Das Angebot an Fahrradreifen ist für Laien längst unüberschaubar geworden. Allein der Hersteller Schwalbe beispielsweise führt 47 verschiedene Fahrrad-Reifenmodelle in jeweils mehreren Größen in seinem Programm. Und es tummeln sich noch viele weitere Anbieter auf dem Markt, die ebenfalls um Kundschaft buhlen.
Die Qual der Wahl: Reifengrößen und Bezeichnungen
Bei den Reifengrößen hat sich eine merkwürdige Entwicklung vollzogen. Wenn etwa vom 28-Zoll-Fahrradreifen die Rede ist, können ganz unterschiedliche Benennungsphilosophien dahinter stehen. Die Ursache dafür liegt traditionell darin begründet, dass sich seit jeher die unterschiedlichen nationalen Maßsysteme etablieren konnten. Die Zollbezeichnung gibt entweder den Außendruchmesser des Reifens - nicht: des Laufrades - preis und steht entweder im Verbund mit der Reifenbreite in Zoll; oder sie ist mit gleich zwei weiteren, zollbasierten Maßbezeichnungen zu lesen, die Höhe und Breite des Reifens bezeichnen. Ein 28-Zoll-Reifen kann also ganz unterschiedliche Breiten haben. Ein Zahlenverwirrspiel, das den Fachhändler freut und den Einsteiger nervt?
Kurz- und Langformen bei Zollangaben
Ganz genauo sieht es aus. Nicht nur, dass das Hineingrätschen der ETRO (European Tire ans Rim Technical Organisation oder die Europäische Reifen- und Felgen-Sachverständigenorgnaisation) zur Vereinheitlichung der unterschiedlichen Größenangaben nicht viel genützt hat, denn aus Tradition hält die Praxis an ihren Kürzeln für Reifendurchmesser, Breite und gegebenfalls auch der Höhe fest. Noch dazu gibt es bei den Zollbezeichnungen für die Reifenbreite ein Dezimal-Zahl- und ein Dezimal-Bruchmaß.
Um am Beispiel eines 28er-Reifens zu bleiben: Es kann einem Käufer ein 28 x 1,50-Zoll-Reifen angeboten werden, ein Modell mit der Kurzform 28 x 1 1/8 Zoll oder mit der Langform 28 x 1 5?8 x 1 1?8 Zoll. Als nähme der Schrecken kein Ende, gibt es für einen ungefähr 28 Zoll durchmessenden Reifen auch noch die französische Maßbezeichnung. Am Beispiel: Bei 700 x 35C bezeichnet die erste Zahl den Außendurchmesser des Reifens, die zweite die Breite - jeweils in Millimeter. Der Buchstabe C wiederum gibt einen Hinweis auf den Reifeninnendurchmesser. Ironischweise sind sämtliche Zahlen im Grunde nur Näherungswerte - man spricht in jedem Fall nur vom „ungefähren“ Außendurchmesser.
ETRO schafft Klarheit bei den Bennennungsphilosophien
Bleibt also nichts anderes übrig, als sich die Unterschiede einzuprägen und grob im Hinterkopf zu behalten, dass 28 × 1,50 Zoll eine völlig andere Größe als 28 × 11/2 Zoll ist und beides daher nicht untereinander austauschbar. Oder man vertraut auf die Fachberatung im Handel und staunt, dass beim Verlangen nach einem „28er-Rad“ ein ambitionierter Auskenner beginnt, über das komplexe Zusammenspiel des Reifeninnendurchmessers mit dem Felgenschulterdurchmesser einerseits und der Reifenbreite mit der Felgenmaulweite andererseits zu schwadronieren.
Wer lieber in Ruhe online nach Wegen des Durchblicks sucht - und zum Beispiel auf die Homepage von Schwalbe navigiert - , der erfährt, dass dieser besonders gern breite Reifen baut, die wiederum Einfluss auf die Kompatibilität mit den Fahrradtypen und Rahmen haben. Spätestens dann wird dem Einsteiger bewusst, warum der Durchschnittsradler sich doch lieber am Sprachgebrauch orientiert und auf die Frage, welche Reifengröße er fahre, schweigend auf seine „28er“ zeigt. Erleichterung verschafft ihm am Ende des Tages die Antwort, dass sich 28- und 29-Zöller den gleichen Innendurchmeser von 622 Millimeter teilen und daher auf die gleichen Felgen montiert werden können. ETRO hat also doch seine Berechtigung da sie eindeutige Werte bringt.
