Was wissen Sie über die Reifen an Ihrem Rad? Wenig? Nichts? Egal! Lassen Sie sich überraschen, wie viel Technik unter den unscheinbaren schwarzen Gummis steckt. Zunächst: Reifen ist nicht gleich Reifen. Die Konstruktion des Reifens spielt eine große Rolle und prägt den Fahreindruck wie kein anderes Teil am Rad.
Welche geniale Erfindung der Luftreifen ist, erkennt man, wenn man luftlose Plastikreifen fährt. Unkaputtbar, vielleicht, aber unsicher rumpelnd und gänzlich ungedämpft; man wünscht sich auf der Stelle den Luftreifen zurück. Um die geht es hier. Alle sind viel besser als Plastikreifen, aber in gar nicht so kleinen Details unterscheiden sich auch die Luftreifen. Ihre Form beeinflusst das Lenkverhalten, ihre Nachgiebigkeit prägt den Komforteindruck - und ihr Grip die Fahrsicherheit. Und über die Möglichkeit, den Reifendruck zu variieren, können Sie die Eigenschaften des Reifens in erstaunlichem Umfang an die Strecke und Ihre Vorlieben anpassen.
Wenn es um das Fahrerlebnis geht, ist der Reifen wohl eines der wichtigsten Teile am Fahrrad. Reifen müssen nämlich nicht nur gut rollen, sondern noch einiges mehr können. Ein guter Fahrradreifen muss besonders strapazierfähig sein, er muss in den Kurven und beim Beschleunigen Grip bieten und er muss einen guten Pannenschutz aufweisen. Doch damit nicht genug: Am E-Bike sind die Anforderungen an die Reifen nämlich noch größer, schließlich treten aufgrund der stärkeren Beschleunigung und des höheren Fahrradgewichts deutlich größere Kräfte auf als beim klassischen Bike. Nicht umsonst werden für E-Bikes bis 25 km/h Fahrradreifen mit der Kennzeichnung "E-Bike Ready 25" empfohlen. Für die schnelleren S-Pedelecs bis 45 km/h schreibt der Gesetzgeber sogar spezielle Reifen mit einer sogenannten ECE-R75-Zulassung vor.
Egal ob klassisches Fahrrad oder E-Bike - wer auf der Suche nach neuen Reifen für sein City-Bike ist, hat die Qual der Wahl. Aus diesem Grund stellen wir im Folgenden elf aktuelle Fahrradreifen vor, die perfekt auf die Anforderungen im urbanen Alltag ausgerichtet sind.
Die getesteten Reifen im Überblick
Wir haben - mit enormem Aufwand auf verschiedenen Prüfständen und in der Praxis - elf Reifen in den Kategorien Reise/Tour, City/Asphalt und E-Bike getestet, wobei sich die Eigenschaften der Pneus in den drei Kategorien zum Teil deutlich überschneiden. Die 11 Reifen für Reise, Tour und City im Test:
- Conti Contact Plus Travel
- Goodyear Transit Tour
- Schwalbe Marathon GT Tour
- WTB Venture 50
- Continental Contact Plus
- CST Platinum Protector
- Kenda Khan II KS+
- Schwalbe Energizer Plus Tour
- Continental Top Contact II
- Schwalbe Marathon Racer
- Maxxis Overdrive Excel
Die Reifen sind zwischen 38 und 50 Millimeter breit und wiegen zwischen 546 und 1.427 (!) Gramm - ein weites Spektrum. Getestet haben wir alle Reifen auf demselben Kurs, der von Asphalt über Schotter bis zu unbefestigten Waldwegen alle gängigen Untergründe beinhaltet.
Fahreigenschaften und Besonderheiten
Auch im Fahrgefühl auf Asphalt gibt es markante Unterschiede. Die stark variierenden Gewichte sind deutlich in der Lenkung spürbar und kosten Energie, beispielsweise in der Stadt beim ständigen Beschleunigen. Mit dem E-Bike verliert dieser Punkt naturgemäß an Bedeutung. Wer nur mit Muskelkraft unterwegs ist, sollte eher einen Blick auf Reifengewicht und Leichtlauf werfen. Für E-Biker bieten sich besonders pannensichere Reifen an, die auch Bordsteinrumpler wegstecken, denn die motorisierten Bikes sind schwerer und nicht so leicht über Hindernisse zu lupfen. S-Pedelec-Fahrer müssen sich zudem an die für ihr Rad zugelassenen Reifen halten. Für normale Pedelecs ist die Auswahl ähnlich groß wie für unmotorisierte Fahrräder.
