Continental Fahrradreifen im Test: Welcher Reifen ist der Richtige für Sie?

Was wissen Sie über die Reifen an Ihrem Rad? Wenig? Nichts? Egal! Lassen Sie sich überraschen, wie viel Technik unter den unscheinbaren schwarzen Gummis steckt.

Zunächst: Reifen ist nicht gleich Reifen. Die Konstruktion des Reifens spielt eine große Rolle und prägt den Fahreindruck wie kein anderes Teil am Rad. Ein extremes Beispiel gefällig? Welche geniale Erfindung der Luftreifen ist, erkennt man, wenn man luftlose Plastik­reifen fährt.

Unkaputtbar, vielleicht, aber unsicher rumpelnd und gänzlich ungedämpft; man wünscht sich auf der Stelle den Luftreifen zurück. Um die geht es hier. Alle sind viel besser als Plastikreifen, aber in gar nicht so kleinen Details unterscheiden sich auch die Luftreifen.

Ihre Form beeinflusst das Lenkverhalten, ihre Nachgiebigkeit prägt den Komforteindruck - und ihr Grip die Fahrsicherheit. Und über die Möglichkeit, den Reifendruck zu variieren, können Sie die Eigenschaften des Reifens in erstaunlichem Umfang an die Strecke und Ihre Vorlieben anpassen.

Test von Fahrradreifen für verschiedene Einsatzbereiche

Wir haben - mit enormem Aufwand auf verschiedenen Prüfständen und in der Praxis - elf Reifen in den Kategorien Reise/Tour, City/Asphalt und E-Bike getestet, ­wobei sich die Eigenschaften der Pneus in den drei ­Kategorien zum Teil deutlich überschneiden.

Die 11 Reifen für Reise, Tour und City im Test

  • Conti Contact Plus Travel
  • Goodyear Transit Tour
  • Schwalbe Marathon GT Tour
  • WTB Venture 50
  • Continental Contact Plus
  • CST Platinum Protector
  • Kenda Khan II KS+
  • Schwalbe Energizer Plus Tour
  • Continental Top Contact II
  • Schwalbe Marathon Racer
  • Maxxis Overdrive Excel

Die Reisereifen bieten etwas mehr oder offeneres Profil für sicheren Halt abseits der Straße; sie sollten möglichst gut rollen. In die E-Bike-Kategorie sortierten wir schwere, robuste Reifen, die auf Sicherheit und Grip getrimmt sind. Die reinen Asphaltreifen sind weniger profiliert und vereinzelt schmaler.

Die Reifen sind zwischen 38 und 50 Millimeter breit und wiegen zwischen 546 und 1.427 (!) Gramm - ein weites Spektrum. Getestet haben wir alle Reifen auf demselben Kurs, der von Asphalt über Schotter bis zu unbefestigten Waldwegen alle gängigen Untergründe beinhaltet.

Auf losem und rutschigem Untergrund gibt es nur zwei Reifen, die sehr deutlich aus dem Testfeld herausragen. Der WTB Venture entwickelt deutlich mehr Kurvengrip als die anderen, während Schwalbes schmal designter Marathon Racer im Gelände nicht ganz mithält. Im Prinzip kann man aber mit allen Reifen auch abseits der Straße fahren.

Ein steiler Anstieg auf Schotter war mit allen Pneus machbar. Auch im Fahrgefühl auf Asphalt gibt es markante Unterschiede. Die stark variierenden Gewichte sind deutlich in der Lenkung spürbar und kosten Energie, beispielsweise in der Stadt beim ständigen Beschleunigen.

Mit dem E-Bike verliert dieser Punkt naturgemäß an Bedeutung. Wer nur mit Muskelkraft unterwegs ist, sollte eher einen Blick auf Reifengewicht und Leichtlauf werfen. Für E-Biker bieten sich besonders ­pannensichere Reifen an, die auch Bordsteinrumpler wegstecken, denn die motorisierten Bikes sind schwerer und nicht so leicht über Hindernisse zu lupfen.

S-Pedelec-Fahrer müssen sich zudem an die für ihr Rad zugelassenen Reifen halten. Für normale Pedelecs ist die Auswahl ähnlich groß wie für unmotorisierte Fahrräder.

Im Kurvenverhalten offenbaren die Reifen ebenfalls spürbare Unterschiede. Der Goodyear ist besonders rassig abgestimmt; der Transit Tour kippt sehr dynamisch in Kurven ab, fährt sich dadurch ausgesprochen sportlich und dank seines großen Volumens dennoch vertrauenerweckend. Auch die Schwalbe-Reifen lenken spritzig ein. Conti legt seine Reifen vergleichsweise neutral aus, ähnlich wie die anderen Hersteller im Test.