E-Bike-Reifen: Spezielle Anforderungen
Theoretisch können auf E-Bikes die gleichen Reifen montiert werden wie auf herkömmlichen Fahrrädern. Dennoch empfehlen sich spezielle E-Bike-Reifen. Etwa den beliebten Schwalbe Marathon Plus in 28 Zoll Größe*. Sie sind konstruktiv auf das höhere Gewicht und die höheren Durchschnittsgeschwindigkeiten der Elektro-Fahrräder abgestimmt. E-Bike-Reifen bieten einen besseren Pannenschutz und verstärkte Seitenwände für ein stabileres Fahrverhalten. Einziger Nachteil: Sie kosten mehr als herkömmliche Fahrradreifen.
Wer auf der Suche nach den richtigen Reifen für sein E-Bike den Überblick behalten möchte, sollte sich deshalb auf das Angebot spezieller E-Bike-Reifen konzentrieren. Wer schon einmal das zweifelhafte Vergnügen hatte, auf einer Fahrrad-Tour den Reifen eines 25 Kilogramm schweren E-Bikes wechseln zu müssen, der wird vermutlich in Zukunft ganz besonders auf die Pannensicherheit seiner Fahrradreifen achten.
Denn auch ein E-Bike muss zum Reifenwechsel auf den „Kopf“ und anschließend wieder auf die Räder gestellt werden. Damit das möglichst gar nicht erst passiert, haben E-Bike-Reifen einen besonders guten Pannenschutz.
Reifentypen: Drahtreifen, Faltreifen und Tubeless
Es gibt verschiedene Reifentypen, die sich in ihrer Konstruktion und ihren Eigenschaften unterscheiden:
- Drahtreifen: Bestehen aus einem Mantel und einem Schlauch. Der Mantel ist der eigentliche Reifen, er ist aus einer stabilen Gummimischung mit profilierter Lauffläche gefertigt und wird auf die Felge geklemmt. Im Inneren dieser Konstruktion befindet sich ein Schlauch - aus Gummi oder Silikon - mit einem Ventil, das aus der Felge ragt. Über dieses Ventil wird der Schlauch mit Luft vollgepumpt und stabilisiert so den Mantel auf der Felge. Drahtreifen sind die gängigste Variante für Fahrradreifen, auch für die speziellen E-Bike-Reifen.
- Faltreifen: Bestehen aus einem Mantel und einem Schlauch. Im Unterschied zum Drahtreifen, den seine zwei Metalldrähte in die runde Form bringen, sind in einen Faltreifen stattdessen biegsame Kevlar- oder Aramidfasern eingearbeitet, die ebenfalls für hinreichende Stabilität sorgen, sich gleichzeitig aber falten lassen. Als Ersatzreifen auf längeren E-Bike-Touren sind Faltreifen eine gute Lösung, weil sie sich platzsparender verstauen lassen.
- Tubeless-Reifen: Hier besteht der Reifen also nur aus dem Mantel, der so fest auf der Felge klemmt, dass er luftdicht abschließt. Im Inneren des Reifens befindet sich eine Latex-Flüssigkeit, genannt Dichtmilch, die kleine Löcher verschließt. Diese Flüssigkeit muss mindestens zwei Mal pro Jahr erneuert werden, wozu der Reifen abgenommen und anschließend wieder montiert werden muss. Vorteile der schlauchlosen Reifen: Sie gelten als besonders pannensicher, haben einen geringen Rollwiderstand und lassen sich gefahrlos mit geringem Luftdruck fahren, ohne dass der Reifen von der Felge springt. Notwendig ist das etwa in schwerem Offroad-Gelände.
Reifenprofil: Für jeden Einsatzzweck das Richtige
Trekking-Reifen für E-Bikes sind die Allrounder unter den Fahrradreifen und die beste Lösung für ausgedehnte Touren mit dem Elektro-Fahrrad. Nicht nur er bietet einen Kompromiss zwischen niedrigem Rollwiderstand, möglichst hohem Pannenschutz und einem Profil, das sowohl auf Asphalt als auch auf unbefestigten Wegen und Schotterpisten für gute Traktion sorgt.
