Warum lässt sich mein Fahrradreifen nicht aufpumpen? Ursachen und Lösungen

Einen Fahrradreifen aufzupumpen ist eigentlich nicht schwer. Doch dann kauft man ein neues Rad, wechselt den Schlauch oder will seinem Reifen nach längerer Zeit mal wieder etwas Luft gönnen - und es klappt nicht. Oft liegt es an einer falsch aufgesetzten Pumpe oder an einem geschlossenen Ventil. Möglicherweise verwenden Sie eine Pumpe, die nicht zum Ventil passt. Der pressedienst-fahrrad erklärt, woran das liegen könnte.

Vorbereitung und benötigtes Material

Bevor Sie den Fahrradreifen aufpumpen, benötigen Sie die passende Fahrradpumpe. Minipumpen sind handlich und leicht - ideal für unterwegs auf Tagestouren. Zunächst wird die passende Pumpe ausgewählt und das richtige Ventil identifiziert. Bereiten Sie das Rad vor, indem Sie das Ventil freilegen (Schutzkappe abschrauben) und überprüfen, welcher Ventiltyp verbaut ist.

Ventiltypen

  • Sclaverand Ventile (auch Presta oder französische Ventile genannt) erkennen Sie an ihrem schlanken, langen Metallkörper mit einer kleinen Rändelmutter am oberen Ende. Ventile vom Typ Sclaverand werden meist auch bei schlauchlosen Reifen („Tubeless“) verwendet.
  • Dunlop Ventile (auch Fahrradventil oder holländisches Ventil genannt) sind typisch für Citybikes, Tourenräder und E-Bikes.
  • Autoventile (auch als Schrader-Ventile bekannt) ähneln optisch stark den Ventilen, wie man sie von Autoreifen kennt - daher ihr Name. Sie sind etwas dicker als andere Ventiltypen und bestehen aus einem robusten Metallrohr mit einem innenliegenden, gefederten Ventileinsatz. Auf der Oberseite befindet sich meist eine Kunststoffkappe, die einfach abgeschraubt werden kann.

Aufpumpen verschiedener Ventiltypen

Sclaverand-Ventil (Presta/Französisches Ventil)

Beim französischen Ventil (Presta/Sclaverand) müssen Sie die Rändelmutter lösen, das Ventil kurz entlüften und dann die Pumpe ansetzen. Es wird durch eine kleine Rändelmutter am Kopf gesichert, die vor dem Aufpumpen gelockert werden muss. Sie fixiert einen kleinen Stift, der durch den erzeugten Druck der Pumpe heruntergedrückt wird und so das Ventil öffnet. „Wenn der Schlauch noch unter starkem Druck steht und trotz passender Pumpe keine Luft hineingeht, muss man unter Umständen erst mit dem Finger etwas Luft ablassen“, rät Doris Klytta von Schwalbe.

Dunlop-Ventil (Blitzventil)

Das Aufpumpen eines Reifens mit Blitzventil lässt sich mit den meisten gängigen Fahrradluftpumpen problemlos bewerkstelligen. Du musst vor dem Aufpumpen kein Ventil lösen, sondern im Gegenteil die Übermutter auf Festigkeit überprüfen.

Schrader-Ventil (Autoventil)

Das Schraderventil ähnelt dem Autoventil und ist weit verbreitet bei Mountainbikes und Kinderrädern. Ein Vorteil des Autoventils ist, dass es selbstschließend ist - der Luftdruck im Reifen hält das Ventil automatisch dicht. Dies macht das Fahrradreifen richtig aufpumpen besonders einfach und sicher. „Für Schrader-Ventile geeignete Pumpen haben ein Gegenstück in der Kopföffnung, das den Stift des Ventils herunterdrückt, um es zu öffnen“, erläutert Collins. Bei Pumpen mit nur einer Öffnung im Kopf muss man für Schrader-Ventile meist einen Einsatz im Pumpenkopf umdrehen.

Mögliche Ursachen und Lösungen

Pumpe und Ventil passen nicht zusammen

Dass die Pumpe funktioniert, reicht allein noch nicht aus. Sie muss auch für das jeweilige Ventil geeignet sein. „Gute Pumpen haben in der Regel Ventilköpfe, mit denen sich die gängigen Ventiltypen aufpumpen lassen“, erklärt Beatrix Collins von SKS Germany. Bei allen muss - sofern vorhanden - die Staubschutzkappe aus Plastik abgeschraubt werden.

Defekte oder ungeeignete Pumpe

Zunächst prüft man die Bereitschaft der Pumpe. Dazu verschließt man die Auslassöffnung mit dem Daumen und versucht zu pumpen. So merkt man schnell, ob die Pumpe noch Druck aufbaut oder die Luft durch eine kaputte Stelle entweicht. Ohne Luftpumpe ist das nur mit Druckluft aus speziellen Geräten möglich, etwa an Tankstellen - dabei muss das Ventil kompatibel sein. Nur wenn die Pumpe einen passenden Presta-Aufsatz hat oder ein Adapter verwendet wird.

Undichtes Ventil

Wenn dein Reifen stetig ein bisschen Luft verliert, ist die Ursache womöglich nicht ein Leck im Schlauch, sondern ein verschlissenes Fahrradventil. Auch Fahrradventile sind letztlich Verschleißteile und halten nicht ewig. Deshalb ist es wichtig, dass du weißt, wie man ein Fahrradventil austauscht. Die Ventileinsätze können ausgetauscht werden, bei einem Dunlop-Ventil sogar ganz ohne Werkzeug. Für Sclaverand- und Autoventile dagegen werden spezielle Ventilschlüssel benötigt, die es im Fachhandel schon für zwei Euro einzeln zu kaufen gibt oder etwa im „Multitool“ von Schwalbe bzw. in einem Fahrrad-Werkzeugkoffer enthalten sind.