Pannenschutz: Strategien der Hersteller

Um ihre Reifen pannensicher zu machen, verfolgen die Hersteller im Wesentlichen zwei Strategien. Manche Reifen haben eine extradicke Gummischicht unter der Lauffläche, um Dornen oder spitze Steine abzuwehren. Andere Modelle tragen schnittsichere Spezialgewebe unter der Lauffläche, so zum Beispiel Contis Top Contact II. Das bringt Sicherheit, ohne auf die Waage zu drücken.

Zwei Reifen im Testfeld kann man auch ohne Schlauch fahren, was den Pannenschutz ebenfalls verbessert: Goodyear hat eine luftdichte Karkasse, WTB ist „tubeless-ready“, kann also ohne Schlauch (dafür mit Dichtflüssigkeit) gefahren werden. Beim WTB ist tubeless sogar dringend geraten, da der Pannenschutz sonst sehr schwach ist.

Rollwiderstand und Pannenschutz im Labor

Wie gut die Reifen die sich widersprechenden Eigenschaften Leichtlauf und Pannenschutz vereinen, haben wir im Labor getestet. Dabei hat sich gezeigt, dass die Unterschiede im Rollwiderstand erheblich sind. Wenn Konstruktion und Gummimischung nicht rollfreudig sind, hilft es auch nicht, die Reifen härter aufzupumpen - eher verschlechtert das den Fahreindruck.

Am leichtesten rollt Schwalbes Marathon Racer, was aufgrund der leichten Bauart zu erwarten war. Überraschend ist hingegen, dass ihm sein doppelt so schwerer Markenbruder Marathon GT Tour im Leichtlauf Paroli bietet. Er ist der mit Abstand schnellste Allrounder und damit einen Extra-Tipp wert.

Continental Fahrradreifen im Vergleich

Hier ist ein Vergleich verschiedener Continental Fahrradreifen, basierend auf den bereitgestellten Daten:

Modell Größe und Typ Gewicht Geeignet für Einsatzzweck Eigenschaften
Continental Grand Prix 4 32-622 mm, Faltreifen 320 g Rennrad Asphalt und befestigte Radwege Geringes Profil, ideal für Straße und Feldwege, Ganzjahresreifen
Continental Grand Prix 5000 25-622 mm, Drahtreifen 249 g Rennrad Asphalt Besonders pannensicher dank Vectran-Faser, glattes Profil
Continental Ride Tour Reflex 42-622 mm, Drahtreifen 720 g Trekking-Bike, City-Bike, E-Bike (bis 50 km/h) Asphalt und befestigte Radwege Mit Reflektorstreifen, besonders pannensicher, geringes Profil
Continental Grand Prix GT 28-622 mm, Faltreifen 295 g Rennrad, Gravel-Bike Asphalt Glattes Profil, besonders pannensicher, mit Reflektorstreifen
Continental Contact Speed 42-559 mm, Drahtreifen 500 g Rennrad, Trekking-Bike, City-Bike, E-Bike (bis 25 km/h) Asphalt Glattes Profil, mit Reflektorstreifen
Continental Contact Plus 40-622 mm, Drahtreifen 930 g MTB, E-Bike (bis 25 km/h) Asphalt und befestigte Radwege Auch für E-Bikes geeignet, geringes Profil, mit Reflektorstreifen
Continental Race King 50-622 mm, Faltreifen 650 g Rennrad Gelände Auch für E-Bikes geeignet, grobes Profil, besonders pannensicher
Continental Ultra Sport 3 Performance 28-622 mm, Faltreifen 300 g Rennrad Asphalt Glattes Profil, besonders pannensicher, sehr gute Griffigkeit

Fazit

Unser Test zeigt, dass in Reifen viel Technik steckt: Die klug konstruierten Produkte ernten die besten Noten. An der Spitze stehen zweimal Schwalbe und einmal Conti - das spiegelt auch in etwa die Kräfteverhältnisse am Markt wider. Schwalbe dominiert in der Erstausstattung der Räder. Am ehesten haben spezialisierte Exoten wie WTB die Chance, daneben noch Nischen zu besetzen.

Fahrradreifen haben kein leichtes Leben: Steine, Dornen und Glasscherben trachten täglich nach ihrer Luft. Schotter sowie Flur- oder Waldwegen gute Leistung bringen. Die schwarzen Rundlinge müssen also viel leisten, wodurch das Lastenheft dementsprechend lang ausfällt.

In diesem Test finden Sie ausgesprochene Allroundreifen, die am City-, Trekking-, Fitnessrad, Randonneur und Gravelbike eine mehr oder weniger gute Figur machen. Vertreten sind herkömmliche Trekking-, aber auch Gravelreifen. Daher ist es auch interessant, wie die Reifen untereinander, aber eben auch im direkten Vergleich mit dem jeweils anderen Genre abschneiden!

Bei den Marken finden sich Modelle von Continental und Schwalbe, die im deutschsprachigen Markt den Ton angeben. Damit ein Reifen bestmöglich mit allen Ansprüchen und Bedingungen zurecht kommt, ist immer ein Kompromiss nötig.

