Wie ihr als treue Leser wisst, schreibe ich in meinem Blog auch oft über Sachen, mit denen ich mich gerade beschäftige und die nicht unbedingt mit einer Radreise oder einem Fahrrad-Aufbau zu tun haben. Heutzutage können drei Bremssysteme unterschieden werden: Felgenbremsen, Scheibenbremsen und Trommelbremsen.
Grundlagen der Scheibenbremsen
Scheibenbremsen gibt es nicht erst seit gestern, tatsächlich waren die ersten Prototypen in schon in den 1950ern unterwegs. Im Mountainbike-Bereich wurden die Vorteile von Scheibenbremsen früh erkannt, dort gehören sie seit ungefähr 20 Jahren zur Standardausstattung. Aber was ist ihr Geheimnis? Eigentlich ganz einfach…Scheibenbremsen verlagern die Angriffsfläche der Bremse von der Felge auf eine spezielle Schiebe - meist ist sie aus Stahl - die an der Nabe befestigt ist. Das ist auch schon alles.
Grundsätzlich unterscheiden sich die Bremszangen von Scheibenbremsen auch nicht von denen, die du an Felgenbremsen findest, sie sind viel kleiner und das Material ist wesentlich härter als die verschiedenen Gummimischungen, die bei Felgenbremsen verwendet werden.
Mechanische vs. Hydraulische Scheibenbremsen
Eine mechanische Scheibenbremse funktioniert ziemlich genau wie eine klassische Felgenbremse. Der Bremshebel ist über den Bremszug mit dem Bremssattel verbunden, wenn du den Bremshebel ziehst, löst der Zug einen Bremskolben aus, der der einen einzelnen Bremsklotz bewegt, und zwar in Richtung der Bremsscheibe, die dann zwischen dem beweglichen und einem starren Bremsklotz eingeklemmt wird.
Manche mechanischen Bremsen, die TRP Spare zum Beispiel, haben auch zwei bewegliche Bremsklötze, die gleichzeitig gegen den Rotor drücken. Eine hydraulische Bremse ähnelt noch mehr einer modernen Autobremse, hier wird der Druck durch Flüssigkeit übertragen. Die Flüssigkeit befindet sich im Hauptbremszylinder, der sich innen im Bremshebel versteckt.
Wenn du am Bremshebel ziehst, wird die Flüssigkeit aus dem Zylinder und in den Bremsschlauch gepresst. Diese Flüssigkeit drückt dann die Kolben des Bremssattels an beide Seiten des Rotors. Mechanische Bremsen sind äußerst zuverlässig, die Züge und der Bremskörper sind aber weniger effizient in Sachen Kraftübertragung, Schmutz setzt sich leichter fest und sie müssen immer wieder manuell nachjustiert werden, da die Bremsklötzchen sich abnutzen.
Im Gegensatz dazu gleichen hydraulische Bremsen automatisch den Verlust an Bremsbelag aus, sie sind leichter, und rundum versiegelt gegen Umwelteinflüsse. Zusätzlich dazu hat ein hydraulisches System weniger Kraftverlust durch Reibung zu verzeichnen, wenig Zug am Bremshebel generiert jede Menge Bremskraft.
Vor- und Nachteile
Hydraulische Scheibenbremsen:
- Maximale Bremsleistung, Dosierbarkeit und Kontrolle
- Automatische Bremsbelagnachstellung
- Weniger Kraftaufwand beim Bremsen
Mechanische Scheibenbremsen:
- Preislich günstiger (meistens)
- Einfacher zu montieren und zu warten
- Kompatibel mit nahezu jedem Bremshebel
Hybrid-Bremsen
Ein bisschen Öl kann da nicht schaden, vor allem wenn es zu mehr Bremskraft und Dosierbarkeit führt und in sogenannten Hybrid-Bremsen zum Einsatz kommt. Diese Bremsen sind eine Kombination aus mechanischen und hydraulischen Bremsen. Dabei werden die Bremsbeläge hydraulisch gegen die Scheibe gedrückt und die Hydraulik mechanisch gesteuert.
Bei Hybrid-Bremsen fällt zuerst immer ein Name: TRP HY RD. Diese Hybrid-Bremsen für Rennrad Bremsgriffe gibt es schon sehr lange. Trotz dieses zusätzlichen Öl-Pakets bauen die Bremsen nicht besonders breit und lassen sich wie alle TRP mechanischen Scheibenbremsen einfach und schnell montieren. Besonders aufgefallen ist mir, wie viel weniger Kraft ich beim Bremsen aufwenden muss, vor allem wenn man wie ich viel von oben bremst. Damit meine ich das Bremsen, wenn die Hände oben auf den Brems-/Schalthebeln liegen.