Leck im Schlauch

Hin und wieder kann es vorkommen, dass der Reifen trotz deiner Bemühungen nicht hart wird. Das kann zwei Gründe haben: Entweder hat der Schlauch ein Leck oder das Ventil ist undicht. Falls der Schlauch der Übeltäter ist, hilft nur flicken oder ebenfalls austauschen. Ein Leck im Schlauch lässt sich übrigens leicht orten. Du musst dazu lediglich etwas Luft in den Reifen pumpen und diesen anschließend durchs Wasser ziehen.

Ventilabriss

Ein Ventilabriss kann z. B. entstehen, wenn das Ventil unter Spannung eingebaut wurde. Eine andere häufige Ursache ist der Einbau von Schläuchen mit Sclaverand- Ventilen in Felgen mit größeren Ventilbohrungen. Vorsicht: Es gibt leider auch Felgen, die auf der Außenseite die korrekte Bohrung von 6,5 mm haben, aber auf der Innenseite, wo das Problem entsteht, eine größere Bohrung von 8,5 mm. Eine zu stark angezogene Felgenmutter verstärkt die Problematik deutlich. Die Funktion der Felgenmutter liegt ausschließlich darin, das Ventil beim Pumpen zu arretieren.

Reifendruck

Der optimale Reifendruck hängt von mehreren Faktoren ab: dem Fahrradtyp, dem Fahrergewicht und dem Untergrund. Der empfohlene Luftdruck steht meist seitlich auf dem Reifen. Rennradreifen benötigen häufig zwischen 6 und 8 bar, während Trekking- oder Citybikes mit 3 bis 5 bar auskommen. E-Bikes verlangen mitunter etwas höhere Werte. Zu wenig Luftdruck kann zu einem schwammigen Fahrgefühl, höherem Rollwiderstand und erhöhter Pannenanfälligkeit führen. Deshalb gilt es, den Reifendruck regelmäßig zu kontrollieren. Mindestens einmal im Monat.“

Tipp: Auf den meisten Reifen befindet sich ein Hinweis zum optimalen Reifendruck - die sogenannte Herstellerangabe.

Tubeless-Systeme

Tubeless-Bereifung bietet eindeutige Vorteile bei Schnelligkeit, Komfort, Grip und Pannensicherheit. Unnötige Reibung zwischen Reifen und Schlauch wird vermieden. Dadurch ist der Rollwiderstand wesentlich geringer als bei Faltreifen oder Schlauchreifen. Tubeless kann man ohne Leistungseinbußen mit einem geringeren Luftdruck fahren. Das bringt Vorteile im Komfort aber auch mehr Kontrolle in kritischen Situationen und auf schlechten Strecken. Gleichzeitig bieten Tubeless-Systeme hohe Pannensicherheit. Die Gefahr von Durchschlägen ist deutlich geringer. Ein plötzlicher Luftverlust durch platzende Schläuche oder Ventilabrisse ist ausgeschlossen. Zudem funktionieren Tubeless-Systeme sehr gut im Zusammenspiel mit Pannenschutzflüssigkeiten.

Vorteile von Tubeless-Systemen

  • Schnelligkeit
  • Komfort
  • Grip
  • Pannensicherheit

Montage von Tubeless-Reifen

Aufpumpen ist häufig das größte Problem beim Montieren eines Tubeless-Reifens. Gerade bei eher klassischen Felgenformen, die nicht optimal für eine Tubeless-Montage konstruiert sind, entweicht die Luft beim Pumpen oft unkontrolliert zwischen Reifenwulst und Felge. Folgende Kniffe schaffen Abhilfe:

  1. Kontrollieren, dass das Ventil zwischen den Reifenwülsten positioniert ist.
  2. Montagefluid wie z. B. Easy Fit verwenden! Durch den Gleitfilm rutscht die Reifenwülste viel leichter in die vorgesehene Position.
  3. Ventileinsatz entfernen um den Luftdurchfluss zu vergrößern.
  4. Wenn der Reifen zu locker sitzt, hilft oft eine zusätzliche Lage Felgenband.
  5. Reifen vorher mit Schlauch montieren und 24 Stunden ruhen lassen.

Tire Booster

Zum Aufpumpen eines Tubeless-Reifens ist ein kräftiger Luftstoß erforderlich. Leider ist eine Standpumpe dafür nicht bei allen Laufrädern ausreichend und einen Kompressor haben die wenigsten Nutzer zuhause. Hier schafft der Tire Booster Abhilfe. Im wesentlichen handelt es sich um einen Druckbehälter, den Du mit der Standpumpe bis auf 11 bar aufpumpen kannst. Die gesammelte Luft beförderst Du dann mit einem einzigen „Schuss“ in den Reifen.

Dichtflüssigkeit

Tubeless Easy-Reifen sind keine luftdichten Tubeless-Reifen. Es wird eine spezielle Pannenschutzflüssigkeit benötigt, um die notwendige Dichtigkeit herzustellen.

Doc Blue bleibt ca. 2000 km oder 2-7 Monate als vorbeugender Pannenschutz im Reifen aktiv. Wir empfehlen die Dichtflüssigkeit vor einem Wettkampf oder einer größeren Tour zu kontrollieren und zu erneuern.

Füllmengen:

  • Reifen von 23 - 60 mm -> 60 - 90 ml/Reifen
  • Reifen von 62 - 100 mm -> 90 - 120 ml/Reifen

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