Viele Fahrradfahrer verwenden bei der Suche nach einem passenden Reifen für ihr Fahrrad noch die längst veralteten und ungenauen Zollangaben. Wenn dann zum Beispiel einfach ein beliebiger 28“ Reifen gekauft wird, kann es beim Aufziehen zu bösen Überraschungen kommen.
„Wieso passt mein 28“ Reifen nicht? Ich habe doch eine 28er Felge!“ Grundsätzlich gilt: 28“ ist nicht gleich 28“! Die jetzt gängige Richttabelle für Reifengrößen finden Sie in der wesentlich genaueren ETRTO-Norm (European Tire and Rim Technical Organization).
Die ETRTO-Norm verstehen
Die ETRTO-Nummer finden Sie geprägt oder gedruckt an Ihrer Reifenflanke. Diese Nummer ist entscheidend für den Kauf eines neuen, passenden Reifens. Sie besteht aus insgesamt fünf Zahlen und einem Bindestrich, zum Beispiel 37-622, und gibt Auskunft über die Breite (37 mm) und den Innendurchmesser (622 mm).
Im Gegensatz dazu, beschreiben die alten Zollmaße den Außendurchmesser des Reifens, dieser ist aufgrund verschiedener Variablen ungenau. Um herauszufinden, ob Reifen und Felge zusammenpassen, betrachten Sie beide Maße.
Hier nochmal das Beispiel: Die Größenbezeichnung der Felge finden Sie ebenfalls an der Flanke. Diese Bezeichnung ist ähnlich aufgebaut und lautet zum Beispiel 622 x 19C. Zunächst müssen der Reifeninnendurchmesser und der Felgenschulterdurchmesser exakt übereinstimmen, in diesem Fall „622“.
Im zweiten Schritt muss auch die Felgenmaulweite zur Reifenbreite passen. Dieses Verhältnis ist allerdings variabler gestaltet, es passen verschiedene Breiten auf eine Felgenmaulweite.
29 Zoll Felge - 28 Zoll Bereifung: Geht das?
Gut zu wissen: Der Felgendurchmesser von 29-Zoll MTB Laufrädern entspricht mit 622 Millimetern exakt dem von 28-Zoll Trekking/Gravel/Rennrad Laufrädern. Unterschied sind jedoch die deutlich größeren Volumina der 29er Reifen - was sich entscheidend auf den Gesamt-Außendurchmesser der Räder auswirkt.
Die Reifengröße 29 Zoll ist eigentlich ein Marketingausdruck für besonders dicke 28-Zoll-Fahrradreifen. Beide Zoll-Größen haben denselben Reifeninnendurchmesser von 622 mm. Theoretisch lassen sie sich also auf die gleichen Felgen montieren, allerdings sollte die Reifenbreite auch zur Felgenbreite (Maulweite) passen.
Die Zoll-Größe des Fahrradreifens bezieht sich auf den Außendurchmesser, während für die Felge der Innendurchmesser des Reifens relevant ist. Zudem entspricht die Reifenhöhe in etwa der Reifenbreite, da der Reifen fast kreisrund ist. Wählt man also bei gleichbleibender Felgengröße einen breiteren Fahrradreifen, vergrößert sich damit der Außendurchmesser des Reifens.
Vorteile breiter Reifen:
- Aufgrund ihrer größeren Kontaktfläche mit dem Boden haben breite Reifen eine bessere Bodenhaftung und fahren über kleinere Bodenunebenheiten einfacher hinweg, was oft als höheren Fahrkomfort empfunden wird.
- Dadurch eignen sie sich besser für Offroad-Fahrten und auf unbefestigten Wegen.
Nachteile breiter Reifen:
- Schmale Reifen sind leichter und bilden weniger rotierende Masse.
- Sie lassen sich daher besser beschleunigen, sind also agiler.
Reifengrößen im Überblick
Nachfolgend sind die gängigen Reifengrößen beim Fahrrad in je einer Tabelle mit den jeweiligen Reifenbreiten aufgelistet. Dabei lassen sich die unterschiedlichen Größenangaben in Zoll, ETRTO und die französische Bezeichnung leicht miteinander vergleichen.
Die ETRTO-Größe ist standardisiert und präzise, sie ist daher ein guter Ausgangspunkt beim Kauf eines neuen Fahrradreifens. Die Zoll-Größe und die französische Größe sind hingegen ungenau, denn sie wurden in der Vergangenheit gelegentlich für Marketingzwecke falsch angegeben, um beispielsweise einen noch leichteren Reifen als die Konkurrenz in „gleicher“ Größe anbieten zu können. Dies erklärt, warum in nachfolgenden Tabellen dieselben Größenangaben teilweise zu mehreren ETRTO-Größen „passen“.