Im Kurvenverhalten offenbaren die Reifen ebenfalls spürbare Unterschiede. Der Goodyear ist besonders rassig abgestimmt; der Transit Tour kippt sehr dynamisch in Kurven ab, fährt sich dadurch ausgesprochen sportlich und dank seines großen Volumens dennoch vertrauenerweckend. Auch die Schwalbe-Reifen lenken spritzig ein. Conti legt seine Reifen vergleichsweise neutral aus, ähnlich wie die anderen Hersteller im Test.
Pannenschutz: Strategien der Hersteller
Um ihre Reifen pannensicher zu machen, verfolgen die Hersteller im Wesentlichen zwei Strategien. Manche Reifen haben eine extradicke Gummischicht unter der Lauffläche, um Dornen oder spitze Steine abzuwehren. Andere Modelle tragen schnittsichere Spezialgewebe unter der Lauffläche, so zum Beispiel Contis Top Contact II. Das bringt Sicherheit, ohne auf die Waage zu drücken. Zwei Reifen im Testfeld kann man auch ohne Schlauch fahren, was den Pannenschutz ebenfalls verbessert: Goodyear hat eine luftdichte Karkasse, WTB ist „tubeless-ready“, kann also ohne Schlauch (dafür mit Dichtflüssigkeit) gefahren werden. Beim WTB ist tubeless sogar dringend geraten, da der Pannenschutz sonst sehr schwach ist.
Rollwiderstand und Leichtlauf
Dabei hat sich gezeigt, dass die Unterschiede im Rollwiderstand erheblich sind. Wenn Konstruktion und Gummimischung nicht rollfreudig sind, hilft es auch nicht, die Reifen härter aufzupumpen - eher verschlechtert das den Fahreindruck. Am leichtesten rollt Schwalbes Marathon Racer, was aufgrund der leichten Bauart zu erwarten war. Überraschend ist hingegen, dass ihm sein doppelt so schwerer Markenbruder Marathon GT Tour im Leichtlauf Paroli bietet. Er ist der mit Abstand schnellste Allrounder und damit einen Extra-Tipp wert.
Continental Contact Plus im Detail
Der Continental Contact Plus weiß in allen Kategorien zu überzeugen, außer beim Gewicht. Mit 955 Gramm dürfte der Reifen vielen Radfahrern einfach zu schwer sein. Der Continental Contact Plus ist ein Reifen extra für Pendler und Lastenräder. Mit dem Fahrradreifen Continental Contact Plus ist jedes Tourenrad exzellent bereift.
Fazit zum Continental Contact Plus
Wäre er doch etwas leichter: Der Contact Plus rollt spitzenmäßig und holt Bestwerte bei allen Sicherheitstest. Wer Pannen hasst, sollte hier zugreifen.
Vorteile:
- Ausgezeichneter Pannenschutz
- Sehr niedriger Rollwiderstand
Nachteile:
- Hohes Gewicht
Technische Daten des Continental Contact Plus
- Preis: 37,90 Euro
- Breite laut Hersteller: 37 Millimeter
- Breite gemessen: 35,7 Millimeter
Sicherheitsbewertung des Continental Contact Plus
| Testkriterium | Wertung |
|---|---|
| Sicherheit Klinge | ★★★★★ |
| Sicherheit Stich | ★★★★★ |
| Sicherheit Seitenwand | ★★★★★ |
| Rollwiderstand | ★★★★★ |
Klingen, Nägel und Angriffe auf die Seitenwand können diesem Modell von Conti in unserem Vergleich am wenigsten anhaben. Auch in puncto Rollwiderstand kann nur die Konkurrenz von Schwalbe (Schwalbe Marathon GT Tour) mithalten.
