Ungewöhnliche Geräusche beim Fahrradfahren können sowohl Laien als auch erfahrene Biker vor eine große Herausforderung stellen. Denn: Wenn das Zweirad knackt, aber noch einwandfrei fährt, ist es schwer, das Problem zu lokalisieren und zu beheben. Ignorieren, weil die Funktion nicht beeinträchtigt wird, ist hier wohl die denkbar schlechteste Lösung. Die Suche nach der Ursache aber kann langwierig sein und eine Menge Geduld und Zeit erfordern.
Auf sein Gehör kann man sich bei der Fehlersuche leider kaum verlassen, schnell wird das Geräusch fälschlicherweise in der Region des Tretlagers und der Pedale ausgemacht, da hier der Großteil der Bewegung beim Fahren stattfindet. Und tatsächlich findet sich dort auch häufiger die Ursache, aber eben nicht immer.
Mögliche Ursachen und Lösungen
1. Verschmutzung
Dreck kann die Ursache für das Knacken Deines Fahrrads sein. Gerade zwischen Kontaktflächen kommt es leicht zu nervtötendem Knirschen. Deshalb gilt: Putze und pflege Dein Bike regelmäßig!
Die allererste Maßnahme sollte immer eine gewissenhafte Reinigung des kompletten Bikes sein. Dies sollte sowieso in regelmäßigen Abständen geschehen, die Häufigkeit richtet sich natürlich nach der Fahrweise und dem Gelände, in dem Sie für gewöhnlich unterwegs sind. Gehen Sie hierbei bitte äußerst gründlich vor. Auch kleinere Schmutzpartikel können an empfindlichen Fahrradteilen bereits Beeinträchtigungen verursachen. Mit einem Fahrradreiniger und einem sauberen Lappen können Sie nach und nach alle Stellen Ihres Bikes säubern und abtasten. Vergessen Sie auch die etwas schwerer zugänglich Stellen nicht. Hier finden Sie in der Tat häufig die Ursache für knackende Geräusche.
2. Lockere Schrauben und Komponenten
Trotz vorbildlicher Pflege knarzt Dein Bike? Prüfe, ob die Schrauben korrekt angezogen sind.
- Überprüfen Sie alle Schraubverbindungen am Gepäckträger. Diese können sich unter Belastung schnell mal lockern und Klappergeräusche erzeugen.
- Das Gleiche gilt für die Fahrradkorbhalter. Auch hier können sich die Schrauben mit der Zeit lockern. Das ist völlig normal und durch Nachziehen schnell behoben.
- Die Schraubverbindungen des Fahrradständers können sich ebenfalls durch die häufige Benutzung mit der Zeit lockern. Überprüfen Sie diese und ziehen Sie sie ggf. mit einem Innensechskant ordentlich nach. Gehen Sie aber langsam und behutsam vor.
3. Kette und Ritzel
Die einfachste Ursache wäre, dass die Kette zu wenig Spannung hat. Vielleicht ist das Ritzel vorne zu stark abgenutzt. Reinigst du Deine Kette und die Ritzel regelmäßig, also mehrmals im Jahr ? Falls sie bereits feste bräunliche bzw. schmutzige Fettbeläge hat, lass sie am besten 1x im Radsportgeschäft professionell reinigen und dir dort gleich zeigen, wie du sie selbst pflegst.Dort besorgst du dir am besten auch die dafür nötigen Bürstchen u. ggf.
Auch die Fahrradkette ist einer eher starken Belastung ausgesetzt. Sie ist ein sich ständig bewegendes Verschleißteil und bedarf bei der Fahrradpflege besondere Beachtung. Regelmäßige Reinigung und häufigeres Ölen sollte zum Standardpflegeprogramm gehören. Doch auch bei guter Pflege können an der Fahrradkette selbstverständlich mal Probleme auftreten, sie ist, wie bereits erwähnt, ein Verschleißteil.