Um Ihnen daher den bestmöglichen Überblick zu verschaffen, haben wir einen Praxis- und Prüfstandtest durchgeführt. Dabei erfolgt der Praxistest auf zahlreichen Testfahrten im Alltag, beim Pendeln und Wochenendtouren.

Oft sind Tuningteile teuer, sparen nur wenige Gramm, besitzen ein Gewichtslimit oder eine verringerte Lebensdauer. Beim Tausch der Reifen sollten auch gleich die Schläuche mitgewechselt werden, denn sie unterliegen ebenfalls einem Verschleiß.

Wer dann etwa auf leichte Modelle setzt, spart teils ordentlich Gewicht und senkt leicht den Rollwiderstand bei einem nur geringen Preisaufschlag. Zudem sollte man einen Blick auf die verschiedenen Materialien Butyl, Latex und TPU werfen.

Weiterhin spielt auch das Felgenband eine wichtige Rolle, denn es verdeckt die Speichennippel-Löcher und dichtet somit die Felge ab.

Tubeless-System

Im City- und Trekkingbereich findet man das Tubeless-System noch immer sehr selten. Dabei wird ein Reifen mit einem speziellen Aufbau bei Reifenwulst und Karkasse ohne Schlauch, aber mit Dichtmilch montiert.

Letztere generiert keinen Rollwiderstand, verteilt sich im Reifeninneren und kann bei einem Defekt wie einem Durchstich oder einem kleinen Schnitt die Schadensstelle aktiv reparieren. Allerdings muss die Dichtmilch alle 4 bis 6 Monate nachgefüllt werden. Der Aufwand dafür ist überschaubar und entgegen der verbreiteten Meinung kein Hexenwerk.

Im Test sind nur die Gravelreifen für Tubeless freigegeben, können aber bei Bedarf jederzeit auch mit Schlauch gefahren werden. In der Praxis stammen die häufigsten Pannen nicht von Kanten, Steinen oder Dornen, sondern sind auf einen zu niedrigen Luftdruck zurückzuführen.

Dadurch walken Schlauch und Reifen viel stärker, was sie über Gebühr verschleißt und rissig werden lässt. Kippt der Reifen in der Kurve etwa über die Felge, kann die Kontrolle über das Vorderrad schlagartig verloren gehen, was zu gefährlichen Fahrsituationen führen kann.

Daher sollte der Luftdruck regelmäßig überprüft werden, im besten Fall alle zwei Wochen. Mit einer soliden Standpumpe geht das zuhause schnell und einfach. Da die Hersteller beim Luftdruck eher auf Nummer sicher gehen, empfehlen wir, sich eher am Minimalwert zu orientieren.

Wer schwerer ist oder viel Gepäck mitschleppt, sollte den Druck aber noch leicht erhöhen.

Beim Montageverhalten montieren wir alle Reifen auf verschiedene Laufräder und achten im Detail auf den Kraftaufwand, die Notwendigkeit eines Reifenhebers und wie schnell sich die Reifen richtig im Felgenbett setzen.

Das Handling der meist starren Trekkingmodelle ist hingegen umständlicher und benötigt oft die Hilfe von Reifenhebern. Nach der Montage vermessen wir die Reifen und vergleichen die Werte mit der Herstellerangabe. Dabei fällt auf, dass die meisten Reifen nur wenig abweichen.

Beim Pannenschutz setzen die Hersteller auf zwei verschiedene Systeme: Hochdichte, engmaschige Gewebe sind besonders leicht und flexibel, sind aber teuer und schützen nicht so effizient vor Durchschlägen.

Sie werden meist bei Gravelreifen und eher teuren Trekkingreifen eingesetzt. Dicke Gummieinlagen unter der Lauffläche agieren als Abstandhalter, erhöhen aber das Gewicht und teils den Rollwiderstand recht deutlich.

Beim Schutz gegen Durchstiche werden drei Tests durchgeführt. Dabei wird im ersten Test die Sicherheit gegen Dornen, Nägel oder Draht überprüft und ein spitz zulaufender Metalldorn durch die Lauffläche gedrückt. Hier überzeugen vor allem Condura, CST, Michelin und die beiden Schwalbe Marathons.

Beim zweiten Test simuliert ein flacher Prüfdorn die Abwehr gegenüber scharfkantigen Glasscherben oder Steinen. Michelin CityStreet, Scalato Mondano und vor allem Schwalbe Marathon E-Plus sowie G-One setzen sich teils deutlich ab.

Der dritte Test überprüft die Widerstandsfähigkeit der Flanken, um gegen Kanten, große Steine oder Äste am Boden gewappnet zu sein. Maxxis, Michelin City Street und Schwalbes Marathon E-Plus sowie G-One bieten hier sehr hohen Schutz.

Am Ende kristallisieren sich in Summe aller Pannenschutztests folgende Champions heraus: Bei den Trekkingreifen bestechen Michelins CityStreet und vor allem Schwalbes Marathon E-Plus. Bei den Gravelreifen überzeugen vor allem Teravail und Schwalbe.

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