Fahrradkette öffnen ohne Kettennieter – Alternative und Methoden

Egal ob man ein erfahrener Radfahrer ist oder nicht, Pannen passieren schnell und durchaus auch den Besten. Viele kennen das Problem einer gerissenen Fahrradkette. Die Kette muss man aber nicht gleich ersetzen, oftmals kann man eine gebrochene Fahrradkette noch reparieren. Man kann die Kette entweder mit einem Kettenschloss oder einer neuen Niete reparieren. Alles, was man braucht, sind die richtigen Werkzeuge, ein wenig Geduld und das Beachten der folgenden wichtigsten Schritte.

Fahrradkette öffnen: Zwei Hauptmethoden

Das Öffnen einer Fahrradkette geht auf zwei unterschiedliche Arten:

  • Ganz einfach mit einem Kettenschloss
  • Etwas schwieriger ohne Kettenschloss

Wenn Ihr Fahrrad eine Kettenschaltung hat, verfügt Ihre Kette vermutlich nicht über ein Kettenschloss. Ansonsten haben Sie gute Chancen, ein Kettenschloss zu finden. Stellen Sie dafür das Fahrrad zunächst auf den Kopf. Sie erkennen ein Kettenschloss an einem zusätzlichen Sicherungssplint bei einem Kettenglied oder einer verstellbaren Öse. Sollte sich der Sicherungssplint nicht bewegen, kann sogenanntes Kriechöl oder Bremsenreiniger helfen.

Fahrradkette mit Kettenschloss öffnen

Eine Fahrradkette, die über ein Kettenschloss, auch Kettenverschlussglied genannt, verfügt, ist mit einem Handgriff und ohne Werkzeug ganz einfach zu öffnen.

Sram-Kettenschloss öffnen

  • 9fach-Schlösser lassen sich per Hand öffnen: Drücken Sie die Laschen mit zwei Fingern zusammen und schieben Sie die Laschen mit der anderen Hand gegeneinander.
  • Für 10-, 11- oder 12fach-Schlösser von Sram benötigen Sie eine Rohrzange oder eine spezielle Kettenschloss-Zange (z. B. von BBB). Nach dem Öffnen lässt sich das Schloss nicht mehr verwenden.

Achtung: Nach dem Öffnen sollte man das Schloss nicht mehr verwenden, Sie benötigen ein neues.

Fahrradkette ohne Kettenschloss öffnen

Beinhaltet Ihre Fahrradkette kein Kettenschloss, gestaltet sich das Öffnen ein wenig komplizierter. Dennoch ist auch dies selbst für Anfänger gut zu bewerkstelligen.

Sie können eine Fahrradkette ohne Kettenschloss auf drei verschiedene Arten öffnen:

  • Mit einem Kettennieter
  • Mit dem sogenannten Rohloff Revolver
  • Mit einem Hammer

Öffnen mit Kettennieter

Ketten ohne Kettenschloss öffnet man klassisch mit einem Kettennieter. Setzen Sie den Kettennieter genau in der Mitte eines Nietstifts an und drücken Sie den Stift komplett aus der Lasche. Anschließend fädeln Sie die Kette aus dem Schaltwerk. Prägen Sie sich dabei den Verlauf der Kette gut ein. So klappt später das Einfädeln leichter.

Sie erhalten einen Kettennieter für weniger als 10 Euro in jedem Baumarkt oder Fahrradgeschäft. Der Name beschreibt das Werkzeug aber nur unvollkommen. Mit einem Kettennieter können Sie keine Nietarbeiten vornehmen, aber er erleichtert es Ihnen, die Kettenbolzen hinein und auch wieder hinaus zu verschieben.

Der Griff muss nun so weit hineingedreht werden bis der Bolzen den Nietstift der Kette leicht kontaktiert. Drehen Sie den Griff nun langsam weiter. Achten Sie darauf, den Stift nicht komplett herauszudrücken!

Hinweis: Wenn Sie den Nietstift versehentlich komplett entfernt haben, ist es selten möglich, diesen wieder einzusetzen. Meist nimmt dieses empfindliche Kleinteil Schaden und verbiegt. Nietstifte sind für gewöhnlich nur für den einmaligen Gebrauch geeignet.

Wichtig: gut abtrocknen nach dem Bad.

Der Rohloff Revolver

Während sich ein normaler Kettennieter nur zum Entfernen der Bolzen eignet, kann ein Rohloff Revolver Ketten tatsächlich auch vernieten. Wenn Sie viel mit Ihrem Fahrrad unterwegs sind, Rennen fahren oder auch schwieriges Gelände bezwingen, empfiehlt sich das Öffnen und Schließen der Kette mit einem Rohloff Revolver.

Drehen Sie dafür zuerst die Rändelmutter des Werkzeugs zurück und rasten Sie die Trommel ein. Legen Sie dann die Kette in den Kamm ein und halten Sie die Position mit einem Finger fest. Anschließend spannen Sie die Trommel durch das Drehen der Rändelmutter fest gegen die Kette. Mit der Spindel drücken Sie den Kettenbolzen heraus.