Prüfen Sie durch Drehen der Kurbeln die komplette Kette auf mögliche Unregelmäßigkeiten, z.B. Sitz der Kettennieten, Risse oder steife Kettenglieder. Eine kaputte Fahrradkette kann, wenn sie überspringt oder reißt, zur großen Gefahrenquelle werden.
4. Verschleiß der Kette
Da du schreibst, dass deine Probleme von der Kette her rühren, liegt die Vermutung nahe, dass deine Kette völlig verschlissen ist und erneuert werden muss. Eine Fahrradkette ist ein Verschleißteil, das beim Fahrrad dem stärksten Verschleiß unterliegt ist und dementsprechende Pflege und eben auch der Erneuerung Bedarf, wenn die Kette verschlissen ist. Man kann die Lebensdauer einer Kette nicht verlängern. Nach einer gewissen Laufzeit ist sie einfach fertig. Der Verschleiß Grad einer Kette lässt sich messen. So etwas macht jede Fahrrad Werkstatt kostenlos für dich.
5. Pedale
Die Pedale sind beim Biken starken Kräften ausgesetzt, die Nähe zum Boden macht sie zudem anfällig für Verunreinigungen, nicht nur im Gelände oder im Winter. Nachdem die Pedale von Schmutz und Dreck befreit wurden sollte geprüft werden, ob fehlendes Fett auf dem Pedalgewinde ein Grund für die Knackgeräusche sein kann. Das kann, gerade bei günstigeren Rädern, bereits ein Erstmontageproblem sein. Hierfür schrauben Sie Pedale ab, fetten das Gewinde ein und schrauben im Anschluss die Pedale wieder fest.
Pedale sind recht anfällig für Kackgeräuche, da sehr viel Last auf deren Gewinde anliegt. Drehe die Pedale aus der Kurbel und reinige das Innengewinde. Reinige ebenso das Pedalgewinde. Das Gewinde wird mit Montagepaste bestrichen und das Pedal wieder mit ca. 40Nm montiert
6. Tretlager
Es knackt im Tretlager? Dann muss erstmal die Kurbel raus. Prüfe, ob die Lager sanft drehen oder hakeln bzw. mahlen. Ein Grund für Geräusche können auch die im Rahmen verbauten Press Fit-Lagerschalen sein. Fette die Lagerschalen großzügig und montiere sie neu.
7. Sattelstütze
Zu prüfen, ob die Sattelstütze das mögliche Problem ist, ist simpel: Einfach bei einer Probefahrt aus dem Sattel gehen und im Stehen fahren. Ist das Knacken weg, haben Sie die Ursache erfolgreich lokalisiert. Wenn nicht, geht die Suche weiter. Sie können aber trotzdem mit dem nachfolgenden Tipp weitermachen, da auch die Sattelstütze ab und an Pflege benötigt. Grundsätzlich muss zwischen gefederten und nicht gefederten Sattelstützen unterschieden werden. In jedem Fall aber benötigt die Sattelstütze eine anständige Schmierung.
Nach dem Ausbau der Sattelstütze solltest Du sie und die Innenseite des Sitzrohrs gründlich reinigen und üppig mit Montagepaste bestreichen. Montagepaste sorgt grundsätzlich dafür, dass kleinste Luftspalte geschlossen werden - dies verhindert ein Knacken meist zuverlässig. Nutze einen Drehmomentschlüssel, um die angegebenen Drehmomente nicht zu überschreiten.
8. Lenker und Vorbau
Lösen Sie einfach die Lenkerklemmung und den Vorbau, fetten Sie die entsprechenden Stellen ein und bauen Sie alles wieder zusammen. Überschüssiges Fett entfernen Sie wie gewohnt mit einem sauberen Lappen. Im Bereich des Lenker wirken, je nach Fahrweise, mehr Kräfte als man vielleicht dem ersten Anschein nach vermuten mag. Geräusche sind an dieser Stelle nicht selten. Allerdings handelt es sich hier für gewöhnlich um knarzende, unregelmäßige Geräusche. Wenn Sie rhythmische, in gleichen Abständen wiederkehrende Laute wahrnehmen, ist der Bereich des Lenkers eher unwahrscheinlich die Ursache. Nichtsdestotrotz schadet auch hier die Pflege und ausreichende Schmierung keineswegs.
