Fahrradreifen mit Pannenschutz im Test

Ein platter Reifen kann jede Fahrt ruinieren, egal ob es sich um eine entspannte Tour oder ein wichtiges Rennen handelt. Johannes „Fischi“ Fischbach, ein Downhill-Rennfahrer, erlebte dies bei der WM in Cairns (Australien), als ein Durchschlag seinen Reifen zerstörte und er das Rennen nicht beenden konnte. Um solche Situationen zu vermeiden, gibt es Fahrradreifen mit Pannenschutzsystemen. Fischi sagt: „Für jeden! Egal ob Racer, normaler Tourenfahrer oder E-Biker. Man ist mit kaum Mehrgewicht einfach deutlich sicherer unterwegs“.

Die Qual der Wahl: Welches Pannenschutzsystem ist das Richtige?

Die Auswahl an Antiplatt-Systemen ist groß. Auf dem Markt gibt es mittlerweile mehr als 17 uns bekannte Antiplatt-Systeme. Vor dem Kauf steht die richtige Auswahl an. Doch die hat es in sich, wie Fischi bestätigt: „Es ist wirklich nicht einfach, die perfekte Balance aus Haltbarkeit, Durchschlagschutz, Gewicht und einfacher Montage zu finden." Hat man sich für ein System entschieden, muss die richtige Breite zu Reifen und Felgenmaulweite gewählt werden, damit das System in der Praxis seine Vorteile voll ausspielen kann. Beim Durchmesser setzen Csixx, Huck Norris, MarshGuard und Vittoria auf flexible Lösungen, die im Prinzip von 16 bis 29 Zoll passen: Einfach abschneiden und die Enden mit Klett oder Kabelbindern zusammenfügen.

Die Erklärung dazu ist simpel: Alle Produkte setzen sich als zusätzliche Schicht zwischen beide Reifenwände und die Felge, bilden damit einen weiteren Sicherheitspuffer. Bei allen anderen passt das System nur auf eine Laufradgröße. Auch unterschiedliche Varianten für CC, Tour, AM oder die härteren Gangarten EN, FR, DH werden von Csixx, CushCore, FTD, Huck Norris, PTN und Tire Trooper angeboten.

Ausschlusskriterien und Besonderheiten

Bezüglich ProCore von Schwalbe gibt es vorab schon mehrere Ausschlusskriterien: Viele Laufrad- und Felgenhersteller geben ihre Produkte auf unsere Nachfrage für das System nicht frei, da der Systemdruck bis zu 6 bar erreichen kann und dadurch die Speichenspannung stark abnimmt. Zudem ist das System nur bei Felgenbreiten zwischen 23 und maximal 35 Millimeter Maulweite ideal nutzbar.

Zum Preis: Wir haben bei unseren Testkästen immer den Satzpreis angegeben, um die Preise vergleichbar zu machen. Zudem beinhalten die Sets von CushCore, FTD, PTN und Tire Trooper jeweils einen Satz Spezialventile, bei Schwalbe die benötigten Spezialschläuche, was den Preis teils relativiert. Und die Preise selbst lassen uns staunen! Während bei Schwalbe durch Innenreifen, Schläuche, Felgenband und Dichtmilch der Preis nachvollziehbar ist, fallen die Preise von CushCore und Vittoria absolut aus dem Rahmen.

Testverfahren und Ergebnisse

Für bestmögliche und nachvollziehbare Ergebnisse wurden alle Probanden auf dem Prüfstand und in einem Feldtest getestet. Während geübte Mechaniker alle Systeme mehr oder weniger zügig ins Laufrad montierten, gibt es vor allem bei Hobbyschraubern große Unterschiede. Die Modelle von Huck Norris, MarshGuard und FTD lassen sich durch die Bank am einfachsten montieren. Bei Tannus ist die genaue Ausrichtung im Reifen zeitaufwendig.

