Das Angebot an Fahrradreifen ist für Laien längst unüberschaubar geworden. Allein der Hersteller Schwalbe beispielsweise führt 47 verschiedene Fahrrad-Reifenmodelle in jeweils mehreren Größen in seinem Programm. Und es tummeln sich noch viele weitere Anbieter auf dem Markt, die ebenfalls um Kundschaft buhlen. Wer auf der Suche nach den richtigen Reifen für sein E-Bike den Überblick behalten möchte, sollte sich deshalb auf das Angebot spezieller E-Bike-Reifen konzentrieren.
E-Bike-Reifen: Was ist wichtig?
Theoretisch können auf E-Bikes die gleichen Reifen montiert werden wie auf herkömmlichen Fahrrädern. Dennoch empfehlen sich spezielle E-Bike-Reifen. Sie sind konstruktiv auf das höhere Gewicht und die höheren Durchschnittsgeschwindigkeiten der Elektro-Fahrräder abgestimmt. E-Bike-Reifen bieten einen besseren Pannenschutz und verstärkte Seitenwände für ein stabileres Fahrverhalten. Einziger Nachteil: Sie kosten mehr als herkömmliche Fahrradreifen.
Pannenschutz
Wer schon einmal das zweifelhafte Vergnügen hatte, auf einer Fahrrad-Tour den Reifen eines 25 Kilogramm schweren E-Bikes wechseln zu müssen, der wird vermutlich in Zukunft ganz besonders auf die Pannensicherheit seiner Fahrradreifen achten. Denn auch ein E-Bike muss zum Reifenwechsel auf den „Kopf“ und anschließend wieder auf die Räder gestellt werden. Damit das möglichst gar nicht erst passiert, haben E-Bike-Reifen einen besonders guten Pannenschutz.
Reifentypen
Anders als bei Autoreifen, deren Aufbau seit Jahrzehnten weitgehend standardisiert ist, gibt es bei Fahrradreifen noch deutliche konstruktive Unterschiede.
- Drahtreifen: Drahtreifen bestehen aus einem Mantel und einem Schlauch - wie der Maxxis Rambler Dual Compound EXO Tubeless Ready Folding Tire*. Der Mantel ist der eigentliche Reifen, er ist aus einer stabilen Gummimischung mit profilierter Lauffläche gefertigt und wird auf die Felge geklemmt. Im Inneren dieser Konstruktion befindet sich ein Schlauch - aus Gummi oder Silikon - mit einem Ventil, das aus der Felge ragt. Über dieses Ventil wird der Schlauch mit Luft vollgepumpt und stabilisiert so den Mantel auf der Felge. Drahtreifen sind die gängigste Variante für Fahrradreifen, auch für die speziellen E-Bike-Reifen.
- Faltreifen: Faltreifen bestehen aus einem Mantel und einem Schlauch. Für Trekking-E-Bikes eignet sich etwa der Schwalbe Marathon Mondial Evo DD Faltreifen*. Im Unterschied zum Drahtreifen, den seine zwei Metalldrähte in die runde Form bringen, sind in einen Faltreifen stattdessen biegsame Kevlar- oder Aramidfasern eingearbeitet, die ebenfalls für hinreichende Stabilität sorgen, sich gleichzeitig aber falten lassen. Als Ersatzreifen auf längeren E-Bike-Touren sind Faltreifen eine gute Lösung, weil sie sich platzsparender verstauen lassen.
- Tubeless-Reifen: Tubeless-Reifen werden von vielen E-Mountainbikern und auch von Fahrerinnen und Fahrern, die mit Gravelbikes unterwegs sind, bevorzugt. Der Pirelli Cinturato Gravel H Bike Tire* ist etwa ein beliebter Tubeless-ready Reifen für Gravelbikes. Das englische Wort „tubeless“ bedeutet schlauchlos. Hier besteht der Reifen also nur aus dem Mantel, der so fest auf der Felge klemmt, dass er luftdicht abschließt. Im Inneren des Reifens befindet sich eine Latex-Flüssigkeit, genannt Dichtmilch, die kleine Löcher verschließt. Diese Flüssigkeit muss mindestens zwei Mal pro Jahr erneuert werden, wozu der Reifen abgenommen und anschließend wieder montiert werden muss. Vorteile der schlauchlosen Reifen: Sie gelten als besonders pannensicher, haben einen geringen Rollwiderstand und lassen sich gefahrlos mit geringem Luftdruck fahren, ohne dass der Reifen von der Felge springt. Notwendig ist das etwa in schwerem Offroad-Gelände.