9. Laufräder und Speichen
Kontrollieren Sie die Speichenlöcher immer wieder in regelmäßigen Abständen. Oftmals ist die falsche Speichenspannung Schuld am Entstehen kleiner Risse, auch diese muss überprüft werden. Mögliche Folgen dieser Defekte, von Nebengeräuschen mal abgesehen, können sein, dass das Laufrad eiert oder blockiert. Das kann zu schweren, unvorhergesehenen Stürzen führen.
Ist im Hinterrad die Speichenspannung zu gering, können sich die Speichen an ihren Kreuzungen gegeneinander bewegen und ein helles Knarzen von sich geben. Zieh die Speichen entsprechend nach oder schau in der Werkstatt vorbei.
10. Sonstige Anbauteile
Nachträglich angebrachte Fahrradkomponenten können gerne mal Nebengeräusche verursachen. Dabei muss es gar nicht so sein, dass Sie die Montage falsch ausgeführt haben. Mitunter kann auch hier eine schleichende Lockerung der Verbindungen auftreten. Überprüfen Sie also zum Beispiel den korrekten und festen Sitz des Magneten. Auch lose Kabel oder gekürzte Kabelbinder können eine potentielle Geräuschquelle darstellen.
Fehlersuche: Was knackt denn da?
Du kannst die Ursache des Geräuschs eingrenzen, wenn Du auf den Rhythmus achtest und darauf, wann es auftritt. Hier ein paar zentrale Fragen:
- Knackt es im Rhythmus der Umdrehung der Räder oder der Kurbelgarnitur?
- Ist das Geräusch noch da, wenn Du aufhörst zu treten?
- Kommt es nur bei starkem Antritt?
- Tritt das Geräusch nur auf, wenn Du dich auf den Sattel setzt? Oder wenn Du aufstehst? Oder beides?
- Knackt es immer noch, wenn Du in den Wiegetritt gehst?
- Hört es auf, wenn Du freihändig pedalierst?
So wirst Du grundsätzlich herausfinden, wo Du genauer suchen musst: im Antrieb (Tretlager, Kurbelgarnitur, Pedale, Kette, Schaltung), am Cockpit (Steuersatz, Lenker, Vorbau, Gabel) oder am Sattel bzw. der Sattelstütze.
Bevor Du jetzt anfängst zu schrauben, solltest Du Dein Bike erst einmal gründlich putzen. So kannst Du eventuelle Beschädigungen besser erkennen und hast einfach mehr Spaß beim Schrauben.
Allgemeine Hinweise:
- Schraube nur an Deinem Rad, wenn Du Dir sicher bist, was Du tust. Bei Unsicherheiten kontaktiere gern unser Service-Team.
- Das richtige Werkzeug ist Voraussetzung. Verwende einen Drehmomentschlüssel für alle Komponenten, die eine Drehmomentangabe haben (entweder aufgedruckt oder in der Anleitung des Herstellers zu finden).
- Alle Gewinde sollten mit Montagepaste versehen werden. Bei Schrauben, die weniger als 5Nm Drehmoment bekommen, kannst Du stattdessen zur Sicherheit auch Schraubensicherung verwenden.
- Nimm für Schraubgewinde kein Fett! Die stark schmierende Wirkung reduziert die Reibung im Gewinde und am Schraubenkopf derart, dass das Drehmoment verfälscht wird. Im Extremfall kann eine gefettete Schraube vor Erreichen des Soll-Drehmoments abreißen.
- Da Carbonteile mit relativ geringen Kräften geklemmt werden, empfehlen wir die Verwendung von Carbon-Montagepaste an den Kontaktflächen. Sie hat die Eigenschaft, die Reibung zwischen 2 Flächen zu erhöhen, statt wie Fett zu verringern.
- Sieh Dir alle Teile, die Du demontierst, genau an! Deformationen oder Beschädigungen können die Passform beeinträchtigen und gehören natürlich ausgetauscht.
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