Früher war eine Panne mit routinierten Handgriffen schnell behoben, doch heutzutage steht mancher Biker mit schmerzenden Daumen vor einem “unlösbaren” Problem: Der Fahrradreifen lässt sich nicht abziehen. Warum der Mantel regelrecht an der Felge klebt und was Sie tun können, zeigt dieser Beitrag.
1. Fahrradreifen klebt an der Felge
Trotz langer Erfahrung im Reifenwechseln konnte die Fragestellerin den Mantel nicht von der Felge lösen. Sie entschloss sich, den Reifen stramm aufzupumpen und die 15 km im Eiltempo nach Hause zu fahren.
Bei der Ankunft hatte der Reifen keine Luft verloren. Sie vermutet, dass der Händler Pannenmilch in die Reifen des neuen E-Bikes eingefüllt hat.
- Ursache: Es handelt sich um Tubeless Ready Felgen. Diese Ausführung für schlauchlose Reifen ist bekannt für sehr schwierige und Kraft intensive Reifenwechsel. Mit der Zeit sitzt der Wulst bündig im Felgenhorn und verformt sich wahrscheinlich plastisch, womit er mit normalen Mitteln unlösbar anklebt. In dem Mantel befindet sich ein Drahtreifen, um starke Belastungen zu kompensieren. Dazu sitzt beidseitig ein sogenannter “Hump” auf der Felgenschulter unter dem Reifen. Dieser Höcker soll das Abrutschen in das Felgenbett verhindern und die Felge zusätzlich verstärken.
- Lösung: Ein Biker mit demselben Problem hatte nach erfolglosen manuellen Versuchen den Reifen auf zwei bar aufgepumpt und so in einen Schraubstock eingespannt, dass eine Backe auf die Felge drückt und die andere Schraubstockbacke den Reifen zur Felgenmitte drückt. Ein weiterer Hinweis kommt, dass nur Faltreifen ohne Draht auf den Tubeless Felgen für die nötige Flexibilität beim Wechsel sorgen.
2. Fahrradreifen löst sich nicht von der Felge
Auch hier klebt der Reifen anscheinend an der Felge fest. Es ist nicht möglich, den Mantel von der Felgenwand herunterzudrücken.
- Ursache: V-Brakes haben die Felgen bei häufigen Abfahrten stark erhitzt, wodurch die Oberfläche des Gummis zu schmelzen begonnen hat und innen auf der Felge angeklebt ist.
- Lösung: Es soll helfen, vor dem Aufziehen der nächsten Reifen deren Innenseite und den Wulst der Außenwand mit Talkum einzureiben. Der Reifen klebt nicht an der Felge und der Schlauch nicht am Reifen. Mit dem Talkum kann der Reifen auf der Felge wandern, ohne dass er den Schlauch mitnimmt und das Ventil schlimmstenfalls abreißt.
3. Der Mantel lässt sich nicht abhebeln
Der Rennradfahrer hat sich einen Plattfuß eingehandelt. Der Reifen geht relativ einfach herunter, er wechselt den Schlauch und die Schwierigkeiten beginnen mit dem Aufziehen des Mantels.
- Ursache: Auf der 13,5 mm schmalen Rennradfelge sind Schlauch und Reifen unter großer Spannung aufgezogen, sodass kein Platz zum Ansetzen von Reifenhebern bleibt.
- Lösung 1: Das Abziehen fällt leichter, wenn Sie vorher komplett die Luft ablassen und ringsum den Mantel ins Felgenbett drücken. Auch beim Aufziehen sollte der Mantel immer in die Felgenmitte gedrückt werden, da an dem kleinsten Durchmesser die geringste Kraft nötig ist.
- Lösung 2: Beim Hinterrad sollten Sie zuerst am Ventil und an der Kassettenseite mit dem Abhebeln beginnen. Seifenwasser zwischen Reifenflanke und Felgenhorn kann zum besseren Hinein- oder Herausrutschen des Reifens beitragen.
- Lösung 3: Die richtige Hebeltechnik anwenden: Wenn ein Reifenheber in der Speiche eingeklinkt ist, entsteht zu viel Spannung, sodass der zweite Heber nicht mehr greift. Setzen Sie alle drei Reifenheber nebeneinander an und heben den Mantel in breiter Front hoch.
4. Warum ist die Montage so schwierig?
Probleme entstehen, wenn die Größe von Reifen und Felgen nicht zueinander passt. Alle Speichenbohrungen müssen vollständig und sicher durch ein geeignetes Felgenband abgedeckt sein (Abb. 1).
Pumpe den Schlauch leicht auf, bis er eine runde Form hat. Das Ventil durch die vorgesehene Bohrung der Felge stecken.
Schlauch in den Reifen einlegen (Abb. 2). Verwende zur Montage keine scharfen Montierhilfen (Abb. 3).
Gegenüber dem Ventil beginnend montierst Du die andere Reifenseite auf die Felge. Der Schlauch darf nicht zwischen Reifen und Felge eingeklemmt sein (Abb. 4).
Achte auf rechtwinklige Stellung des Ventils (Abb. 5). Zentriere den Reifen, bevor Du ihn bis zum gewünschten Druck aufpumpst.
