Die Suche nach dem passenden Kinderfahrrad kann für Eltern eine Herausforderung darstellen. Oftmals werden allgemeine Kinderfahrrad-Größentabellen als erste Anlaufstelle genutzt, doch diese führen nicht selten zu einem Fehlkauf. In diesem Artikel geht es darum, mit dem Mythos aufzuräumen, die Größe von Kinderfahrrädern würde über den Durchmesser ihrer Laufräder definiert (12 Zoll, 16 Zoll, 20 Zoll, 24 Zoll usw.) und somit aufzuzeigen, dass allgemeine Kinderfahrrad-Größentabellen bei der Suche nach einem passenden Kinderrad völlig nutzlos sind.
Das Problem mit allgemeinen Größentabellen
Viele Tabellen versprechen, anhand von Körpergröße und/oder Innenbeinlänge oder gar Alter des Kindes die Frage nach der richtigen "Fahrradgröße" zu beantworten. Das Ergebnis ist oft verheerend: Kind und Eltern besitzen nun ein neues Kinderrad, das überhaupt nicht passt. Entweder ist das neue Fahrrad zu klein, oder es ist zu groß.
Vorab: Die Zollangaben bei Fahrrädern definieren den Durchmesser der Räder - angegeben in Inch. Aber sind verschiedene Fahrräder mit identischem Raddurchmesser etwa alle ungefähr gleich groß? Niemals könnte aber jemand, der 1,60 Meter klein ist, auf dem Rad des 2,20 Meter-Riesen gut fahren. Und umgekehrt wäre es auch kein Spaß. Und ganz genauso verhält es sich bei Kinderfahrrädern.
Beispiel: 20 Zoll Fahrräder
Nehmen wir mal den Wert "20 Zoll", den uns die Tabelle z.B. Und schauen dann mal in die Kinderfahrrad-Datenbank des Kinderfahrradfinders, in der individuelle Größenempfehlungen des jeweiligen Herstellers für jedes einzelne Modell hinterlegt sind - und filtern sie mal auf die für 1,25 m Körpergröße laut Größentabelle vorgeblich passenden Räder mit 20 Zoll Laufrädern. Dort finden sich dann Kinderräder, die bereits ab 105 cm Körpergröße passen, sowie welche für die das erst ab 1,28 Meter gilt.
Pech für Eltern, die auf die 20 Zoll-Empfehlung der allgemeinen Tabelle vom Anfang dieses Artikels vertraut haben und für ihr 1,25 Meter-Beispielkind eines der genannten 20 Zoll-Modelle von woom, Pyro, VPACE, oder Puky gekauft hätten. Fast alle wären dem Kind vom ersten Tag an viel zu klein, wie die richtigen Angaben der Hersteller belegen. Die richtige Größe für 1,25 m haben bei diesen Herstellern die Modelle mit 24 Zoll.
Herstellerspezifische Größentabellen als Lösung
Ja, gute Größentabellen gibt es tatsächlich! Es sind die Größentabellen der Hersteller selbst, die individuelle Größenempfehlungen für jedes einzelne ihrer Modelle machen. (Nicht alle Hersteller haben solche zentralen Tabellen. Und auf genau diesen modellspezifischen Größenangaben der einzelnen Marken basiert dann natürlich auch die Kinderfahrrad-Größensuche des Kinderfahrradfinders.
Bei diesen Empfehlungen kommt es übrigens nicht nur darauf an, wie niedrig sich der Sattel des betreffenden Modells einstellen lässt. Sondern gute Hersteller berücksichtigen neben weiteren Eigenschaften der Rahmengeometrie auch die sogenannte Überstandshöhe. Das ist die Höhe der Oberkante des Oberrohrs an der Stelle, über der ein Kind steht, wenn es aus dem Sattel gestiegen ist. Vor allem bei einem Nothalt kann es nämlich arg schmerzhaft werden, wenn die Überstandshöhe größer ist, als die Beinlänge.
Warum gibt es so viele irreführende Größentabellen?
Mancher Leser wird sich nach dieser vernichtenden Kritik an allgemeinen Größentabellen für Kinderfahrräder fragen, warum das Netz denn dann so voll ist mit Kinderfahrrad-Ratgeberartikeln, die den Zoll-Durchmesser der Laufräder als falsches Maß aller Dinge bei Kinderrädern darstellen. Der erste Teil der Antwort ist einfach: Es gab mal eine Zeit, in der solche Tabellen und Zoll-basierten Größenangaben noch weitgehend allgemeingültig zum passenden Kinderrad geführt haben. Nur: Diese Zeit ist etwa 20 Jahre her.
Es war eine Zeit, in der Fahrradhersteller das Kinderfahrrad-Thema noch nicht wirklich ernst genommen haben. Von Gedanken wie "Ist doch nur ein Kinderrad" und "Da geben Eltern doch sowieso nix für aus" war die Entwicklung damals geleitet. Und so bauten alle fröhlich nach Schema-F. Dass das heute (und eigentlich schon seit ca. Solche Tabellen sind also schlicht veraltet.
