Fahrradreifen montieren: Tipps und Tricks für hartnäckige Fälle

Das Problem kennt jeder Radfahrer: Man möchte einen Fahrradreifen montieren, aber es will einfach nicht gelingen. Oftmals liegt es nicht an mangelnder Kraft, sondern an der richtigen Technik. Dieser Artikel zeigt, was bei der Demontage und Montage von Fahrradreifen zu beachten ist, damit es gelingt.

Grundlagen und Vorbereitung

Zunächst ist es wichtig, dass Reifen und Felge maßlich zueinander passen, um einen sicheren Halt zu gewährleisten. Die Größenangabe auf dem Reifen muss mit dem Durchmesser der Felge übereinstimmen. Die ETRTO-Angabe (European Tyre and Rim Technical Organisation) legt den Durchmesser genau fest. Beispielsweise sollte ein Reifen mit der Angabe „40-622“ auf eine Felge passen, die an der Stelle, wo der Reifenwulst beim aufgepumpten Reifen sitzt, einen Durchmesser von 622 Millimeter hat. Es ist ratsam, einen Satz Reifenheber neben dem Flickzeug dabei zu haben.

Größenangaben prüfen

  • 28″ (28er oder 28 Zoll Reifen): Die gängige Größen bei allen modernen Fahrrädern. Der Innendurchmesser des Reifens ist 622mm nach ETRTO Angabe. Der Reifen sollte eine Größenbezeichnung nach folgendem Muster haben: xx-622.
  • 650B (oder 27,5″) Reifen: Eine Mountainbike- und Gravelbike Reifengröße die seltener ist. Die ETRTO Größe endet auf xx-584 (dieser Felgen- bzw. Reifeninnendurchmesser ist 584mm).
  • 26er Reifen: Klassische Jugendrad und in die Tage gekommene MTB-Reifengröße. Die ETRTO Größe endet auf xx-559.

Demontage des alten Reifens

Demontage und Montage der Reifen an Fahrrad und E-Bike erfordern den Ausbau der Laufräder. Zuerst muss die Felgenmutter am Ventilschaft gelöst werden. Durch manuelles Walken wird der Reifen umlaufend gelockert und somit aus der Verbindung zur Felge gelöst. Mit dem zweiten Reifenheber direkt neben dem fixierten Reifenheber unter den Reifen greifen und nun durch Schieben entlang der Felge umlaufend den Reifen aus der Felge heben.

Bei der Demontage drückt man den Reifen mit viel Körpergewicht über die Felge. Hier kann man ruhig etwas mehr Kraft aufbringen, damit der Reifen von der Felge springt.

Montage des neuen Reifens

Vorbereitung

Die späteren Kontaktflächen an Felge (Felgenhorn) und Reifen (Reifenwulst) reinigen, um einen griffigen Kontakt zwischen Reifen und Felge zu gewährleisten. Den Fahrradschlauch leicht aufpumpen, um die Montage im Folgenden etwas zu erleichtern (ideal ist es, wenn der Schlauch runde Form annimmt, sich also entfaltet hat). Neue Schläuche sind manchmal eintalkumiert. Die Laufrichtung des Reifens beachten.

Schritte der Montage

  1. Den Fahrradschlauch, am Ventilloch beginnend, umlaufend in den Innenraum des Reifens drücken und gleichzeitig auf die Felge legen. Dabei darauf achten, dass sich der Schlauch nicht verdreht.
  2. Mit den Händen beidseitig, vom Ventil aus wandernd, die Reifenwulst in die Felge drücken, bis der noch verbleibende Bereich sich spannt.
  3. Mit einem Reifenheber unter die Reifenwulst greifen und die Sicke des Reifenhebers an der Felgenflanke einrasten lassen.

Achte darauf, dass das Ventil nicht schräg (radial verschoben) in der Felge sitzt. Das Walken wiederholen und per Sichtprüfung kontrollieren, ob der Reifen an jeder Stelle sauber in der Felge anliegt, ggf. Springt der Reifen nicht automatisch unter das Felgenhorn, muss man gezielt an den betreffenden Stellen nachhelfen. Die Felgenmutter auf dem Ventil weiter einschrauben, aber nicht festziehen.

Beim Aufziehen eines Reifens muss man zuerst in die Ausgangsposition kommen, in der schon ordentlich Spannung auf dem Reifen ist. Man zieht den Reifen so weit möglich auf die Felge, ganz ohne Werkzeug. Das Rad ist vor einem und mit beiden Händen bearbeitet man den Reifen links und rechts, bis sich die Wulst an der Felge spannt. Dieses letzte Stück ist die Ausgangsposition, ab der man sich Stück für Stück und Millimeter für Millimeter vorarbeitet.