Benutze ein Manometer (z. B. Schwalbe Airmax Pro) um den Reifendruck einzustellen. Der zulässige Druckbereich ist auf der Reifenflanke angegeben (Abb. 6). Kontrolliere den Reifendruck mindestens einmal pro Monat mit einem (Luftdruckprüfer (Abb.
Wenn die Durchmesser von Felge und Reifen nicht optimal aufeinander abgestimmt sind, treten häufig Montageprobleme auf.
Felgen dürfen eine Toleranz im Durchmesser von ± 0,5 mm aufweisen (D1). Außerdem darf auch die Höhe der Felgenflanke eine Toleranz von ± 0,5 mm haben (G). Das addiert sich zu einer Gesamttoleranz von ± 1,5 mm im Außendurchmesser (D2), bzw. von ± 4,7 mm im Außenumfang (U). Das entspricht einer maximal möglichen Umfangsdifferenz von 9,4 mm zwischen größter und kleinster Felge.
Der Reifen muss auf beide Extremfälle passen. Hilfreich ist es immer die Montage gegenüber dem Ventil zu beginnen und am Ventil zu beenden, da sich der zu montierende Reifenwulst auf möglichst langer Strecke im Felgentiefbett befinden sollte.
Statt den Reifen mit dem Daumen zu drücken, ist es oft leichter den Reifenwulst von gegenüber über das Felgenhorn zu „rollen“.
Sehr hilfreich sind natürlich Reifenheber. Achte dabei darauf, dass der Reifenwulst keinen Schaden nimmt. Immer nur ein kleines Stück hebeln und den Reifenheber lieber öfter ansetzen. Auf keinen Fall Reifenheber aus Metall verwenden.
Zusätzliche Tipps und Tricks
- Tubeless-Felgenband: Wenn sich Fahrradreifen schwer montieren bzw. demontieren lassen, hilft in den meisten Fällen die Verwendung eines Tubeless-Felgenbands anstatt der üblich verbauten Standardfelgenbänder. Tubeless-Felgenbänder sind wesentlich dünner als Standardfelgenbänder und verschaffen somit dem Reifenwulst im Felgenbett etwas mehr Platz. Zudem kann der Reifenwulst über ein Tubeless-Felgenband besser ins Felgenhorn und auch wieder aus dem Felgenhorn herausrutschen. Das Tubeless-Felgenband muss ca.
- Montageflüssigkeit: Wenn der Felgendurchmesser zu groß und/oder der Reifendurchmesser zu klein ist, gleitet der Reifenwulst nur schwer in die richtige Stellung auf der Felgenschulter. Abhilfe: Den Druck kurzfristig überhöhen und/oder den Reifenwulst mit Seifenlauge oder Montageflüssigkeit einreiben, um ihm das Gleiten zu erleichtern. Unser Montagefluid Easy Fit lässt sich sehr einfach mit der praktischen Schwammdose- ohne Hilfsmittel und schmierige Finger - auf den Reifenwulst auftragen. Beim Aufpumpen gleitet der Reifenwulst dann leicht in die richtige Position auf der Felge. Nach ca. 10 Minuten verflüchtigt sich die Flüssigkeit vollständig.
- Manuelle Zentrierung: Bevor der Reifen stramm aufgepumpt wird, muss sichergestellt werden, dass er zentrisch auf der Felge sitzt. Anders als bei einer Hakenfelge rutscht der Reifen beim Aufpumpen nicht automatisch in die richtige Position. Wenn der Reifen ungleichmäßig sitzt, kann er leicht von der Felge abspringen.
- Spüli-Wasser-Gemisch: Einfach Das Felgenhorn und den Reifen mit einem Spüli-Wasser-Gemisch ein wenig einseifen. Das verringert die Reibung und sollte den Prozess vereinfachen.
Laufrad zentrieren
Insbesondere beim Mountainbiken kommt es schnell mal vor, dass das Vorder- oder Hinterrad eiert. Da gute Laufradsätze nicht günstig sind, ist ein direkter Neukauf nur sinnvoll, wenn die Räder nicht mehr zu retten sind. Kleine bis mittlere Schäden kann man zumeist selbst recht schnell und einfach beheben.
- Seitenschlag: Die klassische Acht. Hierbei handelt es sich um eine seitliche Abweichung der Spur. Das Rad eiert also von links nach rechts.
- Höhenschlag: Beim Höhenschlag variiert die Höhe der Felge.
Beides kann man recht einfach selber korrigieren.
Benötigtes Werkzeug:
- Als Spezialwerkzeug benötigt ihr in jedem Fall einen Nippelspanner. Hier reicht auch ein ganz einfacher. Profis benutzen natürlich einen Zentrierständer. Aber auf den könnt ihr für den Hobbybereich verzichten, um kleine Schäden zu beheben.
- Baut die Reifen (Mantel und Schlauch) vorher aus.
- Klingt banal, aber nehmt euch Zeit und nehmt Änderungen bei der Speichenspannung nur in kleinen Schritten (viertel Umdrehungen) vor. Sonst kommt es ganz schnell vor, dass hinterher mehr kaputt ist als vorher. Aber auch dann keine Panik.
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