einige Hersteller bieten Ketten mit Kettenschloss an, was das Verschließen ohne Kettennieter ermöglicht.
Ursachen für Kettenrisse beim eBike
Ein wichtiges Thema, besonders für eBike-Fahrer, ist der Antriebsverschleiß, da hier ganz andere Kräfte wirken. Moderne eBike-Motoren erreichen ein Drehmoment zwischen 50 und 120 Nm, ähnlich wie bei Motorrädern. eBike-Ketten sind jedoch nicht so robust wie Motorradketten. Wenn das Fahrrad immer mit voller Motorunterstützung und niedriger Trittfrequenz gefahren wird, ist der Kettenverschleiß viel höher. Auch kann eine Kette bei starker Beanspruchung deutlich eher reißen als bei geringer Krafteinwirkung.
Wie kommt es zu Kettenverschleiß?
Alle drei Kurbelumdrehungen ist die Kette einmal komplett im Kreis gelaufen. Bei einer Leistung von 3000 Kilometern pro Jahr und einer Entfaltung von etwa vier Metern sind das eine Viertelmillion Kettenrunden. Diese beeindruckende Zahl gilt selbst bei optimaler Schmierung und Reinigung. Sand, Dreck, Regen und Salz im Winter belasten selbst qualitativ hochwertige Ketten, Ritzel und Kettenblätter.
Feststellen von Kettenverschleiß
Es gibt mehrere Möglichkeiten, den Verschleiß der Kette festzustellen:
- Verschleißlehre: Ein simples Werkzeug, bei dem die hinteren Dorne in die Kette gesteckt werden. Fällt der vordere Dorn zur Hälfte oder komplett in die Öse, ist die Kette fast oder komplett verschlissen.
- Messlehre: Eine Messlehre erfasst die Längung von sieben Gliedern und zeigt den Verschleißzustand in Stufen (0% / 0,5% / 0,75% / 1%).
- Zupftest: Hinten das kleinste Ritzel auflegen, vorne das größte Kettenblatt. Versuche, die Kette am vorderen Ende Richtung Vorderrad wegzuziehen. Entsteht ein Spalt größer als ein Streichholzkopf, sollte die Kette runter.
Rechtzeitige Kettenwartung
Wem schon mal beim Treten die Kette gerissen ist, weiß einen zuverlässigen Antrieb zu schätzen. Rechtzeitige Wartung hat aber noch einen großen Vorteil: Bei einer “gelängten” Kette passen die Abstände der Glieder nicht mehr zu denen der Zahnräder. Dadurch reiben die Metallteile hart aneinander, wodurch der Verschleiß der Zahnräder exponentiell steigt.
Lieber tauscht man doch eine Kette für 20 oder 30 Euro als die Ritzel für das Drei- oder Vierfache. Ein schlecht laufender Antrieb mit dreckiger oder verschlissener Kette kostet rund 20 Watt Tretleistung. Regelmäßiges Säubern und Schmieren der Kette verlängert deren Lebenszeit um das Vielfache. Lange Standzeiten im Regen dagegen beschleunigen den Ketten-Verschleiß.
Akribisch gepflegt, halten Ketten auf Shimano-XT-Niveau schon mal 15.000 Kilometer statt der empfohlenen 2.000!
Ketten an Einfach-Schaltungen
Singlespeed-Ketten sind breiter und robuster. Ein gewisser Abrieb am Metall der Glieder beeinflusst weder den Schaltkomfort noch die Zugstabilität negativ. Getauscht werden müssen die breiten Modelle erst bei einem Ketten-Verschleiß von einem Prozent oder wenn sie durch Dreck und Wetter steif geworden sind.
Tipp: In rostfreies Material investieren!
Ketten-Verschleiß bei Kettenschaltungen
Bei Kettenschaltungen mit acht, neun oder zehn Ritzeln “darf” die Kette bis 0,75 Prozent verschleißen, also länger werden. Moderne Schaltungen mit elf oder zwölf Zahnrädern am Hinterrad arbeiten mit so wenig Toleranz, dass hier schon bei einem halben Prozent getauscht werden sollte, außerdem wären die ebenfalls schmalen Zahnräder nochmals teurer, wenn man zu lange wartet.
Shimano- und Sram-Produkte sind offiziell untereinander kompatibel, die Erfahrung zeigt aber, dass gerade bei Letzteren die hauseigenen Ketten am besten funktionieren. KMC oder Connex zum Beispiel liefern hervorragende Qualität, sie müssen nur Shimano-/Sram-kompatibel etikettiert sein.
So funktioniert der Fahrradketten-Tausch
Ab Werk bekommt ein Rad meist eine endlose Kette, es gibt also keine Stelle, die zum Öffnen vorgesehen ist. Um das zu tun, muss man irgendeinen der Bolzen mit dem Kettennieter wie mit einer Schraubzwinge aus der Kette herausdrücken. Achtung: Liegt der neuen Kette kein Verschlussstück oder ein neuer Bolzen bei, den Niet nicht ganz herausdrücken!
Nach dem Entfernen der alten Kette ist übrigens ein sehr guter Zeitpunkt, alle Zahnräder gründlich mit einer Bürste und idealerweise einem Kettenreiniger zu säubern, auch die vom Schaltwerk. Wenn klar ist, dass die Kette entsorgt werden soll, kann man sie natürlich auch mit einem Bolzenschneider öffnen. Die alte Kette vor dem Wegwerfen aber erst als Blaupause für die Länge der neuen nutzen. Neue Ketten sind nämlich fast immer etwas zu lang. Die überschüssigen Glieder müssen - ebenfalls durch Herausdrücken des Nietstifts - entfernt werden, spätestens jetzt braucht man das entsprechende Werkzeug.