Da einige Systeme am Felgenboden aufliegen und die Seitenflanken des Reifens mit abdecken, ist die Kontrolle des Luftdrucks oder das Luftablassen nicht immer einfach. PTN und Tire Trooper lassen hier Federn, bei FTD ist das Ganze oft schlichtweg nicht möglich. Bei Tubeless-Systemen sollte je nach Nutzung und klimatischen Bedingungen nach zwei bis drei Monaten Dichtmilch nachgefüllt werden.

Da die Systeme im Reifen sitzen, ist das weit außenliegende Gewicht durch das Trägheitsmoment gerade beim Beschleunigen und Bremsen von Bedeutung. Durch die Einlagen fahren sich manche Laufräder in der Praxis etwas anders. Eher unsensible Fahrer konnten den Effekt nicht zuordnen, feinfühlige Tester sprachen das Thema genau an: Eng am Reifen und der Felge anliegende Systeme wie Csixx, CushCore, FTD, Tire Trooper, Vittoria und vor allem Tannus dämpfen und schlucken feine Vibrationen, was sogar zu einer geringeren Armermüdung führen kann.

Werden Tubelessreifen mit wenig Luftdruck hart in Kurven gefahren oder nach einem Sprung schräg belastet, kommt es vor, dass die Reifenwulst kurz aus dem Felgenhorn springt und schlagartig Luft entweicht. Sicherheitstechnisch ist das bedenklich! CushCore unterbindet Burping so gut wie vollständig.

Im direkten Vergleich aller Probanden zeigt sich: Bis auf Tannus (plus 60 Prozent) bleibt der Rollwiderstand auf dem gleichen Niveau wie ohne System. Im Vergleich dazu liegt eine deutlich stabilere Endurokarkasse 30 Prozent darüber. Im besten Fall sichert die Einlage den Reifen vor Burping und Abspringen von der Felge, bietet eine eher harte Konsistenz, um die Felge bei der Weiterfahrt vor Schäden zu bewahren. Am besten gelingt das CushCore, knapp vor Schwalbe. Zudem sehen beide Systeme auch nach einigen Kilometern noch gut aus.

Bezogen auf den Prüfstandtest kann man die Probanden in vier Klassen einteilen: Sieger ist mit Abstand Csixx vor CushCore. Dann folgen Schwalbe, Tannus und Vittoria vor der Gruppe aus MarshGuard, Huck Norris, PTN und Tire Trooper. Schlusslicht ist FTD.

Einflussfaktoren auf den Pannenschutz

Doch wir haben auch getestet, inwiefern die Reifenbreite, die Karkasse, Profile und Gummimischungen mitwirken. Das Ergebnis überrascht nicht: Während Profil und Gummimischung vor allem beim Rollwiderstand ihren Einfluss haben, ist der Einfluss auf die Durchschlagswerte vernachlässigbar. Werden bei der Breite Felge und Luftdruck angepasst, sind auch hier die Unterschiede überraschend gering.

Anders die Karkasse: Umso massiver die Karkasse, desto höher der Pannenschutz (und Rollwiderstand). Vergleicht man eine leichte SnakeSkin Touren- mit einer SuperGravity Endurokarkasse, steigt das Gewicht um 35 Prozent, die Pannensicherheit aber um ganze 80 Prozent.

Die Hersteller sprechen im Schnitt von etwa einem Jahr bei regelmäßigem Einsatz, was natürlich auch vom Fahrstil, der Geländeform, der Reifenkarkasse und dem Luftdruck abhängt. Bei hartem Einsatz verkürzt sich das Leben enorm. Ausnahme ist Schwalbe: Durch den Verzicht von Schaum ist das System quasi unbegrenzt nutzbar.

Zusätzliche Aspekte

  • Schlauch 2: Schwalbe setzt den Schlauch gezielt für speziellen Mehrwert in TLR-Systemen ein.
  • Ummantelung: Die rote Haut des Pepi's nimmt keine Dichtmilch auf.