Öffnen mit einem Hammer

Falls Sie die Fahrradkette nicht weiter verwenden wollen, können Sie sie auch mit einem Hammer und einem Stahlnagel oder Körner öffnen. Legen Sie dazu das Fahrrad auf die Seite, denn Sie brauchen einen festen Widerstand. Setzen Sie den Nagel oder den Körner auf einen Kettenbolzen und schlagen Sie so lange zu, bis die Kette entzweigeht.

Tipp: Diese Methode empfiehlt sich nicht, wenn Sie die Fahrradkette kürzen wollen. Bei der Gewaltmethode können sich die Kettenglieder verziehen.

Alternative ohne Spezialwerkzeug

Wenn Sie über keinen Kettennieter verfügen, können Sie sich auch mit haushaltsüblichem Werkzeug behelfen. Alternativ können Sie auch einen Hammer und einen Stahlnagel verwenden, um den Nietstift zurück zu „schieben“. Allerdings müssen Sie bei dieser Methode sehr sensibel vorgehen um Ihre Fahrradkette nicht zu beschädigen.

Hast du kein Werkzeug zur Hand, kannst du mit einem Nagel und Hammer den Stift des Kettengliedes vorsichtig herausdrücken. Diese Methode empfiehlt sich nicht und du solltest sehr vorsichtig arbeiten, da die Kette oder andere Bauteile beschädigt werden können.

Eine neue Niete z.B. mit einer Flach- oder Rohrzange reinzudrücken, geht zwar anfangs, hält aber nicht sonderlich gut, noch schlechter als mit dem Billig-Kettennieter.

Kettenpflege und Reinigung

Die richtige Pflege verlängert die Lebensdauer Ihres Fahrrads und der Fahrradkette. Nach dem Winterschlaf braucht Ihr Fahrrad einschließlich der Kette einen Frühjahrsputz.

Reinigungsschritte

  1. Kette reinigen: Groben Verschmutzungen rücken Sie am besten mit einer kleinen Bürste und einer ordentlichen Ladung Spüli-Wasser zu Leibe. Eine alte Zahnbürste lässt sich hier gut zweitverwerten.
  2. Kette reinigen: Legen Sie dann einen feuchten Lappen um die Kette und entfernen Sie den restlichen Dreck, indem Sie die Kurbel rückwärts drehen. Lassen Sie die Kette anschließend trocknen.
  3. Antrieb reinigen: Befreien Sie auch die Ritzel und Kettenblätter von groben Verschmutzungen. Mit einer speziellen Ritzelbürste kommen Sie gut in die engen Zwischenräume.
  4. Antrieb reinigen: Wer es besonders sauber mag, kann einen Lappen mit Spüli-Wasser befeuchten. Damit lassen sich auch noch die letzten Öl- und Schmutzspuren aus den Zwischenräumen entfernen.

Dabei können Sie altes Öl und Dreck an den Zahnkränzen zunächst mit einem Lappen und etwas Petroleum entfernen. Waschbenzin oder andere Lösungsmittel sollten Sie nicht verwenden, da diese die Dichtringe der Kette angreifen.

Mit einer ausrangierten Zahnbürste oder einer schmalen Bürste können Sie anschließend alle Kettenglieder sowie die Zahnkränze und die Kettenblätter bearbeiten.

Tipp: Denken Sie daran, Ihre Fahrradkette regelmäßig zu reinigen und zu pflegen!

Schmierung der Kette

Jede Fahrradkette braucht in regelmäßigen Abständen eine Schmierung.

  1. Kette ölen: Seien Sie - schon aus Umweltgründen - sparsam beim Ketteölen. Träufeln Sie dennoch etwas Schmierstoff auf jedes einzelne Gelenk. Am besten funktioniert das auf der Innenseite des Antriebsstrangs. Lassen Sie das Öl noch eine Weile einziehen (gern über Nacht) und wischen die Kette abschließend noch mit einem sauberen, fuselfreien Tuch ab, sodass kein überschüssiges Öl mehr vorhanden ist. So bleiben Beine und Natur sauber.

Sprühen Sie die saubere Kette mit einem Kettenspray ein und reiben Sie mit einem Lappen nach, damit überflüssiges Öl nicht auf die Bremsen tropft.

MTB-Kette wechseln

Hilft alle Pflege, Öl und Liebe nichts mehr, müssen Sie die MTB-Kette wechseln. Das ist vor allem der Fall, wenn der Rost ihr zu sehr zugesetzt hat, oder die Tausenden Kilometer auf den Trails die Kettenglieder in die Länge gezogen haben und der Verschleiß zu weit fortgeschritten ist.