Das passende Werkzeug
Achtung: Soll ein Kettenschloss verwendet werden, müssen zwei Innenlaschenglieder übrig bleiben, also die schmaleren Teile der Kette. Soll der Verschluss mittels Niet beziehungsweise Bolzen geschehen, je ein Paar Innenlaschen und ein Paar Außenlaschen. Bevor man die Ketten endgültig verschließt, sollte man die Länge testen. Ein superpraktisches Tool dazu kann man sich leicht selbst aus etwas festerem Draht bauen, dessen Enden man umbiegt und so provisorisch die Kette schließt, natürlich ohne den Bogen, der ist praktisch beim Öffnen und Schließen von Power-, Quick- oder Masterlinks, wie die Verschlussstücke heißen.
Um die korrekte Länge der Kette zu testen, muss sie über die jeweils kleinsten Zahnräder des Antriebs laufen, also am Hinterrad ganz nach rechts und am Tretlager - falls es mehrere gibt, aufs linke Kettenblatt. Der Kettenspanner des Schaltwerks sollte nun etwa waagerecht stehen und die Kette nicht durchhängen, sondern schon unter Spannung stehen. Hängt sie durch, müssen zwei oder vier Glieder mehr raus. Zeigt das Schaltwerk bereits deutlich nach unten, probiert man es lieber noch mal mit zwei Gliedern mehr.
Kettenverschluss
Es gibt viele Wege beziehungsweise Produkte, eine Kette wieder zu verschließen. Das macht es etwas unübersichtlich. Die Auswahl der Verschlussteile zeigt einen neuen Kettenniet mit Einführhilfe, die nach dem Eindrücken mit einem Kettennietdrücker einfach abgebrochen wird. Daneben sieht man ein Kettenschloss, bei dem eine der Außenlaschen abnehmbar ist. Die beiden Stifte an der festen Lasche werden durch die Enden der neuen Kette geschoben, die einzelne Lasche wird aufgesetzt und der silberne Sicherungsschieber von vorne über die Stiftenden geschoben, bis er einrastet.
Oben im Bild sieht man eine von zwei identischen, zusammengehörigen Außenlaschen mit je einem festen Kettenniet. Sie werden spiegelverkehrt in die Kette eingesetzt, die sollte dabei mittels Haltedraht entspannt werden. Die Stifte passen genau in die verbreiterte Aussparung des Gegenstücks, durch Zug auf der Kette ziehen sich die Stifte in den schmaleren Teil der Ösen und rasten ein. Zum Öffnen müssen die Enden des Verschlussglieds zueinander gedrückt werden, bis die Bolzen sich aus der Arretierung lösen und an der breiteren Stelle der Öffnung herausnehmbar sind.
Zuletzt das einfachste Verschlussstück: Auch hier gibt es eine Außenlasche mit zwei festen und eine ohne Kettenbolzen. Das hintere Teilstück wird in die Kettenenden eingeschoben, die „freie“ Außenlasche passt nur auf beziehungsweise über die Stiftenden, wenn man die Kette zur offenen Seite hin krümmt. Sitzen beide Löcher auf den Einkerbungen der Bolzenenden und lässt man die Kette wieder los, reicht das tatsächlich, um einen festen Sitz zu gewährleisten. Den meisten Ketten liegt übrigens ein Verschlussstück bei, man kann sie aber auch separat für durchschnittlich einen Euro kaufen.
Was passiert nach dem Tausch der Kette?
Fahrer der meisten Nabenschaltungen und Getriebe müssen dran denken, nach der Kettenmontage deren Spannung wieder herzustellen. Dazu muss im Allgemeinen das Hinterrad wieder etwas weiter hinten im Ausfallende fixiert werden. Ab Werk kommen Ketten schon mit Schmierung. Wurden die Ritzel nicht mit getauscht, kann das Laufgeräusch der Kette auf den ersten Kilometern etwas rau sein, das gibt sich aber. Die entfernten, überzähligen Glieder heben sich einige Radler auf, um eine optische Referenz zum Zustand ihrer Kette zu haben.
Werkzeug für den Ketten-Verschleiß
Sinnvolles Werkzeug bei Ketten-Verschleiß: Park Tool Verschleißlehre CC-4, Parktool Kettennietendrücker CT-3.3 und Parktool MLP-1.2-Zange.
Die Verschleißlehre CC-4 wird mit den beiden rechten Stiften von oben in die Kette eingelegt, der rechte von beiden sorgt für korrekten Sitz. Bei neuen Ketten setzt dann der Dorn ganz links auf einem Kettenbolzen auf. Je weiter die sieben Glieder zwischen den Messstiften ausgeleiert sind, desto tiefer sinkt er in vier Stufen in die Kette. Der Kettennietendrücker CT-3.3 öffnet und schließt Ketten ohne separates Verschlussglied, indem der versenkbare Dorn den Niet aus seiner Buchse drückt; dabei werden Innen- und Außenlaschen der Kette aber vom Tool abgestützt. Die MLP-1.2-Zange zum Öffnen von bereits vorhandenen Kettenschlössern ist kein Muss, mit herkömmlichen Spitz- oder Kombizangen haben sich dabei viele Hobbyschrauber aber schon mal die Finger eingeklemmt. Die leicht krallenartigen Spitzen passen genau um die zwei Kettenbolzen eines solchen Verschlussglieds.
Weitere Ursachen für einen Kettenriss
Eine gerissene Kette kann verschiedene Ursachen haben. Dazu gehören:
- Überbelastung
- Abnutzung
- Falsches Schalten unter Last
- Zu hohe Kettenspannung
- Produktionsfehler
- Beschädigung der Kette
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