Reifen für E-Mountainbikes haben ein tiefes Stollenprofil, das viel Grip auf unbefestigten Wegen garantiert. Auf dem E-Mountainbike sind Stollenreifen angesagt. Wer gerne auch bei Matsch und Schnee ins Gelände fährt, ist mit Enduro-Reifen besser bedient. Ihr Stollenprofil ist noch gröber und die Stollen liegen deutlich weiter auseinander als bei herkömmlichen Mountainbike-Reifen. Dadurch können Enduro-Reifen das während der Fahrt aufgesammelte Erdreich leichter wieder aus dem Profil schleudern.
Winterreifen für E-Bikes
Da viele E-Bikes mittlerweile als Ersatz fürs Auto und somit als Alltags-Verkehrsmittel für alle Jahreszeiten dienen, versucht die Reifenindustrie, E-Biker von den Vorteilen spezieller Winterreifen wie zu überzeugen.
Bei Spikereifen ist die Lauffläche des Reifens mit vielen Stahlnägeln bestückt, die einige Millimeter aus der Lauffläche herausragen und sich auf Eis oder festgefahrener Schneedecke erfolgreich in den Untergrund krallen. Auf trockenem oder nassem Asphalt bewirken die Metallstifte im Gegenzug extrem verlängerte Bremswege und ein schwammiges Fahrverhalten.
Winterreifen zeichnen sich meist durch breitere Rillen und einem aggressiveren Profil aus. Auch Modelle mit Spikes (hinterer Reifen) gibt es auf dem Markt.
Grundsätzlich sollte die Lauffläche eines E-Bike-Winterreifens breitere Rillen und ein aggresiveres Profil aufweisen. Zwar geht das zulasten der Leichtigkeit und Leichtläufigkeit, sorgt aber für eine bessere Griffigkeit und höhere Straßenhaftung.
Da bei niedrigen Temperaturen auch der atmosphärische Luftdruck sinkt, ist ein regelmäßiger Luftdruck-Check beim Reifen im Winter besonders wichtig. Für eine bessere Haftung empfiehlt Pirelli beispielsweise, den Druck um 0,3 bar zu verringern.
Weitere wichtige Aspekte bei der Reifenwahl
Reifen unterscheiden sich in verschiedenen Aspekten, die die Fahreigenschaften, den Komfort und die Geländetauglichkeit beeinflussen.
- Reifenbreite: Schmale Reifen (35-40 Millimeter) eignen sich für schnelle Fahrten auf Schotterstraßen und leichtem Gelände. Sie bieten weniger Rollwiderstand, aber weniger Dämpfung und Grip auf unebenem Untergrund. Breite Reifen (40-50 mm) hingegen geben mehr Komfort und Halt in anspruchsvollem Gelände, wie zum Beispiel auf steinigen Wegen, Matsch oder losen Untergründen.
- Profil: Reifen mit geringem Profil sind auf harten und ebenen Oberflächen schneller, bieten aber weniger Traktion im Schlamm oder auf losem Untergrund.
- Tubeless vs. Schlauch: Tubeless-Reifen kommen mit einem niedrigeren Luftdruck aus, was zu besserem Grip und mehr Komfort führt. Sie sind weniger anfällig für Durchstiche, da kein Schlauch vorhanden ist, den Scherben oder Nägel durchstoßen können.
Außerdem sind E-Bike-Reifen mit verstärkten Seitenwänden versehen, die besser gegen das Eindringen von Fremdkörpern wie Dornen, Stacheln oder spitzen Ästen schützen. Zusätzlicher Pluspunkt der verstärkten Seitenwände ist ein stabileres Fahrverhalten in Kurven. Das ist bei E-Bikes deshalb wichtig, weil sie in der Regel dank ihrer Motorunterstützung mit höheren Durchschnittsgeschwindigkeiten unterwegs sind.
