Fahrradkette reinigen: Eine detaillierte Anleitung

Die Fahrradkette ist das am meisten beanspruchte Bauteil am Fahrrad, da beim Treten riesige Kräfte auf die filigranen Glieder wirken. Umso wichtiger für ihre Instandhaltung ist eine regelmäßige Pflege.

Warum die Reinigung der Fahrradkette wichtig ist

Die Kettenreinigung ist weniger eine Sache der Ästhetik als vielmehr eine der Wirtschaftlichkeit. Eine verschmutzte Kette ist wesentlich schwergängiger als eine saubere, was bedeutet, dass man mehr Kraft aufwenden muss, um vorwärtszukommen.

Zudem wirkt Schmutz materialfressend: Verschleiß und Abrieb erhöhen sich nicht nur an der Kette selbst, sondern auch an den Ritzeln der Kettenblätter. Regelmäßige Reinigung und Pflege können die Lebensdauer einer Fahrradkette verlängern, da durch die Entfernung von Schmutz und Ablagerungen die Kette und die Zahnräder geschont werden.

Die regelmäßige Wartung deiner Fahrradkette beugt nicht nur Korrosion, sondern auch dem Verschleiß und der Neuanschaffung anderer Bauteile vor.

Wann sollte man die Kette reinigen?

Spätestens wenn die Fahrradkette nicht mehr geräuschlos läuft, ist es an der Zeit, sich um sie zu kümmern. Prinzipiell solltest du die Fahrradkette nach jeder Reinigung ölen.

Die Häufigkeit der Reinigung hängt stark davon ab, wie oft, wo und bei welchem Wetter das Fahrrad bewegt wird. Es gibt Radfahrende, die tatsächlich wöchentlich reinigen, andere nur einmal pro Jahr beim Frühjahrsputz.

Gerade auch vor dem Herbst-Winter-Einsatz sollte die Kette gut in Schuss sein - und erst recht dann, wenn das Fahrrad eingelagert wird. Häufigeres Kettenreinigen hat den großen Vorteil, dass es schneller geht.

Vorbereitung für die Reinigung

Das Wichtigste bei der Reinigung der Fahrradkette ist die richtige Vorbereitung.

Drei Dinge braucht man unbedingt zum Reinigen der Kette: ein Baumwolltuch, eine Bürste (es geht auch eine alte Zahnbürste) und Kettenöl. Zum Schützen der Hände sind zudem Nitrilhandschuhe geeignet. Sinnvoll ist auch ein Montageständer für das Fahrrad, der viele Arbeiten am Bike erleichtert, weil man sich weder bücken noch das Rad auf den Kopf stellen muss.

Wenn du alle Utensilien für die Reinigung und Pflege zur Hand hast, kann es losgehen! Tipp: Trage beim Reinigen der Fahrradkette Handschuhe, um schmutzige Hände zu vermeiden.

Am einfachsten erreichst du Fahrradkette, Ritzel und Kettenblatt, wenn du das Fahrrad auf Sattel und Lenker, also auf den Kopf, stellst. Falls du einen Montageständer hast, kannst du das Rad auch in ihn spannen.

Lege gegebenenfalls den Boden mit Zeitungspapier oder einer Plane aus, um Ölflecken auf den Boden zu vermeiden. Am besten reinigst du dein Fahrrad an einem offiziellen Waschplatz da dort spezielle Auffangbehälter vorhanden sind und das ölhaltige Wasser nicht ins Grundwasser gelangt.

Bevor es an das Reinigen deiner Kette geht, solltest du prüfen, ob sich die Länge der Fahrradkette durch die Nutzung verändert hat. Diese Längung siehst du mit bloßem Auge meist nicht, deshalb ist es sinnvoll, mit einer Verschleißlehre den Abstand der Kettenglieder zu prüfen. Die Verschleißlehre ist ein vordefiniert langes Metallstück, das, wenn die Kettenlänge stimmt, zwischen den Gliedern einrastet.

Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Reinigung

  1. Groben Schmutz entfernen: Mit dem Reinigen der Fahrradkette beginnst du am besten, indem du den gröbsten Schmutz trocken entfernst. Du brauchst dafür kein spezielles Equipment. Bürste einfach mit einer alten Zahnbürste locker über die Kette. Hier kommt die Bürste zum Einsatz, mit deren Hilfe man auch in die Innenräume der Kettenglieder gelangt. Sieht man dort kleine, verkantete Steinchen, die sich nicht lösen wollen, kann man zum Beispiel mit einem Kunststoffschaber nachhelfen.
  2. Verbliebene Verschmutzungen lösen: Mit einem trockenen Lappen kannst du nun die verbliebenen Verschmutzungen lösen. Verwende einen alten Lappen, denn das Schmiermittel bleibt selbst nach dem gründlichsten Waschgang im Stoff haften. Mit dem Tuch umfasst man nun die Kette und lässt sie durch Bewegen der Pedale hindurchlaufen. Zwei- bis dreimal sollte man die komplette Kette auf diese Weise mindestens abstreifen. Hat man den Eindruck, dass dies zu wenig hilft, kann das Tuch angefeuchtet werden. Nur nass sollte es nicht sein, damit der Schmutz nicht tiefer in die Kettenglieder gespült wird.
  3. Feinarbeit: Um den Schmutz aufzulösen, empfiehlt es sich Reiniger auf Öl-basis, beispielsweise Universalschmieröle, zu verwenden. Diese auf ein Baumwolltuch auftragen. Mit diesem umfasst man nun die Kette und lässt es durch Bewegen der Pedale hindurchlaufen. Mehrmals sollte man die komplette Kette auf diese Weise abstreifen. Ein zusätzlicher Blick auf die gereinigte Kette zeigt, ob es noch Verunreinigungen in den Kettengliedern gibt, die am Anfang übersehen wurden. Entsprechend werden diese mechanisch entfernt.
  4. Kette trocknen: Nachdem du den Schmutz entfernt hast, spülst du die Kette noch einmal mit klarem Wasser ab und trocknest sie anschließend gut ab. Wenn du die Kette einfach an der Luft trocknen lässt, kann sich durch die lange Trocknungszeit Rost bilden. Wenn du alle Verschmutzungen abgespült hast, musst du die Kette nur noch gut trocknen, denn erst dann kannst du sie schmieren, was sehr wichtig ist.

Die richtige Schmierung nach der Reinigung

Nach der Reinigung geht es an das Schmieren deiner Fahrradkette. Die passende Schmiere für dein Fahrrad ist im Handel als Spray oder in einem Tropfenapplikator erhältlich. Zum Ölen deiner Fahrradkette solltest du nur spezielle Produkte fürs Fahrrad verwenden, etwa das Kettenöl oder Kettenspray vom WD-40. Hierfür sollte nur ausgewiesenes Kettenöl verwendet werden, denn es bietet auch einen Korrosionsschutz. Handelt es sich um ein Gebinde mit Tropfenapplikator, muss jedes Kettenglied punktuell versorgt werden.

In welcher Verpackung dein Öl auch kommt, wichtig ist, dass du beim Schmieren jedes Glied deiner Fahrradkette punktuell versorgst. Sprühdosen scheinen zwar bequemer, sind aber schwerer dosierbar. Arbeitest du mit Spray, dann achte darauf, dass auf keinen Fall Öl an die Bremsen, die Bremsscheiben oder die Bremsflanken kommt. Deren Funktion wäre sonst massiv beeinträchtigt. Nach etwa einer Viertelstunde lässt sich mit einem Tuch überschüssiges Öl einfach abstreifen - und fertig ist die Kettenreinigung.

Wenn du mit einer zu trockenen Kette fährst, erhöht sich die Reibung an den Zähnen der Antriebskomponenten und sie verschleißen schneller. Deshalb solltest du die Kette immer mit Schmiermittel benetzen, bevor du zur nächsten Tour aufbrichst.

Welches Öl ist das richtige?

Die erste Wahl zur Kettenpflege ist daher handelsübliches Kettenöl aus dem Fahrradgeschäft. Dieses gibt es in verschiedenen Varianten, z.B. für feuchtes Wetter mit PTFE, das die wasserabweisenden Eigenschaften verbessert.

Kettenwachs nimmt eine Sonderstellung ein: Es trocknet auf der Kette und bildet so einen dauerhaften Schutz für das ursprüngliche Fett. Daher eignet es sich auch zum Einfetten einer neuen Kette. Zu beachten ist allerdings, dass sich das Wachs ohne chemische Entfetter kaum wieder entfernen lässt.