Werkzeuge für den Kettenwechsel

  1. Kettenöl: Gehen Sie sparsam damit um. Eine öltriefende Kette zieht den Schmutz geradezu an.
  2. Kettenverschleißlehre: Check: Bleibt die lange Nase der Lehre zwischen den Kettengliedern hängen, kann man die Kette weiterfahren.
  3. Kettennieter: Aktuelle Kettennietermodelle eignen sich für die Ketten aller Antriebssysteme von 8- bis 12fach.
  4. Klammer/Speiche: Hilft die Spannung aus der Kette zu nehmen, um nach dem Wechsel die Kettenglieder zu verbinden.
  5. Kettenschlosszange: Universal-Tool für alle Ketten. Damit lassen sich Kettenschlösser schnell und leicht öffnen und wieder verschließen.
  6. Antriebsreiniger: Vor der Montage alle Antriebsteile gründlich reinigen. Das schont die Kette und auch Ritzelpaket und Kettenblatt.

So tauschen Sie die Kette

  1. Verschleiß messen: Mit einer Verschleißlehre (einheitlicher Standard für alle Fahrradketten) lässt sich erkennen, ob die Kette getauscht werden muss. Fällt der Dorn zwischen den Kettengliedern ganz durch (Foto), ist es Zeit für eine neue Kette. Kontrollieren Sie den Kettenverschleiß regelmäßig. Denn eine defekte Kette ruiniert auch die Kassette - und die ist teurer als eine neue Kette.
  2. Kettenschloss öffnen: Vor dem Tausch der Kette die Kassette ordentlich putzen, damit der Schmutz nicht gleich auf der neuen Kette hängt. Öffnen Sie nun die Kette. Manche Modelle mit Kettenschloss lassen sich per Hand öffnen. Leichter geht es mit einer Kettenschlosszange.
  3. Öffnen mit Kettennieter: Ketten ohne Kettenschloss öffnet man klassisch mit einem Kettennieter. Setzen Sie den Kettennieter genau in der Mitte eines Nietstifts an und drücken Sie den Stift komplett aus der Lasche. Anschließend fädeln Sie die Kette aus dem Schaltwerk. Prägen Sie sich dabei den Verlauf der Kette gut ein. So klappt später das Einfädeln leichter.
  4. Kettenlänge ermitteln: Legen Sie für die passende Kettenlänge alte und neue Kette nebeneinander und zählen Sie die Kettenglieder ab. Alternative: Die Kette auf großes Ritzel und großes Kettenblatt legen. Die Kette sollte dann um zwei Innen- und zwei Außenglieder überlappen. Die richtige Länge der Kette ist wichtig für eine einwandfreie Funktion. Ist die Kette deutlich zu lang, kann der Kettenspanner am Schaltwerk die geringe Spannung nicht ausgleichen. Die Kette schlägt, der Verschleiß steigt. Ist die Kette zu kurz, besteht die Gefahr, dass das Schaltwerk beschädigt wird und Schalten aufs größte Ritzel eventuell nicht möglich ist.
  5. Neue Kette einfädeln: Führen Sie den Kettenstrang vorne um die Kurbel (bei Zweifach-Systemen auch durch den Umwerfer) und hinten durch das Schaltwerk. Achten Sie dabei genau auf den richtigen Verlauf und beachten Sie den Steg am Schaltkäfig. Außerdem die Laufrichtung der Kette berücksichtigen. Bei Shimano-Ketten muss die Schrift nach außen zeigen.
  6. Spannung raus: Kette entlasten: Bevor Sie die Kette verschließen, nehmen Sie Spannung raus. Sie können ein Stück einer zurechtgebogenen Speiche als Klammer benutzen. Oder Sie nehmen die Kette ganz einfach vom Kettenblatt und legen sie aufs kleinste Ritzel.
  7. Kette mit Kettenschloss verschließen: Zum Verschließen die Kette auf den Zahnkranz legen, das Kettenschloss über der Kettenstrebe positionieren und mit gezogener Bremse auf die Kurbel drücken, bis das Schloss einrastet.
  8. Verschließen mit Kettennieter: Mit dem Kettennieter eine neuen Nietstift bis zum Einrasten durch die Laschen der Kettenglieder drücken. Der Nietstift muss auf das Antriebssystem (9-, 10-, 11-, 12fach) abgestimmt sein.
  9. Überstand abbrechen: Brechen Sie den überstehenden Teil des Nietstifts mit einer Zange ab. Vorsicht, dabei nicht die Kettenglieder verbiegen. Sollte ein Kettenglied nach der Montage steif sein, machen Sie es durch leichten seitlichen Druck gängig.

Pflege-Intervalle

Die Hersteller empfehlen für den Offroad-Einsatz Pflege-Intervalle von etwa 100 Kilometern. Nach Schlechtwetterfahrten sollten Sie die Kette aber immer mit einem fusselfreien Lappen abziehen und danach in trockenem Zustand mit einem dünnen Film Kettenöl versehen. Die Kette hält länger, wenn man ihre Drehrichtung ändert, also die Unterseite zur Oberseite macht. Die Gelenke knicken so in die andere Richtung.

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