Fahrradreifen 29 Zoll / MTB-Reifen 29 Zoll
29-Zoll-Fahrradreifen sind besonders breite Reifen ab 50 mm Reifenbreite. Meistens werden sie am Mountainbike (MTB) montiert und als 29-Zoll-MTB-Reifen bezeichnet.
| Reifeninnendurchmesser | Reifenbreite | ETRTO | Zoll-Größe |
|---|---|---|---|
| 622 mm | 50 mm | 50-622 | 29 x 2.00 / 28 x 2.00 |
| 622 mm | 54 mm | 54-622 | 29 x 2.10 / 28 x 2.10 |
| 622 mm | 55 mm | 55-622 | 29 x 2.15 / 28 x 2.15 |
| 622 mm | 57 mm | 57-622 | 29 x 2.25 |
| 622 mm | 60 mm | 60-622 | 29 x 2.35 / 28 x 2.35 |
| 622 mm | 75 mm | 75-622 | 29 x 3.00 |
Fahrradreifen 28 Zoll
28-Zoll-Reifen sind auf den meisten Fahrrädern für Erwachsene zu finden. Sie sind üblicherweise auf dem Rennrad, Trekkingrad, Citybike und E-Bike montiert. Ab 50 mm Reifenbreite spricht man auch von 29-Zoll-Fahrradreifen, daher haben diese Reifen in nachfolgender Größentabelle die Zoll-Größen 28" und 29".
| Reifeninnendurchmesser | Reifenbreite | ETRTO | Zoll-Größe | Französische Größe |
|---|---|---|---|---|
| 622 mm | 18 mm | 18-622 | 28 x 3/4 | 700 x 18C |
| 622 mm | 19 mm | 19-622 | 700 x 19C / 700 x 19 | |
| 622 mm | 20 mm | 20-622 | 28 x 3/4 | 700 x 20C |
| 622 mm | 22 mm | 22-622 | 28 x 7/8 | 700 x 22C / 700 x 22 |
| 622 mm | 23 mm | 23-622 | 28 x 0.90 / 28 x 7/8 | 700 x 23C |
| 622 mm | 50 mm | 50-622 | 29 x 2.00 / 28 x 2.00 | 28 x 1.90 |
| 622 mm | 55 mm | 55-622 | 29 x 2.15 / 28 x 2.15 | |
| 622 mm | 60 mm | 60-622 | 29 x 2.35 / 28 x 2.35 |
Aufgrund der verschiedenen Reifeninnendurchmesser sollte beim Kauf eines Reifens unbedingt auf die standardisierte ETRTO-Größenbezeichnung geachtet werden.
Die Evolution der Laufradgrößen
Bevor das Mountainbike die Radsport-Bühne in den Achtziger Jahren erstürmte, hatte sich kaum jemand wirklich Gedanken um die Laufradgröße am Fahrrad gemacht. Denn bis auf Kinderräder rollte praktisch jedes Zweirad mit Kurbelantrieb auf 28-Zoll-Rädern über die Straßen.
Und das gilt für einen großen Teil der Fahrräder bis heute: Trekkingbikes, Tourenräder, Citybikes, Rennräder und Gravelbikes. Auch wenn es innerhalb dieser Kategorien mittlerweile Ausnahmen gibt.
Mit dem Mountainbike etablierte sich nicht nur eine komplett neue Radsport-Variante in der Szene. Das MTB setzte mit seinen deutlich kleineren 26-Zoll-Rädern auch für viele Jahre einen neuen Standard bei der Laufrad-Technik.
Der Grund: Im Gelände waren stabilere Konstruktionen gefragt. Außerdem sollten die kompakteren Laufräder den bulligen Bikes ein agileres Fahrverhalten verleihen. Doch die Aera 26-Zoll ist seit einigen Jahren vorbei!
Man hat mittlerweile erkannt, dass Laufräder mit einem größeren Durchmesser generell besser über kleine und große Hindernisse rollen. Außerdem ermöglichen moderne und leichte Materialien im Laufradbau, die Nachteile in Punkto Gewicht und Steifigkeit wett zu machen.
Deshalb dominieren heute die Durchmesser 27,5- und 29-Zoll am Mountainbike. Wichtig zu wissen: Beide Durchmesser rollen besser im Gelände als die alten (kleinen) 26-Zöller.
Denn physikalisch bedingt bleibt ein großes Rad nicht so leicht an Kanten und Hindernissen hängen. Du kennst das sicher, wenn dein Vorderrad bei geringem Tempo beispielsweise an einer Wurzel „stehen“ bleibt. Die Lösung: Je größer das Laufrad ist, desto leichter hebelt es sich quasi über die Schwelle hinweg.