Reifenprofil
- Trekking-Reifen: Trekking-Reifen für E-Bikes sind die Allrounder unter den Fahrradreifen und die beste Lösung für ausgedehnte Touren mit dem Elektro-Fahrrad. Hier lohnt ein Blick auf den beliebten Schwalbe Marathon Plus in 28 Zoll Größe*. Nicht nur er bietet einen Kompromiss zwischen niedrigem Rollwiderstand, möglichst hohem Pannenschutz und einem Profil, das sowohl auf Asphalt als auch auf unbefestigten Wegen und Schotterpisten für gute Traktion sorgt.
- Mountainbike-Reifen: Reifen für E-Mountainbikes haben ein tiefes Stollenprofil, das viel Grip auf unbefestigten Wegen garantiert. Auf dem E-Mountainbike sind Stollenreifen angesagt. Wer gerne auch bei Matsch und Schnee ins Gelände fährt, ist mit Enduro-Reifen besser bedient. Ihr Stollenprofil ist noch gröber und die Stollen liegen deutlich weiter auseinander als bei herkömmlichen Mountainbike-Reifen. Dadurch können Enduro-Reifen das während der Fahrt aufgesammelte Erdreich leichter wieder aus dem Profil schleudern.
- Winterreifen: Da viele E-Bikes mittlerweile als Ersatz fürs Auto und somit als Alltags-Verkehrsmittel für alle Jahreszeiten dienen, versucht die Reifenindustrie, E-Biker von den Vorteilen spezieller Winterreifen wie zu überzeugen. Winterreifen zeichnen sich meist durch breitere Rillen und einem aggressiveren Profil aus. Auch Modelle mit Spikes (hinterer Reifen) gibt es auf dem Markt. Auch unabhängig von Winterreifen mit Spikes gibt es Modelle, die speziell auf wiedrige Witterungsbedingen ausgelegt sind. Grundsätzlich sollte die Lauffläche eines E-Bike-Winterreifens breitere Rillen und ein aggresiveres Profil aufweisen. Zwar geht das zulasten der Leichtigkeit und Leichtläufigkeit, sorgt aber für eine bessere Griffigkeit und höhere Straßenhaftung.
Reifenbreite
Reifen unterscheiden sich in verschiedenen Aspekten, die die Fahreigenschaften, den Komfort und die Geländetauglichkeit beeinflussen.
- Schmale Reifen (35-40 Millimeter): eignen sich für schnelle Fahrten auf Schotterstraßen und leichtem Gelände. Sie bieten weniger Rollwiderstand, aber weniger Dämpfung und Grip auf unebenem Untergrund.
- Breite Reifen (40-50 mm): hingegen geben mehr Komfort und Halt in anspruchsvollem Gelände, wie zum Beispiel auf steinigen Wegen, Matsch oder losen Untergründen.
Luftdruck
An jedem Reifen ist an der seitlichen Flanke der minimal und maximal zulässige Reifendruck angegeben. Diese Richtwerte sollten weder unter- noch überschritten werden. Wer überwiegend auf befestigten oder asphaltierten Wegen unterwegs ist, sollte den am oberen Ende der empfohlenen Skala angegebenen Wert wählen. Ein Luftdruck am unteren Ende der Skala ist hingegen zum Fahren auf weichen Böden wie Feld- und Waldwegen sinnvoll. Die Richtwerte der Reifenhersteller gelten für einen 75 Kilogramm schweren Fahrer.
Da selbst ein dichter Fahrradschlauch pro Monat im Durchschnitt 1 bar an Druck verliert, sollte der Reifendruck regelmäßig überprüft werden. Besonders vor geplanten längeren Touren ist es hilfreich, den Reifen einige Tage vorher aufzupumpen und auf einen möglichen Druckverlust zu kontrollieren. Den Luftdruck per Daumendruck zu überprüfen ist sehr ungenau und kann sogar gefährlich werden. Der Reifen kann nämlich durch Überfüllen platzen. Zu niedriger Luftdruck kann die Reifenflanke und die Felge beschädigen.
Reifengrößen: Ein Zahlenverwirrspiel
Bei den Reifengrößen hat sich eine merkwürdige Entwicklung vollzogen. Wenn etwa vom 28-Zoll-Fahrradreifen die Rede ist, können ganz unterschiedliche Benennungsphilosophien dahinter stehen. Die Ursache dafür liegt traditionell darin begründet, dass sich seit jeher die unterschiedlichen nationalen Maßsysteme etablieren konnten.