WD40 sollte man nie verwenden. Als Kriechöl ist es viel dünnflüssiger als herkömmliches Kettenöl und verdrängt so mit der Zeit die „dickere“ Kettenschmierung. Der dünne Film von WD40 reicht nicht aus, um die Kette ausreichend zu schmieren und kann im schlimmsten Fall zu erhöhtem Verschleiß führen. Wer kein Spezialprodukt zu Hause hat, kann WD40 aber zum Reinigen verwenden, denn es entfettet und schützt die Kette vor Rost.

Was man bei der Reinigung vermeiden sollte

Im Internet kursieren viele Tipps, die deinem Fahrrad schaden können. Vom Schmieren mit Speiseöl bis zum Reinigen mit Hochdruckstrahler finden sich unzählige unsinnige Empfehlungen.

  • Hochdruckreiniger: Mit einem Hochdruckreiniger können die Teile beschädigt und Schmierfette aus den Lagern gespritzt werden. Bei Anwendung an der Kette kann zudem alter Schmutz in die Lager gelangen.
  • Spülmittel: Nutzt du das Mittel dennoch, dann sollte die Kette nach der Reinigung sofort geölt werden.
  • Bremsenreiniger: Seine sehr stark entfettende Wirkung führt dazu, dass die Kette nach einer Behandlung mit Bremsenreiniger sowohl außen, als auch innen komplett ungeschmiert ist und somit auch keinen Rostschutz mehr bietet.
  • Diesel oder Benzin: Solltest du doch Benzin oder Diesel zum Reinigen deiner Fahrradkette nutzen, achte darauf, die Kette danach sofort wieder zu schmieren, da beide Stoffe stark entfettend wirken.
  • Pflanzenöl: Pflanzenöl eignet sich dagegen nicht als Schmiermittel für die Fahrradkette, ebenso wenig wie Sprays für Autos. Diese sind in der Regel auf die Bedürfnisse von Autos abgestimmt.

Spezifische Empfehlungen für verschiedene Fahrradtypen

Was die spezifischen Empfehlungen für die Pflege von Fahrradketten je nach Fahrradtyp betrifft, so variieren die Anforderungen tatsächlich ein wenig. Rennräder, die oft auf sauberen und trockenen Straßen gefahren werden, benötigen möglicherweise weniger intensive Reinigungszyklen als Mountainbikes, die regelmäßig schlammigen und feuchten Bedingungen ausgesetzt sind. E-Bikes, mit ihrem zusätzlichen Drehmoment, das auf die Kette wirkt, können ebenfalls spezielle Überlegungen hinsichtlich der Schmierung und des Verschleißschutzes erfordern.

Verschleiß der Kette prüfen

Im Allgemeinen schiebt man die Verschleißlehre zwischen die Kettenglieder, um zu messen, ob die Kette über ihre ursprüngliche Länge hinaus gedehnt wurde. Wenn die Lehre ohne Widerstand in den Spalt zwischen den Gliedern passt, ist dies ein Zeichen dafür, dass die Kette ausgetauscht werden muss.

Zusätzliche Tipps

  • Wenn du schon freie Sicht auf die Unterseite deines Fahrrads oder E-Bikes hast, wirf ebenso einen Blick auf den Umwerfer, das Kettenblatt und das vordere Ritzel.
  • Willst du auf Hausmittel zurückgreifen, kannst du vorsichtig einen Tropfen Spülmittel statt Kettenreiniger verwenden.
  • Wenn du dir für die Reinigung neues Kettenöl zulegst, kannst du dir überlegen, auf eine umweltfreundliche Alternative umzusteigen.
  • Bist du die unsicher, erhältst du in einem Fahrrad-Fachgeschäft eine professionelle Beratung und Inspektion. Außerdem lohnt es sich, das gesamte Fahrrad auf seine Fahrtauglichkeit überprüfen zu lassen, wenn der Antriebsstrang erst einmal korrodiert ist. Denn da sich Rost nicht von einem Tag auf den anderen bildet, steht das Rad vermutlich schon eine Weile herum, und das kann sich auch auf andere (sicherheitsrelevante) Teile wie Schrauben, Züge oder Sattelstütze/Vorbau auswirken.

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