Vorteile von Pannenschutzsystemen

Die positiven Effekte von Pannenschutzsystemen sind in der Praxis klar nachvollziehbar. Sie schonen Material und reduzieren die Zahl der Platten. Das Mehrgewicht und selbst ein höherer Rollwiderstand sind zudem durch die Motorunterstützung bei weitem nicht so relevant wie beim klassischen Bike. Alltags- und Tourenfahrer nutzen ein solches System in Verbindung mit Tourenkarkassen, erhöhen so den Pannenschutz bei weiterhin geringem Rollwiderstand und damit auch gesteigerter Akkureichweite.

Bekannte Marken und Modelle

Viele Hersteller (z. B. Schwalbe und Continental) setzen bei pannensicheren Fahrradreifen auf eine zusätzliche Gummiverstärkung. Das Prinzip ist einfach: Fährt man über eine Reißzwecke, bleibt sie im Gummi stecken und erreicht nicht die Luft. Es gibt aber noch andere Methoden. Der Hersteller Tannus hat z. B. mit dem Modell Airless einen Fahrradreifen auf den Markt gebracht, der ohne Luft fährt. Im Inneren des Reifens befindet sich ein von Tannus patentierter Polymerschaumstoff. Eine weitere Möglichkeit, ist die Nutzung eines „Zaubermittels“ wie PRO-F-I Reifen-Impfung.

Auf Fahrradmessen werden luftgefüllte Fahrradreifen mit langen Nägeln durchstochen und dann in Wasser getaucht - nach ein paar wenigen Bläschen geschieht: nichts. Der Reifen wird nicht platt. Verantwortlich ist eine Dichtemulsion, die ins Ventil gefüllt wird.

Wo kaufen? Fachhandel vs. Internet

Wenn Fahrradreifen unplattbar gekauft werden sollen, stellt sich auch die Frage, wo sie erworben werden sollen. Direkt im Fachhandel vor Ort oder im Internet? Beide Varianten bieten verschiedene Vorzüge und Nachteile. Die Auswahl im Internet ist deutlich größer als im stationären Handel. Jedes erhältliche Modell kann online gefunden werden. Im Fachhandel kann eine direkte Beratung in Anspruch genommen werden. Online finden sich hingegen verschiedene Ratgeber. Der Vorteil im stationären Handel ist, dass die Beratung direkt vor Ort erfolgen kann. Der Vorteil bei den Ratgebern im Internet ist, dass sie in großer Anzahl zur Verfügung stehen.

Typische Schwachstellen und Zubehör

Auch wenn sich die Fahrradreifen unplattbar als sehr praktisch erweisen, können einige Modelle dennoch typische Schwachstellen aufweisen. Abgesehen von Vollgummireifen sind auch die Fahrradreifen unplattbar nicht vollständig pannensicher. Trotz des Pannenschutzes gehören eine Luftpumpe und ein Reifen-Flick-Set also zum sinnvollen Zubehör. Für den Wechsel der Reifen empfiehlt sich weiterhin zum einen das passende Werkzeug und zum anderen Reifenheber für das Fahrrad. Hierdurch wird der Aufwand deutlich reduziert und der Wechsel vereinfacht.

Alternativen zu unplattbaren Reifen

Eine Alternative zu den Fahrradreifen unplattbar stellen unter anderem Drahtreifen dar. Hier sorgt eine Drahtgestell für zusätzliche Stabilität. Eine weitere Alternative sind Vollgummireifen. Diese sind nicht luftgefüllt, sondern bestehen - wie der Name bereits verrät - vollständig aus Gummi. Eine weitere Alternative ist das Einbringen von einem Pannenschutz. Hierbei handelt es sich um eine Art Folie, die zwischen Mantel und Schlauch eingebracht wird. Der Vorteil hierbei ist, dass weder Reifen noch Schlauch gewechselt werden müssen.

Messwerte und Vergleichstabelle

Die folgende Tabelle fasst exemplarische Messungen zusammen, die unter gleichen Bedingungen durchgeführt wurden.

Reifenmodell Rollwiderstand (Watt) Pannenschutz Gewicht (g)
Continental Grand Prix 5000 (25mm) 9 Solide Sehr gering
Schwalbe Pro One (25mm) Top-Niveau Spitzenbereich Gering
Goodyear Eagle F1 (25mm) Gering Höher Leicht

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