Und hier kommen wir zum zweiten Teil der Antwort. ... Sehr viele Eltern - wenn nicht die meisten - suchen kurz vor dem Kinderfahrrad-Kauf genau so. Und Online-Shop- und Webseitenbetreiber möchten diese Eltern natürlich auch auf ihre Seiten lenken. Und das gelingt halt nur, wenn dann dort auch Artikel bereitstehen, die die relevanten Begriffe enthalten. "Fahrrad für 5-Jährige" -> "Dieses oder jenes, bzw.
(Gut, auf einigen solcher Seiten steht in der Erklärung zur Zoll-Tabelle sinngemäß sowas wie "zur groben Orientierung". Aber wer überliest einen solchen Hinweis nicht, wo eine schnelle Antworten versprechende Tabelle ins Auge springt? Und welchen Sinn sollte "grobe Orientierung" überhaupt machen, wenn doch natürlich ein Rad gesucht ist, das wirklich passt und nicht Eines, "das vielleicht grob passen könnte"? Weil Eltern nach Zoll fragen, antworten und erklären Webseiten mit Zoll. Und weil Webseiten mit Zoll-Tabellen erklären, fragt dann die nächste Elterngeneration auch wieder nach Zoll.
Bleibt zu hoffen, dass Google auch die vielfache Verwendung der Wörter "Zoll", "Größentabelle", "Fahrradgröße", "Alter" etc. Vielleicht kann der unselige Kreislauf selbstverstärkender Unwahrheit ja so unterbrochen - oder wenigstens etwas abgeschwächt werden.
Alternativen zu allgemeinen Größentabellen
Wer wissen will, ob dem Nachwuchs ein bestimmtes Fahrrad passt, kann natürlich eine Probefahrt machen, wenn möglich.
Schrittlänge messen
Entscheidend ist die Schrittlänge (Innenbeinlänge) Ihres Kindes. Sie beschreibt den Abstand zwischen Boden und Schritt (a), siehe Grafik links, und gibt Auskunft darüber, ob Ihr Kind bei niedrigst eingestellter, minimaler Sattelhöhe des Kinderfahrrades mit beiden Füßen noch gut den Boden (der Kontakt mit den Fußballen reicht aus!) erreichen kann.
Um die Schrittlänge zu messen, benötigen Sie einen Zollstock und ein mittelgroßes Buch. Ihr Kind stellt sich nun ohne Schuhe, ohne Hose und ggf. auch ohne Windel mit dem Rücken an eine Wand. Richten Sie das Buch bzw. den Buchrücken nun senkrecht an der Wand zwischen den Beinen Ihres Kindes aus. Nun führen Sie es von unten vorsichtig, aber mit sanftem Druck nach oben in den Schritt. Messen Sie nun den Abstand zwischen Fußboden und Buchrücken bzw. Oberkante des Buches und Sie erhalten die Schrittlänge bzw.
Empfehlungen für den Kauf eines 12-Zoll-Kinderfahrrads
Die Hersteller von kleinen Rädern gehen mit dem Trend und verändern nun den Lieferumfang der 12 Zoll Räder. Ein gutes Kinderfahrrad ist bereits mit einer Klingel und einem kindgerechten und gepolstertem Lenker ausgestattet. Darüber hinaus gibt es noch das ein oder andere Zubehör, welches sicherlich im Alltag praktisch ist. Ein Fahrradständer ist aber definitiv eines der praktischsten Zubehörteile überhaupt.
Bitte achtet auf die Sicherheit des Kindes und setzt ihm einen Helm auf. Tipp: Auch euch schadet ein Helm nicht!
Ich kenne keine Fahrradmarke, die keine Kinderfahrräder im Programm hat. Ausschließlich auf Kinderfahrräder und dessen Zubehör gewidmet hat sich die TOP-Marke Puky.
ADAC Test von Kinderfahrrädern
Der ADAC hat 2024 insgesamt 14 Kinderfahrräder mit 16-Zoll-Reifen auf Handhabung, Fahreigenschaften, Eignung für das Kind, Sicherheit und Schadstoffe geprüft. Viele der getesteten Fahrräder haben einen stolzen Preis. Doch muss das sein? Die Ergebnisse im Überblick.
- Namhafte Hersteller haben die Nase vorne
- Kinderfahrrad von Pyro erhält Urteil "mangelhaft"
- Geringes Gewicht wirkt sich positiv auf Fahrverhalten aus
Positiv fiel auf, dass der Bremshebel und die Sattelhöhe ohne Werkzeug einstellbar sind. Die leichtgängigen Bremsen funktionieren fast zu gut, denn sie mussten mit etwas Vorsicht eingebremst werden. Hilfreich in der Bedienung der Bremsen ist in jedem Fall, dass der hintere Bremshebel farblich markiert ist. So können Kinder beim Fahrradfahren den vorderen und hinteren Bremshebel nicht verwechseln.
Der positive Effekt eines möglichst geringen Gewichts hatte sich auch bereits im ADAC Test von Kinderfahrrädern mit 20 Zoll gezeigt.