Spezielle Techniken und Hilfsmittel

Reifen richtig einbetten

Die Reifenwulst gehört nämlich in die Felgenmitte - das Felgenbett. Damit gewinnt man entscheidende Millimeter im Kampf, den Reifen über die Felge zu bringen. Die Wulst muss rundherum im Felgenbett (in der Mitte) liegen. Gehen Sie einmal rundherum und kneifen mit Daumen und Zeigefinger den Reifen etwas zusammen, damit die Wulst in der Felgenmitte liegt. Versuchen Sie dabei auch schon Druck auf dem Reifen zu haben (also den Reifen schon weit aufgezogen bis es eng wird), damit die Wulst im Felgenbett auch bleibt.

Reifenheber richtig einsetzen

Klappt es mit Fingerspitzengefühl nicht, dann müssen Reifenheber her. Meist sind die kleinen Reifenheber die erste Wahl, davon dann ein Set von zwei. Auch hier gilt: In der Ausgangsposition versuchen zu bleiben, die Spannung ist auf dem Reifen, während man mit dem Reifenheber sich in kleinen Schritten vorarbeitet. Halten Sie die eine Seite mit der Hand fest während die andere den Reifen über die Felgenwand drückt. Häufig wird der Reifen auf der entgegenliegenden Seite versuchen wieder abzurutschen. Deshalb darf man nur kleine Schritte mit dem Reifenheber machen und muss gleichzeitig mit der anderen Hand (oder gerne den ganzen Körper einsetzen) um die Spannung aufrecht zu erhalten und den Reifen nicht herunterrutschen zu lassen, wo man gerade nicht hebelt.

Der Kabelbinder-Trick

Falls der Reifen immer an der anderen Seite abrutscht, an der man gerade nicht hebelt, dann kann man dieses Spiel schnell unterbinden, mit Kabelbindern. Einfach diese so stramm ziehen, wo der Reifen sich wieder über die Felgenseite lösen würde. Der Kabelbinder verhindert das Abrutschen. Ihr müsst diesen aber genau da platzieren, wo die Wulst über die Felge springen würde. Der Kabelbinder muss so angebracht werden, dass die Wulst nicht mehr über die Felgenseite springen kann. Am besten an einer Speiche ausrichten, damit der Kabelbinder nicht verrutscht. Der Kabelbinder muss richtig stramm sitzen.

Montagefluid

Mit einem geeigneten Schmiermittel, z.B. mit dem Schwalbe Montagefluid Easy Fit rutscht der Rand des Reifens sicher in seine Position. Dieser Punkt hilft ungemein, den Reifen später in die richtige Position auf der Felge zu bringen.

Tubeless-Reifen

Tubeless-Reifen sind eigentlich ein alter Hut: Praktisch jedes Auto fährt ohne Schlauch. Der Luftdruck presst den Reifen gegen die Felge und dichtet so das System ab. Auch beim High-End-Mountainbike und vielen Gravelbikes ist die Technik seit Jahren verbreitet. Doch aus physikalischen Gründen und wegen der empfindlicheren Reifen kommt bei Fahrrädern zusätzlich Dichtmilch zum Einsatz. Sie dichtet den Übergang zwischen Reifen und Felge und verschließt kleinere Durchstiche von selbst.

Vor- und Nachteile von Tubeless

  • Vorteile: Tubeless-Reifen lassen sich mit weniger Druck fahren, ohne einen Durchschlag zu riskieren, der den Schlauch beschädigen würde. Und weniger Druck bedeutet mehr Grip und mehr Komfort. Die erhöhte Pannensicherheit gegen kleine Schnitte und Durchstiche. Verringerter Rollwiderstand.
  • Nachteile: Tubeless-Reifen müssen schlagartig mit viel Luft befüllt werden, um dicht abzuschließen. Das erfordert einen Kompressor oder eine spezielle Pumpe mit Druckbehälter. Das Einfüllen der klebrigen Dichtmilch und die Demontage eines so betankten Reifens können in eine ziemliche Sauerei ausarten. Zudem muss die Dichtmilch alle paar Monate nachgefüllt werden, um bei Pannen zuverlässig abzudichten.

Weitere Tipps und Tricks

  • Felgenband: Wenn sich Fahrradreifen schwer montieren bzw. demontieren lassen, hilft in den meisten Fällen die Verwendung eines Tubeless-Felgenbands anstatt der üblich verbauten Standardfelgenbänder. Tubeless-Felgenbänder sind wesentlich dünner als Standardfelgenbänder und verschaffen somit dem Reifenwulst im Felgenbett etwas mehr Platz.
  • Laufrichtung: Bevor man den neuen Fahrradreifen auf die Felge aufzieht, muss man noch die Laufrichtung des Reifens beachten. Auf der Reifenflanke ist ein Pfeil mit einer Bezeichnung (z.B. Rotation) aufgedruckt.
  • Ventil: Wenn die Größe des Ventillochs und des Ventils übereinstimmen, raten wir von der Verwendung der Fixierschraube ab.

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