Um diese Performance zu gewährleisten, sollte man die TRP HY RD vorzugsweise mit Jagwire Slick Lube und kompressionslosen Bowdenzughüllen verbinden. Und nicht nur weniger Kraft ist nötig, sondern auch die Bremsperformance hat sich verbessert. Die Bremsen haben die Power einer hydraulischen Bremse, packen ordentlich zu und sind wesentlich feiner in der Dosierung und Druckpunktsteuerung. Kurzum: Die TRP HY RD ist aktuell „meine“ Bremse, denn sie vereint momentan das Beste aus beiden Welten.
Auswahl mechanischer Scheibenbremsen
Wenn man sich etwas mit dem Thema beschäftig, kommt man am Ende meist bei drei Bremsen raus: Die Avid BB7, die TRP Spyre und die TRP Spyke. Alle genannten sind für den anspruchsvollen Einsatz am Reise- oder Bikepacking-Rad geeignet. Die TRP Spyre ist aber eher für Road-Räder mit Rennrad Bremshebel gedacht, die Spyke ist mehr für MTB und deren Bremshebel konzipiert.
Welche dieser Bremsen nun die „beste“ ist, darüber kann man streiten. Ich bin sowohl die BB7 Road (am Salsa Marrakesh) als auch die TRP Spyre gefahren. Beide Bremsen sind natürlich gut und bremsen auch bei Nässe prima. Die Montage ist bei beiden sehr einfach und die Beläge sind beidseitig mit einem Inbus, bzw. Rädchen auf der einen Seite bei der BB7, nachstellbar.
Beim Gewicht gibt es allerdings Unterschiede: Die TRP Spyre wiegt (pro Körper) 162g (nachgewogen), die BB7 Road S bringt 197g auf die Waage. Ich habe mich aufgrund der beidseitigen Bremskolben für die TRP Spyre entschieden, die sich mit den SRAM Rival Bremshebeln gut ansteuern lassen. Ich fahre die Bremsen mit 160mm Scheiben und habe damit den Tuscany Trail als auch den Atlas Mountain Race gemeistert. Die Bremsleistung ist aus meiner Sicht sehr gut, sie arbeitet bissig und bringt die Räder ohne Probleme zum blockieren, hat aber auch genug Dosierung parat.
Allerdings ist die Performance auch von den Bowdenzügen abhängig. Am Bombtrack Beyond fahre ich eine TRP Spyre C, die Bauteile aus Carbon hat und etwas leichter als die herkömmliche TRP Spyre ist, die ich am Salsa Fargo installiert habe. Wer absolut auf mechanische Bremsen steht und genug Budget zur Verfügung hat, der sollte sich die PAUL Klamper anschauen. Die Klamper gibt es als Post Mount/IS und Flat Mount Version.
Dabei wird dann noch zwischen kurzem Zug, langem Zug und Campagnolo unterschieden. Und: die Klamper bremst einseitig, was aber hier mit „mehr Power“ begründet wird. Zum Beispiel die Avid BB5 (MTB/Road). Sie verfügt aber nicht über die Belagnachstellmöglichkeiten der BB7. Allerdings ist die BB5 mit einem Preis von ca. Ähnlich ist die Hayes MX-5, die für MTBs gedacht ist.
Eine einfache Bremse für Road und Cross ist die Tektro Lyra, die mit 148g ein tolles Gewicht hat und um die 45 Euro kostet. Ich habe aber keine Erfahrungswerte mit dieser Bremse finden können. Völlig unbekannt ist mir die Clarks CMD 22. Aber sie bremst mit 2 Kolben und ist mit ca 35-40 Euro pro Körper auch nicht ganz so teuer (ca 80 Euro für v/h). Bei Seven Day Cyclist habe ich einen recht informativen Testbericht zu dieser Bremse gefunden.
Ich habe gerade mit dem Surly Bridge Club ein neues Testrad bekommen. Das bremst mit den mechanischen Promax 300 Bremsen. Mein erster Eindruck ist, dass sie verzögern, aber von der Bremsleistung her jetzt nicht vorne mitspielen. Aber ich war auch grad nur mit dem Rad Pizza holen. Promax ist ein Komponentenanbieter und baut auch mechanische Scheibenbremsen unter der Typbezeichnung Render. …und damit einige weitere mechanische Bremsen-Modelle wie die BR-R317 aus der Shimano Sora 3500 Gruppe, die vorzugsweise an Road Bikes und Crossern verwendet wird und mit 183g pro Körper auch nicht besonders schwer ist.