Schadstoffe in Griffen
Überraschend ist, dass nur die zwei preisgünstigsten Modelle im Test (Royal Baby Freestyle und B'Twin 500 Robot) frei von Schadstoffen sind. Bei allen anderen Kinderfahrrädern wurden Schadstoffe in den Griffen und auch im Sattel gefunden. Das Kinderrad MX 16 2023 von Orbea, das immerhin rund 360 Euro kostet, hatte mit dem Weichmacher DPHP Schadstoffe in den Griffen und musste dadurch auch abgewertet werden.
Zulässiges Gesamtgewicht beachten
Generell ist es von Vorteil, wenn das erste Kinderfahrrad ein geringes Eigengewicht hat. Denn: Je leichter ein Kinderfahrrad ist, desto leichter ist das Üben für das Kind und desto besser auch das Fahrverhalten. Auch das zulässige Gesamtgewicht (Eigengewicht Fahrrad und Gewicht des Kindes) für ein Kinderfahrrad ist wichtig und muss altersgerecht sein. Ein 16-Zoll-Kinderfahrrad sollte deshalb mindestes 30 Kilo Gesamtgewicht oder mehr zulassen.
Weitere Tipps für Eltern
- Vor dem Kauf eines Kinderfahrrads ist es immer von Vorteil, die Kleinen beim Fachhändler Probe sitzen zu lassen und das Rad zuvor richtig einzustellen.
- Dabei sollten Sattelhöhe, Lenkerposition und die Erreichbarkeit der Bremshebel so eingestellt sein, dass diese vom Kind einfach bedient werden können.
- Radfahren bedeutet auch, den ein oder anderen Sturz zu erleben. Deshalb ist das Tragen eines gut sitzenden Fahrradhelms immer unerlässlich.
- Sollten Bedenken wegen möglicher Schadstoffe in den Lenkergriffen bestehen, können diese immer im Fachhandel getauscht werden.
Laufräder als Vorbereitung
Laufräder sind aus dem Alltag von Familien kaum noch wegzudenken und für die kindliche Entwicklung sind sie kaum überzubewerten. Die Kids bekommen ein Gespür für das Gleichgewicht auf zwei Rädern, für Lenkeinschläge, für Geschwindigkeit.
Der Aufstieg der Laufräder bedeutet gleichzeitig den Untergang der Stützräder.
Die richtige Einstellung des Fahrrads
Wer gerade erst Fahrrad fahren lernt, sollte unbedingt im Sattel sitzend noch mit beiden kompletten Füßen auf dem Boden stehen können. Das gibt die nötige Sicherheit für den Anfang. Der Sattel muss dafür natürlich niedrig genug einstellbar sein.
Sobald Ihr Kind aber einigermaßen souverän fahren kann, sollte der Sattel höher eingestellt werden: Gleichzeitiger Kontakt der Ballen beider Füße mit dem Boden reicht dann aus.
Spätestens bei 26 Zoll - oft aber auch schon bei 24 Zoll sind Kinder bereits hinreichend gute Radfahrer geworden, um auf- und absteigen zu können wie ein Erwachsener: Sprich: Jetzt müssen nicht mehr beide Füße den Boden gleichzeitig erreichen können.
Preisgestaltung bei Kinderfahrrädern
Dabei muss gesagt werden, dass sie Stückzahlen bei Kinderrädern deutlich kleiner sind als bei den Pendants für Erwachsene. Kontaktpunkte wie Griffe, Hebel, Sattel, Pedale und Kurbeln müssen eigens entwickelt werden, zum Teil mit Anpassungen an die einzelnen Größen. Auch in den Rahmen steckt zum Teil eine enorme Entwicklungsarbeit.
Coolmobility mit den Modellen von S’Cool und Academy etwa arbeitet mit dem Deutschen Institut für Orthopädie, Osteopathie und Sportmedizin (DIOOS) zusammen, um Räder für Kinder möglichst ergonomisch zu gestalten.
Dabei ist zu bedenken, dass Kinder nicht einfach nur kleine Erwachsene sind, ihr Körperbau unterscheidet sich von dem von Erwachsenen. Entsprechend müssen Fahrradteile nicht nur verkleinert, sondern neu entwickelt werden.
Überblick über Kinderfahrradgrößen
Die nachfolgende Tabelle (Kinderfahrradgröße / Nutzungszeitraum in Relation zu den relevanten körperlichen Größen (Durchschnittswerte)) gibt Ihnen einen Überblick zur Größenorientierung.
| Körpergröße (cm) | Fahrradgröße (Zoll) |
|---|---|
| ab 95 | 12 |
| ab 100 | 14 |
| ab 105 | 16 |
| ab 110 | 18 |
| ab 120 | 20 |
| ab 135 | 24 |
| ab 140 | 26 |
*Hinweis: Diese Größenempfehlungen sind Richtwerte. Das Verhältnis von Beinlänge und Oberkörper kann individuell stark variieren.
Der Fahrradmarkt ist bunt - auch bei den Rädern für Kinder und Jugendliche. Das ist gut so, denn die Geschmäcker sind verschieden.
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