Der richtige Luftdruck
An jedem Reifen ist an der seitlichen Flanke der minimal und maximal zulässige Reifendruck angegeben. Diese Richtwerte sollten weder unter- noch überschritten werden. Wer überwiegend auf befestigten oder asphaltierten Wegen unterwegs ist, sollte den am oberen Ende der empfohlenen Skala angegebenen Wert wählen. Ein Luftdruck am unteren Ende der Skala ist hingegen zum Fahren auf weichen Böden wie Feld- und Waldwegen sinnvoll.
Die Richtwerte der Reifenhersteller gelten für einen 75 Kilogramm schweren Fahrer. Der richtige Luftdruck schützt vor Pannen und sorgt für die beste Laufleistung. Da selbst ein dichter Fahrradschlauch pro Monat im Durchschnitt 1 bar an Druck verliert, sollte der Reifendruck regelmäßig überprüft werden.
Besonders vor geplanten längeren Touren ist es hilfreich, den Reifen einige Tage vorher aufzupumpen und auf einen möglichen Druckverlust zu kontrollieren. Den Luftdruck per Daumendruck zu überprüfen ist sehr ungenau und kann sogar gefährlich werden. Der Reifen kann nämlich durch Überfüllen platzen. Zu niedriger Luftdruck kann die Reifenflanke und die Felge beschädigen.
Pannen vermeiden und beheben
Trotz pannenresistenter E-Bike-Bereifung kann ein platter Reifen vorkommen. Das ist besonders bei E-Bikes ein großes Ärgernis. Wer sich die Reparatur zutraut und genügend Kraft hat, das schwere Fahrrad hochzuheben und umzudrehen, um Vorder- oder Hinterrad auszubauen, kann den Reifenwechsel selbst in Angriff nehmen. Sofern er einen passenden Ersatzschlauch, Flickzeug und das nötige Werkzeug dabei hat. Beim auf dem Kopf stehenden E-Bike ist darauf zu achten, dass das Display am Lenker keinen Schaden nimmt.
Deutlich einfacher lässt sich eine Reifenpanne mit einem Pannenspray beheben. Das sollte gerade beim E-Bike immer im Reisegepäck mitfahren. Ein Pannenspray besteht aus einem klebrigen, flüssigen Schaum und dichtet Löcher im Durchmesser von einem bis drei Millimetern ab, was in vielen Fällen ausreicht. Wichtig: Die Sprühdosen müssen einen Adapter für Fahrradventile haben.
Ein Tipp zur Handhabung: Sofort nach dem Einfüllen des Pannensprays muss der Reifen in Rotation versetzt werden. Das stellt sicher, dass sich der Schaum im ganzen Reifen gleichmäßig verteilen kann und keine Unwucht entsteht. Ist der Reifen mit dem Spray erfolgreich abgedichtet und wieder aufgepumpt, steht einer Weiterfahrt nichts im Wege.
Reifen, die mit Pannenspray geflickt wurden, halten allerdings nicht ewig. Wer sein E-Bike neu bereifen möchte, sollte bei der Reifenwahl nach dem Logo „E-Bike ready“ suchen. Damit bekommt er Reifen mit besonders gutem Pannenschutz und verstärkter Seitenflanke, die auf das Gewicht und die Geschwindigkeiten von E-Bikes abgestimmt sind.
Empfehlenswerte E-Bike Reifen (28 Zoll) im Überblick
Hier eine Übersicht einiger empfohlener E-Bike Reifen (28 Zoll) mit ihren jeweiligen Eigenschaften:
| Fahrradreifen-Modell | Preis | Besondere Eigenschaften |
|---|---|---|
| Continental Contact Plus City | 37,90 Euro | Hohe Pannensicherheit |
| Maxxis Re-Volt | 37,50 Euro | ECE-R75 zertifiziert, geringes Gewicht |
| Kenda Kwick Journey | 29,90 Euro | Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis |
| Schwalbe Energizer Plus | 28,90 Euro | Beliebt, guter Pannenschutz |
| Vredestein Perfect E-Power | 29,95 Euro | Komfortabel |
| Michelin Protek | 20,95 Euro | Günstig |
| Schwalbe Marathon Plus Tour | 36,95 Euro | Gute Haltbarkeit, geringer Rollwiderstand |
| Continental Ride Tour | - | Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, Mountainbike-Reifen im Gelände |
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