Die Zollbezeichnung gibt entweder den Außendruchmesser des Reifens - nicht: des Laufrades - preis und steht entweder im Verbund mit der Reifenbreite in Zoll; oder sie ist mit gleich zwei weiteren, zollbasierten Maßbezeichnungen zu lesen, die Höhe und Breite des Reifens bezeichnen. Ein 28-Zoll-Reifen kann also ganz unterschiedliche Breiten haben.
Überblick über die verschiedenen Maßsysteme
- ETRTO (European Tire and Rim Technical Organization): Hierbei handelt es sich um eine europäische Reifen- und Felgennormgröße, welche die Breite und den Innendurchmesser des Reifens in Millimeter angibt. Bei einer Reifenbreite von 47 mm und einem Innendurchmesser von 203 mm würde die Reifengröße in ETRTO wie folgt angegeben: 47-203.
- Zoll: Die etwas veraltete Größenbezeichnung in Zoll ist bei Fahrradreifen immer noch weit verbreitet. Diese Maßeinheit gibt sowohl den Außendurchmesser des Fahrradreifens, sowie auch die gesamte Größe des Fahrrads an. Hierbei sollte man allerdings beachten, dass der Außendurchmesser des Reifens je nach Reifendruck variieren kann. Daher ist sie im Vergleich zu den anderen Größenbezeichnungen relativ ungenau.
- Französische Bezeichnung in Millimeter: Die ebenfalls veraltete französische Größenbezeichnung wird in Millimetern angegeben. Sie gibt den Außendurchmesser und die Reifenbreite an. Der Buchstabe „C“ in der Bezeichnung gibt den Innendurchmesser des Reifens an. Das sieht wie folgt aus: z.B. 700 x 20C.
- Englische Bezeichnung in Zoll: Bei der englischen Bezeichnung wird die Größe des Reifens ebenfalls in Zoll angegeben. Sie unterscheidet zwei verschiedene Varianten: Sie kann entweder den Außendurchmesser und die Reifenbreite in Zoll als Dezimalzahl angeben, wie zum Beispiel in dieser Form: 28 x 1,10 oder sie gibt den Außendurchmesser, die Reifenhöhe und -breite in Zoll als Bruch an (z.B.
Empfehlenswerte Reifenmodelle
Im Folgenden werden einige empfehlenswerte Reifenmodelle für E-Bikes vorgestellt:
- Schwalbe Marathon Plus: Die „unplattbaren“ Marathon PLUS 14 Draht Reflex Fahrradreifen von Schwalbe in 28 Zoll bestehen zum Teil aus recyceltem Naturkautschuk und sind auch für E-Bikes bis zu 50 km/h geeignet. Dank der fünf Millimeter dicken SmartGuard-Einlage versprechen sie eine hohe Pannensicherheit bei gleichzeitig geringem Rollwiderstand.
- Continental Ride Tour: Die Continental Ride Tour überzeugen vor allem als Mountainbike-Reifen im Gelände, eignen sich aber auch für Citybikes und Touren mit dem Trekkingrad. Sie rollen komfortabel auf befestigten Wegen und finden auch auf unebenem Gelände genügend Grip. Dank des robusten Pannenschutzes und der extra Kautschuklage zeichnen sie sich durch eine hohe Haltbarkeit aus.
- Schwalbe G-One Allround Performance: Der G-One Allround Performance Faltreifen von Schwalbe zeichnet sich durch seine Tubeless-Kompatibilität aus, wodurch er auch ohne Schlauch gefahren werden kann. Dank des Tubeless-Systems verfügt er über eine hohe Pannensicherheit. Auch die ausgewogenen Fahreigenschaften auf Asphalt, sowie auf unebener Fahrbahn konnten überzeugen.
- Vittoria Adventure Tech: Die Vittoria Adventure Tech unseres E-Bike-Reifen-Vergleichs eignen sich für Stadtfahrten oder Trekking-Abenteuer. Ihr besonderes Merkmal ist die sehr hohe Bodenhaftung und das nahtlose Laufverhalten. Auch bei Dämmerung erhöhen die reflektierenden Streifen die Sichtbarkeit und somit die Sicherheit.
- Pirelli Cycl-E GT: Der Pirelli Cycl-E Gt Reifen hat uns positiv beeinflusst und unseren Erwartungen entsprochen. Mit hoher Haltbarkeit und der innovativen Nassgrip-Technik bietet er eine zuverlässige Leistung. Die robuste Bauweise und die spezielle Gummimischung tragen dazu bei, dass der Reifen den Anforderungen entspricht und eine positive Fahrerfahrung gewährleistet.
- Maxxis Re-Volt: Die Maxxis Re-Volt E-Bike-Reifen sind ECE-R75 zertifiziert und damit auch für S-Pedelecs zugelassen. Dank ihres geringen Gewichtes und der glatten Lauffläche für längere Akkudauer, sind sie besonders für die City geeignet. Die verstärkte Karkasse bietet einen hohen Pannenschutz.