Weitere empfehlenswerte Reifen für den urbanen Einsatz
Neben dem Continental Contact Plus gibt es noch weitere Reifen, die sich für den Einsatz im urbanen Raum eignen. Hier eine kleine Auswahl:
- Continental eContact Plus: Ein Reifen extra für Pendler und Lastenräder.
- Vittoria Urbano: Ein sehr robuster, urbaner Reifen mit gutem Grip und zusätzlichem Pannenschutz.
- WTB Groov-E: Ein zuverlässiger und günstiger Reifen mit reflektierendem Streifen.
- Schwalbe Pick-Up: Schwalbes erster Cargobike-Reifen mit extra-stabiler Doppelkarkasse.
- Vittoria Revolution Tech: Ein leichtgewichtiger und sicherer Reifen mit Graphene-Mischung.
- Continental Contact Urban: Ein Reifen ideal für befestigte Wege und Asphalt, auch für S-Pedelecs zugelassen.
- Continental Ride City: Ein solider Reifen für Cityräder mit gutem Pannenschutz.
- Michelin Protek Max: Ein vielseitig einsetzbarer Reifen mit dicker Pannenschutzlage und reflektierenden Streifen.
- Pirelli Angel DT Urban: Ein Reifen für Stadtradler, der Zuverlässigkeit und Reaktionsschnelligkeit bietet.
- Pirelli Angel GT Urban: Ein Reifen für E-Bikes und S-Pedelecs, der Wendigkeit, Grip und Geschwindigkeit bietet.
- Schwalbe Marathon E-Plus: Die E-Bike-Variante des Klassikers mit Extra-Pannenschutz und ECE-R75 Zertifizierung.
Continental-Fahrradreifen im Vergleich
Hier eine Übersicht einiger Continental-Fahrradreifen im Vergleich:
| Modell | Reifengröße in Zoll | Reifen-Typ | Vorteile | Nachteile |
|---|---|---|---|---|
| Continental Grand Prix 4 | 28 x 1,25 Zoll | Faltreifen | Geringes Profil, ideal für Straße und Feldwege, Ganzjahresreifen | Ohne Reflektorstreifen |
| Continental Grand Prix 5000 | 28 x 1,1 Zoll | Drahtreifen | Besonders pannensicher dank Vectran-Faser, glattes Profil, ideal für die Straße | Ohne Reflektorstreifen |
| Continental Ride Tour Reflex | 28 x 1,6 Zoll | Drahtreifen | Mit Reflektorstreifen, besonders pannensicher, geringes Profil | Vergleichsweise hohes Eigengewicht |
| Continental Grand Prix GT | 28 x 1,1 Zoll | Faltreifen | Glattes Profil, besonders pannensicher, mit Reflektorstreifen | Nicht für E-Bikes geeignet |
| Continental Contact Speed | 26 x 1,6 Zoll | Drahtreifen | Glattes Profil, mit Reflektorstreifen | Nicht für E-Bikes geeignet |
| Continental Contact Plus | 28 x 1,5 Zoll | Drahtreifen | Auch für E-Bikes geeignet, geringes Profil, mit Reflektorstreifen | Vergleichsweise hohes Eigengewicht |
| Continental Race King | 29 x 2 Zoll | Faltreifen | Auch für E-Bikes geeignet, grobes Profil, besonders pannensicher | Ohne Reflektorstreifen |
| Continental Ultra Sport 3 Performance | 28 x 1,1 Zoll | Faltreifen | Glattes Profil, besonders pannensicher, sehr gute Griffigkeit und Laufleistung | Ohne Reflektorstreifen |
Unser Test zeigt, dass in Reifen viel Technik steckt: Die klug konstruierten Produkte ernten die besten Noten. An der Spitze stehen zweimal Schwalbe und einmal Conti - das spiegelt auch in etwa die Kräfteverhältnisse am Markt wider. Schwalbe dominiert in der Erstausstattung der Räder. Am ehesten haben spezialisierte Exoten wie WTB die Chance, daneben noch Nischen zu besetzen. In den Steckbriefen finden Sie alle Details zu den Reifen und vielleicht Ihren persönlichen Favoriten jenseits unseres Bewertungssystems.
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