Oder die BR-CX77 aus der Shimano Ultegra 6800 Gruppe für den Einsatz am Cyclocrosser. Die BR-TX805 ist eine mechanische Scheibenbremse aus der Tourney TX Gruppe. Sie ist für MTB mit Center Lock System vorgesehen und wiegt 295g pro Körper (vermutlich inkl. Disc. Ebenfalls für MTB, aber auch Trekking und City ist die BR-M375 aus der Shimano Altus Gruppe.
Vergleich wichtiger mechanischer Scheibenbremsen
| Bremse | Gewicht (pro Körper) | Einsatzbereich | Besonderheiten |
|---|---|---|---|
| TRP Spyre | 162g | Road-Räder | Beidseitige Bremskolben |
| Avid BB7 Road S | 197g | Reise- und Bikepacking-Rad | Einfache Montage und Belagnachstellung |
| Tektro Lyra | 148g | Road und Cross | Leichtgewicht |
Wartung von Scheibenbremsen
Einer bezieht sich auf den erhöhten Wartungsaufwand, sollte die Bremse einmal Luft oder Wasser ziehen. Dann muss die Bremse (wie bei der Magura HS11 oder HS33) mittels speziellem Werkzeug entlüftet werden, das sich von Hersteller zu Hersteller unterscheidet. Durch die Verwendung von verschiedenen Bremsflüssigkeiten versucht man der Anfälligkeit entgegenzuwirken.
Viele Hersteller (z.B. SRAM, Formula, Avid) setzen auf DOT. Diese Bremsflüssigkeit kann Wasser binden, wodurch ein Abschwachen des Druckpunkts verhindert werden soll. Allerdings muss DOT aufgrund seiner Bindefähigkeit ca. einmal im Jahr getauscht werden, ansonsten kann die gebundene Menge Wasser das Flüssigkeitsvolumen in der Bremsen derartig erhöhen, dass es nicht mehr vom Ausgleichsbehälter ausgeglichen werden kann.
Dadurch kann es passieren, dass die Bremsbeläge bereits an der Bremsscheibe anliegen, bevor man den Bremshebel betätigt. Bei der Arbeit mit DOT ist zu beachten, dass die Flüssigkeit Haut und Lack angreift. Also: Handschuhe tragen! Mineralöl (z.B. Shimano, Magura) bindet hingegen kein Wasser und bleibt somit lange Zeit qualitativ gleichwertig. Jedoch ziehen Mineralöl-Bremsen schneller Luft, was sich negativ auf den Druckpunkt auswirkt und ein Entlüften der Bremse notwendig macht.
Beim Service sollte dabei niemals DOT-Flüssigkeit in eine Mineralöl-Bremse gefüllt werden, da dies die Dichtungen zerstören kann. BrakeForceOne, ein deutscher Bremsenhersteller, verspricht mit seinem H2O Modell all diese Probleme zu lösen, da es tatsächlich mit Wasser funktioniert. Momentan ist die Funktion allerdings noch nicht überzeugend.
Bremsbeläge
Hinsichtlich der Bremsbeläge gibt es drei verschiedene Versionen: Organische, Semimetall- oder Sintermetall-Beläge. Die einzelnen Versionen können dabei je nach Hersteller unterschiedlich zusammengesetzt sein, was zu verschiedenen Werten hinsichtlich der Haltbarkeit, Bremskraft und Geräuschentwicklung führen kann.
Im Allgemeinen lässt sich jedoch sagen, dass organische Beläge sehr gut zu dosieren sind, wenig Hitze an das Bremssystem abgeben und weniger quietschen. Im Gegensatz zu Sintermetall-Belägen ist jedoch der Verschleiß erhöht. Sintermetall neigt dafür gerne zum Quietschen. Den geringsten Verschleiß weisen Semimetall-Beläge auf, diese sind aber besonders anfällig für unangenehme Geräuschentwicklungen.
Die genannten Belagarten können zusätzlich noch auf verschiedenen Trägerplatten aufgebracht werden. Hier haben sich Alu, Stahl und Titan durchgesetzt, wobei sich diese v.a. in der Wärmeleitfähigkeit und im Gewicht unterscheiden. Um die Wärme noch besser zu leiten, statten manche Hersteller ihre Beläge mit Kühlrippen aus (z.B. Shimano Ice-Tech Beläge).
Wichtig ist für alle Beläge, dass man sie vor der ersten “ernsten” Benutzung vorsichtig einbremst. Viele Hersteller empfehlen, 30 Mal bei moderater Geschwindigkeit (ca. 30 km/h) fast bist zum Stillstand abzubremsen. Sinn davon ist es, mikroskopische Unebenheiten auf der Oberfläche der Beläge und Scheiben abzuschleifen.
Tut man dies nicht, wird nur an diesen quasi unsichtbaren Spitzen gebremst, was zu enorm hohen Temperaturen und somit zum Verglasen der Bremsbeläge führen kann.
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