- Schwalbe Energizer Plus Tour: Der Energizer Plus Tour E-Bike und Touring Drahtreifen von Schwalbe ist ein solides Produkt im mittleren Preissegment. Besonders zu erwähnen ist der ausgezeichnete Pannenschutz und die Zertifizierung für eine Höchstgeschwindigkeit von bis zu 50 km/h. Der Drahtreifen ist besonders gut für E-Bikes geeignet und bietet Fahrern ein sicheres Fahrerlebnis.
- Michelin Protek Cross: Mit seiner Vielseitigkeit und Zuverlässigkeit überzeugt der Michelin Protek Cross Reifen auf unterschiedlichsten Wegarten. Sein All Terrain-Profil bietet optimalen Grip auf der Straße und im Gelände bei jedem Wetter. Besonders beeindruckend ist der hervorragende Schutz und die Kontrolle auf nassem Untergrund dank der 1-mm-starken Pannenschutzeinlage und dem durchgehenden Profil.
Testergebnisse und Kundenmeinungen
Die folgenden Tabellen fassen die Testergebnisse und Kundenmeinungen zu einigen der genannten Reifen zusammen:
Bewertungen der Redaktion
| Reifenmodell | Note | Käufermeinungen | Besonderheiten |
|---|---|---|---|
| RUHUOTY147CX2 von RUHUO | sehr gut | 136 | Extrem langlebig, hohe Durchstoßfestigkeit, geeignet für Razor MX350, MX400 Dirt-Rocket und X-560 Scooter sowie Mini-Pocket-Bikes |
| Johnny Watts Performance von Schwalbe | sehr gut | 180 | Semi-Slick Profil, hohe Bodenhaftung, gutes Kurvenverhalten, E-Bike-Ready, ECE-R75-Zertifizierung bis 50 km/h |
| 100-559 von Ecovelo | sehr gut | 88 | Verstärkte Seitenwände, reflektierende Streifen, hoher Pannenschutz, speziell für Fatbikes |
| Adventure Tech von Vittoria | sehr gut | 5 | Hohe Bodenhaftung, nahtloses Laufverhalten, reflektierende Seitenwand, geeignet für E-Bikes |
| CYCL-e GT von Pirelli | sehr gut | 4 | Hohe Haltbarkeit, Nassgrip-Technologie, Reflexstreifen, hohe Kurvenstabilität und Grip |
| Re-Volt von Maxxis | sehr gut | 2 | ECE-R75 zertifiziert, geringes Gewicht, glatte Lauffläche, verstärkte Karkasse, hoher Pannenschutz |
| Energizer Plus Tour von Schwalbe | gut | 163 | Ausgezeichneter Pannenschutz, Zertifizierung bis 50 km/h |
| Protek Cross von Michelin | gut | 36 | Vielseitigkeit, Zuverlässigkeit, All Terrain-Profil, hervorragender Schutz auf nassem Untergrund |
Tipps zum Kauf von E-Bike-Reifen
Neben der richtigen Reifengröße und dem passenden Profil gibt es weitere Eigenschaften, die ein guter Fahrradreifen aufweisen sollte:
- Reifengröße: Achten Sie auf die richtige Größenangabe (ETRTO, Zoll oder Millimeter).
- Reifenbreite: Wählen Sie die passende Breite für Ihren Einsatzzweck (schmal für Geschwindigkeit, breit für Komfort und Grip).
- Reifenprofil: Passen Sie das Profil an den Untergrund an (glatt für Asphalt, grob für Gelände).
- Reifentyp: Entscheiden Sie sich zwischen Drahtreifen, Faltreifen oder Tubeless-Reifen (je nach Gewicht, Pannensicherheit und Montage).
- Pannenschutz: Achten Sie auf einen guten Pannenschutz, besonders für E-Bikes.
Verwandte Beiträge:
- Fahrradreifen flicken ohne Flickzeug: Notfall-Reparatur
- Blaue Fahrradreifen 28 Zoll: Die schönsten Modelle & Kaufberatung
- Fahrradreifen ohne Aufpumpen: Luftlose Reifen im Test
- Fahrradreifen mit Motor: E-Bike Reifen Test & Kaufberatung
- Oldtimer Moped Definition: Ab Wann Wird Dein Moped Zum Klassiker?
- Fahrradpedale wechseln leicht gemacht: Schritt-für-Schritt Anleitung für jeden Fahrradliebhaber!
Kommentar schreiben