Außerdem erhöht sich mit dem Durchmesser eines Rades auch die Aufstandsfläche des Reifens. Und damit die Traktion des Bikes. Ein weiterer Vorteil im Gelände. Bei Hardtail MTBs ist der Wechsel zu 29 Zoll bis heute fast ausnahmslos vollzogen worden.
Und selbst Fullys mit 150 Millimeter und mehr Federweg werden zunehmend mit 29-Zoll-Fahrwerken entwickelt. Moderne Geometrien und ausgeklügelte Technik beim Laufradbau machen es möglich, dass sich die großen Räder genauso wendig und agil fahren wie einst ein 26-Zöller.
27,5 Zoll vs. 29 Zoll
Besonders bei kleinen Rahmengrößen (S oder XS) stößt 29 Zoll an seine Grenzen. Der Radstand gerät dann im Verhältnis zur Rahmengröße sehr lang. Geometrie und Lenkverhalten werden träge. Deshalb machen hier 27,5-Zoll-Laufräder mehr Sinn.
Hersteller wie CUBE bieten beispielsweise aus diesem Grund bei manchen Modellreihen eine „Split-Size“-Option an: Die kleinen Rahmengrößen rollen auf 27,5-Zoll und die großen auf 29-Zoll-Laufrädern. Somit genießen Fahrer und Fahrerinnen jeder Körpergröße die optimalen Fahreigenschaften.
Auf der anderen Seite der Extreme findet man 27,5-Zoll-Laufräder häufig an Bikes mit langen Federwegen, meist ab 140 bis 150 Millimetern. Viele Freerider und Enduro-Piloten legen Wert auf maximale Stabilität und schwören deshalb auf die etwas kompakteren Räder.
Sonderfälle: 27,5 Plus und Mixed-Wheels
Vereinzelt sieht man Bikes mit der Laufradgröße 27,5 Zoll+ (Plus). Dabei handelt es sich um Felgen mit dem normalen 27,5-Zoll-Maß, die jedoch mit besonders großvolumigen Reifen ausgestattet sind. Solche Laufräder passen jedoch nur an Bikes mit entsprechend-breiten Hinterbauten und Federgabeln (Durchlass/Reifenfreiheit).
Ein weiterer Trend der sich abzeichnet, sind Bikes mit so genannten „Mixed-Wheelsets“. Hier werden die beiden Laufradgrößen 29 Zoll (Vorderrad) und 27,5 Zoll (Hinterrad) kombiniert. Grund: Vorne so groß wie möglich für optimales Überrollverhalten, hinten etwas kompakter für beste Kraftübertragung und Beschleunigung.
Laufräder für verschiedene Fahrradtypen
Laufräder für Gravelbikes
Die angesagten Gravelbikes entwickelten sich über die Variante Cyclocross ursprünglich aus dem Rennradsport heraus. Es handelt sich also im Prinzip um geländegängige Rennräder, in der Regel ausgestattet mit ebensolchen 28-Zoll-Laufrädern.
Die Offroad-tauglichkeit definiert sich beim Gravelbike hauptsächlich über das Volumen der Reifen (Reifenbreite). Das wiederum hängt davon ab, wie groß der Durchlass an Hinterbau und Gabel ist (Reifenfreiheit). Das Maximum liegt hier meist zwischen 30 und 40 Millimeter.
Gravelbikes der neuesten Generation bieten teilweise die Möglichkeit, neben 28-Zoll-Standardrädern wahlweise 27,5-Zoll-Laufräder (650B) einzusetzen, die dann mit 40 oder 50 Millimeter breiten Reifen gefahren werden können. Damit wildern diese Gravelmodelle fast schon im Revier von CrossCountry Mountainbikes.
Kernige Schotterwege und sogar Flowtrails sind damit definitiv kein Problem.
Laufräder für Trekking- und Citybikes
Die meisten Bikes dieser Gattungen rollen auf „normalen“ 28-Zoll-Laufrädern. Ein guter Kompromiss für den Einsatz auf Asphalt sowie im leichten Gelände. Entscheidend für den Komfort ist hier vor allem die Wahl des richtigen Reifens.
Wie bei den Gravelbikes findet man auch unter den Trekking- und Tourenbikes einzelne Modelle, die mit 27,5-Zoll Laufrädern in Richtung besserer Geländetauglichkeit getrimmt sind. Sie bieten mehr Reifenfreiheit und damit höheren Komfort. Perfekt als robustes Reiserad mit Gepäckzuladung.
Laufräder für Rennräder
Im Straßenrennsport spielen 28-Zoll-Laufräder ihre Stärken aus, egal ob Leichtbau-, Aero- oder andere Varianten. Ihr großer Durchmesser von 622 Millimeter sorgt für Laufruhe und Tempo. Hauptmerkmal von Rennrad-Laufrädern sind erwartungsgemäß ihre relativ schmalen Felgen.
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